Marktstand: Bonausgabepflicht, Kassenbuch wann Pflicht?

  • Werbung

    Ab 2020 gibt es ja für alle Unternehmen die so genannte Bonausgabepflicht.

    Z.b. unter

    https://www.handwerksblatt.de/…ktronischen-kasse-ab-2017


    kann man darüber lesen. Dort wird auch das so genannte Kassenbuch erwähnt, dass man als Unternehnmer auch bei offener Kasse führen muss.


    Wie ist das nun aber für Imker auf Weihnachts- oder Wochenmärkten, wenn der Imker


    a) < 30 Völker hat

    b) zwischen 30 und 69 Völker hat?


    und jeweils regelmäßig auf solchen Märkten seinen Honig verkauft?


    Müssen selbst solche Imker dort ein Kassenbuch führen?

    Sie sind doch im Fall a) sowieso steuerlich irrelevant und im Fall b) pauschal versteuert?

    Wie ist es mit der Bonausgabepflicht?

  • Auf der Seite von dem das gelöschte Zitat stammt, steht u.a.:


    Die durch die Seitenbetreiber erstellten Inhalte und Werke auf diesen Seiten unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung des jeweiligen Autors bzw. Erstellers. Downloads und Kopien dieser Seite sind nur für den privaten, nicht kommerziellen Gebrauch gestattet.


    Auch ein Zitat ohne exakte Quellenangabe wie z.B. Quelle: xxx verstößt gegen das Zitatrecht.
    Wie lang ein Zitat sein darf, darüber wird gern gestritten. Für mich gilt: so kurz wie es irgend geht.

  • Mal ganz unabhängig von Zitat- und Urheberecht, hornet , glaubst Du wirklich hier eine rechtsverbindliche Auskunft zu erhalten. Es wird u.U. viele Antworten geben. Jeder sieht die Lage aus seiner Sicht etwas anders und wird das entsprechend dokumentieren. Ob das hilft, weiß ich nicht.
    Was helfen würde, wäre ein Anfrage z.B. an Deine Handwerkskammer und Du berichtest dann hier über die Antwort.

  • hartmut

    selbstverständlich erwarte ich hier keine rechtsverbindlichen Antworten, ist ja schon mit ganz normalen Antworten schwierig, in Foren wie diesem eindeutige und richtige Antworten zu bekommen. Dennoch werden hier regelmäßig Fragen gestellt und Antworten erhofft und keine Hinweise wie "frage doch den Hersteller xy, wie das mit dem Gerät funktioniert".


    Und es gibt hier viel Sachverstand, nicht nur zu Bienen und solche Leute geben hier regelmäßig sehr hilfreiche Antworten, mit denen man dann selbst gezielter recherchieren kann, insbesondere wenn einem das spezielle Fachgebiet eher fremd ist. Mache ich umgekehrt auch so. Mehr erwarte ich nicht.

    Als rechtsunkundiger nach der richtigen Stelle im Paragraphendschungel suchen ist sehr mühsam und langwierig und immer noch sehr unsicher. Wer dagegen bereits kundig ist, muss womöglich nur einen Link setzen und fertig.


    Man kann natürlich alles selbst herausfinden, doch wenn man Leute trifft, die eine Antwort sofort ohne viel Aufwand geben können, weil sie eben schon fit sind, ist schon viel geholfen und Zeit gespart - das ist doch Sinn solcher Foren, oder? Wissensvorsprünge teilen.

  • Zunächst: Die Pflicht ein Kassenbuch zu führen, gibt es nach BFH-Rechtsprechung für Nichtbilanzierer grundsätzlich nicht.

    Gemeint ist vermutlich die Tagesabrechnung der Kasse.

    Offenen Ladenkassen sind weiter erlaubt und ebenfalls erlaubt ist ein Verkauf ohne Einzelbeleg (Bon), wenn der Verkauf bar erfolgt, die Beträge relativ gering (d.h. nicht viel mehr als 100 Euro) und die Kunden anonym sind (d.h. nicht namentlich bekannt sein müssen).

    Als Imker mit der genannten Völkerzahl bist Du aber gar nicht aufzeichnungpflichtig. Also entfällt die Belegpflicht so oder so.

