Ermittlung tatsächliche Varoabefall

  • Aufgrund gemachter Beobachtungen mistraue ich seit kurzem der Windeldiagnose und würde den tatsächlichen Befall gerne auf andere Weise ermitteln um daraus einen weiteren Behandlungsbedarf abzuleiten.


    Ich würde wetten, dass es hier bestimmt schon gute Anleitungen gibt... Ich nur wieder zu blöd bin sie zu finden. Kann mir da jemand weiterhelfen?


    Was haltet ihr für die zum jetzigen Zeitpunkt für Anfänger geeignetste Methode?


    Puderzucker?


    Ich wäre für jeden Link / Hinweis dankbar?

  • Such mal im Forum nach Befallskontrolle Puderzucker, CO2 oder Auswaschprobe.

    Dadurch erhälst du nur den phoretischen! Milbenbefall. Rückschlüsse auf die Brut lassen sich da nur eingeschränkt ableiten.


    Gruß Chris

  • Ich habe auch gerade bei meinen 11 Völkern den Bafall mit der Puderzuckermethode gemessen.

    Zu zweit geht es relativ schnell und man hat eine genaue Einschätzung.

    Wobei sich das Ergebnis in etwa mit der Windeldiagnose gedeckt hat. Waren keine großen Überraschungen dabei.

    Gruß

    Thorsten

  • Hmm... Ich habe aktuell folgende Situation:


    Ende Juli Nassenheider Pro mit 60% AS aufgesetzt.


    Verdunstung täglich kontrolliert und war wie erwartet 25ml täglich bei allen Völkern.


    Am 3. Tag lagen bei einem Volk ca. 500 Tote frisch geschlüpft Bienen vor der Beute.

    Da der Milbenfall zeitgleich bei allen Völkern minimal war habe ich die AS Behandlung deshalb abgebrochen.


    Die Windeldiagnose ergab beim schlimmsten Fall weniger als 50 gefallene Milben insgesamt nach 14 Tagen nach AS Entnahme. Daher hielt ich meine Völker zu dem Zeitpunkt für minimal mit Milben belastet.


    Ab dem Zeitpunkt regelmäßig kontrolliert und die Windeln zeigten kontinuierlich nur vereinzelt mal eine Milbe.


    Vor einer Woche zeigte die Windeldiagnose dann schlagartig bei mehreren Völkern täglich 5-6 Milben.


    Ich habe mich deshalb für eine erneute Behandlung entschlossen. 75 ml über 3 Tage (25ml täglich).

    (Eine 300ml Behandlung über 14 Tage wie in der Nassenheider Anleitung erschien mir zu massiv.)


    Es fielen dann bei den belasteten Völkern auch die ungefähr erwarteten 300 Milben innerhalb von 3 Tagen.

    Meine Erwartungshaltung entspringt Aumeier Aussagen:

    200 mal der tägliche natürliche Milbenfall ist die ungefähre Gesamtbelastung... 20% fallen bei AS Behandlung die ersten 3 Tage.


    Jetzt 3 Tage nach Entnahme des Verdunsters ist der Milbenfall nur niedriger als erwartet... 10-20 Täglich bei den stärker belasteten Völkern...

    Da Frage ich mich natürlich, ob die AS nicht ausreichend in der verdeckelten Brut gewirkt hat.

    Gleichzeitig habe ich beobachtet, daß eine Windel die Abends 10 Milben zeigte, am nächsten Morgen leer war... (es laufen auch ein paar Ameisen auf der Windel...)


    Wie verfahre ich weiter?


    Kann es sein, dass die hohe Milbenbelastung noch nicht in der Brut angekommen war?

  • Die Windeldiagnose ist in meinen Augen sehr wohl sehr aussagekräftig.

    Man muss halt nur einige Dinge beachten.

    Erstens, auf gar keinen Fall Einzelmessungen bewerten. Immer über einen gewissen Zeitraum kontinuierlich zählen und notieren, der Verlauf sagt mindestens so viel aus wie die absoluten Zahlen.


    A propos absolute Zahlen - Vergleiche mit anderen Imkern sind nicht uneingeschränkt machbar. Sie hängt sehr vom Beuten- und Bodentyp ab. Z.B. gibt es Böden, wo recht viele Milben oberhalb der Windel hängen bleiben (z.B. Lochblech statt Gitter, z.B. zwei statt nur ein Querbalken, hohe Beuten mit kleinen Querschnitten vs. solche mit sehr großen Querschnitten wie Dadant etc.).

    Eigene Erfahrungen mit den Zahlen, die beim eigenen Beutensystem ermittelt wurden sind viel nützlicher, aber natürlich erst nach einigen Jahren Erfahrung verwertbar.


    Ameisen, Ohrwürmder etc. halte ich für irrelevant. Noch nie habe ich eine Ameise/Ohrwurm mit Milbe davonlaufen sehen, noch nie haben auf stark mit Ameisen belaufenen Windel sichtbar Milben gefehlt, obwohl ich keinerlei Öl oder ähnliche Spielchen mache.

