Zuchttechnik und -Auslese in der Ökologischen Bienenhaltung

  • Verehrte Imkerkollegen,


    vor knapp drei Wochen bat ich anläßlich der Diskussion um die Zucht auf Honigleistung um eine Diskussion des Aufsatzes unter
    http://www.bienen.de/wissen/zucht_oeko/zuchttechnik_oeko.pdf
    Leider gab es keine einzige Reaktion auf meine Bitte.
    Wenn der Aufsatz und die Inhalte nicht diskutierbar sein sollten, hätte ich allerdings zumindest gerne einige Anregungen, um das zu verstehen. Dann kann ich meine Beiträge zum Thema "Ökologische Bienenhaltung" in Zukunft entweder anders verfassen oder ich muß vielleicht feststellen, daß ich zum Schreiber nicht tauge - auf jeden Fall möchte ich gerne dazulernen. Ich nehme hierzu gerne auch private Nachrichten entgegen.


    Für die Adventszeit wünsche ich Ihnen allen die nötigen ruhigen Momente zur Besinnung auf das, was weihnachten will.


    Mit freundlichen Grüßen


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Hallo Michael,
    aus meiner Warte ist das was Du in diesem Artikel aus dem Jahr 2000
    beschrieben hast, im Grunde genommen das was ich seit 2 Jahren zur Vermehrung meiner Völker praktiziere.


    Es ist halt wirklich einfach.


    Natürlich bin ich mir darüber klar, daß es möglicherweise aus züchterischer Sicht Verfahren gibt, die nicht nur 5-10, sondern wesentlich mehr Königinnen pro Volk hervorbringen aber für mich hats bisher gereicht.


    Den Vorwurf meiner Imkerkollegen, ich würde mir Schwarmbienen züchten, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Nur weil ich den Schwarmtrieb nutze, muß ich doch nicht ausgerechnet die schwarmfreudigsten Bienen nehmen.


    Bei den Profis siehts anders aus. Die haben, statt meiner Feld-Wald- und Wiesenbiene mit viel Arbeit eine gesunde, ertragreiche Linie hervorgebracht, die sie natürlich dann (auch zum Nutzen der anderen Imker) möglichst weit verbreiten möchten.
    Angenommen, es gäbe heute ein Volk, die jede Varroa- Milbe wieder zum Flugloch hinauswirft, da wärs mir gelinde gesagt egal, wie die Nachzucht davon gemacht wird. Hauptsache schnell und soviel wie möglich. :wink:




    Noch eine besinnliche Zeit



    Erwin

  • Hallo Michael
    Auch ich war etwas enttäuscht das keine weitere Diskussion zu dem Thema entfacht ist. Es wäre für uns Klein-Imker deprimierend wenn deswegen Deine verständlich geschriebene Aufsätze über die wesensgerechte Imkerei verstummen würden. Deine Erfahrungen, Überlegungen, Tips und Anregungen werden über Deine Landesgrenze hinaus diskutiert und teilweise angewendet. Da es keine exakte Richtlinie gibt, die kann sich jeder selber legen, sind wir doch auf die Erfahrung von Dir und Deiner Kollegen angewiesen. Demeter-Richtlinie bedeutet für mich nur eine theoretische Minimal-Grenze zur Berechtigung des Demeter-Zertifikats. In der Praxis ist aber nicht überall alles möglich. Das schreckt sicher viele Imker ab, ich versuche dann zu erklären das es hier in erster Linie um eine gesamtheitliche Lebenseinstellung des Imkers geht. Wer nur wegen des Zertifikats wesensgerecht imkert wird nie richtig Freude daran haben. Vielleicht sind einfach die Imker die Du ansprechen möchtest noch kaum vertreten oder nur unter den passiven Lesern des Forums zu finden.
    Lieber Michael, das Thema Zucht aus dem Schwarmtieb ist natürlich eine schwierige Ecke der wesensgerechten Imkerei. Ersten predigte man bis jetzt, dass man schwarmverhindernd imkern soll. Und Zweitens mit der Vermischung der Rassen hat man sich der Erfolg einer Standbegattung verbaut. Man ist auf „reine" Königinnen aus der Belegstation des Züchters angewiesen. Ich sehe aber ein, dass ein Züchter bei einer Zucht aus dem Schwarmtrieb heraus kaum die Anzahl Königinnen die er verkaufen möchte aufbringen kann. Wer zerlegt schon so viele Völker während der besten Trachtzeit. Was aber der Kleinimker machen könnte wäre ein gutes Volk in den Schwarm gehen zu lassen, um danach nach Deiner Methode die „vorweggenommenen Nachschwärme Königinnen" im Begattungskästchen drohnenfrei auf die Belegstelle zu bringen.
    Einen interessanten Weg geht mein Kollege. Aus Zeitmangel verzichtet er meistens auf jeglicher Art von Zucht. Er imkert schwarmverhindernd. Er fördert die Völker welche still umweiseln oder vielleicht ergibt sich das aus der Schwarmverhinderung. Auf jeden Fall weiseln die meisten Völker bei ihm selber um. Er hat immer gute Völker, kaum Völkerverluste und einen beneidenswerten Honigertrag. Er hat einen guten Standort und wandert deshalb nicht. Standbegattung ist bei im noch möglich und er imkert mit api mellifera mellifera (Schutzgebiet). Seine ganze Imkerei ist möglichst naturgerecht ausgerichtet. Er geht auch meistens mit dem Fahrrad oder zu Fuss ins Bienenhaus. Auch das gehört dazu. Ich denke bei ihm fühlen sich die Bienen rundherum wohl und bringen dadurch auch ohne ausgeklügelte Zucht trotz Varroa die erwartete Leistung.
    Ein etwas gewagter Vergleich?
    Wesengerechte Imkerei. Zuerst war der Bien, dann die Honigleistung.
    Rein Konventionelle Imkerei. Zuerst war die Honigleistung, dann die Biene.
    Ich hoffe die meisten liegen irgendwo zwischendrin.

