Etliche Fragen von Neuimker nach mehreren Schwärmen

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    Hallo Leute,

    ich bin der Fossi und lebe mit meiner Familie im chilenischen Teil von Patagonien in der Nähe von Puerto Montt. Bienen hatte ich mir letzten Sommer zwei Völker aus Ablegern gekauft, weil unsere Obstbäume wegen Bienenmangel hier noch nie Ernte brachten. Diese ersten zwei Völker, die ich in zwei Bienenkisten hatte sind mir im ersten Winter verhungert, da ich überschätzt habe wieviel die gesammelt haben. Ich dachte, wenn ich keinen Honig entnehme wird’s schon passen. Aber ich hatte sie recht spät im Sommer bekommen und offenbar haben die alles der Brut verfüttert. Dieses Frühjahr habe ich einem Imker aus Temuco (400km von hier) während der Obstblüte zwei kleine Völker (jeweils 4 Rahmen) abgeschwatzt, die ich diesmal in zwei Langstroth-Beuten einquartiert habe, weil man die Völker hier nur mit Rähmchen bekommt und es das letztes Mal ein ziemlicher Aufwand war und Stress für die Bienen, Rähmchen in die Bienenkisten zu setzen. Die neuen Völker sind auch prima gewachsen. Als in der Zarge nur noch jeweils ein Rähmchen frei war hatte ich beiden Völkern jeweils eine Zarge mit Anfangsstreifen untergesetzt, damit sie nicht aus Platzmangel schwärmen, aber offensichtlich zu spät. In den Folgewochen haben sie dauernd Schwärme gebildet.

    Die habe ich alle (glaube ich jedenfalls) eingefangen und habe nun 8 Völker (die zwei Ausgangsvölker plus 6 neue). Von den Schwärmen sitzt 1 Volk in der Bienenkiste und die anderen in Langstroth-Beuten. Alle sind mit dem Flugloch nach Osten ausgerichtet, von Osten regnets auch nie. Da die nächsten Imker recht weit sind und die nähesten ihr Wissen nur zögerlich teilen versuche ich mich aus dem Internet zu informieren und wende mich an deutsche Foren um mit Situationen klar zu kommen, die Erfahrung erfordern und mich etwas überfordern. Ich hatte nie geplant Grossimker zu werden, da hätte ich auch gar nicht die Zeit für und die Honigernte war zweitrangig, ich wollte hauptsächlich ein Volk (und ein zweites zur Sicherheit, falls dem ersten was passiert) mit möglichst wenig Aufwand halten um meine Bäume zu bestäuben. Aber jetzt wo ich sie habe und die Bienchen Honig eintragen finde ich das auch ganz nett und werde versuchen mir die nötige Zeit zu nehmen.


    Den ersten Schwarm vom 20.11. musste ich zweimal einfangen, der wollte (trotz Kellerhaft) erst nicht bleiben. Ich gab ihnen eine Honigwabe mit etwas verdeckelter Brut als Startkapital mit weil ich nach dem 2. Mal einschlagen für eine Woche weg musste und ab Tag 8 habe ich täglich 200ml 1:1 Sirup gefüttert. Ich hatte ihm von Anfang an zwei Zargen angeboten mit Mittelwänden in der oberen und Anfangsstreifen in der unteren. Erste Durchsicht seit Einschlagen war vorgestern. Befund: In beiden Zargen sind jeweils die südlichen 5 Rähmchen mit Zellen bebaut. Sehr viel Wildwuchs v.A. in der oberen Zarge, viele Rähmchen waren so zusammengebaut, dass sie nur durch Zerschneiden der Verbindungswerke einzeln herausnehmbar waren. Dieser Aktion sind etwa 10 Larven zum Opfer gefallen. In dieser Beute sind auch etliche Waben mit verdeckeltem Honig angelegt und interessanterweise auch eine verdeckelte Weiselzelle (zumindest eine sehr lange abwärtsgerichtete zylindrische Zelle am unteren Rand). Unverdeckelte Brut habe ich keine gesehen, aber inzwischen glaube ich schon fast ich bin zu doof die zu sehen, denn wenn beim Auseinanderreissen der Rähmchen Larven rausfallen, müssen da ja wohl welche sein...

    Meine Fragen zu dieser Beute: Ist so viel Wildwuchs normal? Was löst den aus? Vielleicht zu viel Platz zwischen den Rähmchen? Wie geht man damit um? Wenn die so viel Honig einlagern, soll ich die Fütterung lieber einstellen? Warum haben die eine Weiselzelle gebaut? Ist das normal wenn die erst gute 3 Wochen in der neuen Beute sind? Heisst das, dass die in Schwarmstimmung sind?


    Den zweiten Schwarm habe ich in die Bienenkiste einlaufen lassen und habe dabei die Königin gesehen (ein tolles Schauspiel!). Dieser Schwarm war aber von Anfang an sehr verschlafen und hing nur tagelang als Traube regungsarm im Honigraum der Bienenkiste während die anderen Völker flogen. Sirup wurde kaum angenommen obwohl er direkt unter der Traube stand. Ich hab die Bienen dann nach vorne geschüttelt und nachdem sie am nächsten Tag wieder hinten als Traube saßen habe ich einen dichten Trennschied gebaut und wieder alle nach vorne geschüttelt. Dort saßen sie noch lange als Traube im südlichen Eck über dem Flugloch und nur an sehr warmen Tagen gabs verhaltene Flugaktivität und wurde das Futter angenommen. Aber inzwischen erkenne ich in der Traube mindestens eine 10x15cm Wabe und mehr Flugaktivität und auch der Sirup wird angenommen.


    Meine Fragen dazu: Was hatten die eurer Meinung nach, dass sie so verschlafen waren und immer noch etwas sind? Wie lange sollte ich die noch füttern? Könnte ich jetzt den Originalschied wieder einsetzen und im Honigraum füttern?


    Bei Schwarm 3-6 lief alles mehr oder weniger unproblematisch ab, zwei liessen sich nur schwer fangen, bei einem war die Königin wohl in den 2% die ins Gras gefallen sind… Inzwischen habe ich einen Wäschekorb mit dichtem Deckel entdeckt der super zum Schwarmfangen ist. Diese Schwärme habe ich in jeweils eine Zarge mit aufgesetzter Halbzarge einlaufen lassen, in die ich den Futterpott stelle.

    Wie lange soll ich weiter füttern? Wetterabhängig?


    Mein erstes Ausgangsvolk war nach der ganzen Schwärmerei doch deutlich kleiner, aber immer noch grösser als zu Anfang. Am 7.12 habe ich sehr viel verdeckelten und unverdeckelten Honig gesehen, aber ich hatte keine unverdeckelte Brut entdeckt, auch keine Königin (die übersehe ich aber auch oft, wenn viele Bienen auf den Waben sitzen). Und nur offene Weiselzellen. Dieses Volk hatte sehr viele Drohnen (ca. 3/4). Inzwischen (vorgestern) sehe ich auch keine verdeckelte Brut mehr und ca. 2/3 Drohnen. Der Wabenausbau stagniert seit ich die zweite Zarge zugegeben habe. Die Arbeiterinnen tragen aber fleissig Pollen ein.


    Meine Fragen: Ist dieses Volk weisellos? Wie kann das passiert sein? Kann ich was machen?


    Kurze Zeit später das gleiche Bild bei Ausgangsvolk 2. Gestern bei der Durchsicht ca. die Hälfte aller Bienen Drohnen, keine Königin entdeckt, keine unverdeckelte Brut, etwas verdeckelte Arbeiterinnenbrut (weniger als die Woche zuvor) und sehr viel verdeckelten Honig. Aber der Wabenausbau stagniert auch hier. Nur geöffnete Weiselzellen, obwohl am 7.12. noch 4-5 verdeckelte Weiselzellen da waren und vor 5 Tagen ein Schwarm abging.