    Und im Gegensatz zu dir habe ich am nächsten Tag immer noch die selbe oder eine höhere Zahl als vorher gesehen, wenn ich die Windel vorher nicht abgewischt habe - z.B. um genau das herauszufinden, ob Ameisen wirklich Milben wegtragen.

    Dafür habe ich aber sehr wohl schon noch lebende Milben herumrennen und auch von der Windel wegrennen sehen.


    Und was oft vergessen wird ist - der Wind!

    Oder Mäuse die mal kurz auf der Windel übernachten und dabei viele Milben wegwischen, Wespen und Bienen die auf der Windel mit schlagenden Flügeln herumlaufen blasen auch oft viele Milben und das ganze Gemüll durcheinander und von der Windel weg, so sie keinen hohen Rand hat wie bei mir.


    Man sollte auch immer in etwa wissen, was in den Völkern gerade los ist. Manche gehen innerhalb weniger Tage rasch aus der Brut, dann fallen vermehrt Milben und eine Einzelbeobachtung täuscht dann. Umgekehrt gilt das selbe - vermeintlich wenige Milben nur deshalb, weil gerade viel frische Brutflächen gerade verdeckelt wird.


    Es hilft einfach nichts, ausgehend von den vielen veröffentlichten, für einen selbst aber erst mal wenig aussagekräftigen Fallzahlen/Tag/bezogen auf die jeweilige Jahreszeit muss man sich mit viel Zählen in den ersten Jahren an eigene, sehr viel aussagekräftigere Erfahrungswerte herantasten. Danch ist man viel sicherer, unabhängig und es reicht irgendwann nur ein kurzer Blick auf die Windeln.


    Absolute Zahlen wie "10 Milben im Monat X pro Tag, dann kannst du das Volk gleich auflösen" stimmen jedenfalls keinesfalls für jeden einfach so.


    Wenn man sich im Hochsommer schon für eine Langzeitbehandlung entschieden hat, würde ich die auch immer durchziehen und nicht einfach abbrechen, außer das Wetter wird zu extrem. Der Milbenfall zu Beginn der Behandlung kann gleich hoch ausfallen, aber auch wie bei dir erst mal ganz schwach. Nach 3 Tagen schon abbrechen würde ich daher niemals. Mindestens eine komplette Verdeckelungsperdiode und damit kann man eben auch gleich die vorgesehene Zeit abwarten. Milben schlüpfen schließlich nicht unbedingt gleichmäßig und linear, sondern in Schüben.


    Massiver Totenfall von Jungbienen oder weißen Puppen kann von einer zu hohen Dosis herrühren, aber auch einfach nur daher, dass die Brut zu wenig Abstand (zu schmaler Honigkranz auf den Waben) hatte. Natürlich auch, wenn das Flugloch nicht ausreichend offen ist, es zu heiß ist etc. etc. Kommt aber auch dann einfach immer mal wieder vor, wenn sonst alles halbwegs passt.

  • Der Totenfall im Juli mag tatsächlich von zu wenig Futterkranz herrühren.

    Im Nachhinein hätte ich sie eventuell tatsächlich nicht abbrechen müssen.


    Auf der anderen Seite habe ich noch von keinem Imker aus meinem Umfeld gehört, dass er tatsächlich die Nassenheider Anleitung mit 300ml über 14 Tage befolgt.

    Da ist meist von 100 oder 120ml die Rede...


    Die persönlichen Erfahrungswerte werde ich dann natürlich erst in einigen Jahren haben...


    Schätze Puderzucker oder ähnliches wird in der jetzigen Situation auch nicht viel bringen... Die aufsitzenden Milben sollten wohl gefallen sein...


    Wir hatten reichlich Wind die letzten Tage... In Bayern würde man eher von Sturm sprechen... Das ist eventuell die Erklärung für die verschwundenen Milben...


    Also erstmal abwarten und weiter beobachten/zählen ob man vor der Oxalsäureträufelung nochmals reagieren muss?

  • Eventuell auch wichtig... Ich spreche von Völker... Tatsächlich sind es fast ausschließlich Ableger die in Stärke den Wirtschaftsvölkern allerdings nicht wirklich nachstehen.

    Bin halt dieses Jahr mit 2 Wirtschaftsvölkern gestartet, wobei eines davon auch noch aufgrund Königinverlustes eine längere Brutpause hatte...

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  • Ob Ameisen ein Problem sind, ist vom Standort abhängig. Ich kann bei mir nur mit geölten Windeln arbeiten, sonst habe ich immer 0 Varroen. Mit geölten Windeln sieht das schon ganz anders aus.


    Ansonsten muss man die Verdunstungszeit betreffend einen Mittelweg finden. Zwei Wochen muss man die Völker nicht begasen. Aber 3 Tage können doch etwas kurz sein, vor allem wenn die Bedingungen in dieser kurzen Zeit nicht ideal sind.


