Varroaschaden oder ...? Bitte um Hilfe bei der Autopsie.

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    Hallo miteinander,


    heute war ich bei meinem Außenstand (nur ein Volk), um dort den Varroaschieber zu entfernen und den Milbenfall nach der OX-Behandlung zu zählen. Zu meinem großen Erstaunen befand sich auf der Windel kaum bis gar kein Wachsschrot. Das machte mich natürlich stutzig und ich klopfte gegen die Beute - keine Reaktion. Das Öffnen des Deckels brachte dann traurige Gewissheit: das Volk war tot. ||

    Nun kann ich mir noch nicht wirklich einen Reim darauf machen. Dieses Volk war eines der stärkeren meiner Völker, es saß zur OX-Behandlung am 21.12. in der Kugel auf ca. 6 Wabengassen DD. Bei der Behandlung also gut voll mit Bienen. Behandelt habe ich sie wie alle anderen auch, 50 ml OX geträufelt, direkt nach den anderen Völkern am Stand zu Hause.

    In der Kiste sind noch ca. 15-16 kg Futter, einen Abriss kann ich auch ausschließen (um diese Zeit ja sowieso unwahrscheinlich), siehe Fotos unten. Weiterhin habe ich Waben und Beute auf Kotspritzer oder ähnliche Spuren untersucht, jedoch nichts entdeckt.

    Auffällig heute war, dass zwar eine Menge toter Bienen auf dem Boden lagen, das kann aber nicht das ganze Volk gewesen sein, zur Behandlung waren sie definitiv zahlreicher. Jedoch lagen heute VOR der Beute auffällig viele tote Bienen.

    Ich hänge mal Fotos der Waben an, für die bessere Zuordnung habe ich sie mit grüner Farbe markiert. Waben die nicht einzeln dargestellt sind, sind (volle) Futterwaben, die noch nicht angerührt waren. Beschriftung ohne v/h zeigt immer zum Sitz der Winterkugel (nur eine Seite fotografiert), ansonsten v/h = vorn/hinten. Auf den Waben 3 und 4 habe ich auffallend viel Varroenkot gefunden, auch davon ein Foto.

    Das Volk bekam im Juli eine TBE mit Fangwabe. Leider habe ich ausgerechnet bei diesem Volk keinen Vermerk über den Totenfall im August in der Stockkarte. Ich weiß, dass ich gezählt hatte und dass es unbedenklich war, leider hab ich offenbar vergessen es zu notieren, was mich gerade ziemlich ärgert.
    Mich interessiert natürlich nun, was hier die Ursache war.

    Fehler bei der Dosierung der OX kann ich ausschließen, habe alle 8 Völker gleich behandelt und alle anderen 7 sind noch da.


    Meine Varianten momentan:

    * Varroaschaden? Kann das sein?? TBE im Juli - kann die verd... Milbe danach so dermaßen wirken (Reinvasion?)? Das Volk war ja wie gesagt kein Mickerling. Ich habe mir die toten Bienen angesehen, mir sind keine deformierten Flügel o.ä. aufgefallen.


    * Fehler bei der Anwendung der OX? Habe den Behälter in einem Thermogefäß im Auto von zu Hause an den Stand gefahren, unmittelbar nach Behandlung der anderen Völker, Entfernung 1,5 km. Kann es sein, dass sich die Temperatur in diesen paar Minuten tatsächlich soweit abkühlt, dass ich die Bienen quasi mit der kalten Dusche ins Jenseits befördert habe?? Es war wirklich so gut wie gar kein Schrot auf der Windel, d.h. lange nach der Behandlung haben sie nicht mehr gelebt...


    * Vorsätzliche Vergiftung... Ich kann's mir zwar dort eigentlich nicht vorstellen, dass da jemand vorsätzlich sowas machen würde und das Volk stand seit anderthalb Jahren dort. Und vom Feld denke ich auch nicht, die anderen Völker stehen nur 1,5 km weiter und hätten zumindest zum Teil den gleichen Flugkreis. Außerdem sind zwar einige Bienen mit ausgestrecktem Rüssel vorhanden, aber längst nicht alle. Sollte man vielleicht dennoch eine Probe der Bienenmasse zur Analyse einschicken?


    Vielleicht seht ihr an den Waben ja etwas, was ich nicht sehe.


    Klar, es ist "nur EIN Volk", Schwamm drüber, Krone richten und weitermachen. Trotzdem finde ich die Jahreszeit für diesen Verlust ungewöhnlich und würde gerne wissen woran es gelegen hat und ob ich vielleicht was übersehen habe.











    Varroakot auf Wabe 4:

  • Hallo RoWa,


    die Waben sehen für mich nicht so aus, als wenn da in der letzten Zeit ein starkes Volk drauf war.

