K.V.Frisch&Varroa

  • Frohes Fest, alle miteinander!


    Ich hab 2 Probleme:
    1. Vorgestern war es zum ersten Mal wieder über 5°C, und ich wollte mit Oxalsäure an meine Mädels. Sie brüten entweder immer noch oder schon wieder, überall zwischen drei und fünf handgroße Flächen. Und nu???


    2. Ich hab ein Buch geschenkt bekommen, K.v.Frisch, Über das Leben der Bienen, 10. Auflage von 1993. Da steht schon drin, daß der Anziehungsfaktor für die Varroa die Konzentration des Juvenilhormons im Futtersaft ist, und man hofft, innerhalb kurzer Zeit Pheromonfallen, ähnlich denen für Obstfalter zur Verfügung zu haben.


    Jetzt möchte ich gern wissen, wieso es sowas nach fast zehn(!) Jahren noch nicht gibt???
    Synthetisieren kann man heute fast alles (siehe Königinnenpheromon) und sogar wenn das Zeug 100.000€ per Liter kosten würde, wäre es in Ordnung, weil die benötigten Mengen im Mikrogramm-Bereich oder niedriger liegen würden.


    Also, wo bleibt die Industrie???

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hei Sabi(e)ne,


    den Herrn v.Frisch können wir leider nicht mehr fragen, der ist 1982 verstorben. Aber vielleicht seine Schüler und Nachfolger Prof. Lindauer und Prof. Tautz ?
    Aber ich nehme mal an, die Sache mit dem Juvenilhormon ist damals von den Universitäten einfach nicht mehr weiter verfolgt worden, wahrscheinlich sah man keinen Weg (und keiner gab die Kohle!).
    Ist dieses Buch eigentlich die einzige Quelle ? Meines Wissens, ja. Vielleicht hat sich die Sache dann doch als Irrweg entpuppt ?
    Man müßte mal nachfragen.


    Was machen mit den durchbrütenden Völkern ?
    Ich glaube, die Winterbehandlung kann man sich schenken. (Ich habe auch 2 so Kandidaten)
    Ich werde die im März versuchsweise mit AS behandeln. Wenn es zu kalt ist, werde ich wohl die Brutwaben rausnehmen und in einer seperaten Box im Warmen mit AS behandeln, die nackten Völker mit Milchsäure einsprühen.
    Nur als Trachtvölker werden wir mit denen sicher keinen Spass mehr haben.
    Und eine Nachzucht von denen verbietet sich für mich sowieso.



    Trotz allem, Kopf hoch.



    Grüsse



    M.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo, Michael,
    danke für die prompte Antwort!
    Ich hoffe ja noch mal auf eine längere Kälteperiode als zehn Tage, vielleicht hören sie ja dann auf. Sogar meine Carni war schon wieder (immer noch) zugange! Tz,tz,tz...


    Was das Juvenilhormon angeht, habe ich trotz meterweiser Lektüre sonst nichts finden können; ich weiß noch nicht mal, wann der Hinweis genau eingefügt wurde.


    Ich halte das aber für enorm wichtig; was im Obstbau oder bei den Lebensmittelmotten klappt, sollte doch wohl auch bei den Bienen klappen.
    Zumal DAS doch wirklich eine echt biologische Vorgehensweise wäre!


    Ich werde in den nächsten Tagen mal versuchen, was Näheres rauszukriegen, aber wo jetzt fast alle Urlaub haben, werd ich wohl erst nächstes Jahr Antworten kriegen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo, alle Miteinander,
    Hallo, Sabi(e)ne,


    Ich weiß nicht, vielleicht mach ich ja etwas falsch.
    Wenn ich lese dass Ihr jetzt noch, bei fünf Grad, in euren Völkern rumkramt, bekomme ich eine Gänsehaut.
    Ich habe Heiligabend, wegen der Schneeverwehungen, meine Völker besucht und freigemacht, zweimal von oben, ich habe Folie unterm Deckel, kurz reingesehen, Traube in Ordnung, Feierabend!
    Es ist doch ein ungeheurer Stress für die Bienen, die Stocktemperatur wieder aufzubauen wenn Du sie so kontrollierst dass Du Brutnester erkennen kannst.
    Mein Bienenvater hat mir eingetrichtert, dass die Bienen über den Winter, Tabu sind, selbst für das was ich gemacht habe, würde er mich standrechtlich erschießen lassen.
    Er hat es mir so erklärt, dass mit jedem Stress den die Bienen über den Winter erleiden, das Volk geschwächt wird durch erhöhte Nahrungsaufnahme und wiederum Stress, sie dann nicht loszuwerden!
    Ich habe mich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, daran gehalten, und störe meine Völker von Mitte Oktober bis Mitte März überhaupt nicht.
    So habe ich, in diesem Frühjahr, ein fast verhungertes Volk, durch Räuberei gehabt, aber ansonsten waren sie alle gesund!
    Und dieses Volk brachte, nach dem hochpäppeln, den Honigrekord des Jahres.
    Eigentlich, sollte ich sie abschwefeln!
    Wenn ich von Euren Varroaproblemen lese, mag das ja alles dramatisch sein, aber meint Ihr nicht dass man ein Bienenvolk,
    auch Krankkontrollieren kann!
    Vielleicht ist das Problem noch nicht bis zu mir gedrungen, aber meine Bienen und ich können mit der Varroa wie es jetzt ist, ganz gut leben.


    Niemand mag Fußpilz, fast jeder hat ihn schon gehabt, wir ekeln uns davor und übertragen auch unseren Ekel auf andere.


    Vielleicht gönnen wir doch unseren Bienen die eine oder andere Milbe!
    Von ein` paar Milben sterben sie nicht!



    @ Michael
    Mit der Natur, gebe ich Dir uneingeschränkt recht!


    Ich wünsche Euch, viele gesunde Bienen!
    Margret

  • Hallo Sabi(e)ne,


    ich habe ein wenig gesucht im www und das gefunden:
    http://www.krref.krefeld.schul…ate/biologie/r0443t00.htm
    http://www.omikron-online.de/cyberchem/aroinfo/pseudoio.htm


    und das mit dem syntetisieren:
    http://www.organik.uni-erlange…sky/natstoff/8najuven.pdf


    Viel Spass beim Lesen!


    Ronny


    das beste zum Schluß: http://www.apis.admin.ch/deuts…Biologie/Regulation_d.pdf


    ach so... und ein Analogika, wie in den Links beschrieben, heißt Pyriproxifen. Dieses bekommt man beim Tierarzt, wenn die Hunde oder Katzen Probleme mit Parasiten haben.
    Also alles da, was den imkerlichen Spieltrieb befriedigen sollte.


    Eine besinnliche Weihnacht!


    Ronny

  •  
    Hallo Sabi(e)ne,


    leider muß ich dich schon wieder 'mal enttäuschen, denn das Varroa-Anlocken mit Juvenilhormon ist möglicherweise schon überholt, weil:


    1)
    Juvenilhormon wirkt in den jungen Larven als Wachstumshormon. Seine Konzentration nimmt dabei in den folgenden Larvenstadien laufend ab und verschwindet im letzten Stadium ganz; dadurch wird erst durch den Gegenspieler Ecdyson (= Häutungshormon) die Verpuppung (Metamorphose) ermöglicht (demnach sollten die Milben ja die jungen Larven aufsuchen oder eher auf Ecdyson ansprechen). Übrigens haben die Königinnen-Mädchen mehr Juv-Hormon.
    Das Juvenilhormon erscheint erst wieder im verwandelten Insekt und steuert dann die Entwicklung der Keimdrüsen.


    Juvenilhormon (Neotenin) wird bei der Bekämpfung von Schadinsekten eingesetzt und und verhindert deren Verpuppung und Schlüpfen (wenn es in die Blüten gespritzt wird, könnte es auch für die Bienenmaden ein Problem werden).


    2)
    Nach Dr.W.Ritter werden die Milben (wenn ich mich recht erinnere) durch Ester-Verbindungen angelockt, deren Konzentration in der Larvenhaut zunimmt.


    @alle Mitleser: ich wünsche euch ein honigreiches Neues Jahr mit viel Freude an euren Bienen.


    PS: In der letzten (9.) Aufl, die von K.v.Frisch noch herausgebracht wurde, kommt Varroa noch nicht vor (1977), sondern erst in deiner 10. Aufl. von Lindauer.


    PS2:
    Gerade finde ich die Links von Hof-Mahler, im 1. (Schülerreferat) wird fälschlich Ecdyson mit dem Juvenilhormon gleichgesetzt.


    Noch ein verspäteter Nachtrag:
    Mit dem Stichwort "Neotenin" lieferte mir Google u.a. folgende Seite (Feuerwanze):
    http://www.ginkgo-web.de/strei…rrhocoris/pyrrhocoris.htm
    In der unteren Hälfte wird die Wirkung von Juvenilhormon und Ecdyson beschrieben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Guten Abend, alle zusammen!


    @ Frieder: hab heute leider keine Zeit mehr, mir alles anzusehen, mehr morgen!


    @ Margret:
    Allerherzlichste Glückwünsche zu deiner Fenja: möge sie voll nach der Oma kommen! :lol: 
    Was das Aufmachen der Stöcke betrifft: nein, bei mir waren seit Heiligabend 12°C, sie flogen wie bekloppt, und von Wintertraube war nichts zu sehen, alle auf Reinigungsflug! Glaubst du ernsthaft, wenn sie geklumpt hätten, hätte ich bei 5°C so nachgesehen?
    Anfang Dezember hatten wir auch über 10°C, da ist das nicht schlimm.
    Oxalsäure zum Träufeln funktioniert nur bei Brutfreiheit und über 0°C, weil die Bienen dabei naß werden.
    Die STOCKtemperatur ist bei der völligen Wintertraube gleich Außentemperatur, bereits in weniger als 5 cm Abstand von der Traube!
    IN der Traube herrschen ca. 18°C, und das holen sie locker wieder auf, wenn es außen 12°C hat.
    ABER: wenn sie durchbrüten, hast du natürlich recht, dann herrschen über den Brutflächen die obligaten 36°C. Dann tut das natürlich schon etwas weher!
    Aber für die Behandlung muß ich wissen, ob sie brüten oder nicht, und ich muß nachsehen.
    Lieber jetzt einmal gestört und behandelt als nicht gestört und im Februar alle tot!

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen