Viele frische Wachsschüppchen und Stifte im Gemüll

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    Och Pro. Polis. Du machst das doch nicht erst seit gestern. Ob die Völker brutfrei sind, sehe ich auf meinem Bodenschieber, dazu muss ich sie nicht auseinander nehmen. Und sogar in meiner sehr warmen Gegend sind sie das in der Regel irgendwann zwischen Ende November und der Sonnwende.


    Beste Grüße,

    Thanaidh

  • Es gibt halt verschiedene Meinungen und Erfahrungen, sonst wäre die Milchsäure nicht mehr im Programm. Ich habe schon gewisse Überraschungen mit MS gehabt und werde sie nicht mehr benutzen.

    Der Pessimist ist ein Optimist, der aus seinen Erfahrungen gelernt hat.

  • Weitestgehend wird sie wohl angewendet, da sie in Lehrbüchern und Köpfen verschiedener Ausbilder und Anwender immer noch präsent ist.

    Nur weil 200 Imker im IF lesen das es Alternativen gibt, ändert sich daran auch nichts. Selbst wenn man es liest und der Meinung ist, es hat bei mir immer geklappt, warum etwas funktionierendes ändern und etwas Neues ausprobieren? (alte Sau durchs Dorf und so ...)

    Diesen Schritt geht man erst wenn die Flasche MS alle ist oder ein Ereignis eintritt, welches einem begreiflich macht, ups das war jetzt nix mit der MS.


    Liebe Grüße Bernd.

  • Ich erinnere mich noch sehr gut an das Aussehen meiner Hand, als mal mir beim MS-Sprühen (15%ig) ein Latexhandschuh zerrissen war. Die Handinnenseite hat sich komplett "gehäutet".

    Mit OS-3,5% wird das nicht einmal rot. Und nein, ich mache sowas nicht absichtlich, passiert aber mal.


    Generell halte ich, nachdem ich seeehr viel ausprobiert hatte, OS-Sprühen für eine der besten wirkungsvollsten Behandlungsmethoden. Weil wirklich low-tec und weil ich nebenher die Völker gut einschätzen kann.

    Nachteil ist der höhere Arbeitsaufwand. Aber wenn ich a) Ableger/TBE-Völker auf Stifte oder b) im Herbst auf Weiselrichtigkeit kontrolliere, dann habe ich die Waben eh in der Hand. Das Ergebnis überzeugt mich!


    Gruß Jörg

  • Jörg, von einmal Ansprühen passiert auch mit 15 % Milchsäure nichts. Wenn man allerdings im Handschuh ein längeres Intensivbad veranstaltet, dann setzt die Säure der Haut schon zu. Das täte die Oxalsäure auch.

    Der pH-Wert (also die Konzentration der freien H+-Ionen) ist bei 15% Milchsäure und bei 3% Oxalsäure übrigens vergleichbar.


    Davon abgesehen finde ich auch die Oxalsäure besser.

  • Hallo,


    nachdem wir nun bis Weihnachten wohl keinen Winter mehr kriegen werden, plane ich, die für kommenden Sonntag angesagten, knapp zweistelligen Temperaturen zu nutzen, um eine Sprühbehandlung meines Volkes mit OS vorzunehmen. Die äußeren Zeichen deuten darauf hin, dass noch gebrütet wird, wie stark kann ich allerdings erst mit einem Blick ins Volk feststellen. Der Milbenfall liegt seit 4 Wochen konstant bei 0-1 pro Tag (regelmäßig alle zwei Tage überprüft), das Gemüll ist deutlich weniger geworden.

    Ehe ich nun das Volk auseinandernehme, hätte ich doch gern noch die Meinung erfahrener Imker zu folgenden Fragen eingeholt:

    1. Überwiegt der Nutzen der (vielleicht nicht komplett effektiven, da nicht brutfrei) OS-Behandlung den Nachteil der Störung des Volkes bei den genannten Varroafallzahlen?
    2. Muss ich davon ausgehen, dass das Volk durchbrüten wird und wenn ja worauf muss ich besonders achten?
    3. Kann ich bei ansteigendem Varroafall auch im neuen Jahr noch behandeln? Meine Priorität ist es, das Volk heil durch den Winter zu bringen, auf Honig in der kommenden Saison könnte ich hingegen verzichten.

    Danke schon mal für alle guten Ratschläge!

  • millefiori Bei uns in der Schweiz könnte man in Deiner Situation eine Blockbehandlung mit Oxalsäure durchführen, d.h. alle drei, vier Tage über drei Wochen hinweg Oxalsäure verdampfen. Da dieses Verfahren in Deutschland nicht zugelassen ist, dürfte es wohl das Beste sein, wenn Du das Volk mit Oxalsäure einsprühst, wie von Dir geplant. Wenn Du Glück hast, gibt es keine verdeckelte Brut. Sollte es nur ganz kleine Felder mit verdeckelter Brut haben, könntest Du diese ausschneiden, um künstlich einen Zustand ohne verdeckelte Brut herzustellen für die Behandlung. Diese Empfehlung habe ich hier im Forum schon einige Male gelesen und sie leuchtet mir ein. Praktische Erfahrungen habe ich damit nicht, weil ich Oxalsäure ausschliesslich verdampfe, um die Beuten im Winter nicht öffnen zu müssen.


    Ganz allgemein musst Du Dir die Populationsdynamiken der Milben und der Bienen immer vor Augen halten: Was Du jetzt tust, wird Deinem Volk nur helfen, bis zum Trachtende ohne grösseren Eingriff durchzuhalten. Sollte Dein Volk jetzt schon zu stark geschädigt sein, wird es die Durchlenzung nicht überstehen, denn die jetzt vorhandenen Bienen müssen bis dahin durchhalten, aber denen kannst Du jetzt nicht mehr helfen. Sollte sich der Schaden dagegen in Grenzen halten, werden die Bienen den Milben im Frühjahr ohnehin davon brüten. Richtig problematisch wird die Varroabelastung häufig erst zur Sommersonnenwende, weil dann (a) das Brutgeschäft der Bienen zurückgeht, (b) bereits viele Milben in den Völkern sind und (c) die Milben weiterhin richtig Gas geben bei der Vermehrung. Das Verhältnis kippt dann rasant schnell, was aber oft nicht bemerkt wird. Wenn das Brutgeschäft der Bienen Ende September (fast) ganz eingestellt wird, findet man plötzlich überraschend sehr viele Milben in den Völkern. Oft kommt dann jede Massnahme zu spät. Google mal nach «Milbenwunder» und grenze die Suche mit «site:imkerforum.de» ein. Dann solltest Du auf eine sehr anschauliche Darlegung der relevanten Zusammenhänge stossen.


    Falls Dein Volk die Durchlenzung übersteht, aber stark belastet ist, würde ich persönlich ohne Zögern zu einer (sehr) frühen totalen Brutentnahme raten. Meiner Meinung nach besteht die effektivste Vorgehensweise gegen die Milben darin, einmal, aber dafür richtig hart zuzuschlagen. Ich bin deshalb bspw. dazu übergegangen, bei allen Völkern gegen Trachtende (bei uns Anfang bis Mitte Juli normalerweise) eine totale Brutentnahme durchzuführen. Im Winter gibt es eine Winterbehandlung mit Oxalsäure im brutfreien Zustand, mehr nicht. Das reicht bislang.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Ich wundere mich manchmal, ob ich nicht viel zu entspannt bin was die Milben betrifft. Wenn dein Volk konstant um die 0.5 Milben pro Tag fallen lässt, erscheint mir das unkritisch.


    Führe die Winterbehandlung wie von dir geplant durch, das klingt gut. Wenn kleine Restbrustflächen vorhanden sind, kannst du sie auch einfach belassen. Das ist kein Problem, wie du auch in diversen Handlungsempfehlungen der Bieneninstitute nachlesen kannst. Ob das Volk zu einem späteren Zeitpunkt brutfrei wird kann dir auch keiner sagen, das ist zu einem guten Teil eben wetterabhängig.


    Klingt für mich alles gut und unkritisch. Viel Erfolg und viel Freude an den Bienen und dem nächstjährigen Honig.

  • millefiori : Deine Fragen sind von hier aus nicht ohne Spekulation zu beantworten. Wir wissen zuwenig über das Volk, bes. ob die Volksstärke ein Behandlung zuläßt (mind. 5.000 Bienen). Unter diesem Vorbehalt:


    zu 1.: Sofern noch restliche Brut -> behandeln, ggf. Brutflächen entdeckeln


    zu 2.: Du kannst gegen Brutaktivität jetzt nichts unternehmen. Wenn der Bien mit angepaßter örtlicher Genetik jetzt nennenswert brütet, versucht er ein Problem zu beheben (unzureichende demografische Zusammensetzung der Belegschaft, Kurzlebigkeit/zu hohe Sterberate der Bienen wegen Vorschädigung o.a.). Einzige Hilfestellung: Das Volk in Ruhe lassen, keine Klopfproben mehr, allenfalls vorsichtige Windelkontrolle.


    zu 3. Du wirst vermutlich Oxuvar 5,7 verwenden. In der Gebrauchsanleitung bzw hier in der Fachinformation finden sich die Hinweise, die Du suchst (bes. 4.4. Abs. 3, 4.9. B, 4.11.):

    https://imedikament.de/oxuvar-5-7?doc=1

    Erwartest Du in den Wintermonaten Januar + Februar 2020 die vorgesehen Behandlungstemperatur von mindestens +8 Grad?


    Zu den Schadschwellen (lt. Fachinformation 6%, sonst üblicherweise mit 5% angegeben):

    Wenn bei der Restentmilbung innerhalb von 2 Wochen mehr als 500 Milben behandlungsbedingt fallen, rät der Schweizer Tiergesundheitsdienst zur nochmaligen Winterbehandlung. @Kleingartendrohn hat diese Zahl rechnerisch begründet und präzisiert:

    1. Er hat ja die Faustformel entwickelt, aus dem Milbenfall nach erstem und zweitem Behandlungsschritt die Zahl der im Volk verbliebenen Restmilben zu berechnen (PDF in #48):

    Varroatotenfall nach Oxalsäurebehandlung

    Bitte nicht als Rat zur Zweitbehandlung mißverstehen, sondern nur als geistig-rechnerische Aufwärmübung für das Folgende:

    2. Hier hat er die Restmilbenzahl von 50/Volk (wenn kein Drohnenschnitt erfolgt) rechnerisch begründet (#47):Nochmal Oxalsäure Verdampfen?

    3. und hier nochmals zusammengefaßt bezogen auf den Behandlungsabfall präzisiert auf max. 450 Milben/2 Wochen bei Brutfreiheit bzw. 50 Milben bei Restbrut (#59):

    Winterbehandlung auslassen

    Ich halte seine Begründungen und Berechnung für zwingend und betrachte sie heute noch als wertvolles Geschenk an uns Leser.

  • Da gibt es bei Ribes nicht mehr viel hinzuzufügen.

    Als Randbemerkung für die Leute mit zu wenig "Bodenschiebern" wie ich.

    Beim OXS Bedamfen fallen 80 % der Milben in der ersten Woche.

    Fallen also nach einer Woche 400 Milben und weniger ist keine zweite Behandlung notwendig.

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.