    Fragen: Könnte Beute 2 jetzt auch weisellos sein? Und das obwohl die erst vor ein paar Tagen geschwärmt haben? Wie passiert so was? Ist das normal?

    Wann ist die Schwärmerei vorbei? Eine leere Beute habe ich mir zur Sicherheit noch zugelegt...


    Falls irgendwer eine Antwort auf eine der Fragen hat, würde er mir sehr damit helfen.


    Liebe Grüsse aus Patagonien,

    Fossi

  • Servus Fossi, du brauchst jemanden in deiner Nähe, der sich mit den klimatischen Bedingungen und der Bienenhaltung bei euch da unten auskennt. Puerto Montt ist doch recht groß. Da gibts bestimmt noch andere Imker. Oder du fragst mal bei Alex Busche (Apisur) in Puerto Varas nach. Vielleicht kann er dir einen Kontakt vermitteln oder er bietet sogar selbst Imkerkurse an.

    Viel Erfolg!

  • Hallo Ehrenbuerg,

    danke für die Antwort. Ich lebe ländlich, ausserhalb von Puerto Montt, in Chamiza an der Carretera Austral. Den Alex Busche kenne ich, da hab ich meine Mittelwände her. Ich glaube nicht, dass der Kurse anbietet sonst hätte er was gesagt, aber ich frag nochmal nach.

    Hier im Süden sind die meisten Bienen von Wanderimkern aus Zentralchile, die wegen der Waldblüten (vorallem Ulmohonig) hier ihre Beuten im Sommer aufstellen. Um Puerto Varas und am Llanquihuesee im Allgemienen gibt es viele deutschstämmige und dadurch auch etliche permanente Imker, aber Puerto Varas ist halt auch eine dreiviertel Stunde entfernt, so dass kaum jemand mal bei mir vorbei schauen würde, was ziemlich hilfreich wäre. Der Kontakt ist auch nicht so einfach, denn es gibt hier keine Foren oder Imkerbörsen, zumindest habe ich noch keine entdeckt. Telefonisch tausche ich mich mit dem Imker aus Temuco aus, der mir die Völker verkauft hat oder mit einem Imker aus Hornopiren, der mir die ersten zwei Völker verkauft hat. Beide recht hilfsbereit, aber der Erste ist seit Jahrzehnten auf Königinnenzucht spezialisiert und hat deshalb auch sehr spezielle Vorstellungen und wenig Einfühlungsvermögen bei unerfahrenen Extensiv-Imkern und der zweite ist selten zu erreichen... Bei etlichen Punkten habe ich bemerkt, dass es ausserdem so viele Meinungen wie Imker gibt und ein paar Dinge sollten doch eigentlich klima-und standortunabhängig sein. Auch sind hier ein paar Methoden üblich, die ich zumindest nicht alternativlos finde. Z.B. werden hier zur Varroabekämpfung Mittel eingesetzt, die ich nicht nehmen möchte. Ameisensäure ist unüblich. Aber wenn einer das nicht gleich so macht wie die sagen, dann lässt die Hilfsbereitschaft schnell nach. Bienenkiste kennt hier auch keiner.


    Üblich sind hier Carnea und Caucasica-Bienen und weiter nördlich auch Italienische. Meine sind wohl Mischlinge mit hohem Carnica-Anteil. Klimamässig ist hier eh vieles durch Kleinklima geprägt. Ich lebe z.B. auf Sichtweite zum Meer auf einem Hügel wo ein anderes Kleinklima herrscht als in Puerto Varas oder bei bei allen Imkern die ich sonst hier kenne. Hier haben wir meist kühle windige Sommer mit zumindest 3 trockenen Monaten und sehr regnerische Winter mit kaum Frost. Jahreszeiten sind schwach ausgeprägt. Ich kann ein Klimadiagramm hinzufügen wenn das hilft. Von deutschen Imkern erhoffe ich mir zumindest Ideen und alternative Lösungsansätze. Ich bin Biologe und hoffe dadurch zumindest eine Grundahnung zu haben wie Bienen funktionieren. Mir fehlt halt die Erfahrung, die will ich aber auf dem Rücken von so wenig wie möglich Bienenopfern sammeln.


