Bienen und blühende Felder im November

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    Seit ich die Türkei bereise (seit 1995) sehe ich dort immer nur einräumige Langstroth-Holzkästen in der Landschaft (zu Hunderten), nie Honigräume oder zwei Zargen übereinander. Ich konnte mal eine Imkerfamilie aus der Ferne bei der Ernte beobachten. Die entnahmen aus jeder Beute immer nur ein oder zwei Honigwaben, trotz ganzjähriger Tracht und Wanderung; die Masse macht's vielleicht, mit einem starken Jungvölkerumsatz- viele, viele kleine Völker. Dennoch sei die Türkei 3.stärkster Honigproduzent in der Welt.

    Wäre vielleicht ein Versuch wert, um chemiefrei zu imkern: Den Schwarmtrieb zur starken Vermehrung zu nutzen, und Völker, die die Varroa nicht überleben, in den Bienenhimmel gehen zu lassen, wo sie zur Rechten des Evolutionsgottes sitzen werden und die Milben erleben dann einen natürlichen und keinen grausamen Säuretod.

  • Tut mir leid, weder gegen Flöhe, noch Läuse, noch Milben, noch Mücken oder ZecKenwirkt der Evolutionsgott. Und wenn du Hühnerhalter wärst, würde man dich für einen Tierquäler halten, wenn du nicht gegen die rote Vogelmilbe bekämpfen würdest. Dann wird dir das Veterinäramt auf den Hals gehetzt und dir ein Haltungsverbot ausgesprochen. Und obwohl die Hühner vom Größtenverhältnis zur Milbe viel besser darstehen als unsere Bienen, sterben Hühner an diesen Milben, auch mit Sandbad und Natürlicher Haltung etc. Genauso, wie Wildvögel auch an Parasiten sterben.


    Wenn man also denkt, der Evolutionsgott wird es richten, warum hält man dann noch Bienen? Ist es dann nicht besser, die Finger komplett von diesen zu lassen?

  • Es ist sicher so, dass weniger Varroen in den Schwärmen sind. Dafür aber in den Restvölkern erhöhter Schaden auftritt.

    Für mich kommt es da aber zu keiner Evolution. Da auch die höher belasteten Völker es schaffen zumindest einmal zu schwärmen. Und somit kommt es zu keiner Selektion.

    Andersherum gibt es Faktoren, wie Volksstärke etc. die durchaus auch entscheidenden Einfluss auf das Überleben mit einer späten Tracht haben.

  • Auch wenn fast kaum Flugbetrieb ist, duftet es jedenfalls noch ganz süßlich an einem Stand bei mir.

    Und ausschauen tut es wie Ende April ;)



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    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Abgesehen von der Tatsache, daß varroa armen Völkern das Blühangebot im November nicht schadet

    Da bin ich doch etwas anderer Meinung, denn die Winterbienen, die sich für das Frühjahr schonen sollten, fliegen sich ab. Viele Bienen erstarren auch auf dem Feld oder unterwegs, wenn die Sonne mal hinter den Wolken verschwindet.

    Diesen Verlust an Flugbienen können nur Völker ausgleichen die weiter brüten können, was bei uns nicht der Fall ist, trotz geringer Varroalast.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Der These vom "Abarbeiten" der Winterbienen wage ich zu widersprechen.

    Wenn die Biene ausreichend Zugang zu artgerechter Nahrung hat (also niemals hungern muß), arbeitet sie sich nicht ab. Bewegung hält jung, sagt man sogar zu menschlichen Rentnern. Lebensverkürzend ist nur Mangel (v.a. an Pollen - z.B. im zeitigen Frühjahr, wenn sie gezwungen wird, die wachsende Brut durch Auszehrung ihres Fettkörpers zu füttern).

    Und die demografische Selbstregulation des Bien limitiert die Lebenserwartung der Alt- und damit auch der Winterbienen:

    demografische Selbstregulation des Bien

    Christian Dreher vom BI Kirchhain hat zum Mitteldeutschen Imkertag von Fällen berichtet, in denen Imker vergessen hatten, ihre (zur Brutfreimachung von Völkern) gekäfigte Kö. wieder zu befreien. Ein Kolleg habe die Kö. gar erst im darauffolgenden Frühjahr entdeckt, befreit und später in Eilage beobachtet. Die Winterbienen dieser von August bis ins nächste Frühjahr brutlosen Völker waren noch voll leistungsfähig. Er sah dies u.a. als Beleg für die angesprochene demografische Selbstregulation: Es schlüpften keine Jungbienen, deren Juvenil-Abdampf die Lebenserwartung der Altbienen hätte verkürzen können.

  • Hallo in die Runde....Senf im Herbst ist für unsere Bienen suboptimal was den Nektar anbelangt, da dieser sich wie Raps verhält, d.h. er kristallisiert schnell aus und die Bienen brauchen im Winter Wasser, um diesen Honig zu "knacken". Das ist aber eher weniger verfügbar. Aber vor den Blühstreifen (ohne oder mit nur wenig Senf) im Herbst brauchen wir uns nicht zu fürchten . Siehe folgender Artikel aus der Schweiz https://www.agrarforschungschw…_11de.php?id_artikel=2157)

    Bei unseren Völkern konnten wir keine Verschlechterung durch späte Blühstreifen feststellen, im Gegeteil. Der Mangelernährung unserer Bienen kann so

    ein Blühstreifen und passendes Flugwetter eigentlich nur entgegenwirken. Und "fett"-gefressene Bienen überstehen den Virendruck, den die Varroa zunehmend mit sich bringt einfach besser.

    Viele Grüße, Uli

  • Trotzdem bleibt ein erhöhter Verlust von Flugbienen bei Bewölkung und Verlust der Sonneneinstrahlung unterwegs unter Umständen bei sonnig stehenden Beuten nicht aus.

    Durch die Sonneneinstrahlung sehe ich bei so stehenden Beuten immer wieder das die Bienen auch bei 6-8°C am Flugloch aktiv sind.

    Hast du jetzt so eine mittagsonnige Periode fliegen die ersten Bienen aus und kommen zurück mit der Meldung, da gibt es etwas zu holen. Mehr und mehr machen sich dann auf den Weg und könnten dann bei anhaltender Bewölkung auf dem Feld verklammen und nicht mehr zurückkommen.

    Das wird jetzt ein großes starkes Volk nicht umbringen, aber immerhin wenn das öfter passiert schwächen. Das ist jetzt nur meine persönliche Meinung, denn ich habe das nicht untersucht, ob und wieviel da ausfliegen und nicht zurückkommen.

    Es hat mich nur irritiert, warum ähnlich starke Völker am selben Stand, die schattig stehen, überhaupt kein Flugbetrieb haben.

    Die Befürchtung nach fehlender Besatzung hat sich dann doch nicht bewahrheitet.


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.