EU Kommission klagt gegen Umsatzsteuer-Pauschalierung

  • Sorry,

    Man hatte drei Jahre Zeit seitens der Bundesregierung die Regelung zu überprüfen.

    Es ist nicht die Schuld der Landwirte, aber in meinen Augen entsprach diese Regelung nie die der EU, auch wenn sie nur indirekt dagegen verstösst.

    Der Ausdruck Mehrwertsteuer ist eben nicht Pauschalumsatzsteuer.

    Das 2/3 der Landwirte die Möglichkeit nutzen ist ein sicheres Indiz dafür, dass die Regelung vorteilhafter ist.

    Mir fallen da nocht etliche Dinge die in der deutschen Umsatzsteuer voraussichtlich falsch sind. Man schaue sich nur mal die Regelung zu den Weihnachtsbäumen an.

    Allerdings sind die Franzosen selbst Meister darin. Daher bin ich mal gespannt, welche Beschwerde jetzt wieder die Franzosen kommt.


    Die Niederlanden hatte ja sich gegen Deutschland wegen der mangelnden Wasserqualität deutscher Flüssw beschwert. Jetzt müssen auch sie sich dran halten.

    Teures Vergnügen für beide Seiten.


    Schlimm nur wieder, dass eventuell die falschen bestraft werden.

    Für manchen Landwirt wird es dann Ende bedeuten.

  • Der Einwand der Kommission ist ja, dass Deutschland die Pauschalierung allen Landwirten erlaubt. Die unionsrechtliche Regelung in Art. 296 der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie lautet aber:

    "Die Mitgliedstaaten können auf landwirtschaftliche Erzeuger, bei denen die Anwendung der normalen Mehrwertsteuerregelung oder gegebenenfalls der Sonderregelung des Kapitels 1 auf Schwierigkeiten stoßen würde, als Ausgleich für die Belastung durch die Mehrwertsteuer, die auf die von den Pauschallandwirten bezogenen Gegenstände und Dienstleistungen gezahlt wird, eine Pauschalregelung nach diesem Kapitel anwenden."


    Es wird also nur dahin kommen, dass große Betriebe ausgenommen werden. Für die allermeisten Imker also kein Thema.


    Für manchen Landwirt wird es dann Ende bedeuten.

    Quatsch. Es bedeutet ja auch nicht das Ende für kleine Handwerksbetriebe, dass sie nicht pauschal besteuert werden.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Aus meiner beruflichen Erfahrung weiss ich, dass auch kleine Handwerksbetriebe in die Knie gehen, wenn dann unerwartete Steuernachzahlungen ins Haus stehen.

    Schliesslich haben auch die Landwirte darauf vertraut, dass die Regelung ihre Gültigkeit hat und keine Rücklagen gebildet.

    Allerdings ist die Aussage richtig, das eine normale steuerliche Regelung nicht dazu geführt hätte.


    Das Ganze geht insofern ins spekulative, ob überhaupt ein direkter Rückgriff auf den Landwirt efolgt.


    Letztendlich wird es darauf rauslaufen, dass grosse Betriebe aus der Pauschalierung rausfallen und/oder der Pauschalierungssatz angepasst wird.

    Die Deutschen konnte ja schliesslich nicht glaubhaft machen, dass der Pauschalierungssatz letztendlich über die Zeit auf die gleiche Besteuerung rauskommt. Meiner Meinung nach wird sie das auch nicht können.


    Um da die Gemüter der Imker in der Landwirtschaft zu beruhigen. Bei den meisten Landwirten stehen da andere Summen im Raum.

    Ich habe schon vor zwanzig Jahren den Satz getätigt:

    "Die armen reichen Landwirte. Wer bei den Kapitaleinsatz als Firma eine solche Rendite erzielt, hätte den Laden längst abschliessen müssen!"

  • Aus meiner beruflichen Erfahrung weiss ich, dass auch kleine Handwerksbetriebe in die Knie gehen, wenn dann unerwartete Steuernachzahlungen ins Haus stehen.

    Wenn die Umsatzsteuervorauszahlung eine "unerwartete Steuernachzahlung" ist, dann ist der Handwerker offensichtlich zu blöd zum Rechnen. Dass solche Betriebe in die Knie gehen, wundert einen dann nicht. Das hat dann aber keine steuerlichen Gründe. Das Problem ist hier das bekannte: zu hohe Entnahmen und eine zu dünne Kapitaldecke.


    Wer in die Anlage 2 zu § 12 UStG schaut, wird festellen, dass fast alle Umsätze des Landwirts ermäßigt besteuert werden (sogar die Gülle). Viele Eingangsumsätze (Kosten) des Landwirts unterliegen aber dem Regelsteuersatz. Auch beim regulären Vorsteuerabzug wird der Landwirt also gut wegkommen - mancher wohl sogar besser als mit der Pauschalierung. Aus diesem Grund pauschalieren ja auch nicht alle.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ich erinnere mich noch an meine erste Umsatzsteuervorlesung:

    Zitat vom Professor:

    "Umsatzsteuer ist sehr einfach, wenn es nicht die tausend Ausnahmen geben würde."


    Das EU eine Klage erwägt, ist für mich der Beweis, dass die Regelung eben nicht den Ansprüchen genügt. Auch habe ich nicht behauptet, dass alle die Pauschalierung in Anspruch nehmen.

  • Ich erinnere mich noch an meine erste Umsatzsteuervorlesung:

    Zitat vom Professor:

    "Umsatzsteuer ist sehr einfach, wenn es nicht die tausend Ausnahmen geben würde."


    Das EU eine Klage erwägt, ist für mich der Beweis, dass die Regelung eben nicht den Ansprüchen genügt. Auch habe ich nicht behauptet, dass alle die Pauschalierung in Anspruch nehmen.

    Ohr...menno.

    Was wolltest du uns dann damit sagen? Merkst du eigentlich, dass du dir in jedem Absatz oder spätestens in nächsten Beitrag selbst widersprichst? (nicht nur nur hier)

  • Das EU eine Klage erwägt, ist für mich der Beweis, dass die Regelung eben nicht den Ansprüchen genügt.

    Da kommt es wohl auf die Ansprüche an. Eine Pauschlierung (auch hier) soll allen Beteiligten (Steuerpflichtiger und Finanzverwaltung) Arbeit ersparen, Bürokratie und Verwaltungsaufwand senken. Die Abschaffung der Pauschalierung würde zwingend bedeuten, daß jeder In-Verkehr-Bringer landwirtschaftlicher Urproduktion plötzlich entsprechende Aufzeichnungs-, Buchführungs- und Steuer-/-erklärungspflichten hätte - als umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer behandelt würde.


    Die Zusammensetzung der deutschen Imkerschaft ist mit anderen EU-Ländern nicht vergleichbar:

    - Über 1/3 der deutschen Imker ist älter als 60 Jahre, fast 1/4 älter als 70. Von dieser Gruppe wird sich wohl kaum einer in die Selbstständigkeit als umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer zwingen lassen.

    - Über 96% imkern mit weniger als 30 Völkern, also unter der Grenze, von der die als besonders gründlich bekannten deutschen Finanzämter wissen: Das ist mit dauerhaften Verlusten verbunden, das ist eine verlustträchtige Liebhaberei. Wenn die plötzlich als umsatzsteuerpflichtige Unternehmer behandelt würden, stimmen sie mit den Füßen ab.


    Die Abschaffung der Pauschalisierung = Einführung der einschlägigen Buchführungs- und Steuererklärungs-/-abführungspflichten würde unweigerlich zum Zusammenbruch der flächendeckenden Bestäubung in D führen. Das würde der gesamten Bevölkerung schaden und der Umwelt. Ganz direkt wäre die Landwirtschaft betroffen, die sich ohnehin schon in Schwierigkeiten befindet. Das muß dem EU-Kommissar Breton ganz deutlich vor Augen geführt werden. Wer macht das? Der DIB hat bereits Post...

  • Wenn die plötzlich als umsatzsteuerpflichtige Unternehmer behandelt würden, stimmen sie mit den Füßen ab.

    Wenn die Durchschnittssatzbesteuerung abgeschafft würde, greift aber immer noch die Kleinunternehmerregelung. Die Umsatzgrenze steigt hier im neuen Jahr zudem auf 22.000 Euro. Da dürften die meisten Kleinimker darunter bleiben.

    Außerdem steht nicht zur Debatte, die Durchschnittssatzbesteuerung ganz abzuschaffen, sondern nur für die großen Betriebe.

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  • Jörg K viele Grüsse an Mayen.


    Ribes richtig.

    Eine Pauschalierung darf eben nicht zu einer Besser- oder Schlechterstellung zu einem normal besteuerten führen. Sie soll nur in besonderen Fällen zu einer Vereinfachung führen.

    Eben diese Gleichstellung wird beanstandet. Nichts anderes wird von mir von Anfang an moniert. Fernern ist die breite Anwendung dieser Regelung aus dem Ufer gelaufen.

    Letzteres steht aber nicht zur Debatte.

    Unrichtig ist, das damit das Ganze System zusammenbrechen würde.

    Als Folge gäbe es lediglich einen höheren Pauschalierungssatz und ggf das Landwirtschaftliche Betriebe ab einer bestimmten Grösse die Pauschalierung nicht mehr anwenden dürfen.

  • Wenn die Durchschnittssatzbesteuerung abgeschafft würde, greift aber immer noch die Kleinunternehmerregelung. Die Umsatzgrenze steigt hier im neuen Jahr zudem auf 22.000 Euro.

    Wie soll der Kleinimker sein Unterschreiten der Kleinunternehmerregelung erkennen -> beweisen ohne eigene und manipulationssichere Buchführung?

  • 23112020 :

    Es geht den Kleinimkern nicht zuallererst um Zahlen oder Prozentsätze, sondern zunächst um etwaig neu einzuführende bürokratische Pflichten und Auflagen.

    Ich erinnere wiederum an die verheerenden Auswirkungen von 2005, die bloße Recherchen und Befragungen der Berufsgenossenschaft nur zur Völkerzahl ausgelöst hatten und die schließlich zur anachronistischen Grenzziehung bei 26 Völkern führte. Da sollte nur 1 x jährlich ein Formular ausgefüllt werden. In Thür. haben wir mehrere Jahre gebraucht, um diesen Einbruch wieder aufzuholen - und das mit ganz erheblichem ehrenamtlichem und nicht zuletzt finanziellem Aufwand! Die Aversion gegen bürokratischen Mehraufwand ist hier mglw. höher als anderswo. Daß dies oft mit irrationalem Mißtrauen gegen die "Obrigkeit" verkoppelt ist, hat sicherlich historische Gründe (die viel weiter als bloß in die DDR zurückreichen*), ist aber nicht zu beseitigen, sondern vielmehr einzukalkulieren.


    *Der Bauernkrieg bspw. ist nicht ohne Grund in Thür. besonders verbittert geführt worden. Man darf ruhig einmal Mühlhausen, Bad Frankenhausen u.a. Orte historischer Schlachten besuchen...

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  • ribes

    Da sind wir uns absolut Einig. Ich musste ja schon etliche male beruflich Änderungen einführen um sie anschliessend wieder ändern bzw abschaffen zu müssen.

    Alleine das Drama bei der E-Bilanz werde ich nie vergessen.

    Wir hatten diese schon fertig, nur war der Server noch nicht in der Lage unsere Daten zu empfangen.

    Auch haben die Grenzen von Liebhaberei, Nebenerwerbsimkerei damit nichts zu tun.

    Das Tor zur Hölle.würde ich persönlich schön geschlossen halten. Da kann man nur verlieren. Das ist aber nur meine Meinung.

    Wer das Drama mit den Regristrierkassen und der dazuhörigen Kassenzettelpflicht mitbekommt, dem muss langsam aufgehen, dass der lange Arm des Finanzamtes immer mehr auch die Kleinen erreicht.

    Auch bin ich grundsätzlich nicht gegen eine Pauschalierung, sie muss nur den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen.

    Letzendlich müssen sich Brüssel und Berlin darüber einig werden.

    Wie fast immer heisst es dann, mehr Steuern bezahlen....