Insektenrückgang weitreichender als vermutet

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    Die Technische Universität München (TUM) hat eine neue Studie zum Thema Insektensterben veröffentlicht in der steht, dass die Insektenpopulation auf vielen Flächen in den letzten 10 Jahren etwa 1/3 zurück gegangen ist. Somit wäre das Insektensterben schlimmer als vorher angenommen. Die Honigbiene bzw. die Imkerschaft werden dabei nicht explizit erwähnt.


    Die offizielle TUM Pressemeldung zur Studie findet ihr hier: https://www.tum.de/nc/die-tum/…tteilungen/details/35768/

  • Statistisch gesehen heißt das doch, dass die Imker es nicht zugelassen haben die (ihre) Honigbiene zu dezimieren - also einen guten Job gemacht haben.
    Hoffentlich nie - aber die Gesamtheit der Ignoranten würde wahrscheinlich erst auf die Stimmen der Imkerschaft hören wenn alle Insekten vergiftet sind und nur noch die Honigbiene überlebt hat.


    Schöne Grüße aus Brandenburg
    Micha

  • Oder das Gegenteil tritt ein, dass die Imkerschaft mit haarsträubenden Begründungen mitverantwortlich gemacht wird, was in Ansätzen bereits getan wurde... Nach der Devise "jaja, eure Honigbienen habt ihr gerettet, aber für alle anderen Bienen und Insekten habt ihr nicht genug getan...!" - auch wenn es real genau anders aussieht. Hauptsache es gibt einen greifbaren Sündenbock, hinter dem sich andere verstecken können, weil man sich an die wahren Sündenböcke nicht herantraut...


    Gruß Andreas

  • Hoffentlich nie - aber die Gesamtheit der Ignoranten würde wahrscheinlich erst auf die Stimmen der Imkerschaft hören wenn alle Insekten vergiftet sind und nur noch die Honigbiene überlebt hat.

    Ignoranten sind und bleiben sie dennoch. Das Insektensterben ist eine direkte oder indirekte Folge der "modernen Agrarwirtschaft" mit ausgedehnten Monokulturen, die pestizidgestützt bewirtschaftet werden müssen. Es fehlen die "Erholungszonen" für viele Insektenarten, die auf bestimmte Blühpflanzen als Nahrungsquelle etc. angewiesen sind.


    Als "Nebenwirkung" wird die Nahrungskonkurrenz von Wild- und Honigbienen angefacht, was aber letztlich auf die o.g. Armut an Vielfalt der Landschaft zurückzuführen ist. Keine Nahrung - kein Überleben, schon gar nicht von Spezialisten!


    Es wird sich aber nichts ändern, solange die Bauernlobby, die Beteiligten der Agrarindustrie inkl. der Pestizidproduzenten nicht in die notwendigen Schranken gewiesen werden.


    In Frankreich hat man da offensichtlich eine andere Gangart als hierzulande. Dort ist bspw. der Neonics-Einsatz mittlerweile verboten. Das alleine ist aber auch nur die Spitze des Eisbergs.


    Und - damit es nicht nur Gejammer ist - man kann selbst etwas tun, unabhängig von der Grundstücksgröße: Der von uns angelegte, im wesentlichen sich selbst überlassene Wildgartenbereich ist von April bis September eine Augenweide in puncto wildlebender Insekten. Man muss nur wollen und ein wenig Geld und Zeit investieren.

  • Ja, "JEDER" sollte etwas tun!

    Und "JEDER" müsste auch etwas tun - wenn sich die Lage verbessern sollte.

    Frühere Studien haben doch eigentlich auch schon den starken Rückgang der Insekten- und Vogelwelt erkannt.


    Und noch etwas - eigentlich das Wichtigste:

    Es geht um die Natur als Ganzes - die Grundlage allen Lebens.

    Es geht nicht um Imker, Nichtimker, Bienen oder sonstige einzelnen Dinge oder Lebewesen.

    Jetzt geht es langsam wirklich um das "Große und Ganze"!


    Rolf


    Nachtrag:

    „Bisher war nicht klar, ob und wie stark auch der Wald vom Insektenrückgang berührt ist“, sagt Seibold. Das Team stellte fest, dass die Biomasse der Insekten in den untersuchten Wäldern seit 2008 um etwa 40 Prozent zurückgegangen war. Im Grünland waren die Ergebnisse noch alarmierender: Am Ende des Untersuchungszeitraums hatte sich die Insektenbiomasse auf nur ein Drittel ihres früheren Niveaus verringert."


    Rückgang der Insektenmasse auf 1/3 nicht um 1/3 - das ist ein großer Unterschied!


    Konfuzianer:

    "Man soll ein anständiges Menschenleben führen, aus dem einfachen Grund, weil man ein anständiges Menschenwesen ist."

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Rolf G ()

  • Ich bin mir nach wie vor sehr unsicher, ob man dafür alleine der Landwirtschaft die Schuld zuschieben kann.

    Da auch Naturschutzgebiete betroffen sind und wir nicht wissen, ob in den Städten ein besseres Überleben für Insekten möglich ist.

    Die Frage ist also, was ist die Ursache? Unsere Luftverschmutzung, Klimawandel, Feinstaub, CO2, CO, Landwirtschaft, Mikroplastik?

    Viele Menschen stört es wenig, dass es weniger Insekten gibt. Es wurde nicht wirklich wahr genommen. Erst die Studien machen darauf aufmerksam.

    Und es ist so schön einfach, alles einer einzigen Ursache zuzuschieben, wobei viele Menschen einfach so weiter machen, wie bisher.


    Reden hilft da nur wenig. Ich kaufe regional und saisonal ein, fahre Fahrrad und spare Plastikverpackungen. Mein Garten darf wild aussehen.

    Nur fällt mir keine grosse Lösung ein, die die Situation wirklich verbessern würde.

  • Da auch Naturschutzgebiete betroffen sind...

    Das ist kein starkes Argument. Insekten leben nicht nur auf einem kleinen Acker. Es finden Einträge in die Umgebung statt. Viele Insekten sind auf einen Wechsel der Lebensräume angewiesen. Naturschutzgebiete sind zudem meist viel zu klein, um eigenständige Habitate zu bilden.


    Nur fällt mir keine grosse Lösung ein

    Ein Ende der heutigen Intensivlandwirtschaft wäre keine kleine Lösung und würde erhebliche Verbesserungen bringen. Ganz nebenbei auch für das Grundwasser und den Tierschutz.

    Natürlich spielen andere Faktoren auch eine Rolle, aber hier kann man am effektivsten ansetzen.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Oder das Gegenteil tritt ein, dass die Imkerschaft mit haarsträubenden Begründungen mitverantwortlich gemacht wird, was in Ansätzen bereits getan wurde... Nach der Devise "jaja, eure Honigbienen habt ihr gerettet, aber für alle anderen Bienen und Insekten habt ihr nicht genug getan...!"

    Noch weiter: Die Honigbienen futtern den Wildbienen Nektar und Pollen weg (Dialog mit Mitarbeiterin der Deutschen Wildtierstiftung!)

  • Unsere Luftverschmutzung, Klimawandel, Feinstaub, CO2, CO, Landwirtschaft, Mikroplastik?

    Ich erinnere nur an die 80er Jahre: saurer Regen und Waldsterben. Schwefeldioxid fehlt in deiner Auflistung! An grosstechnischen Anlagen wird Gips ohne Ende fabriziert, Feinstaub wird elektrogefiltert und Dioxin aktivkohlegefiltert und dann gecrackt. Beim Lufttest des NDR waren der Hamburger Hafen und der Nord-Ostseekanal die Plätze der höchsten Feinstaubbelastung: Kreuzfahrer! Parallel dazu kommt aber wieder vermehrt der Hausbrand mit Pellets und Kaminöfen ohne Abluft-Maßnahmen. Und wer das Ruhrgebiet oder die DDR der 60er kennt, sieht das mit der Luftverschmutzung auch anders, nur da konnte man es noch direkt sehen und riechen. Die von dir geforderten großen Lösungen wurden doch umgesetzt, die Haushalte und der Individualverkehr wurden bis jetzt geschont - aber das kostet Wählerstimmen...

    Und bitte keine Grillabende, denn die Fleischproduktion ist durch den damit verbundene Methanausstoß viel klimaaktiver als das CO2.

  • Die Landwirtschaft ist wichtig für uns alle, aber eben auch wichtig in ihrer Wirkung, weil einer der allergrößten, wenn nicht der größte Landschaftsverbraucher. Bei der Landwirtschaft kommt zum Flächenverbrauch halt auch noch die Pestizidwirkung hinzu. Das berechtigt schon dazu, die Landwirtschaft ganz neutral als einen der, wenn nicht den größten Verursacher zu sehen. Dass muss einfach mal gesagt werden dürfen, ohne gleich als "böser Bauernbasher" dazustehen.


    Doch klar ist, unsere Landschaft wird auch von anderen "Großen" massiv negativ verändert - wichtige Lebensflächen verschwinden nicht nur unter Ackerland, sondern eben auch unter Städten, Industrie, Infrastruktur und Einrichtungen der Spaßgesellschaft.


    Für mich der dritte, wichtige Punkt wäre die Lichtverschmutzung, völlig unterschätzt nach wie vor, was die Wirkung auf Insekten, aber auch höhere nachtaktive Tiere angeht. Ja sogar die Wirkung auf uns Menschen ist ziemlich stark.


    Und auch wenn es immer wieder belächelt wird: Ich halte speziell im Bezug auf Insekten und Kleinteiere auch den Autoverkehr durch direkte Kollisionen für stark signifikant. 50 Millionen deutsche und weitere zig Millionen ausländische Fahrzeuge sind 24h/365 Tage flächendeckend unterwegs und räumen alles weg, was im Fahrzeugquerschnitt im Weg ist. Das sind Billionen und Aberbillionen von Individuen und wenn es vor allem im Frühling die Startindividuen (z.B. Königinnen) trifft, sind auch alle potenziell folgenden Individuen betroffen, die dann gar nicht mehr auf die Welt kommen können.


    Und um den Kreis zu schließen auch mal wieder zurück zur Landwirtschaft: So viel wie heute mit Kreiselmähwerke und Mulchern gearbeitet wird, mit früher undenkbaren Geschwindigkeiten auf wahrhaft riesigen Flächen und das 5 bis 7x im Jahr, mit praktisch 100% Verlust aller Insekten im Arbeitsbereich, das kann nicht ohne Folgen bleiben. Diese Bearbeitungsform ist erst in den letzten 20, vor allem den jüngsten 10 Jahren derart extrem geworden. Eigene Gedanken sind erlaubt...


    Es hilft nichts, meiner Meinung nach sind damit einige der allerwichtigsten Stellschrauben bereits bekannt. Man müsste nur mal daran drehen und nicht nur den kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg der Einzelnen und auch der Volkswirtschaft im Auge haben.

  • Das Wissen ist größtenteils da, der Wille fehlt.

    Wir bekämpfen Wespen, Ameisen, Zecken, Fliegen, Spinnen, Läuse in jeglicher Form... eigentlich haben wir gegen so ziemlich alles kleine, krabbelnde unsere Mittelchen und wenden sie kräftig an. Wundert sich irgendwer darüber, dass ich das auswirkt?

    Das ist scheinheilig.:saint:

  • Ihr könnt mich gerne nieder machen.

    Aber "nur" das Ende der Landwirtschaft als einzig gut Lösung zu sehen, liegt nicht in meiner Natur.

    Ganz im Gegenteil halte ich eine Veränderung der Landwirtschaft für sinnvoll.


    Besser als ein Ende.


    Denn anscheinend vergessen hier einig, dass das Essen im Supermarkt auch irgendwo produziert wurde und nur weil wir es super billig bekommen können, heisst es nicht, dass es im Ausland besser und ökologischer produziert wurde.

    Die Wege sind nur länger, mit mehr Abgasen und Pestiziden und weniger Tierwohl, und wir sehen es dann nicht und keines unserer Gesetze kann dort etwas ändern. Globalisierung ist etwas tolles, immer und überall können wir alles bekommen.

    Wir verschieben nur das Problem, wie das Atommüllproblem oder andere Probleme.

    .

    Aber wozu diskutieren.

    Es wurde ja schon so viel getan.

  • Es ist ja durchaus nicht so, dass alle Landwirte dieses Art der intensiven Landnutzung bejubeln und kritikfrei mitmachen. Aber Diejenigen, die ausscheren und dies öffentlich, haben es wirklich schwer. Massiver Gegenwind, hauptsächlich aus dem eigenen Verband.

    Die Landwirtschaft ist doch längst zum globalen Wirtschaftsfaktor geworden und es wird erst dann aufhören, wenn gar nichts mehr zu holen ist.

    Jetzt haben wir also eine unibasierte Studie, die belegt, was alle Interessierten eh schon wissen. Somit sind zumindest die Kritiker, die Krefeld als nicht aussagekräftig tituliert haben, hoffentlich ruhig.