Insektenrückgang weitreichender als vermutet

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    Und noch ein Nachtrag:


    Wenn doch unstrittig klar ist, dass wir Menschen als Lebensform uns trotz aller Technik nicht aus dem ökologischen Gesamtkontext herauslösen können, wir also ein Mindestmaß an ökologischer Intaktheit unseres Lebensraumes benötigen, um langfristig überleben zu können - und ich meine, das ist in der Tat absolut unstrittig - dann meine ich, dass man dieser ökologischen Intaktheit einen ebenso hohen wirtschaftlichen Wert beimessen muss, wie z.B. der langfristigen Sicherstellung unserer Ernährung oder von ausreichend Arbeitsplätzen.


    Komischerweise wird das einfach nicht so gesehen und immer und überall wird Umweltschutz nur als grüner Luxus gegen die direkten wirtschaftlichen Kosten aufgerechnet.


    Das ist für mich wie wenn man beim Autohersteller alles Geld in die Reifenoptimierung und den Komfort eines Autos steckt, aber den Motor und das Geld dafür für überflüssig hält.


    Der große Fehler im System ist für mich einfach der, dass dem Umweltschutz kein wirtschaftlicher Wert zugemessen wird.

  • ... man müßte mit Umweltschutz nur Geld verdienen können, dann wären schnell alle dabei.

    Nur mal so als Einwurf. Jeder "müßte", und "man" sollte, aber wer tut denn tatsächlich was, wenn

    er vor der Entscheidung steht, auf Geld zu verzichten oder den bequemen Weg zu gehen? Das

    muss sich jeder einzelne mal fragen. Auch als Chef eines Verbandes oder eines Konzerns.


    Ich weiß, das sagt sich alles so leicht. Deswegen habe ich keine große Hoffnung, dass die Menschheit

    die Kurve noch rechtzeitig kriegt. Keine Schwarmintelligenz, jeder für sich, am Ende alle ausgestorben.

    Insekten werden dann sicher noch welche da sein, das ist die gute Nachricht.


    Grüße

    Roland

  • Es wurde ja schon so viel getan.

    Hehe zielte das etwa auf mich?!? Ich sehe überall nur die ungesunde Tendenz gerne auf DIE ANDEREN (insbesondere Landwirtschaft, Chemie, Lebensmittelkonzerne, Automobilproduzenten, Kraftwerksbetreiber) zu verweisen. Wer verzichtet denn auf seinen alljährlichen Urlaubsflug, wer fährt die SUVs, wer grillt im Sommer regelmäßig, wer spart Gas oder Öl durch seine achso saubere Pelletheizung oder Kaminofen, wer braucht regelmäßig das neuste iPhone?

    Du willst kein Ende der Landwirtschaft, sondern einen Umbau. Ich habe nur gezeigt, dass in Sachen Dioxin, Entstickung, Entschwefelung oder Feinstaubfilterung in der Industrie viel erreicht wurde. Wieso nimmt man nicht auch die Zementwerke und Kreuzfahrer in die Pflicht, besteuert das Flugkerosin und finanziert das Schienennetz wie die Autobahnen vollständig durch den Staat. Warum forscht und fördert man nicht biomechanische Unkrautbeseitigung, oder besteuert Insektizide, Fungizide, Pestizide zur Reduktion der prophylaktischen Anwendung

    In diesen ganzen Diskussionen herrscht oft der Tenor: "Wasch mich, aber mach mich nicht nass"

    Night Shadow ::thumbup:für Radbenutzung, saisonale und regionale Küche und Plastikvermeidung

  • ... man müßte mit Umweltschutz nur Geld verdienen können, dann wären schnell alle dabei.

    Das Subventionsmodell der Photovoltaik? Bereicherung der Eigenheimbesitzer und Bauern auf Kosten der Mieter! Umweltschutz kostet immer und bringt ausser ein paar Technologieproduzenten keine Gewinne. Das muss in die Köpfe rein: Gürtel enger schnallen, Einschränkung und Verzicht. Mit dem traditionellen Modell eines Gewinnanreizes wird doch nur der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben. Umweltverschmutzung muss teuer werden.

