Verdampfen, aber wie?

  • Bei mir war das eine Frage der mündlichen BSV-Prüfung: Erklären Sie uns die Behandlung der Bienenvölker mittels Oxalsäure-Verdampfer. Wie macht man das und was benötigt man dazu.

    Hätte ich den Vorgang usw. erklärt, wäre es das gewesen

    Mit einem einleitenden Satz, dass man es in beinahe der ganzen Welt darf, außer in Deutschland, wäre ja nichts dabei gewesen, diese Behandlung ausführlich zu erklären.
    Spart einem vielleicht andere, schwerere Fragen. ;)


    s.

  • Zu einer (Haupt)versammlung eines Vereines kann man Anträge zur Beschlußfassung einbringen. Das macht aber nur Sinn, wenn viele Vereine diese Absicht haben und oder der Vorstand gewogen ist.

    Als einzelner Verein, wird man da wenig erreichen.

    Also benötigt man da eine Menge Lobbyarbeit in den Vereinen, damit der Verein dazu Stellung bezieht und ein entsprechenden Antrag einbringt.


    So die Theorie.


    Ich würde es in auf den Nenner EU Harmonisierung der Varrroamilben Bekämpfung in Deutschland bringen.


    Oder es gibt defacto , Abstimmung mit den Füßen bzw Musterklagen gegen bekennende sich opfernde Imker mit EU VerteidigungsVertretung die sich an irgendeine herbeiphilosophierte Klausel zu Sittenwidrigkeit oder anderen "Schwachsinn" um die eigentliche Sache herum lancieren, um die alte Version zu Fall zu bringen.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

    Einmal editiert, zuletzt von d2dum ()

  • Unser Vorsitzender findet Oxalsäuresprühbehandlung wegen Anwenderschutz zu gefährlich. Und der alte Vorsitzende meint zwei mal im Jahr Oxalsäure darf man nicht machen.

    Imker seit Februar 2020
    12er DNM im Warmbau, ab 2021 10er DD

  • Also benötigt man da eine Menge Lobbyarbeit in den Vereinen, damit der Verein dazu Stellung bezieht und ein entsprechenden Antrag einbringt.

    Richtig: Mitglieder des DIB sind die Landesverbände mit dem Stimmgewicht nach Anzahl der dort organisierten Imker. Mitglieder der Landesverbände wiederum sind ebenfalls nicht die einzelnen Imker, sondern die Ortsverbände. Formal müssen in dieser Pyramide die Mehrheiten organisiert werden.

    Die Notwendigkeit von Standardzulassungen wurde damit begründet, daß es erhebliche Lücken in der Behandlungsstrategie gegen Varroose gebe. Mittlerweile sind diese Lücken ja etwas kleiner geworden durch Einzelzulassungen, sogar für das OX-Sprühen, das vom Bundesamt für Arzneimittelwesen (BfArM) noch 2006 für niemals zulassungsfähig in D angesehen wurde, weil viel zu gefährlich für Anwender.

    Der Sachverständigenrat geht derzeit offenbar davon aus, daß die Sublimation zu gefährlich für Bienen sei (s. Link in #345), resp. auch dort fehlt schlicht die Sachkenntnis z.B. darüber, daß die Sublimation nach wie vor die bienenschonendste, am besten überwachbare* und korrigierbare/wiederholbare Behandlungsmethode ist, die noch dazu keine Resistenzen erzeugt und auch keine bleibenden Rückstände bspw. im Wachs hinterläßt.

    Solange der DIB aber selbst auf dem Standpunkt bleibt, es gebe genügend zugelassene Behandlungsmittel, solange lernt die Zulassungsbehörde auch nix dazu.


    *Sie gestattet sogar, die Anzahl der im Volk verbliebenen Milben (resp. die Effektivität der Behandlung) zu berechnen aus dem behandlungsbedingten Milbentotenfall von zwei aufeinanderfolgenden Behandlungsschritten (PDF in #48):

    Varroatotenfall nach Oxalsäurebehandlung

  • Was einzelne Imker, auch wenn sie Vereinswichtige sind, so meinen und finden, ist wirklich wenig relevant. (Vielleicht noch für ihren Verein?)

    Seit 2005 Sächsischer* Hobby-Imker mit ca. 10 Völkern in DNM

    * sie summen weicher als die nicht-sächsischen Bienen

  • Stewfan: ...die mangelnde Überzeugungskraft gegenüber Ministerium und der Zulassungsbehörde.