    Das gilt aber nur, wenn die Einnahmen allesamt der Gewinnpauschalierung unterliegen, also der Umsatz mit zugekaufter Ware nicht mehr als ein Drittel ausmacht und nicht nachhaltig über

    51.500 EUR liegt.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Aus meiner laienhaften Sichtweise ergeben sich zweierlei Grundlagen für die Führung eines offenen Kassenbuchs:


    Zum Einen nach den §§ 238ff. HGB, welche sich mit der Buchführungspflicht befassen. Liegen diese vor, wäre man nach § 140 AO auch steuerlich buchführungspflichtig.

    Dann muss man aber Kaufmann sein, was ein Gewerbe sowie einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Gewerbebetrieb voraussetzt.

    Zwar ist der Imker, welcher regelmäßig seine Produkte auf dem Wochenmarkt vertreibt, höchstwahrscheinlich (Handels-)Gewerbetreibender (Planmäßige [regelmäßig] und selbstständige, nach Außen erkennbare Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht).

    Allerdings bedarf es in solch kleinem Umfang sicherlich keinen in kaufmännischer Weise eingerichteten Gewerbebetriebs, sofern man kein Berufsimker ist. Also scheidet hier die Kaufmannseigenschaft mit Sicherheit aus - unbeachtet der Ausnahme des § 238 HGB, wonach eine Buchführungspflicht unter 600.000€ Umsatz im Jahr UND 60.000 € Jahresüberschuss ausscheidet.

    Deshalb bleiben noch die Vorschriften der Abgabenordnung., §§ 140ff. AO. Ein von § 141 AO geforderter gewerblicher Unternehmer liegt wahrscheinlich vor (nicht dagegen die Landwirtschaftseigenschaft in Ermangelung eigener Bodennutzung - sofern man keine 20ha Land hat und dann sowieso schon fast Berufsimker ist). Aber auch hier hab ich wieder ähnliche Vorgaben wie im HGB: 600.000€ Umsatz im Jahr, 60.000 Jahresüberschuss im Wirtschaftsjahr.


    Das muss man erst einmal über den Wochenmarkt reinholen.


    ALSO um daraus ein Ergebnis zu ziehen:
    Wenn man 30 - 69 Völker hat, ist das nicht mehr alleine zu stemmen mit einem Beruf daneben; wenn man dann noch wandert wird alles "wirtschaftlich komplizierter". Dann sind wir fast schon beim Kaufmann des HBG und bei einer Buchführungspflicht. Auch sollte man dann aufpassen: eine Eintragung ins Handelsregister wäre Pflicht
    UNTER 30 Völkern, wenn das noch alleine geht und alles "so nebenbei" läuft, würde ich mir keine großen Gedanken machen.
    Am Ende kommt es aber immer auf das urteilende Gericht an, die (gerade bei dem Kaufmannsbegriff) schon abenteuerliches hingebogen haben.

    Um auf Nummer Sicher zu gehen: Anwalt oder Finanzamt fragen, die geben sicher Auskunft und besser vorsorgen wie Nachsorgen.

  • unbeachtet der Ausnahme des § 238 HGB, wonach eine Buchführungspflicht unter 600.000€ Umsatz im Jahr UND 60.000 € Jahresüberschuss ausscheidet.

    Das steht aber in § 141 AO, nicht im HGB.


    Wenn man 30 - 69 Völker hat, ist das nicht mehr alleine zu stemmen mit einem Beruf daneben; wenn man dann noch wandert wird alles "wirtschaftlich komplizierter". Dann sind wir fast schon beim Kaufmann des HBG und bei einer Buchführungspflicht.

    Das ist jetzt aber wirklich Quark. Nach § 3 HGB ist der Landwirt ein Kannkaufmann, muss sich also nicht ins HR eintragen lassen. Er kann das lediglich und nur dann wäre er buchführungspflichtig.


    Wieder so ein Thema wo "Keiner weiß Bescheid und alle machen mit

    Und schon gibt Dir der nächste Beitrag Recht. Ja, die Mühe besteht vor allem darin, die unqualifizierten Beiträge zu korrigieren.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Es steht doch schon im verlinkten Handwerksblatt, für Märkte oder sonstige Verkaufsstände kann man sich beim Finanzamt eine Befreiung erteilen lassen, die werden auch die passende Zuordnung des Geschäftsbetriebes vornehmen.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Rainfarn ()

  • SuperIdee

    ich bin zu unsicher, um dir ernsthaft zu widersprechen, aber die von mir genannten Völkerzahlen waren schon sehr bewusst genannt, weil meiner bescheidenen Meinung nach bis dahin (69 Völker) bei Imkern keine steuerlichen Aufzeichnungen erforderlich sind und stattdessen pauschal 1000 EUR Gewinn abgerechnet werden. Außer der Imker hat es von sich aus anders beantragt.


    Mir war jetzt nur nicht klar, was das mit dem Kassenbuch auf sich hatte und die Bonpflicht war mir bis heute Morgen sowieso gänzlich neu, so dass auch unklar war, ob das von "keine steuerlichen Aufzeichnungen erforderlich" mit erfasst ist, aber da hat WFLP ja schon eine sehr gute Antwort gegeben.


    Inzwischen habe ich auch selber etwas weiter geforscht und da wird bei offenen Kassen bei denen, die es machen müssen, als Mindestanforderung genannt, dasss man die Tageseinnahmen täglich in einem Kassenbericht/Zählprotokoll festhalten muss, nach dem Muster Endbestand - (Anfangsbestand +-Einlagen/Auslagen o.ä.). Und dass dies nicht einfach als Exceltabelle erfolgen darf, sondern so, dass allzueinfache Manipulationen und Änderungen nicht möglich sind, also z.B. handschriftlich, täglich, fortgeführt.


    Das wäre ja jetzt nicht so wild, ich habe das bisher im Eigeninteresse sowieso auch schon so gemacht, nur halt als lose Zettelsammlung und dann in Excel übertragen.

    Ich glaube, auch wenn ich nach jetzigem Stand des Wissens gar kein Kassenbuch machen muss, mache ich das künftig trotzdem in der Art, dass ich das auch noch in einem kleinen Büchlein handschriftlich am Abend notiere, sind ja nur wenige Zeilen pro Markttag und zählen tue ich sowieso täglich, ein wenig Belohnung für die harten Markttage muss schon sein :wink:.

  • Das steht aber in § 141 AO, nicht im HGB.

    Falsch. Wir sind hier NOCH im HGB. Und die Ausnahme des § 238 HGB ist der § 241a HGB. LESEN.

    Die Ausnahme des HGB greift in der AO übrigens ausdrücklich nicht; siehe § 142 AO. Denn der § 238 HGB ist hier sinngemäß mit leichter Modifikation schon enthalten

    Das ist jetzt aber wirklich Quark. Nach § 3 HGB ist der Landwirt ein Kannkaufmann, muss sich also nicht ins HR eintragen lassen. Er kann das lediglich und nur dann wäre er buchführungspflichtig

    Wir sind hier in der Imkerei. Imker sind KEINE Landwirte, wie ich bereits ausgeführt habe, ES SEI DENN sie produzieren den Honig ausschließlich durch EIGENE Bodennutzung. Das wird bei den allerwenigsten der Fall sein bzw. wäre dann die Imkerei selbst ein Nebengewerbe der eigentlichen Landwirtschaft.

    Zitat


    Unter Landwirtschaft versteht man die Gewinnung pflanzlicher und tierischer Rohstoffe durch Landbau sowie deren Weiterverarbeitung, wobei die eigene Bodennutzung maßgeblich ist.


    Und schon gibt Dir der nächste Beitrag Recht. Ja, die Mühe besteht vor allem darin, die unqualifizierten Beiträge zu korrigieren.

    Da geb ich dir Recht. Echt anstrengend Beiträge von Leuten zu korrigieren, die nicht lesen, sondern allerhöchstens überfliegen und dann mit geballtem Halbwissen rumstänkern.

  • Inzwischen habe ich auch selber etwas weiter geforscht und da wird bei offenen Kassen bei denen, die es machen müssen, als Mindestanforderung genannt, dasss man die Tageseinnahmen täglich in einem Kassenbericht/Zählprotokoll festhalten muss, nach dem Muster Endbestand - (Anfangsbestand +-Einlagen/Auslagen o.ä.).

    Genau das meinte ich mit Tagesabrechnung der Kasse.

    Aber wie gesagt: Imker, die den Gewinn pauschal ermitteln, müssen keine Aufzeichnungen machen.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)