    Ich verfahre grob so: Windelkontrolle (geölt) im Juli, dann im August 160 ml AS im Nassenheider hor. verdunsten. Die sind nach ca. 1 Woche weg. Dann grob zählen was an Milben gefallen ist. Passt die Zahl grob zur Windelkontrolle vom Juli? Wenn ja hat die Behandlung gewirkt. Jetzt 2, besser 3 Wochen warten bis der nat. Milbenfall wieder erreicht ist (ein Zählen in dieser Zeit wäre nicht sinnvoll, da noch viele Milben fallen die die AS in den Zellen getötet hat) und noch mal die Windel (geölt) für ein paar Tage rein und ggf. noch einmal 1 Woche behandeln.


    Behandlungen beginne ich nicht, wenn Temperaturen über 30 Grad über mehrere Tage angesagt sind. Ansonsten ziehe ich durch. Wenn Brut ausgeräumt wird, kann man der eh nicht mehr helfen. Das nächste mal den Verdunster nicht direkt neben die Brut hängen.


    Immer dran denken: egal welche Varroadiagnose-Methode man wählt, es kommen immer nur grobe Schätzwerte heraus.

  • Die empfohlene Dosis ist begründet. 25ml/Tag x 14 Tage = 350ml.

    Auf der anderen Seite habe ich noch von keinem Imker aus meinem Umfeld gehört, dass er tatsächlich die Nassenheider Anleitung mit 300ml über 14 Tage befolgt.

    Da ist meist von 100 oder 120ml die Rede...

    Mir ist keine Untersuchung bekannt, in der mit einem Drittel der empfohlenen Menge dieselbe Wirksamkeit erreicht wurde.

    Aktuell behandle ich ein "Ausreißer-Volk", das seit Mitte August einen exponentiellen Varroafall auf der Windel bot. Bei der letzten Kontrolle am 15.9. notierte ich eine Verdunstung von knapp 25ml/Tag, keine toten Bienen auf dem Gitterboden oder vor der Beute, normaler Trachtflug (Balsamine).

  • Auf der anderen Seite habe ich noch von keinem Imker aus meinem Umfeld gehört, dass er tatsächlich die Nassenheider Anleitung mit 300ml über 14 Tage befolgt. Da ist meist von 100 oder 120ml die Rede...

    das hängt sehr vom Beutentyp/größe ab.

    Bei Dadant 12er sind es 290ml beim neuesten Verdunstermodell (das es seit mehreren Jahren gibt), also Flasche voll. Alles andere bedeutet eine kürzere als die optimale Behandlungszeit. Bei kleinen Kisten können es wohl deutlich weniger sein, siehe Gebrauchsanleitung des Herstellers.


    Außerdem gibt es vom Nassenheider noch mehrere (ältere) Verdunstertypen, die ebenfalls ganz andere Verdunstungsmengen haben, da musst du schon ganz genau sein, beim Vergleich mit anderen Imkern.

  • Du ölst die ganze Windel ein?

    Ein Küchentuch unter den Bienensitz und das einölen.


    Die Mengenangaben der Nassenheider Verdunster sind nach meinen Erfahrungen nach tatsächlich zu hoch gewählt. Wenn der Liebigdispenser viel weniger AS benötigt als der Nassenheider und die Ergebnisse gleich gut sind, scheint die zusätzliche Menge AS im Nassenheider keinen Effekt zu haben. Nach meinen Erfahrungen reichen 120 bis 160 ml AS auch im Nassenheider völlig aus. Ich nutze die Einraumbeute. Die ist eigentlich eher gross. Am Ende muss man die Mengen selbst mal ausprobieren.

  • Leute kauft Euch ne Pinzette und eine gute Lupe mit dazu.


    Macht 200 Zellen auf und schaut nach wie hoch der Befall der Varroamilbe in der Brut ist. Die allermeisten hier schreibenden sind Hobbyisten und haben 5 oder 10 Völker zu betreuen.


    ALLE Methoden zur Ermittlung des phoretischen Milben-Befalls auf den Bienen sind mit einem gewissen Fehlerquotienten behaftet.


    Am wenigsten bei der Auswaschmethode, dann Puderzucker, dann CO2.

    Windel ist sowas von ungenau, ungenauer geht es gar nicht. Und wenn ich lese, dass es keinen Einfluss von Ameisen und anderem Getier auf die abgefallenen Milben auf dem Brett gibt, dann muss ich mit Verlaub feststellen: Das ist nicht richtig!


    Es werden hier Dinge in die Welt gesetzt, da könnte ich k...


    Wann hören wir Imker endlich auf und zeigen mit dem Zeigefinger auf die "Pösen" Landwirte mit Ihren Spritzmitteln und PSM und selbst kippen wir alles was gegen Varroamilben "dröhnt" in unsere Bienenvölker rein.


    Mann was sind wir Imker doch tolle Menschen!

    So richtige Naturburschen und -Mädels...

    Richtige Umweltschützer!


    Habe fertig!

    :oops:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)