    Also falls euch was einfällt zu meinen Fragen vom ersten Post würde ich mich auf Antworten freuen. Ich kann das ja dann noch durch den Standortsbedingungsfilter laufen lassen und die Ideen meinen hiesigen Ansprechpartnern präsentieren um deren Meinung dazu zu hören.


    Grüsse,

    Fossi

  • Hallo Fossi,


    das klingt ja sehr interessant! Aber auch recht schwierig von hier aus wirklich gute Tipps zu geben.

    Falls du Basic-Infos suchst, dann würde ich die immer sehr guten PDFs von der LWG Bayern empfehlen.

    Für Winterfuttermenge solltest du dir einen Überblick über das Nektarangebot verschaffen (z.B. Botaniker befragen oder Stockwaage beobachten...).

    Die Arbeitsweise mit untergesetzten Anfangsstreifen ist ok. Warum die Bienen trotzdem viel Wildbau anlegen ist schwer zu sagen (Anfangsstreifen zu klein oder abgerissen? Noch Leerraum daneben? Rähmchenabstand sollte 35mm sein...).

    Die Sache mit der Schwarmstimmung ist für einen Anfänger sicher ohne Hilfe schwer zu managen. Dazu musst du die Genetik der Bienen und den Ablauf der Vegetation abschätzen lernen. Ansonsten hilft Schwarmzellen brechen oder vorher einen Flügel der Königin schneiden.

    Warum das eine Volk direkt nach dem Einzug eine Zelle gebaut hat lässt sich spekulieren. 1. Schwarm =Vorschwarm = alte Königin; die weiteren Schwärme sind mit Prinzessinnen = unbegattet = können evtl. noch bei der Begattung verloren gehen.

    Ich hoffe etwas helfen zu können!


    Gruß Jörg

  • Zum Bienenkisten Volk: Die "Trägheit" könnte mit genug Futteraufnahme vor dem Schwärmen zusammen hängen. Sofern sie bauen, setz das Schied vorsichtig ein und füttere auf jeden Fall weiter. Die Trachtsituaton vor Ort wirst du selber beurteilen müssen, aber sinnvoll ist es, das Volk beim Ausbau zu unterstützen. Das gilt auch für deine weiteren Schwärme. Moderat füttern, so das auch Platz zum Brüten bleibt. Schau dir den Polleneintrag je Volk genau an.


    Deine vermeintlich weisellosen Völker bitte erst mal in Ruhe lassen. Nach Schwarmabgang dauert es ca 3-4 Wochen, bis die junge Königin in Eilage geht. Manchmal auch etwas länger. Je mehr Störungen erfolgen, umso grösser die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwas schief geht. Schwarmdatum in der Regel zum Zeitpunkt der Verdecklung der ersten WZ. Schlupf Kö. +7 Tage etc.


    Wenn ich es richtig lese, haben 2 Völker 6 Schwärme produziert. Das bedeutet mind. 4 Völker sind mit Prinzessinnen ausgeflogen. Hier auch unbedingt auf Polleneintrag achten.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Rainfarn ()

  • Zur Schwärmerei: Offenbar hast du Bienen aus Wald- und Wiesenmischung. Das Wichtigste, was du gegen die Schwärmerei tun kanst ist, dass du dir Königinnen von einem Züchter bestellst und die einweiselst. Schau dir das Zuchtziel des Züchters an. Die Bienen sollten sanftmütig und schwarmträge sein. Standbegattete Königinnen sind ausreichend. Kauf keine unbegatteten Königinnen, da du damit die Schwarmtriebigkeit an deinem Stand nicht los wirst.

    Zur möglichen Weisellosigkeit: Abgeschwärmte Restvölker haben nach dem Schwarmabgang nur unbegattete Königinnen. Die müssen erst begattet werden und beginnen ungefähr nach dem Schlupf der letzten Brut zu legen. Deshalb ist hier Warten angesagt. Außerdem hast du eine brutfreie Phase, die du nutzen kannst, um die Völker mit Oxalsäure gegen die Varroa zu bedampfen. Auch die Schwärme solltest du behandeln, bevor verdeckelte Brut da ist.

    Zum verschlafenen Volk: Wenn es angefangen hat zu bauen, ist alles gut. Einfach weiter beobachten und füttern.

    Zu Volk 2: Möglicherweise sind die Jungköniginnen ausgeschlüpft und dann gleich mit einem Nachschwarm ausgezogen, der dir entwischt ist. So siehst du jetzt die noch offenen Weiselzellen.

    Bei beiden Restvölkern solltest du die am besten belagerte Weiselzelle aussuchen und alle anderen brechen, da sonst die Schwärmerei vermutlich weiter gehen wird. Ansonsten ist Warten angesagt.

    Der hohe Drohnenanteil in den Restvölkern hängt vermutlich damit zusammen, dass ein Großteil der Arbeiterinnen mit den Schwärmen ausgezogen ist und die Drohnen geblieben sind.

    Gruß Ralph

  • Hallo Jörg und Rainfarn,

    erst mal vielen Dank, das sind schon recht hilfreiche Analysen. Einiges was ich lese habe ich mir auch schon gedacht, aber es ist beruhigend wenn das eigene Bauchgefühl von erfahrenen Imkern bestätigt wird. Auch hilft es mehrere Meinugen zu hören, weil man dann merkt dass es einige Themen gibt, die wohl eine Vielzahl von Lösungen haben können, während bei anderen Themen sich dann doch die meisten einig sind. Vom LWG habe ich auch schon einiges runtergeladen und gelesen.

    Die Trachtlage hier ist für mich etwas schwer einzuschätzen, obwohl ich mich auch botanisch etwas auskenne. Es gibt praktisch keine Info über die chilenischen Nektarpflanzen. Selbst meine Telefonimkerpaten kennen nur ein paar wichtige Haupttrachten aber sonst wissen sie auch nicht mehr als ich. Von ein paar Baumarten ist bekannt, dass sie viel Nektar liefern, aber die blühen noch nicht oder nicht mehr. Deshalb dachte ich eigentlich auch, dass die Tracht z.Zt. eher mager sei. Aber aus dem Honigvorrat meiner Ausgangsvölker schliesse ich, dass es so schlecht nicht sein kann. Die Wiesen bestehen hauptsächlich aus eingeführte Kräutern und Gräsern aus allen möglichen Kontinenten, die ich auch nicht alle bis Artniveau bestimmen kann. Vieles kommt aus Deutschland bzw. Europa, u.A. Weissklee und Hornklee, die jetzt blühen anfangen. Davon hab ich zwar in unmittelbarer Umgebung nicht so viel gesehen, aber wer weiss wo die Bienchen fündig geworden sind.

    Beim Füttern gehen die Meinungen offenbar sehr auseinander. Meine chilenischen Imkerpaten raten mir grosse Mengen 2:1 Sirup ab Einzugsdatum zu verfüttern. Die holen aber auch ordentlich Honig raus, bzw. produzieren ständig Ableger. In Deutschland wird ab dem 2.-5. Tag empfohlen 1:1 Sirup zu verfüttern. Manche sagen 200ml pro Tag andere mehr. Was läuft bei euch unter "moderat füttern"? Wieviel % dürfen bei jungen Schwarmvölkern Honigzellen sein? Zeitlich: Manche sagen 4 Wochen lang andere bis zum 5.-10. Tag. Was sagt ihr? Ich tendiere dazu so wenig wie möglich zu intervenieren (Füttern sehe ich auch als Intervention) aber meine beiden verhungerten Völker haben mir dann doch so zugesetzt, dass ich jetzt etwas offener für Interventionen bin und brav füttere ...


