Winterbehandlung mit Milchsäure?

  • Ich behandel jedes Jahr mit Milchsäure einmal. Das reicht mir völlig.


    Aber natürlich habe ich vorher gut Milben dezimiert, so dass die Winterbehandlung sanft ablaufen kann.


    Im Winter ist das Bienenvolk am sensibelsten.


    Wenn man aber nicht weiss, wie gut die Behandlung im Sommer und Herbst war, der sollte zweimal mit Milchsäure behandeln. Man sieht es aber auch, wenn mehr als 100 Milben nach drei Tagen fallen, dann sollte man nochmal behandeln.


    Ja, ich weiß, dass ich für meine Meinung hier wieder negative Kommentare bekomme, aber bitte bedenkt, dass nicht jeder mit jeder Behandlung gleich gute Ergebnisse bekommt. Studien sind da ein gutes Beispiel.

    Die Massen Studie mit 1500 Imker und Ox, hatte zum Beispiel was für eine einheitliche Sommer oder Herbstbehandlung? Das steht dort nicht. Und wir wissen doch alle, dass die Winterbehandlung kein Volk rettet im Winter. Sondern nur was wir im Sommer und Herbst getan haben, hat einen Einfluss auf den Zustand des Volkes. Daher wäre es interessant gewesen zu wissen, welche Vorgeschichte die Völker hatten und welche unterschiedlichen Varroabelastungen vorhanden waren. Doch davon liest man leider nichts. Somit sind Studien nur so gut, wie die Ersteller dieser.

    Manchmal verläst man sich blind auf eine Studie, weil sie anscheinend die Meinung unterstützt, aber schaut man näher hin, werfen sich Fragen auf.

    Ich bin es gewohnt wissenschaftliche Arbeiten zu hinterfragen, daher sehe ich viele Studien als sehr interessant an. Aber was man aus ihnen ableitet, als sehr kritisch.


    Milchsäure wirkt nicht so gut, wie Oxalsäure, ist aber am wenigstens schädlich vom Stoff her. ( Wenn Milchsäure eine zu geringe Wirkung hat, hat man im Vorfeld etwas falsch gemacht. Die Winterbehandlung rettet keine Völker. Egal mit was man sie durchführt. Wenn man also Völker verliert, liegt es nicht an der Winterbehandlung, Sie ist nur eine Prophylaxe für die Saison. )


    Die Züchter zum Beispiel verzichten zum Teil auf eine Winterbehandlung, da sonst eine Beurteilung der Varroatoleranz oder Resistenz schwierig ist, ohne Varroen.

  • Jain,

    Richtig ist, dass die Winterbehandlung ziemlich wenig mit der Überlebensrate im Winter zu tun hat, es sei denn die Behandlung beeinträchtigt das Volk so stark,.dass es nicht überlebt.

    Das war ja bei dem Träufeln manchmal der Fall.

    Allerdings bildet gerade die Winterbehandlung den Grundstein dafür, mit welcher Milbenaltlast das Volk in den Sommer geht. Ist das Volk Ende Juni voller Milben, war die Behandlung meist unzureichend.

    Das ist ja leicht zu erklären, wenn sich während der Brutperiode die Milben pro Monat verdoppeln.

    Wie ich dahin komme, dass ich mit wenig Milben ins Jahr starte, ist da eigentlich egal.

    Das kann ich auch mit einer massiven Sommerbehandlung machen und lasse die Winterbehandlung weg. Somit ist das eben kein Indikator für eine Varroatoleranz.

    Der Nachteil ist, dass durch die starke Sommerbehandlung dann die Völker in ihrer Brutentwicklung gestört werden. Daher ist die Winterbehandlung sinnvoll.

    Jetzt kommt das Problem der einmaligen Winterbehandlung.

    Setzt man alles auf eine einmalige Winterbehandlung, läuft man das Risiko nicht den optimalen Zeitpunkt erwischt zu haben.

    Gerade in Gegenden wie hier am Niederrhein mit wenig Frost zum Jahresende, brüten die Völker oft durch. Durch die späten Pollenspender wie Senf haben sie oft auch die Möglichkeiten dazu.

    Hier hat man gerde mit OXS Staub die Möglichkeit, zweimal zu behandeln, ohne die Völker zu schädigen. Damit ist keine Blockbehandlung gemeint.

    Ähnliches machte man ja Früher mit der Milchsäure, nur dass die Wirksamkeit höher ist. Beides geht natürlich.

    Das wissentschaftliche Studien die ceteris paribus Bedingungen einhalten sollten, steht ausser Frage.

    Daher glaube ich auch vielen Studien nicht mehr, vor allem wenn sie aus gewissen Ländern kommen. Der Ausdruck: "Das ist wissenschaftlich erwiesen" hat mittlerweile die Aussagekraft eines Doktor Titels.

    Daher orientiere ich mich mittlerweile eher an die Praxis und bilde mir meine eigene Meinung.

    So kommt wieder der Standardsatz. Das Denken kann man dem Imker nicht abnehmen und viele Wege führen nach Rom.

  • ok, wie hier an den Beispielen zB. 23112020 @Nihgtshadow deutlich wird, bewähren sich unterschiedliche Wege. Das scheint auch gut zu sein, denn Völker haben teils unterschiedliche Rahmen- und Standortbedingungen, wie offensichtlich auch unterschiedliche Imker;).

    Aber ich denke als Anfänger, wozu ich mich natürlich auch noch zähle, braucht es einen Faden, an dem man sich erstmal orientiert. Der Entwicklungskreislauf im laufe des Jahres zeigt dann ob es gut oder schlecht (hoffentlich nicht) war.

    Akribische Notizen und Beobachtung sollten auch dazu gehören, das hat mir bisher sehr geholfen.

    Ich schätze es sehr von den Profis hier im Forum profitieren ( wasn wortspiel🤣) zu können , was für viele Fäden hier gilt.

    LG

    Martin

  • Beehulk,

    Das ist genau das Problem (insbesondere in Foren)

    Ich empfehle dem Anfänger zur Sommerbehandlung den Nassenheidee Pro und zur Winterbehandlung Oxalsäure gesprüht oder auch geträufelt.

    Für den Anfänger ist das meiner Meinung nach die einfachste Methode.

    Hier im Forum gibt es etliche Imker die da anderer Meinung sind. Die haben andere Mehoden die wirken und funktionieren. Das streite ich nicht ab. Du musst dir selber im klaren werden, welche du anwenden möchtest.

    Nehme nichts alzu exotisches. Bist du unentschlossen mache eine Matrix mit Pro und Kontra der einzelnen Methoden. Achte auf Bienenverträglichkeit. Wirksamkeit und Aufwand der Methoden.

    Hast du dich für etwas entschieden,.vertiefe dein Wissen darin und ziehe es dann auch Konsequent durch.

    Allerdings zeigt das Beispiel Nassenheider Pro deutlich, dass die Entscheidungen bei dir liegen. Du must anhand der Fallzahlen entscheiden ob eine zweite Behandlung notwendig ist. Auch ob die Anwendung zum richtigen Zeitpunkt kommt, liegt bei dir.

    Viel Fehlerpotenzial liegt da auf dem Weg. Daher empfehle ich einfache Methoden, weil der Rest dem Beginner schon alles abverlangt.

    Glücklich ist derjenige, der einen Imkerpaten hat, der einem auch die gewünschte Methoden zeigen kann.

    Sei vorsichtig mit "Profis". Manch einer will nur seine Sache verkaufen.

    Wirkliche Profis die verschieden Beutentypen, Verfahren, Rassen etc kennen sind sehr sehr rar.

  • ja Bienen Ede, ich sehe das ja grundsätzlich auch genau so.

    Wie im Verein und auch zu lesen.

    Im Sommer mit Nassenheider Proff.

    Winter mit OX. Hat sich ja nicht umsonst bewährt.

    Im Frühjahr auch Drohnenschnit ( auch wenn es jetzt wieder Einwände gibt)

    Dabei habe ich auch mal akribisch geprüft, ob Varroa destructor in den Drohnenwaben sitzen oder ob es sinnloses Mänchengemetzel ist.

    In der tat waren es nicht wenig Plagegeister.

    Ich hatte den Drohnenschnitt nicht wirklich gern gemacht, ist voll schei....:(.

    Nur zum Wohle des gesammten Volkes.

    Alles in Allem: bisher zwei Winter, je beide Völker gut ins Frühjahr gestartet und die Hübschen haben wirklich viel eingetragen.

    Toi,toi,toi...

    :)

  • ich meine den Staub.. Den mach ich im Winter immer im Block. Geht bisher immer gut

    Wozu? Das ist völliger Quatsch. Wenn brutfrei, 1x. Block ist 'ne völlig andere Baustelle, und ganz sicher keine für den Winter :(

    Wieso nicht! Mehrfach bedampfen schadet nicht und Brutfreiheit muss auch keine festgestellt werden, deshalb ja der Block. Und Winter ist relativ. Sitzen die Trauben nicht zu fest kann behandelt werden und gut isses.:)

  • Hallo zusammen,

    Brutfreiheit lässt sich für mich nicht so leicht prüfen. Andere können das.

    Fallzahlen lassen auch keinen allgemeingültigen Schluss zu, ob behandelt werden sollte oder nicht.

    In 2017 / 2018 habe ich Milben über die Zeit von M7 bis E4 gezählt. Das höchste Ergebnis lag, ohne nochmal die genaue Zahl nachzuschlagen, bei etwas über 250.

    Ich schneide keine Drohnenbrut, mache keine TBE und keine Kunstschwärme ect.

    Und ich behandle nur mit OX. Möglichst wenig.

    2019 waren alle Völker im Frühjahr noch da und haben ein gutes Jahr gemacht.

    Z.Z. stehe ich vor der Frage: Behandeln oder es einfach lassen? Ich werde um den 25. November nochEINmal behandeln. Aus Sicherheit.

    Gruß

    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Die Annahme der Brutfreiheit ist ja eine Hypothese, die ich nicht prüfe. Daher ist es für mich so sicherer.

    Hypothese? Schau halt auf die Windel. Wobei geringe Flächen Restbrut spielen für den Erfolg keine wirkliche Rolle. Aber mach, wie Du meinst, viel hilft viel, wie in der Landwirtschaft ;)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife