Völkerverluste

  • Hallo zusammen,
    war gestern in Mayen in der Imkerschule auf einem Lehrgang.
    Dort hat man allen Imkern gesagt, dass es im Moment zu starken Völkerverlusten durch Varroa kommt. Eine Kontrolle der Völker und eine Winterbehandlung wurde dringend angeraten.


    Gruß an alle aus der Eifel

  • Hallo, alle Miteinander,


    Freitag hatten wir unseren ersten Vereinsabend in diesem Jahr.
    Wenig erfreulich, da das erste und wichtigste Thema „ Völkerverluste „ war.
    Wobei wir für uns festgestellt haben dass es nur zwei Gruppen gab, viel Verlust, und wenig Verlust.
    Nach heftigen Schuldzuweisungen, (Wetter, Bauern, Varroa, Futter,) haben wir uns einmal auf das Wesentliche beschränkt.
    Das heißt, wir haben differenziert, auf Standort, Medizinbehandlung, Fütterung und Betriebsweise.
    Nach ca. zwei Stunden Diskussion kam heraus dass es bei uns zweieinhalbe Gruppen gibt.
    1. Die – ich mach alles besonders gut – Imker.
    2. Die - ich mach das schon immer so – Imker.
    3. Die – von jedem etwas – Imker.
    Die erste Gruppe, durchschnittlich 25 Völker, wandert sehr viel, kontrolliert sehr viel, probiert sehr viel und medikamentiert sehr viel, hat mäßige aber vielsortige Erträge.
    Die zweite Gruppe, durchschnittlich 15 Völker, meist älter, arbeitet traditionell mit festen Ständen nach dem Motto - die Bienen wissen schon- medikamentiert mit Perizin u./o. AS, hat mäßige bis hohe Erträge,
    maximal zwei Sorten.
    Die dritte Gruppe, durchschnittlich 5 Völker, sind die experimentellen, die Mal hier, mal da, mit Der Biene oder der Anderen, das eine oder andere Volk kaputt probieren und eines Tages die Erfinder der pflegeleichten Biene sein möchten, die sich selbst versorgt und bei Bedarf zu Höchstleistungen fähig ist. Erträge beinahe null bis mäßig. Aber alles im Namen der Bienen.
    Völkerverluste; Gruppe 1. 50-70 %
    Gruppe 2. 0-10 %
    Gruppe 3. 50-80 %
    Interessant war, dass sich die Kollegen mit den hohen Verlusten, schnell mit Paketbienen versorgen, und mit ihren Betriebsweisen so weiter machen wollen, und im nächsten Jahr, hat man vielleicht………..
    Ich möchte diese Zahlen nicht Verallgemeinern, sie sind wahrscheinlich auch überregional anwendbar, vielleicht sollten alle Vereine und Imker, solch eine Abrechnung, auch mal mit sich selbst machen.
    Da ich mir, über bestimmte Themen, eine unbestimmte Zeit der Nichtäußerung auferlegt habe, überlasse ich diesen Beitrag, ohne meine Meinung zu Äußern, Eurem Urteilsvermögen!
     
    @ Lothar, das kommt Deiner Theorie doch auch schon etwas näher, oder?


    Ich wünsch Euch viele gesunde Bienen!


    Margret

  • Hallo Margret,


    das ist absolut represäntativ !
    Die gleichen Sorten Imker findest Du auch hier bei uns.
    Zu Gruppe 2:
    0 -10% Völkerverlusten glaube ich denen nicht so ohne Weiteres. dies sind nämlich die Imkerkollegen, die es mit ihren Angaben noch nie so genau nahmen. Wenn ich die wegen der Mitgliedsbeiträge anspreche, haben sie drei Völker, wenns um Zuschüsse geht, sinds plötzlich wieder 25.
    Die Wahrheit liegt wohl wie immer in der Mitte, nicht nur bei den Völkerzahlen.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo zusammen,


    also da muss ich dem Michael schon recht geben, so sind sie eben die Imker, die meisten jedenfalls.
    Was ich halt auch nicht verstehe ist die Tatsache, dass der Grund für das Zusammenbrechen der Völker immer noch an der Varroa fest gemacht wird.
    Vor 10 Jahren noch vertrugen die Völker mehr als das 3-4 Fache an Varroen und heute sterben Brutfrei gebildete und behandelte Ableger im August angeblich an zu hohem Varroa befall!


    da stimmt was nicht!