  • Insekten- und Artensterben, Klimawandel, Vermüllung der Ozeane sind Probleme, die global zu lösen sind. Die Staaten, die hierzu bereit sind werden immer weniger statt mehr. Demagogen und Populisten sind national und international auf dem Vormarsch, selbst in demokratischen Ländern. Warum ist das so? Dazu ließen sich viele Argumente ins Feld führen oder man zitiert Berthold Brecht „ erst kommt das Fressen und dann die Moral“. Zwischenzeitlich mach ich mir nicht nur um unsere Natur Sorgen sondern auch um die moralische und humanistische Kompetenz meiner Mitbürger. Hatte mir das vor 30 Jahren nach dem Mauerfall so nicht vorstellen können. Zwischenzeitlich habe ich es aufgegeben in den sozialen Medien gegen Verschwörungstheorien und Falschmeldungen ect. zu argumentieren und rate auch meinen Söhnen davon ab. Man macht sich kaum Freunde damit. Wird Zeit, dass die Jugend sich international zusammenschließt und wie beim Klimawandel Druck macht. Jetzt schweife ich ab aber es hängt nun mal alles zusammen. Leider schwinden meine Hoffnungen an eine bessere Welt - ich werde alt. VG Jörg

  • Ganz interessant ist in dem Zusammenhang ist auch, das die Bundesregierung das Ziel des täglichen Flächenverbrauchs von 30 Hektar auf 2030 verschoben hat. Diese Ziel von tgl. 30 ha sollte bis zum 32.12. diesen Jahres umgesetzt werden und wurde im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie vor ungefähr 20 Jahren für das Jahr 2020 von der Bundesregierung festgeschrieben.Aktuell liegen wir bei 62 Hektar täglich. x365=22630 ha pro Kalenderjahr oder x10000=226,3 Millonen m2.

    Bei dieser Faktenlage bin ich leider sehr pessimistisch.

  • Hallo in die Runde,


    wir wohnen in einem Ort in dem keine intensive Landwirtschaft betrieben wird. Mindestens die Hälfte der Feldflur sind Wiesen, die extensiv bewirtschaftet werden. Davon liegen die meisten in FFH oder Landschaftsschutzgebieten. Trotzdem mussten wir auch auf diesen Wiesen einen starken Rückgang der Fauna feststellen. Nicht nur Insekten (hier fallen uns besonders die fehlenden Heuschrecken auf) es fehlen sichtbar auch die Regenwürmer. Ich möchte nicht wissen was an Asseln, Springschwänzen und den anderen „unsichtbaren“ Arten fehlt.

    Um selber den Überblick zu behalten haben wir mal eine Liste erstellt die bei uns


    „ Sargnägel für den Rückgang der Insekten auf Wiesen“ trägt.

    Dies ist ein zusammengefasster Ausschnitt davon:


    1. Tiermedikamente die durch Festmist / Gülle ausgebracht werden Hier vor allem Entwurmungsmittel

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn058935.pdf

    2. Mahd         https://www.anl.bayern.de/publ…_poel_et_al_2014_mahd.pdf

    3. Neonics

    - Ausgebracht durch Gülle/ Festmist in Form von Larviziden die in Ställen zum „Schutz“ vor Fliegen ausgebracht werden. Die Abbauprodukte sind noch viele Jahre giftig.

    Abdrift von Neonics die sich im Boden anreichern und dann bei der Bearbeitung mit dem Staub verweht werden. Also keine Abdrift bei der Saat, sondern noch nach vielen Jahren bei jeder Bearbeitung. Hier eine Studie über Normale Pestizide

    - Imidacloprid hat im Boden z. B eine Halbwertszeit von 191 Tagen

    - http://sitem.herts.ac.uk/aeru/ppdb/en/Reports/397.htm dort gibt’s auch die ganzen Daten zu vielen anderen „Mittelchen“

    Ein Gutachten zu Abdrift untersucht an Baumrinden in Schutzgebieten

    http://enkeltauglich.bio/wp-co…Rinde-20190210-1518-1.pdf


    Das ist jetzt nur eine Kurzform für die Wiesen. Man könnte das Ganze jetzt noch für Oberflächengewässer, Wald, Verkehr, Schnakenbekämpfung, Strukturwandel... zusammenstellen.

    Ich denke es gibt viele, viele Sargnägel und ich habe keine Hoffnung, dass sich viel ändern wird. Manchmal frage ich mich wie sie es in den 70er Jahren geschafft haben DDT zu verbieten, als sie merkten dass es Greifvögel tötet. Jetzt bei vielfach stärkeren Giften und massiveren Auswirkungen traut sich keiner ran.


    Viele Grüße

    Meike

  • Ein nicht zu unterschätzender Faktor beim Rückgang der Insekten sind auch die viel sauberer gewordenen Gewässer. Viele Insekten haben Entwicklungsstadien, die im Wasser stattfinden und wenn dieses sauber und damit nährstoffarm ist, sind die Entwicklungsbedingungen für die Insekten schlechter. Damit verschlechtert sich ein Glied der Nahrungskette mit Auswirkungen auf andere Insekten, Vögel und die Anzahl der Insekten auf der Windschutzscheibe.


    Ich habe keine Zahlen mit dem ich diesen Effekt einordnen kann, gehe aber davon aus, dass er nicht unerheblich ist.

    Gruß Bernd http://www.hommel-blechtechnik.de

    "Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel."

    (Bertrand Russel, englischer Philosoph und Mathematiker 1872 - 1970, Nobelpreis für Literatur 1950)

  • Weder schmutzige noch künstlich eutrophierte (überdüngte und damit nährstoffreiche) Gewässer sind ökologisch in irgendeiner Forum positiv zu sehen...kann deinem Posting also nicht so ganz folgen.

    Saubere Gewässer sind der Normalzustand, mit dem sich die potenzielle Artenvielfalt entwickelt und z.B. in Deutschland seit Ende der Eiszeit gehalten hat, ehe der menschliche Einfluss begonnen hat.


    Die evtl. hohe Zahl von Individuen einer der wenigen Arten, die sich evtl. in solchen überdüngten oder umkippende Gewässer besonders wohl fühlen sind ebensowenig ein Zeichen intakter Umwelt wie es die vielen künstlich durch uns Imker gehaltenen Honigbienen sind.

  • ...auch ganz interessant zu sehen, wie Politik funktioniert, wenn die Sonntagsreden gehalten sind und die Kameras aus


    https://www.sueddeutsche.de/wi…-pflanzenschutz-1.4660633

    https://www.spiegel.de/wissens…nzenschutz-a-1294155.html


    Ich kriege so leise Zweifel, ob es eine gute Idee ist die Landwirtschaft und den Verbraucherschutz im selben Ministerium unterzubringen

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von weiss-nix ()

  • Zitat:


    "...dass es für eine Verpflichtung der Landwirte zur faktischen Aufgabe von mindestens zehn Prozent ihrer Ackerflächen keine gesetzliche Grundlage gebe...."


    Da haben wir es wieder. Abgesehen davon, dass es Blödsinn ist, wenn behauptet wird, ungespritzte Flächen seien ein 100% Verlust der betroffenen Fläche, steht wieder nur im Raum:


    Umweltschutz sei ein nicht bezifferbarer Luxus, 10% Verlust von Ackerfläche dagegen seien handfest berechenbare Einkommensverluste. Und schon ist Umweltschutz unwichtig und kann von einem Richter weggewischt werden, während die Einkommen der Landwirte wieder mal über alle Interessen gestellt werden.


    Damit meine ich jetzt nicht "nur" die vermeintlich unwichtige Natur, sondern z.B. auch die höheren Kosten in der Grundwassergewinnung. Auch DAS ist in meinen Augen eine Art Subvention, wenn die Pestizidlandwirte nicht alle Folgekosten ihres Tuns tragen müssen. Aber das ist ja überall so...Fliegen, Autos, Atom- und Kohlestrom...nirgends werden die Folgekosten in den Endpreis eingerechnet, damit es schön billig bleiben kann und die Nutzung möglichst ja nicht eingeschränkt wird.


    Der Dreh- und Angelpunkt ist einfach, dass in unseren westlichen Wirtschaftssystemen die Schäden an der Umwelt (dazu gehört auch die Gesundheit des Menschen) einfach nicht ausreichend monetär beziffert werden können bzw. viel eher, dass das so nicht gewollt wird.

    Bezahlt werden muss es trotzdem, nur halt nicht von den Verursachern.


    Solange dieser Punkt nicht offen und ehrlich behandelt wird, sind alle ernsthaften vorsorglichen Umweltschutzbemühungen in meinen Augen umsonst, führen zu nichts als zu Gerede und Rumeiern und es wird sich auch in 50 Jahren nichts tun.


    Momentan und seit Jahrzehnten wird in Sachen Umweltschutz immer erst was gemacht, wenn große Schäden zu massiven Aufständen führen, mit anderen Worten: wenn es zu spät ist und zu unleugbar zu teuer wird.

    Vorsorglicher Umweltschutz dagegen wäre unter dem Strich zwar immer viel billiger für alle, aber halt von Beginn an teuerer für die eigentlichen Verursacher.


    Aber genau das ist nicht gewollt, am allerwenigsten in neoliberal ausgerichteten Systemen wie dem klassischen Beispiel USA, aber auch vielen ähnlichen Beispielen in Europa.

  • hornet , alles richtig, nur wir leben in einer globalisierten Welt, wenn wir nicht mehr subventionieren, müssen wir Importe beschränken. Beschränken wir Importe für landwirtschaftliche Produkte, bekommen wir Schwierigkeiten unsere Produkte der chemischen Industrie, des Maschinenbaus und der Autoindustrie zu exportieren. Das kostet Arbeitsplätze und lässt sich deshalb politisch nicht durchsetzen, denn wer das macht wird nicht gewählt. Wie heißt es so schön „ein richtiges Problem hat keine Lösung“ VG