Was meint man mit "Reinzucht in offenen Populationen" in der Buckfastzucht

  • Hallo zusammen,

    ich lese gerade auf der Seite der GdeB die Artikel vom Prof. M. Förster.

    Der spricht von der "Reinzucht in offenen Populationen", und bei mir im Kopf hakt es gleich an mehreren Stellen.

    Grundsätzlich geht es um die Buckfastbiene - nur für diejenigen, die mit dem Begriff GdeB nichts anfangen können.


    Unter Reinzucht wird so etwas wie die "Erbtreue von [bestimmten] Merkmalen" verstanden. Weiter heisst es: "Dies geschieht hierbei durch eine Zunahme der Anzahl reinerbiger (homozygoter) Genorte."


    Ich verstehe, was die Carnica Züchter wohl unter Reinzucht verstehen würden. Da geht es um den Cubitalindex, sehr viel um die Färbung etc. - da gibt es klar abgegrenzte (äußerliche) Merkmale und einen irgendwie klar abgegrenzten, geschlossenen Genpool, in dem man sich bewegt.


    In der Buckfastzucht kennt man die Kreuzungs- und Kombinationszucht, und es geht viel weniger um äußerliche Merkmale als um innere Werte (Eigenschaften).

    Wie definiert man da überhaupt den Begriff "Reinzucht"? Wann ist etwas aus Buckfast-Sicht "rein"?
    Und wie kann eine Zucht eine "Reinzucht" sein, wenn sie in offenen Populationen stattfindet? Bzw. was wird eigentlich unter einer "offenen Population" verstanden?


    Mir gehts darum, den Zusammenhang zu verstehen, unter dem die Buckfastzüchter arbeiten. Nicht, dass ich einer werden wollte, aber ich möchte gerne die Arbeitsweise und das Selbstverständnis verstehen.

    Vielen Dank und viele Grüße

    Ralf

  • Reinzucht = Erhaltungszucht, ohne "Reinzucht" also der Verpaarung von bereits dem Zuchtziel sehr nahe Tiere ist keine Festigung, bzw. Erhöhung der Homozygotie zu erreichen.
    Deshlb besteht Buckfastzucht aus drei Stufen:

    - Kreuzungszucht
    - Kombinationszucht
    - Reinzucht

    Was in der Buckfastzucht auf den Belegstellen gemacht wird ist absolut überwiegend der Reinzucht zuzuordnen, da Tiere die die gleiche Zuchthistorie haben und einem Eigenschaftsstandard entsprechen miteinander verpaart werden.
    Die offene Population ist in sofern offen, als dass Tiere die die gleiche Zuchthistorie haben und einem Eigenschaftsstandard entsprechen nicht ausgeschlossen werden, da sie evtl. in einem Merkmal abweichen, das nicht im Eigeschaftskatalog enthalten ist, wie z.B. die Körpermerkmale oder andere Unterart der Herkunft.

  • Ahhhh. Das macht das alles so viel klarer! Danke!


    Ich erlese mir gerade das Schreiben und Lesen von Pedigrees.
    Dabei spielt ja die Kastennummer eine der zentralen Bedeutungen. Bei den Carnica Züchtern ist es die Nummer der Königin, die vermerkt wird, nicht die des Kastens (meines Wissens nach).
    Bei mir sind Kästen viel variabler als die Königinnen. Ich hätte intuitiv immer die Nummer der Weisel als eindeutiges Nummernschild vorgezogen, als die Nummer der Beute.

    Aber ich vermute, das ist einfach historisch so gewachsen, bzw. tradiert?

  • Die Kastennummer ist auch insofern logisch, da wir bei der Buckfastzucht die Völker beurteilen, "buckfast breeder" ist das Zuchtvolk. Manche Eigenschaften werden ja nicht nur von der Königin, sondern vom Gesamtvolk bestimmt oder beeinflusst. Das hatte der alte Mann in Buckfast so begonnen.


    Teilweise wird davon nach gusto des Züchters davon abgewichen. Ist ja keine Todsünde, z.B. in besonderen Zuchtprojekten wie VSB.

  • Darf ich noch eine Pedigree Frage hinterher werfen?

    Wenn ich auf eine Belegstelle fahre, dann steht da doch mehr als ein Drohnenvolk.

    Wenn es jetzt zur Anpaarung kommt und die Mutter der begattenden Drohnen vermerkt werden soll, welche meine Prinzessin knallen - wonach richtet sich das dann? Welches Volk wird da eingetragen?


    (PS: Pedigree verstehen macht ganz schön Knoten in den Kopf)

  • Darf ich noch eine Pedigree Frage hinterher werfen?

    Wenn ich auf eine Belegstelle fahre, dann steht da doch mehr als ein Drohnenvolk.

    Wenn es jetzt zur Anpaarung kommt und die Mutter der begattenden Drohnen vermerkt werden soll, welche meine Prinzessin knallen - wonach richtet sich das dann? Welches Volk wird da eingetragen?


    (PS: Pedigree verstehen macht ganz schön Knoten in den Kopf)

    Drohnen haben keinen Vater sondern nur eine Mutter. Die aufgestellten Völker sind Schwestern, geben also nur das Erbgut der Mutter weiter, diese wird als Drohnen im Pedigree erscheinen, den das Sperma dieser Drohnen befindet sich in der Spermatheka deiner Prinzessin, die du auf die Belegstelle brachtest.