    Ich denke, das Sterben ging schon früher los. Zum Träufeln sahst Du viele Bienen. Ursache könnte sein, weil im Bienensitz kein Futterkranz vorhanden ist. Dadurch haben sie sich hauptsächlich an den Oberträgern aufgehalten und Masse vorgetäuscht. Steckengebliebene Brut, teils geöffnete Brutzellen deuten ebenfalls auf geringe Bienenzahl hin, mangelnde Heizleistung. Ebenfalls ein Indiz auf Milbenschäden.

    Nimm mal eine von den glitzernden offenen Futterwaben und versuche das Futter nach unten herauszuschleudern. Spritzt es heraus wie frisch eingetragener Nektar, ist das ein Zeichen für schon länger andauernde Unterbesetzung.

    Wenn dem so ist, wären diese 50 ml OS total überdosiert und der letzte Sargnagel gewesen.

    Gruss

    Ulrich

  • RoWa Bielitz : Wie bei jeder Autopsie sollte man unvoreingenommen jeder auch nur irgendwie infrage kommende Ursache prüfen und ggf. weiterverfolgen bzw. ausschließen.

    - Wie kommen die Löcher in die Waben 4, 6, 7? Hast Du sie bei einer Durchsicht verursacht oder gibt es noch andere Hinweise auf verfälschtes Wachs (verzogene Wabenstruktur auf Wabe 6 v auf 07.00 Uhr?, Herkunft der MW oder Eigenproduktion?, Brutbild nach der TBE/geöffnete Zellen usw)?

    - Es handelt sich um einen Brutspender aus der TBE? Wurde nach der TBE nur eine FangW zur Entmilbung eingesetzt oder noch ein zweiter Entmilbungsschritt (zweite FangW oder TAM)?

  • Ich denke, das Sterben ging schon früher los.

    Jepp, im Juli/August vermutlich schon. Die waren krank und sind es geblieben, bzw. haben es nicht geschafft ausreichend gesunde (Viren/Milbenbiss) Dauerbienen zu erbrüten. Viren machen (sehr) Kurzlebig, schüttest du da noch Säure drauf, ist es aus. Die hätten es aber auch ohne Ox vermutlich nicht geschafft.

    Irgend wie ist im Sommer was schief gelaufen, ich denke nicht genug Milben erwischt und vielleicht Pollenmangel. Ein/Zwei Tests mit Alk/Easycheck hätte dich vermutlich gewarnt. Bist nich der Einzigste, Mund abwischen und........

    Das, was du sicher weisst, hält dich vom Lernen ab.

    sine missione

  • Den Fragen in #4 solltest Du m. E. ernsthaft nachgehen; denn die Löcher sind auffällig.


    Und die Kontraste in den Wabenfärbungen sind ebenso auffällig. Derart scharfe Abgrenzungen von Hell-/Dunkelzonen deuten darauf hin, dass die Bienen nur das Nötigste dieser Wohnung nutzen wollten.


    Das Eine zieht das Andere nach sich. Die Varroabelastung stieg offensichtlich nach TBE erneut - gerade die starken Einheiten bieten viele Brutzellen an, in denen sich der Milb bestens vermehrt. Kontrolle und ggf. erneute Behandlung im Sept. unterbricht diese Dynamik.


    Man kann Flöhe und Läuse haben.

  • 50 ml OX geträufelt...

    alle 8 Völker gleich behandelt und alle anderen 7 sind noch da...

    Noch... Dann drück ich die Daumen, denn Träufeln schwächt die Bienen und verkürzt bekanntlich die Lebensdauer, je kleiner das Volk und je schwächer/älter die Bienen an sich schon sind, um so schlechter sind dann auch noch die überall gleich verteilten 50ml.

    Und auch wenn die restlichen 7 Völker den Winter überleben sollten wintern sie dadurch schlechter aus. Du liest und schreibst doch schon so lange hier und weißt eigentlich wie man es besser machen kann...

    Aber wahrscheinlich muß wohl fast jeder die Erfahrung erst selber machen, ging mir auch so... :

    Oxalsäure Behandlung

    Oxalsäure Behandlung

  • Du liest und schreibst doch schon so lange hier und weißt eigentlich wie man es besser machen kann...

    Aber wahrscheinlich muß wohl fast jeder die Erfahrung erst selber machen, ging mir auch so... :

    Oxalsäure Behandlung

    Oxalsäure Behandlung

    Leider ist diese Methode in DE nicht zugelassen.

    4 Völker Carnica in Segeberger (eine rote, drei grüne Königinen), Ziel für dieses Jahr: mit 6 Völkern in den Winter gehen.

  • Also der tat jetzt mal so richtig weh....

    warum? er hat recht. Auch in Ö ist das einzig zugelasse Verdampfungsmittel das Api Bioxal und jeder verwendet das billige Pulver und weil es sonst keine sch....Inhaltsstoffe hat. Mich erinnert deine Aussage an so manchen Bauern mit seinen Giftspritzen über die geschumpfen wird. Aber als Imker darf man nicht zugelassenes verwenden?

    Liebe Grüße

    Claudia

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    Wien - Niederösterreich, Bienen seit 2012, derzeit 19 Stöcke

    Zander ganz im BR, Zander flach im HR, Naturwabenbau mit Anfangsstreifen,

  • Mich erinnert deine Aussage an so manchen Bauern mit seinen Giftspritzen über die geschumpfen wird. Aber als Imker darf man nicht zugelassenes verwenden?

    Abgesehen von allen anderen, bereits hinreichend geklärten (Rechts-) Fragen zu diesem Thema, hast Du mal direkt gefragt bei der Verhältnisgleichung ein bisschen aufgepasst? Anders gefragt: Können die Schwanzhaare mit dem Hund wackeln??? Selbst wenn sie die Muskeln dafür hätten???

    Die Frage war selbst verständlich ironisch gemeint, aber die Antwort ist es nicht.

    Mangels Masse können die Haare nicht mit dem Hund wackeln. Man kann sagen ein ungünstiges Verhältnis oder keines für die Haare.

    Nun Dein obiger Vergleich: Der Bauer spritzt hektoliterweise sein Gift, zusammengefasst als Pestizide und der Imker benutzt ein Naturprodukt welches in korrekter Anwendung ausschließlich Parasiten tötet???

  • Nun kann ich mir noch nicht wirklich einen Reim darauf machen. Dieses Volk war eines der stärkeren meiner Völker, es saß zur OX-Behandlung am 21.12. in der Kugel auf ca. 6 Wabengassen DD. Bei der Behandlung also gut voll mit Bienen.

    Wenn Du richtig beobachtet hast, und davon gehe ich aus, müssten noch weitere Waben mit altem Bienensitz vorhanden sein?

    Die W6 hatte beidseitig Sitz. Eine Wabenseite mit Zehrung zur ungünstigen W 7 (weil unbebrütet!) Demzufolge müssten bei einer 6 WG Wintertraube die besetzten WG bis zur Gasse zwischen Wabe 1 und 2 gereicht haben. Und zwar mit richtig sichtbarem Sitz. Wie sehen diese Waben aus ab fehlender Seite von W4 vorn? Das würde die frage klären, ob das ein echtes 6 WG Volk war oder die Bienen sich nur in Erwartung des Exitus sich oben versammelt haben.

  • Hallo und besten Dank für die konstruktiven Antworten und Einschätzungen! Ich versuche mal, die Fragen in chronoligischer Reihenfolge zu beantworten.

    Immenlos : Ja, spritzt tatsächlich heraus wie frischer Nektar.

    ribes : Die Löcher habe ich nicht selbst verursacht. Ein fehler- oder lückenhaftes Brutbild nach der TBE ist mir nicht aufgefallen. Die MW sind aus dem Fachhandel, allerdings bei allen Völkern aus der gleichen Packung. Wachs-"Skandal" würde ich ausschließen...

    Ja, das Volk ist ein Brutspender aus der TBE. Habe mit einer Fangwabe gearbeitet und nach Entnahme dieser das Volk (bzw. die Völker) mit MS besprüht.

    kuno : habe eben ca. 10 dieser Zellen geöffnet, Varroa habe ich tatsächlich nur in einer gefunden, dafür jedoch fast alle der enthaltenen Bienen offenbar mit deformierten Flügeln.

    Schillbee : Fotos der Waben ab 4 reiche ich nach, der Upload vom Telefon in die Forumsgalerie hat sich gerade aufgehängt. Auf den Waben 3 und 2 ist definitiv Bienensitz zu erkennen - wie alt der ist, kann ich nicht beurteilen. Wabe 1 nur ansatzweise.


    Auf jeden Fall scheint sich ja der Verdacht Varroa zu erhärten. Immenlos 's Erklärung erscheint mir ziemlich logisch. Was dafür spräche wäre auch noch, dass dieses Volk beim Träufeln auffällig aggressiv war. Alle anderen blieben brav in der Traube sitzen, bei diesem musste ich kurzerhand den Decken zu machen und doch noch den Schleier aus dem Auto holen. Vielleicht war Mutti zu dem Zeitpunkt schon über den Jordan und der Rest nicht mehr so gut gelaunt... :-(