    Bei dem kleinen Schwarm in der Bienekiste tendiere ich dazu den Originaltrennschied wieder einzusetzen und weiter zu füttern. Ich bin beruhigt, dass du Rainfarn das auch so empfiehlst.

    Bei den anderen Schwärmen, v.A. bei den drei stärksten würde ich so nach 2 Wochen aufhören, je nach Wetter. Aber das ist so aus dem Bauch heraus, als Mittelding zwischen den verschiedenen Empfehlungen und angesichts der offensichtlich doch recht ergiebigen Tracht.

    Völker in Ruhe lassen mache ich gerne, mir reicht es meist sie am Flugloch zu beobachten. Welche Inspektionsintervalle sind mit "in Ruhe lassen" verbunden? Mein Telefonimkerpate hatte mich geschimpft, dass meine Völker geschwärmt haben, weil ich nicht wöchentlich kontrolliert und die Weiselzellen entfernt habe. Meine Inspektionsintervalle waren vorher je nach Wetter so 10-14 Tage inzwischen, wenn ich da bin jedes WE bei den Ausgangsvölkern und bei den neuen Völkern ab der 4. Woche. Soll man auch bei Regen kontrollieren? Weiselzellen brechen traue ich mich nicht so recht, weil ich Angst habe keine gute intakte Weiselzelle übrig zu lassen, weil wenn so viele Bienen auf den Waben aufsitzen habe ich Angst ein Loch an der Seite zu übersehen oder so was...


    Interessanterweise ist die Beute mit dem Wildwuchs die einzige Beute mit Abstandshaltern zwischen den Rähmchen. Ich habe noch nicht nachgemessen, aber vielleicht sind dadurch die Abstände zu gross? Wie geht man mit Wildwuchs um? So weit wie möglich belassen und versuchen damit zu leben, oder im Keim ersticken? Heruntergebrochene Mittelwände kann es nicht gewesen sein. Das war glaube ich die Ursache für den Wiederauszug aus der Beute nach dem 1. Mal einschlagen. Danach habe ich nur Rähmchen mit richtig festen Mittelwänden verwendet und die sahen auch bei der Kontrolle noch richtig sitzend aus.


    Und nun eine ganz doofe Frage: Wie erkennt man Brut auf einer mit Bienen besetzten Wabe wenn ich die Imkerhaube auf habe? Ich dachte, dass sei eindeutig, aber ich hab noch nie unverdeckelte Brut erkannt und auch Stifte nur bei herausgebrochenem Wildwuchs nachdem ich die Schutzhaube wieder runter hatte. Gibt's da einen Trick?


    Grüsse,

    Fossi

  • Lesebrille. Im Ernst! Wenn Du das sonst nicht siehst. Irgendwann trifft es jeden.

    Ein bisschen hinpusten hilft auch, dann gehen sie aus dem Weg. Oder mit dem Rücken zur Sonne stellen, so dass sie in die Zellen leuchtet.


    Grüße von Kikibee

    Ich möchte auch so eine Imkersgattin: zum Hinterherputzen, Entdeckeln, Einlöten und Abendessen kochen. Ach ja, vermarkten darf sie gerne auch.

  • Die BK und deine anderen Schwärme müssen jetzt ziemlich viel bauen. Daher der Rat mit dem moderat einfügten. 1:1 ist schon mal gut. Die Mengen sind schwierig abzuschätzen. Da kommt es auch viel auf die parallel laufenden Trachten, Wetter etc. an. Hier im Forum gibts da schon eine Menge Infos. Ich gehe davon aus, da du die BK nutzt, kennst du auch die dazugehörige Internetseite. Die weiteren Aktionen zur Schwarmverhinderung sind erst mal nachrangig. Mit den jetzigen Jungvölkern kannst du dir jetzt einen ordentlichen Grundstock schaffen.

  • Hallo Fossi,


    Ich habe mich gerade gefragt, ob du nicht ein Troll bist, weil du aus einer für mich Sagenumwobenen Region der Welt kommst und dabei noch absolut naiv zu den Bienen gekommen bist.

    In der Schwarmzeit kommt als Inspektionsintervall einmal die Woche bis neun Tage in Frage. Du musst kontrollieren ob die Bienen Weiselzellen (Königinnenzellen) anlegen.

    Bist du dir sicher, dass die Königin im Volk ist, dann beseitigst du restlos die Zellen.

    Das reicht aber meist nicht alleine aus. Das Bienen schwärmen wollen hat zumindest bei guten Königinnen einen Grund. Versuche den Bienen arbeit zu geben, womöglich durch eine neue Zarge oder Rähmchen zum bauen. Oft haben sie keinen Platz mehr und neigen dann dazu auszuziehen.

    Wichtig ist auch, das du Eier, Maden in den unterschiedlichen Stadien erkennen kannst.

    Nutze eine kleine Led Taschenlampe und leuchte in verschiedenen Winkeln in die Zellen. Sind Eier in einem Stock, gibt es immer eine Königin, es sei denn es sind nur Drohnen.

    Ich empfehle dir ein Buch zu lesen wzB von Liebig, Einfach Imkern oder von Weiss, Der Wochenendimker.

    Hier sind die Basis Grundzüge der Imkerei beschrieben.

    Patagonien ist natürlich sehr speziell. Man hat schottisches Wetter mit einer Fauna von Südamerika. Mein Vater erzählte mir, soviele Wetterwechsel an einen Tag hat er noch nie erlebt.

    Einen Fernkurs kann keiner von uns betreiben. Das Wissen aus den Büchern wird die aber helfen, die Fragen gezielter zu stellen.


    Viel Erfolg

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Für Rassevielfalt.

  • - Königin zeichnen hilft, sie leichter wiederzufinden. Manche Imker nutzen dafür Tipp-Ex: Kö (nicht: Prinzessin!) von der Wabe pflücken (an den Flügeln packen), mit der anderen Hand halten (am Brustkorb, niemals am Hinterleib), Farbklecks auf den Rücken, Einsperren in leere Streichholzschachtel o.ä. bis Farbe eingetrocknet ist und wieder ins Volk laufen lassen (auf die Oberträger geben bzw. zum Flugloch einlaufen lassen).


    - Einen Flügel zu beschneiden, hindert die Kö. am Fortfliegen mit dem Schwarm. Die Schwarmbienen kehren dann zurück ins Herkunfstvolk, wenn sie merken, daß die Kö. fehlt. Nach ca. einer Woche schwärmen sie dann erneut aus, meist sogar in mehreren Nachschwärmen - jeder mit seiner (noch unbegatteten) Prinzessin. Dagegen hilft nur, das Volk vorher gründlich durchzusehen (Bienen von den Waben abstoßen) und wirklich alle Weiselzellen zu brechen - bis auf eine (am besten die, die am dichtesten von Bienen umlagert ist).

    Ein Berufsimker hier schneidet in geraden Jahren den rechten und in ungeraden Jahren den linken Flügel und kann so ohne die Jahresfarben das Alter der Kö. sicher bestimmen (sie werden bei seinen Wirtschaftsvölkern nicht älter als 2 Jahre).

  • Hallo Leute,

    erst einmal vielen vielen Dank für die Antworten und Tipps. Das waren so viele, da kann ich gar nicht auf alle einzeln eingehen. Troll bin ich glaube ich keiner, aber ganz sicher bin ich mir auch nicht ;-)...

    Das mit der Lesebrille hatte ich auch schon in Erwägung gezogen, aber meine Armlänge hat bisher noch gut ausgereicht um das zu kompensieren. Ich glaube es ist eher ein Problem des Aha-Effekts. Naja vielleicht auch beides... Ich erkenne Zellen mit Flüssigkeit und ich vermute in einigen ist auch noch eine Larve. Ich werd's mal mit dem Licht probieren.

    Im Bienenkistenforum war ich zuerst, hab aber kaum Antworten bekommen, auf viele der Fragen, die ich euch gestellt habe gar keine. Entweder lesen da weniger Leute oder die nehmen mir übel, dass ich auch normale Beuten habe?

    Kleingartendrohns Erklärungen für die vielen Drohnen und die brutlose Phase in den Restvölkern klingt einleuchtend und beruhigend. Dann werde ich die deckellose Zeit (auch bei den Schwärmen) zur Oxalsäurebehandlung nutzen obwohl ich glaube, dass ich kaum Varroa hab. Die Larven vom neuen Schwarm die bei der Durchsicht-Aktion gekillt wurden, hatten jedenfalls keine und auch im Bodendreck hab ich nichts gefunden (im Gegensatz zu letztem Jahr). Ich hab mir aus D einen batteriebteriebenen Oxalsäureverdampfer besorgt, so was hat hier aber sonst keiner...

    Was Flügel stutzen und Zellen brechen angeht wird mich das etwas Überwindung kosten und ich muss mir fest vor Augen halten, dass die Königinnnen ihre Konkurrenz ja auch töten...

    Das Schwärme fangen und einlaufen lassen war zwar zeitaufwändig, hat aber ziemlich Spass gemacht (war auch für die Kinder eine tolle Sache) und ich würde das ja weiter so machen, aber wenn sich meine Völkerzahlen dadurch jährlich vervierfachen muss ich eine Lösung finden. Für dieses Jahr bin ich glaube ich durchs Gröbste durch, denn die Restvölker haben gerade keine Weiselzellen mehr. Naja, die haben eigentlich gar keine Brut mehr...Nur mein erster Schwarm hat schon eine Weiselzelle gebaut, seltsam...

    Im nächsten Jahr werde ich es erst mal mit den sanfteren Methoden probieren: Platz anbieten, evtl. mal Schröpfen durch Ableger bilden. Falls dann immer noch Weiselzellen gebildet werden, muss ich wohl brutaler werden und/oder eine Königin kaufen...Insgesamt bin ich mit der Sanftmütigkeit meiner Bienchen zu Frieden. Ich hab zwar keinen Vergleich, aber füttern und Flugloch beobachten kann ich ohne Schutz. Bei der Durchsicht trage ich zwar prophylaktisch Schutz, die Bienen wirken aber nicht agressiv. manchmal umschwirrt mich eine einzelne verstimmte Biene, aber die stechen meist nicht. Irgendwann probier ich es mal ohne Schutz...

    Heute habe ich auf den Polleneintrag geachtet. In alle Völker wird Pollen eingetragen. In die beiden jüngsten Schwärme am wenigsten, in das erste Restvolk (mit den extrem vielen Drohnen) am meisten. Das passt auch mit Kleingartendrohns Zeitangabe, dass die neue Königin etwa in Eilage kommt, wenn die letzte Brut geschlüpft ist, Also etwa vor ein paar Tagen.

    Bis auf die Frage mit dem Wildwuchs habe ich jetzt eine ganze Menge Ideen und Ratschläge bekommen und fühl mich schon deutlich wohler und sicherer.

    Nochmal vielen Dank! Ich hoffe ihr helft mir beim nächsten Mal wieder, denn die nächsten Fragen kommen bestimmt!


    Liebe Grüsse aus dem heute sonnigen Patagonien,


    Fossi

  • Schreibe mal bitte Wildbau, denn es wird gebaut:D:D

    Du hast ja hier schon sehr gute Ratschläge bekommen.

    Immer fleißig mitlesen hier und auch mal die Suchfunktion nutzen.

    Hier kann man theoretisch sehr viel lernen.

    Die Kunst ist dann, in deiner speziellen Region mit den Bienen und der Vegetation die vermeintlich nützlichen Dinge rauszufiltern.

    Das wird schon:thumbup:

    Berichte weiter, sehr interessant.

    2021 kannst du uns dann zum IFT deine Imkerei vorstellen.:lol::lol::lol: