Sind Imker die Badboys für Wildbienen

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    Innerhalb kurzer Zeit ist mir zweimal die Kritik an der Imkerei untergekommen

    1.) Infostand der deutschen Wildtierstiftung

    2.) Vortrag und Fernsehbeiträge von Torben Schiffer ****Bitte nicht wieder mit Bashing anfangen, sonst macht Hartmut hier RuckZuck zu****

    Das Image der Imker kippt also vom "Retter" zum "Vernichter"


    Gibt es eine Nahrungskonkurrenz zwischen Honig- und Wildbiene, die für die Wildbiene tödlich ist?

    Kann man da überhaupt pauschalieren, oder gibt es Einschränkungen (wg. Rüssellänge) auf bestimmte Arten?

    Was kann man dagegen tun, wie kann man dagegen argumentieren?

  • Ich kann dieserart Diskussionen nicht nachvollziehen. Mein Bienenstand steht 1mtr. neben dem großen Insektenhotel voller Stängel ( japanischer Knöterich) und diversen gebohrten Holzstücken. Die Wildbienen sind sehr aktiv und logieren sich im jetzt 2. Jahr VERMEHRT ein. Im Umkreis von 300-500 Metern sind 3-4 Bienenstände anderer Imker - also kann man wohl Nahrungskonkurrenz als Ursache für den Rückgang der Wildbienen als unwahrscheinlich betrachten.

  • Ein Image kippt nicht so einfach bloss weil in den Medien eine Pressemitteilung kurz vielkanalig berichtet wird.
    Kein Grund nervös oder rot zu werden.

    Eine kurze Suche führt zu einer lesbaren Stellungnahme der AG der Bienenforschungsinstitute, in der auch weiterführende Quellen benannt sind.

    Die Wildbienenpopulationen sind wie die meisten wild lebenden Insektenpopulationen qua Zivilisation / Agroindustrialisierung einem Rückgang ihrer Habitate ausgesetzt. Das ist der rosa Elefant im Raum, der eher nicht medial thematisiert wird. Die Imkerei gehört zum Bereich der Landwirtschaft, mit all den Konsequenzen die sich ergeben wenn sie hoch skaliert wird.

    Die verschiedenen Schützer/Halter-Gruppen aufeinander los zu pushen hat für mich was von Teile&Herrsche.

    Nachtrag: Im Spektrum der Wissenschaft findet sich ein differenzierter Artikel dazu, ein Zitat:

    Andere Forscher wollen dagegen gar nicht entscheiden, ob nun die Honigbienen oder ihre wilden Verwandten in Sachen Bestäubung die Rüssel vorn haben. »Aus Sicht der Pflanzen ist es am besten, wenn sich beide gegenseitig ergänzen«, sagt der Ökologe Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle. »Ob man die Sache nun aus Sicht der Ernährungssicherheit, der Wirtschaft oder des Naturschutzes betrachtet: Wir müssen sowohl Honig- als auch Wildbienen schützen«

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von RalfK () aus folgendem Grund: Nachtrag. n.b.: Einen Textblock markieren und auf Zitat klicken sieht im Editor gut aus, funktioniert anscheinend nicht immer.

  • 1.) Infostand der deutschen Wildtierstiftung

    2.) Vortrag und Fernsehbeiträge von Torben Schiffer

    zu 1.) die deutsche Wildtierstiftung sollte man nicht ganz so ernst nehmen was den Umweltschutz angeht, ich habe mal gelesen das diese Stiftung nämlich durch RWE großzügig mitfinanziert werden soll.

    zu 2.) und Herr Schiffer ist für mich nun mal auch ein Imker(bitte nicht steinigen), ich wette sogar das er mehr Völker im Garten stehen hat als ich.

  • Die verschiedenen Schützer/Halter-Gruppen aufeinander los zu pushen hat für mich was von Teile&Herrsche.

    Darum geht es mir aber nicht, aber gerade Umweltverbände (hier Wildtierstiftung) neigen dazu dogmatisch auf ihrem Schwarz/Weiß-Denken zu beharren.

