Viele frische Wachsschüppchen und Stifte im Gemüll

  • Hallo,


    ich bin neu hier, deshalb zunächst ein paar grundlegende Informationen. Ich habe seit Anfang Juli einen Kunstschwarm in einer TBH (Modell LWG) mit diesjähriger Königin. Die Bienen wurden den Sommer über kontinuierlich gefüttert und sitzen jetzt in 6 Wabengassen bei 8 voll und zwei weiteren noch nicht ganz ausgebauten Waben. Ich kontrolliere das Gemüll regelmäßig, der durchschnittliche Milbenfall liegt bei 0,5 - 1 Milbe am Tag. In den letzten Tagen sind mir bei der Gemüllkontrolle viele frische Waschschüppchen und Stifte aufgefallen. Was kann das bedeuten? Gelbe Wachsdeckel von Brutzellen finden sich hingegen inzwischen nur noch vereinzelt, während sie vor 10 Tagen noch sehr reichlich vorhanden waren. Die Kondenswasserbildung ist geringer geworden, der Blick von unten in die Beute zeigt, dass die Bienen ruhig und eng sitzen.


    Danke schon mal für Hinweise, insbesondere auch bzgl. Brutfreiheit, denn ich denke über die Winterbehandlung nach.

  • Viele frische Wachsschüppchen und Stifte deuten auf nennenswerten Bruteinschlag hin. Vor 10 Tagen viele Brutzelldeckel -> d.h.: umfangreiches Brutgeschäft, untypisch für diese Jahreszeit bei örtlich angepaßter Bienengenetik (südländische Genetik (z.B. Importbienen) mag sich da anders verhalten, da habe ich aber keine eigene Erfahrung).

    Meine Befürchtung wäre dabei: Die meisten Milben verstecken (und vermehren) sich noch in der Brut. Der jetzige natürliche Milbenfall von 0,5 ... 1/Tag wäre mir deshalb zu hoch. Er könnte m.E. sogar darauf hindeuten, daß das Volk jetzt noch immer gegen Varroaschäden anbrütet = kein gutes Zeichen.

    Zum Vergleich: Die Völker hier sind jetzt brutfrei -> Zeit zur Restentmilbung. Wir hatten in den letzten 30 Tagen ähnliche Temperaturen wie im Raum Nürnberg, Brutfreiheit sollte demnach auch dort die Regel sein (vermute ich; aber vielleicht steuert ein Kollege aus dieser Region eigene Beobachtung bei).


    Die in D zugelassenen Verfahren zur Restentmilbung haben enge Grenzen, Blockbehandlung ist jetzt damit nicht möglich - außer mit Sublimation von OX, aber das ist ja in D noch immer nicht zugelassen (aber auf jüngsten Imkermesseständen schon angedeutet worden). Angesichts der mehr spekulativen Erwägungen aus der Ferne wäre es wohl besser, vor Ort den Rat eines erfahrenen Imkers zu suchen.

  • Danke ribes für Deine Einschätzung, die ein weiterer Bienenbesuch heute morgen zu bestätigen scheint. Kurz nach neun Uhr bei milden 9°C reger Flugbetrieb mit Polleneintrag - verschiedenfarbig!- weiß der Geier wo sie den herholen, denn der Efeu ist durch, die Haselnüsse sind noch nicht soweit und Senf- oder Winterrrapsfelder gibt es in meiner Großsstadtrandlage hier eher auch nicht.

    Ein Blick in die Wetterdaten zeigt allerdings, dass wir in Nürnberg nur am 30./31. Oktober die Frostgrenze mal knapp nach unten durchbrochen haben und dann gab es im November drei Tage, wo wir immerhin dran waren, wobei die Flughafenwerte vermutlich noch ein bissel tiefer liegen, als die am recht geschützten Aufstellungsort meiner Bienen.

    Die Genetik kann eigentlich nicht der Grund sein, denn sie sind aus der Region und kommen sogar noch ein wenig nördlich von hier :). Vielleicht kann es daran liegen, dass dieses Jungvolk ja ohnehin ziemlich spät dran war. Es wurde in der ersten Julidekade gebildet und musste dann erst Wabenwerk errichten, ehe das Brutgeschäft richtig losgehen konnte. Der Milbenfall war bis Mitte September bei 1 pro Tag und stieg dann an, so dass die erste AS-Behandlung am 22.09. erfolgte, weitere Behandlungen erfolgten am 20./21.10. und 24.10. Nennenswerte nachteilige Wirkungen wie erhöhten Totenfall konnte ich dabei nicht beobachten, der Milbenfall war hingegen ordentlich, ging dann aber zunächst auf null zurück.

    Nun sollen wir am kommenden Wochenende hier auch endlich einmal etwas Winter bekommen, der vielleicht das Brutgeschäft dann zu Erliegen bringen wird. Ich werde also erst mal abwarten und die Lage weiter beobachten. Je nach weiterer Wetterentwicklung kann ich mich dann für OS-Träufeln oder Sprühen entscheiden, sobald sich Brutfreiheit eingestellt hat.

  • Winterbehandlung mit Milchsäure hilft da

    Bei der Winterbehandlung mit MS 15 % nimmst du jede Wabe zur Hand und sprühst die aufsitzenden Bienen per Wäschesprüher ein. Zügig behandeln und den Wintersitz wieder zusammenschieben.

    Dann siehst du, wie es mit dem Futter ausschaut und ob Brut vorhanden ist.

    Bei gegen Varroaschäden anbrütenden Völkern hilt dann wirklich nur das Herausschneiden der verdeckelten Brutflächen.

    Den frei herumlaufenden Milben macht dann die MS den Gar aus.

    Temperaturen um die null Grad sind da kein Hindernis.

    Die Bienen heizen nach der Behandlung zur Trocknung kurz auf.

    Der Boden ist natürlich geschlossen!

    Am nächsten Tag siehst du den Erfolg auf der Windel.

    Ich denke, so kannst du das Volk retten.

    Carnicabiene in Segeberger Deutschnormal (DNM) 1.0 :)

  • Der Wirkungsgrad von MS ist selbst bei Brutfreiheit so schlecht, daß nach ca. 1 Woche ein zweites Mal besprüht werden muß. Eine MS-Behandlung besteht also aus diesen 2 Schritten.


    OX dagegen hat bereits bei einmaliger (richtiger) Anwendung einen Wirkungsgrad von > 90%.

  • Die Milchsäure habe ich vor Jahren nach schlechten Erfahrungen, komplett aus dem Programm genommen. Es kommt nur noch OS zum Einsatz, seit dem keine Probleme mehr.

    Der Pessimist ist ein Optimist, der aus seinen Erfahrungen gelernt hat.