    Grüße

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • HAllo beisammen,


    bevor ihr einen generellen Rundschlag gegen die Kollegen startet hier vielleicht noch ein kleiner Report aus dem tiefsten Oberbayern: Hier sind mittlerweile ganze Landstriche beinahe bienenfrei. In einem Landkreis geht man von 75% Verlusten aus. Dabei hat es ausnahmslos alle Imker getroffen, den einen mehr den anderen weniger, aber bei niemandem unter 30% Verluste. Auffallend ist, dass bei mir und einem Kollegen vor allem die Kunstschwärme (!) tot sind. Meine Altvölker leben überwiegend noch. Ist schon irgendwie amazing. Bei diesen Jungvölkern war auch der Varroabfall nach der AS-Behandlung geringer als bei den alten und im November waren sie tot....


    Weiss der Henker welcher Virus da vieleicht noch seine Finger im Spiel hat. Effekte durch PSM können bei mir ausgeschlossen werden. Bei uns gibt es keine Kulturen die mit Imidacloprid behandelt werden (bis auf Mais). Aber da fällt mir gerade ein, was ist denn, wenn Löwenzahn auf Flächen blüht, die zuvor mit gebeiztem Mais bebaut waren? Da könnte ja auch noch eine Leiche schlummern, oder was meint ihr?

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  • Hallo Reiner, ich möchte doch auch mal wissen was bei Euch los ist.
    Ich will nicht zu laut sein, aber bis jetzt habe ich von 24 Völkern noch --- 24.
    13 Altvölker und 11 Jungvölker. Im letzten Jahr hatte ich zum Glück nur ein Volk verloren.
    Was ich mir so vorstelle ist, daß viele Imker zu leichtsinnig oder zu faul sind. Wenn die Bienen im Sommer und Herbst gut fliegen und der Honigertrag auch noch gut war, wird wohl alles richtig sein; da braucht man sich nicht weiter um die Kleinen kümmern. In faßt allen Fällen ist das aber nicht richtig den die Varroa schläft nicht.
    Ich mache Ableger mit der alten Königin aber ohne verdeckelte Brutwaben. Anschließend werden diese 2 mal im Abstand von 7 Tagen mit Oxalsäure bedampft. Mit der Windel wird der Milbenfall kontrolliert und ich muß sagen, daß so gut wie keine der Biester am leben bleiben.
    In den Altvölkern ist jetzt eine Brutunterbrechung und die wird ebenfalls ausgenutzt um einen großen Teil der Milben abzufangen. Es sind immerhin ca. 8 Tage bis die neue Königin schlüpft und weitere 8 bis 10 Tage bis sie in Eiablage geht. Auch hier bleiben nochmal weitere 8 Tage zur Behandlung da die Varroa etwa am 9. Tag in die Zelle geht, kurz bevor sie verdeckelt wird. Ich habe bei der Betriebsweise ca. 26 Tage Zeit und bekomme auch hier faßt alle Milben in den Griff ( 3 mal im Abstand von 7 Tagen mit Oxaldampf). Da nach 21 Tagen die letzte Biene und nach 24 Tagen auch noch die letzte Drohne geschlüpft ist haben die Milben für ca. 2 Tage keine Möglichkeit sich zu verstecken. Die Wirkung der Oxalsäure hält etwa 10 Tage an und ich kann an den „Windeln“ sehen wie es um die Bienen/Milben bestellt ist.
    Sicher wirst Du sagen, da ist ja eine so große Brutlücke wer soll denn den Honig eintragen. Wenn der Schwarm davon fliegt ist der Bienenverlust ein vielfaches und wem ist das noch nicht passiert!
    Wir haben hier die Haupttracht so zeitig, daß schon faßt alles vorbei ist und ich auf den Brutausfall leicht verzichten kann. Wenn die neue Königin gut in Eiablage geht habe ich auf jeden Fall keine angestochenen (Milben geschädigte) Winterbienen. Die Ableger werden gut gefüttert und haben sich in der Zeit ebenfalls gut Entwickelt. Oft lasse ich auch zwei (gekäfigte Weiselzellen) schlüpfen und mache noch einen kleinen Ableger mit zwei Tassen Bienen im Kirchhainer Begattungskästchen. Nicht jede Königin kommt zurück bzw. geht in Eiablage.
    So hat eben jeder seine Methode um die Varroa kurz zu halten. Wichtig ist, daß man überhaupt etwas macht, was ich bei vielen Imkern stark bezweifele.
    Ich hatte vor 4 Tagen das zweite mal mit Oxalsäure bedampft und heute die „Windeln“ kontrolliert. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, das Volk mit den meisten Milben hatte 25, das mit den wenigsten hatte 7 Milben.
    Gruß Alfred