  • Hallo Michael,


    ich hatte deinen Text schon vor Jahren entdeckt, gelesen ... und weggepackt. Vom Hocker hat er mich nicht geholt.
    Daß Du ihn nach Jahren wieder ausbuddelst und darauf rumreitest, macht ihn auch nicht besser. So wie Du und dein Co- Autor die heutige Bienenzucht beschreiben, mag das sachlich richtig sein, aber der unterschwellig - unterstellende Ton, die meisten der heutigen Imker könnten nicht mit den ihnen anvertrauten Tieren umgehen, erinnert mich fatal an die Ergüsse gewisser Sekten, die mich immer in den Fußgängerzonen ansprechen und für den 26.September 2004 den Weltuntergang voraussehen.
    Dein Verweis auf Rudolf Steiner, der dem gesamten Aufsatz wohl etwas Seriosität verleihen soll, spricht mich gar nicht an.
    Außerdem solltest Du deinen Text mal gegenlesen, dir ist es auch nach zwei Jahren nicht gelungen, einen fatalen Fehler ("die Larven dürfen nicht älter als 45 Tage, 3 Tage Ei und maximal zwölf Tage Larve sein") rauszukorrigieren. Selbst, wenn ich die 45 als 15 lese, gibt das Ganze noch keinen Sinn.
    Dass man Schwarmbienenzucht betreiben kann , steht außer Frage, ob es sinnvoll ist, kann man drüber diskutieren, aber Weltanschauung soll es nicht werden.
    Und daß ein Imker nur dann ökologisch imkert, wenn er mit dem Fahrrad zu seinen Bienen fährt, ist schlicht lächerlich.
    Lieber Michael, Du hast mit forschem Ton eine Reaktion auf deinen Text verlangt, hier hast Du sie; daß sie ungewohnt schroff ausgefallen ist, gilt auf keinen Fall dir, sondern einzig dem Aufsatz.



    Grüsse


    M.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Herr Weiler,


    in Ihrem Artikel gehts ja nicht nur um die Zucht, vielleicht deshalb das geringe Echo. Wie dem auch sei, das beschriebene Verfahren wird von vielen Imkern, auch konventionellen, in der PRaxis angewendet. NUR die Selektion dabei wird übersehen. Das ist, was z.B auch Golz hervorhebt. Sicher ist dieses Verfahren in der Praxis gut anwendbar. Manchmal mag es aber wünschenswert sein, schneller zu einem züchterischen Ziel zu kommen. Da wird dann die konventionelle Zuchtechnik gefragt sein.


    Ich stimme ihnen zu, dass wir durch die vermehrte Technisierung in den vergangenen 100 Jahren der Biene ihre Vitalität und Lebenskraft geraubt wurde. Leider haben wir also keine solche "Überbienen" mehr. Um sie aber wieder zu bekommen, müssen wir schon auch in den Weg der konventionellen Zucht gehen um in angemessener Zeit eben den Fortschritt zu erreichen den wir uns alle wünschen, z.B. eine Varroatoleranz. Dann kann der "sanfte" Weg wieder beschritten werden, da rennen Sie bei mir offene Türen ein.