    Ein wesentlicher Schritt wäre z.B., wenn sich imkerliche Fortbildungen nicht länger um dieses Thema herumdrücken, gar noch mit dem (nicht existierenden) gesetzlichen "Verbot" drohen, sondern endlich seriös auch der Applikationsform Sublimation zuwenden würden.

    Ob man das dann als geistigen Ausflug in imkerlich ernstzunehmende Nachbarländer oder in die Geschichte der Imkerei (v.a. in Osteuropa) gestaltet oder mit Provokationseffekt auf die juristische Tür infolge der EU-Zulassung für OX abzielt, ist eine pragmatische Frage.

  • Möglicherweise ist die Sache komplexer als wir denken.

    Auch in den Nachbarländern ist nicht einfach so OXS bei der Bedampfung zugelassen.

    Da sind auch einige Randbedingungen und Präparate mit verknüpft.

    Dazu eine EU Harmonisierung hinzubekommen (daherzubeten) wird nicht leicht.

    Zur besseren Argumentation und Lösungfindung scheint es sinnvoll zu sein die Hintergründe im Bereich der Zulassungsbedingungen zu kennen.

    Alles andere wird sonst nur mit mehr oder weniger teuren Anwaltsrecherchen und Verhandlungen erstritten.

    Zu Recht, denn irgendwo muss es im Bereich Nahrungsmittel und Nahrungsmittelgewinnung/vermarktung auch Hemmschwellen geben, damit nicht alles und jedes beim Endverbraucher im Körper landet, sich anreichert ......


    Ansonsten gilt es ein zu stillenden Bedarf zu wecken und auf die Nachbarkollegen zu verweisen, Erfahrungsaustausche zu organisieren, aufzuklären, Referenten auf Symposien sprechen zu lassen und zu begeistern.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Wie weit ist denn die Zulassung eines OX-Sublimations-Gerätes eines Deutschen Herstellers vorangeschritten?

    Da wurde, ich glaube, Ende letzten Jahres oder Anfang diesen Jahres ein wenig Hoffnung gemacht, dass sich über diese Zulassung auch andere OX-Applikationen gegebenenfalls "legalisieren" ließen.

    In wie weit kann das Verfahren gegen Kai-Michael Engfer/Nordbiene helfen, so es denn positiv für ihn ausgeht, eine Zulassung voranzutreiben?

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Wie weit ist denn die Zulassung eines OX-Sublimations-Gerätes eines Deutschen Herstellers vorangeschritten?

    Da wurde, ich glaube, Ende letzten Jahres oder Anfang diesen Jahres ein wenig Hoffnung gemacht, dass sich über diese Zulassung auch andere OX-Applikationen gegebenenfalls "legalisieren" ließen.

    In wie weit kann das Verfahren gegen Kai-Michael Engfer/Nordbiene helfen, so es denn positiv für ihn ausgeht, eine Zulassung voranzutreiben?

    Das wäre bestimmt ein Argument/Baustein für weitere Schritte, aber das müsste meiner Meinung nach schon ein Oberverwaltungsgericht entscheiden und nicht nur das VG Pusemuckel.


    Wenn die Imkerschaft mal zusammenrücken würde und da druckt macht, käme mittelfristig bestimmt ein positives Ergebnis zu stande, aber offensichtlich:


    1. sind viele Imker lieber für sich,


    2. die, die es trotz Verbots machen, genießen neben der effektiven Methode noch den "thrill",


    3. und v.a. scheint die eigentliche Lobbyorganisation mit ganz anderen Themen beschäftigt zu sein, wie z.B. Repräsentation. Wenn ich auf der Webseite "Sublimation" oder "Verdampfung" im Suchfeld eingebe gibt es keinen einzigen Treffer.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • ....oder sind

    4. keine Unterstützer von Kai-Michael Engfer.

    Das Urteil wäre ja nur, wie schon gesagt, ein Puzzleteil.


    Wichtiger wäre nachdrückliche, organisierte Lobbyarbeit und das ist in der Regel Sache der Dachverbände. Da der DIB teilweise ein Totalausfall zu sein scheint, müsste man das anderweitig organisieren, aber das kostet Zeit, Geld und Nerven.

    "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen." Mark Twain

  • Eine Zulassung kann jeder erwirken, der ausreichend Daten bei der Behörde einreicht.


    Die Kosten lassen sich nur über spätere Vermarktung kompensieren. Und wenn's schief ginge, wäre alles futsch - das Risiko ist halt hoch; denn es gibt ja durchaus genügend Geräte, die das Gleiche können und das ohne Zulassungskosten in D.


    Mir stellt sich immer wieder die Frage, warum seinerzeit nicht die übliche EU-weite Zulassung gewährt wurde ? Weiß daszu jemand Näheres ?