  • Hallo,Alfred,
    meine ganz persönliche Meinung hat wieder was mit dem Alter des Durchschnittsimkers zu tun. Welcher der über 70jährigen befaßt sich denn überhaupt noch mit Alternativen zu Perizin &Co.? Im Höchstfall lassen sie sich zu AS überreden, die sie dann unkontrolliert per Bierdeckel oder Schwammtuch reinhauen. Das ist weder Faulheit noch Leichtsinn, sondern einfach Unwissenheit!
    Letzte Woche sagte mir ein "Kollege", die zwei,drei Jahre, die er es noch schafft, werden es die Bienen wohl auch noch packen, und wenn nicht, bräuchte er sich keine Gedanken zu machen, wer das alles übernimmt...
    Da ist mir erst mal wieder der Mund offen stehengeblieben!


    Andererseits erklärt auch das nicht die hohen Verluste auch der Berufsimker! Die wissen, was sie tun, schließlich leben sie davon.


    Ich kann mir nur vorstellen, daß es entweder ein ganz neues Bienenvirus ist, oder ein angepaßtes, das durch die andauernden Einzelschädigungen (Spritz-und Beizmittel) der Bienen erheblich agressiver wirkt. Oder, ganz weit hergeholt, eine agressivere Varroa-Variante mit kürzerer Brutdauer oder einer erheblich höheren Anzahl fruchtbarer Weibchen.
    Das paßt aber nicht zu den relativ geringen Zahlen auf den Windeln...


    Unsere geschätzten Institute wissen auch nichts dazu.


    @ Reiner: wieso gibt es bei euch Löwenzahn nach Mais? Was sind das denn für Fruchtfolgen?
    Rein technisch hast du natürlich recht; bei einer Halbwertszeit von mehreren Jahren haben auch die nachfolgenden Kulturen was davon...
    Was ist denn eigentlich mit den Wechselwirkungen der verschieden Mittel?
    Ich meine, wenn die Pflanze schon Imidacloprid intus hat, und jetzt kommt noch mal die chemische Keule gegen den Rapsblütenstecher oder wie das Vieh heißt, gibt es da chemische Abläufe IN der Pflanze? Oder reagieren möglicherweise die Abbauprodukte miteinander?
    So viele Fragen, und keine Antworten in Sicht!!!

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Alfred,


    was da los ist wüßte ich selber auch gerne! Wie sich das mit den Auswirkungen der Brutpausen verhält weis ich auch und ob ich mir das nun zu Nutze mache oder nicht hat bei einer massiven Reinvasion auch nur geringen Nutzen. Der Abfall bei der Behandlung war normal, auch bei der Oxalsäurebehandlung mit der Träufelmethode. Es weiss jedoch keiner ob die Völkerverluste wirklich nur varroabedingt sind. Bei den meisten sind nämlich die Kästen einfach leer mit vollständig vorhandenem WInterfutter. Wenn ein Volk an der Varroa zusammenbricht, sind ja meist noch Brutflächen vorhanden, hier und heute jedoch nicht! Misteriös, oder nicht? Man kann natürlich vermuten, dass ein anderer/neuer/veränderter Bienenvirus im Umlauf ist, aber der Nachweis ist schwierig. Es ist ja schon bemerkenswert, dass es abwechselnd immer andere Regionen betrifft. In der Oberpflaz z.B. ist zur Zeit nix aussergewöhnlich. Die hats vor ein paar Jahren ähnlich getroffen und im letzten Jahr waren teilweise die Niedersachsen dran. Das geht wohl immer so wellenweise.


    Sabine
    Bei uns gibt es keien Raps, dafür im Wechsel Mais und Grünland - wenn man Glück hat, sonst steht auf den gleichen Flächen jedes Jahr Mais. Das ist halt das Übel der subventionierten Milchwirtschaft. Mit Grünland alleine arbeiten nur die Ökobauern. Da war natürlcih schon lange nix mehr an Chemie dran, aber die sind halt nur zwischen drin mal mit ihren Feldern. Und bei uns in den Tälern ist halt alles zielich eng. Das nach dem Mais dann Löwenzahn wächst ist natürlich recht selten, da dieser in den Saatgütern sicher nicht drin ist, aber möglich wärs ja im zweiten Jahr. Und weil wir schwere Böden haben, hält sich so ein PSM auch länger... Ist ja auch nur eine Vermutung. Der Nachweis dieser Wirkungen scheint schwierig zu sein. Woran nun meine Lieben verreckt sind.... weiss der Henker! Ich hoffe nur, dass es nicht noch schlimmer wird, wir hatten heute morgen 12 Grad minus.... Da wird einem schon etwas mulmig, auch wenn man die Mädels gut versorgt hat. Eine gewisse Bangigkeit bleibt.

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  • @ Reiner, Frage an dich:


    sind bei dir Milchviehbetriebe? oder Schweinemastbetriebe?


    wenn ja, hast du schon mal gesehen ob deine Völker Sojaschrot höseln?


    und noch eine letzte Frage zu den Schwärmen: wann hast du die genau gemacht und wann blüht bei dir der Mais?


    bin hab Morgen unterwegs Richtung Soltau zum Berufsimkertreffen und erst wieder am Montagabend zurrück!


    Grüße

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hi Fan des Toyota,


    bei uns gibt es nur einen Schweinemastbetrieb mit ca 120 Stück und der ist von meinen Ständen weit weg. Dass die Ladies Soja höseln wäre mir noch nie aufgefallen.


    Die Kunstschwärme habe ich Mitte Juni und Anfang Juli erstellt. Der Mais blüht bei uns spät, also Anfang August. Zunächst dachte ich, das Völkersterben käme durch das katastrophale Wetter in der Zeit nach der Erstellung und durch eine schlechte Pollenversorgung. Aber auf den verlassenen Waben finde bei einigen Völkern ich schöne Pollenkränze. Die Farbe des Pollen könnte jedoch auf Maispollen hinweisen. Es würde mich aber erstaunen, wenn das der Grund für die flächendeckend hohen Verluste ist.


    Interessant wird sicher das Ergebnis der Studie an der Uni Jena über die Wechselwirkungen zwischen Bt-Mais und der Honigbiene http://www.biosicherheit.de/projekte/68.proj.html .
    Projekt Ende ist 2004.


    Dann noch viel Spass in Soltau und grüsse mir die Kollegen, soweit vorhanden!

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  • Hallo Reiner


    Bei schleichender Vergiftung oder bei einem unbekannten Virus würden da nicht auch die Altvölker wegsterben? Kleine Völker (Jungvölker ohne ausgereifte Harmonie) und längere Zeit schlechtes kühles Wetter spricht das nicht eher für eine akute Nosema? Hat jemand schon einen Sachverständiger Richtung Bienenkrankheiten geholt, der die traurige Sache sich angeschaut und tote Bienen zur Untersuchung ans Labor gesendet hat.

  • Hallo Hanspeter,


    dfa bist du gerade an den richtigen geraten! Ich bin in unserem Landkreis Fachwart für Bienengesundheit. Deshalb bin aber auch manchmal ratlos. So in diesem Fall. Eine Nosemauntersuchung des Mitteldarms konnte ich nicht machen, weil ja keine Bienen mehr im Stock waren, wie vorher geschrieben! Nur auf einer Wabe waren auf einer Seite noch etwa zehn Brutzellen, die habe ich geöffnet und drinnen keine Varroa gefunden!


    ICH WEISS EINFACH KEINE ERKLÄRUNG! <seufz>

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