    Unser deutsches Problem dürfte jedoch die hohe Bienendichte sein. Der Einfluss der Drohnen bei Standbegattung sollte nicht unterschätzt werden. Ein befreundeter Imker in N-Deutschland hatte die Möglichkeit bei einem Heideimker zu Besuch zu sein, der noch teilweise mit Körben arbeitet. Er untersuchte die Zellgrößen im Wabenbau in den Körben. Wir wissen von Lehzen, dass um die Jahrhundertwende 19-20 die Zellgröße der Heidebienen um 4,9 bis 5,2 mm je nach Bereich war. Heute liegt die Größe bei 5,3 bis 5,6mm! Der Einfluss der unmliegenden Bienenpopulation, die überwiegend auf großen Zellmittelwänden gehalten wurde, hat also im Laufe von hundert Jahren auch Populationen verändert, in denen kein Material zugekauft wurde und auch nicht "künstlich" gezüchtet wurde. Weiterer Hinweis, dieser Heideimker musste überwiegend auf eine Kastenbetriebsweise umstellen, da seine Bienen einfach nicht mehr genug schwärmten!!


    Das zeigt mir die Grenzen der "Schwarmbienenzucht" ohne kontrollierte Paarung, auch wenn sie sicherlich ein wünschenswertes Modell ist (siehe auch meine Signatur!).


    So, jetzt muss ich wieder was arbeiten. Sollte in meinen sponatanen Gedanken irgendwelche Inkonsistenz gefunden werden, so bitte ich um Entschuldigung und bitte nehmen Sie es als Diskussionsanstoss.

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    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Michael aus Mettlach schrieb:


    Außerdem solltest Du deinen Text mal gegenlesen, dir ist es auch nach zwei Jahren nicht gelungen, einen fatalen Fehler ("die Larven dürfen nicht älter als 45 Tage, 3 Tage Ei und maximal zwölf Tage Larve sein") rauszukorrigieren. Selbst, wenn ich die 45 als 15 lese, gibt das Ganze noch keinen Sinn.


    Vielen Dank für den Hinweis - der Fehler war mir auch schon einmal aufgefallen und ich dachte, er sei auch korrigiert worden. Es soll natürlich "... die Larven dürfen nicht älter als 4 bis 5 Tage, 3 Tage Ei und maximal 1 bis 2 Tage Larve sein." heißen.


    Viele Grüße


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Hallo Michael
    Ich nehme an, Michael Weiler wollte eigentlich nur, dass man seinen Text von der kritischen Seite her betrachtet. Gute Kritik über den Inhalt und Hinweise auf Fehler belebt das jeweilige Diskussionthema positiv. Im Forum hat es für alle Weltanschauungen eine Diskussionsecke.
    Allgemein wäre es aber dienlich wenn man vermehrt wieder bei den rein imkerischen Themen bleiben könnte, um diese möglichst sachlich durchleuchtet und auszudiskutieren und ansonsten sich der Schmunzelecke bedient und das man versucht das private über andere Kanäle zu bereinigen.
    Michael, Du hast meinen Wink mit dem Velo etwas falsch verstanden. Ich wollte eigentlich nur kurz darauf hinweisen, dass ökologische Imkerei sich nicht nur auf die Betriebsweise beschränken muss. Wie weit man gehen möchte, dass ist jedem selber überlassen. Für mich ist das Imkern seit Generationen eine naturverbundene Freizeitbeschäftigung. Deshalb ist für mich logischerweise die wesensgerechte Imkerei gegenüber der Biene die gerechteste Betriebsweise. Ich kann mich aber auch daran freuen, dass ein Stadtmensch auf dem Dach konventionell Bienen hält und sich so sehr naturverbunden fühlt. Jemand zu einer wesensgerechten Imkerei gegen seinen Willen zu bekehren wäre falsch. Besonders diese Betriebsweise kommt von innen heraus.
    Möchte einmal mit einer Frage die Vorzeichen ändern.
    Was für Vorteile hat die konventionelle Imkerei gegenüber der ökologischen Imkerei?
    Eine Frage an die Züchter bezüglich Zucht auf Honigleistung. Worin liegt der Grund der Mehrleistung: Ist es die Volksstärke oder fliegen sie häufiger auf die Nektarquellen als Normalvölker? Oder ist es die Summe der verschiedenen Zuchtkriterien?