Eigenarchiv Gemüllproben für AFB-Recherchen

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    Angeregt durch das tschechische AFB-Monitoring mittels Gemüllproben:



    und angesichts des Umstandes, daß in D das AFB-Monitoring auf FKP gestützt wird (= nur Momentaufnahmen vom Infektionsstatus), kam die Idee auf, mit der imkerlichen Eigenarchivierung von Gemüllproben Rückriffsmöglichkeiten zu schaffen für den Fall, daß AFB aufflammt und man den Infektionsherd suchen muß. Das ist oft eine mühsame kriminalistische Arbeit, die schnell als falsche Verdächtigung verstanden wird, Vertrauen zerstört und Mißtrauen sät. AFB-Sporen können sich über Jahrzehnte halten auch unter ungünstigsten Bedingungen (Sterilisierung erst ab 120 Grad und > 30min). Sie überdauern also mühelos das imkerliche Einschmelzen.


    Es gibt Imker, die so sparsam sind, daß sie Gemüll sammeln wegen der darin enthaltenen Wachsreste und das - ggf. zusammen mit entfernten Wachsbrücken - einschmelzen. Das ergibt dann im ca. 1-Monatsabstand bei 20 Völkern eine ca. 300g-schwere Wachsplatte. Wenn der Imker die jeweils datieren und wenigstens bis zur nächsten Futterkranzprobe (FKP) aufheben - also archivieren - würde, hätte er gewissermaßen eine lückenlose zeitliche Bandaufnahme vom Infektionsstatus seines Standes. Damit wären Recherchen zum Infektionszeitpunkt sehr viel zielsicherer möglich. Wenn das die Imker eines ganzen Gebietes - bspw. einer ehemaligen AFB-Sperrzone - tun würden, könnte man das Wiederaufflammen von Infektionsherden zweifelsfrei zurückverfolgen. In Tschechien wird noch Jahre nach der Aufhebung einer AFB-Sperrzone die Gemüllprobe jedes Bienenstandes jährlich zu einem einheitlichen Zeitpunkt auf AFB-Besporung untersucht.

    Das Gemüllwachsprobenarchiv eines Bienenstandes wäre aber auch bei den bestehenden Monitoringsystemen interessant, da nicht von jedem Bienenstand in jedem Jahr FKP gezogen werden können (Erhöhung der Beprobungsnetzdichte bei Bedarf nachträglich möglich).

    Durch die Imker-eigenen Gemüllwachsproben könnten diese Datenlücken im Bedarfsfall dann nachträglich noch geschlossen werden - egal, ob zur Klärung des Infektionsweges oder zu reinen Forschungszwecken, zur Ermittlung des Erreger-Genotyps bzw. sogar seines genetischen Fingerabdrucks (Abklärung, ob ein alter Infektionsherd wieder aufgeflammt ist).


    Für den Imker ergibt sich nur ein minimaler Mehraufwand, um ein solches Archiv von Gemüllwachsproben seines Bienenstandes anzulegen:

    - Gemüll aus den Standvölkern sammeln (in Tschechien sind Sammelproben von bis zu 25 Völkern eines Standes zulässig, mindesten 5 g getrocknetes Gemüll)

    - separat Einschmelzen, wenn genug zusammengekommen (resp. das Kochtöpfchen halb voll) ist; Zugabe von gewonnenen Wachsbrücken- o.ä. Wachsabfällen aus den Standvölkern in diesem Zeitraum wäre unschädlich

    - erkaltete Wachsplatte mit Datum und Herkunft kennzeichnen und archivieren, d.h. zurücklegen


    Was haltet Ihr davon? Zielführend, illusionär, abwegig?

  • Ehrlich gesagt: Nichts.

    Zum einen muss ich zum Sammeln einer Gemüllprobe ständig Böden in den Kisten haben, diese regelmäßig leeren und putzen. Dazu fehlt mir die Zeit; wartet man zu lange mit dem Leeren, schimmelt das. Ich müsste die Proben auch volksgenau trennen und aufheben - vor dem Einschmelzen heisst es da laaaaaaange sammeln und das gammelt da auch gerne.


    Wer das so genau machen will: Warum nicht regelmässig FKPs (im Freezer) oder Honigrückstellprobensammlung anlegen? Zumindest letzteres hält sich ganz gut ohne Kühlung.


    Aber womöglich richtet sich die Frage eh eher an die Grossen mit vielen Ständen und vielen Völkern...


    M:

  • Hymenoptera : Ein Mißverständnis: Ich beschrieb die Gemüllsammel- und -einschmelzpraxis von so manch sparsamem Imker, die jetzt bereits besteht. Das Gemüll wird dabei freilich nicht von jedem Volk separat gesammelt, sondern vom ganzen Stand und dann eingeschmolzen, wenn das Einschmelztöpfchen fast voll ist. Auch in Tschechien wird die behördliche Gemüllprobe ebenfalls von bis zu 25 Völkern eines Standes zusammengefaßt.

    Das Gemüllwachsprobenarchiv würde ja nur durch den zusätzlichen Aufwand der Beschriftung der jeweiligen Probe mit dem Einschmelzdatum und im Wegstapeln (resp. vorläufiger Separierung vom übrigen Wachskreislauf) bestehen und auch nur bis zur nächsten FKP des betreffenden Standes.

    Alternativ könnte jeder Imker Proben seines eingeschmolzenen Altwachses für diesen vorläufigen Zeitraum archivieren, obgleich die Sporenbelastung darin mglw. geringer ist als bei Proben aus Gemüllwachs. Solche Rückstellproben hatten wir ja bereits im Zuge der Wachsskandale besprochen.

    Der Sinn der Archivierung besteht m.E. darin, wenigstens eine Chance für die Laboranalytik eines vergangenen Zeitraums bzw. den zeitlichen Ablauf eines Infektionsverlaufes in einem frei wählbaren Gebiet zu erhalten.

  • p.s.: Zuzugeben ist freilich, daß die Analyse von (Gemüll-)Wachsproben noch keinen Eingang in die amtliche Methodensammlung gefunden hat.

    Immerhin ist am 10.10.18 die Gemüllprobe endlich als anerkanntes Diagnoseinstrument neu aufgenommen worden (Zf. 2.3):

    https://www.openagrar.de/receive/openagrar_mods_00005164

    Wenn auch nur für Positiv- nicht für Negativzeugnisse - man muß also nicht mehr zwingend im Winter die Beuten zur Beprobung aufreißen lassen - auch nicht von einem wild gewordenen AVet etwa in Berlin....

  • Beim AFB-Workshop in Fulda wurde zumindest darüber diskutiert; allerdings ist es ein weiter Weg bis zur amtlichen Methode - aktuell hatte man sich mit Bienenproben beschäftigt und festgestellt, dass diese

    a) wohl etwas sensitiver als die FKP ist und

    b) es jedoch Abweichungen bei beiden Methoden gibt, da.h. es gibt positive Sporenfunde, die man entweder nur mit FKP oder mit Bienenprobe findet.


    Ergo nicht ganz einfach; die AFB ist einfach insgesamt zwar im Krankheitsverlauf gut verstanden aber epidemiologisch wurden die Infektionswege praktisch nicht untersucht und verstanden (Wann und wie stecken sich Völker genau an). In Neuseeland haben sie ja gezielt Völker mit einer Sporenimpfung infiziert aber selbst mit Vermehrung des Erregers (Sporenmenge stieg an) heilten die Völker praktisch von selbst - leider war das aber beim Workshop gar kein Thema...


    Wachsproben nehme ich tatsächlich aber nur Jahrweise wenn ich Chargen einschmelze - habe aber zu wenige Völker als dass sich standweises Einschmelzen und Rückverfolgen lohnen würde. Ist denn der AFB-Nachweis aus Wachs gleichermassen einfach? Könnte mir vorstellen, dass das nicht so einfach ist, die in Wachs eingewickelten Sporen zu befreien und auf Platten zum Wachsen zu bringen...

    M.

  • Das Labor kenne ich nur von außen. Die amtliche Methodensammlung beschreibt aber in Zf. 3.2. die Kulturmethode u.a. mit dem Schritt des Aufkochens (um andere Keime abzutöten, resp. AFB-Sporen zu isolieren). Dabei werden naturgemäß die im Gemüll enthaltenen Wachsanteile ebenfalls eingeschmolzen/verflüssigt - könnten also AFB-Sporen umschließen.

    Als Laie leite ich daraus ab, daß das imkerliche Ausschmelzen des Gemülls die labormäßige Auswertbarkeit nicht beeinträchtigen dürfte.

  • Keimt so'ne Spore noch aus, wenn sie von Wachs eingeschlossen ist? Also grundsätzlich? Ich hab ehrlich gesagt noch nie gehört, das jemand sich über belastetes Wachs die AFB in die Völker geholt hätte. Ihr?

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Dr. Koithan hat in seiner Dissertation klar nachgewiesen, daß AFB-Sporen ohne Probleme auskeimen, auch wenn sie in der Probe in Wachs eingeschlossen waren. Es kommt dabei selbstverständlich auf fachgerechte Aufbereitung der Proben im Labor an (s. Zf. 4.1.4. S.23 ff., S. 54 ff. usw.):

    http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2003/1016/


    Der Umstand, daß ein Imker noch nicht über den Infektionsweg via Wachs gehört hat, bedeutet nicht, daß es ihn nicht gäbe. Nicht umsonst muß Seuchenwachs entsorgt oder einer speziellen thermodynamischen Behandlung in speziell dafür ausgelegten und behördlich registrierten und überwachten Anlagen unterzogen werden.