  • Gibt es eine Nahrungskonkurrenz zwischen Honig- und Wildbiene, die für die Wildbiene tödlich ist?

    Natürlich. Sind die Flüchtlinge Schuld am Wohnraummangel in den Städten? Natürlich. Auch. Aber das grundsätzliche Problem ist natürlich fehlender (bezahlbaren) Wohnraum generell, oder um wieder zu den Wildbienen zu kommen, fehlende Tracht. Ackerhygiene, wie das positiv heißt, und Versiegelung von Flächen, Schottergärten, kurzum unsere zu aufgeräumte Landschaft. Wenn dann die Ressourcen eh schon knapp werden, wird es ein Problem. Und der Trick ist dann immer der gleiche, man zeigt auf die Verteilungskämpfe und sucht sich einen Sündenbock. Diese Diskussion halte ich für eine schöne Nebelkerze der PSM Industrie. Da hat eine PR Agentur bestimmt viel Geld für bekommen :(

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • moniaqua : rase hat das bereits ausgeführt.
    Der Lebensraum aller Insekten wurde und wird durch unsere[*] Art zu leben und Landwirtschaft zu betreiben erheblich beschnitten, bis über den Punkt hinaus den einzelne Arten kompensieren können. Die Liste dar bedrohten Tierarten wird länger. Unsere[*] Art zu leben wird an sich nicht ernsthaft infrage gestellt, "das ist halt so". Dafür wird medial gerne ein Sündenbock ernannt und bearbeitet.

    [*] Erste Welt - wobei der Umweltschutz in der Dritten Welt noch weniger Bedeutung hat.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von RalfK ()

  • Die Dinosaurier sind ohne unser Zutun weg. Die jetzigen Dinosaurier besorgen das für sich selbst. Wir fliegen mal eben für 9,99 € nach London. Jede Schraube hat irgend wo ein Ende. Ob mit oder ohne Umweltschutz. Das verzögert nur, aber mehr auch nicht. Wohlstand für UNS und für alle kennt keine Grenzen.


    Gruss

    Ulrich

  • Da treffen Theoretiker auf die Praxis.

    Seit dem ich Bienen habe, hat sich mein Umfeld massiv verändert.

    Nachts haben sich die Fledermäuse eingestellt und schnappen sich die letzten Nachzügler.

    Tagsüber schnappen sich Bachstelze und Kohlmeise, Rotschwanz und Co die Bienen die es nicht zurück in den Stock schaffen, trotz meiner zwei Katzen.

    Sogar Schwalbe und meine im Haus brütenden Mauersegler nutzen gelegentlich die Eiweisquelle.

    Jahrelang hatte ich ein Hummelnest im Stall. Keine fünf meter neben dem Stall.

    Die Mauerbienen nutzen eben diesen Stall und die Kaminholzlager um die Ecke.

    Leider halt immer weniger.


    Wer sich mit dem Nahrungsspektrum zwischen Wildbienen und den Honigbienen mal beschäftigt, erkennt ziemlich schnell, dass sich viele Insekten sowie unsere Bienen spezialisiert haben.

    Das was eine Hummel mit ihrer Vibrationstechnik (nix versautes) leistet, schafft eine Imkerbiene eben nicht in dem Ausmass.

    Natürlich gibt es immer Überschneidungen.

    Hierüber gab es eine sehr schöne Reportage im ORF.

    In der wurde befürchtet das die Einwanderung der sogenannten "Killerbienen" auf einer Insel die heimische Insektenwelt dezimieren würde.

    Wissenschaftler nutzten diese Gelegenheit das zu untersuchen.

    Es war genau das Gegenteil der Fall. Die Bienen und anderen Insekten sorgten für eine bessere Bestäubungsleistung, was zu eine erhöhte Fruchtbarkeit und Blütenleistung führte. Beide Populationen blieben stabil.

    Viel interessanter war, dass die Killerbienen ihre Agressivität im Laufe der Zeit ablegten. Man vermutet, dass im "Sommer" während der Trockenzeit die Bienen Honig bevorraten mussten. Während des Rest des Jahres mussten die Bienen also ihr Lager befüllen und konnten daher nicht so viele Wächterbienen abstellen.

    So benötigen Forellen auch im Winter ungefähr das zehnfache an Nahrungsangebot um überleben zu können. Dieses Nahrungsangebot muss auch für die Forellen erreichbar sein.

    So muss das Nahrungsangebot für die Bienen auch erreichbar sein. Sind die Wildbienen auf bestimmte Pflanzen im Vorteil und verschwinden diese, ist es sehr Blind dann die Schuld auf die Imker zu schieben. Auch wenn ein Teil des Nahrungsangebots sich dann überschneidet.

    Lieber sollten diese Theoretiker mal bei einem Imker lernen, dass es zu gewissen Jahreszeiten für die Bienen nichts mehr zu holen gibt. Die meisten Wildbienen können aber nicht auf ihre Vorräte zurück greifen und verhungern.

    Hier können sie im Forum mal nachlesen, wieviele Imker dieses Jahr ihre Bienen füttern mussten.

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Für Rassevielfalt.

  • Die Wildbienenpopulationen sind wie die meisten wild lebenden Insektenpopulationen qua Zivilisation / Agroindustrialisierung einem Rückgang ihrer Habitate ausgesetzt. Das ist der rosa Elefant im Raum, der eher nicht medial thematisiert wird. Die Imkerei gehört zum Bereich der Landwirtschaft, mit all den Konsequenzen die sich ergeben wenn sie hoch skaliert wird.

    Die Spezialisierung mancher Wildbienen auf wenige oder nur eine Pflanze(Oligolektie) macht es zudem schwierig. Die Habitate habe sich massiv verändert, durch direkten Einfluss und durch die Veränderung des Klimas.

    Die Honigbienen haben, zumindest an meinen Ständen, immer auch die wilde Verwandschaft im Schlepptau.

    Da jetzt die Honigbiene als schlimmen Konkurrenzfresser zu stilisieren, ist schon deshalb Unsinn, weil derzeit immer noch nicht die Gesamtvölkerzahl des Jahres 1992 (DIB Statistik) erreicht ist. Die bereits erwähnten Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Rainfarn ()

  • Die Wildbienen, um die es vor allem geht, wenn vom Aussterben die Rede ist, die bekommt man auch als Imker in der Regel gar nicht zu Gesicht, geschweige denn, dass man die überhaupt erkennen und die Art bestimmen kann.


    Denn es handelt sich dabei praktisch immer um hochspezialisierte, sehr seltene Arten.


    Aus dem vermehrten Vorkommen von irgendwelchen Allerwelts-Wildbienen in Insektenhotels kann also keineswegs geschlossen werden, dass es "den Wildbienen" als Ganzes und den gefährdeten Wildbienenarten im Speziellen irgendwie besser gehen würde.


    Umgekehrt ist eine Nahrungskonkurrenz oder Gefährdung durch Honigbienen eigentlich auch Unsinn.


    Denn diese hochspezialisierten Wildbienenarten sind ja deshalb gefährdet, weil sie oft nur an eine spezielle - meist ebenfalls gefährdete - Pflanzenart gebunden sind. Diese wiederum ist in der Regel gefährdet, weil der für sie notwendige ganz spezielle Lebensraum immer mehr verschwindet - garantiert nicht, weil es mehr oder weniger Honigbienen gibt.


    Und weil Honigbienen effizient auf Massentrachten losgehen, nicht aber auf einsame, versteckte, eher schütter mit Blüten ausgestattete Sonderbiotope mit diesen seltenen Pflanzen, kann auch kaum von einer direkten Nahrungskonkurrenz gesprochen werden. Honigbienen und diese gefährdeten Wildbienenarten dürften sich kaum begegnen, weil komplett unterschiedliche Lebens- und Nahrungsräume.