Beschädigte Milben?

  • Hallo, zusammen,


    @ Harry: da ich nicht wieder mit "Varroa" unter "Bienenzucht" völlig off-topic sein möchte, mache ich hier mal einen neuen Thread auf.

    Zitat

    da besonders die Völker, die mit der Milbe klarkommen, einen sehr hohen natürlichen Milbentotenfall haben


    Ich gehe mal davon aus, daß du deine toten Milben nicht nur zählst, sondern sie dir auch genauer anguckst, oder? :wink: (ich glaube, du hast mal erwähnt, daß du auch ein Mikroskop hast...)


    Inwieweit unterscheiden sich die natürlich gefallenen Milben deiner drei überlebenden Völker von den anderen?
    Was würdest du schätzen, wie hoch der Anteil angebissener und getöteter Milben ist im Vergleich zu den Völkern, die es nicht geschafft haben?


    Die Antwort wäre von großem Interesse...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • sabi(e)ne schrieb:


    da ich nicht wieder mit "Varroa" unter "Bienenzucht" völlig off-topic sein möchte, mache ich hier mal einen neuen Thread auf.


    Netter Versuch..., aber es bleibt nicht aus, das die Themen ineinander übergreifen :lol: Es geht schliesslich um "Varroabekämpfung" durch Zucht.


    Bei den geschädigten Völkern habe ich die Milben nicht kontrolliert (Zeitmangel) das wäre sonst ein 24h Job geworden.
    Wenn ein Volk durch hohen „natürlichen“ Milbenfall aber keinerlei sonstigen Schädigung aufgefallen war, habe ich die Milben natürlich untersucht. Exakte Zahlen kann ich nicht nennen, da mir dafür einfach die entsprechend geschützten Bodeneinlagen fehlten. Im nächsten Winter werde ich mir entsprechende Einlagen bauen. Auf fast alle Varroagitter hatte auch jede Menge Geziefer Zugang, Ameisen; Ohrenkneifer und Schnecken ect. so das Beschädigungen und Verschleppung auch durch diese Tiere stattfinden konnte. Ein Ölfilm wird das im nächsten Jahr verhindern.


    Es waren viele amputierte Milben dabei, aber die meisten waren unbeschädigt (äußerlich), so das die Beschädigung der Milben nicht der einzige Grund sein kann. Die Unsicherheiten der Deutung sind aber sehr groß. Es kann z.B. sehr gut sein, dass die Bienen einfach ein ausgeprägtes Putzverhalten haben und wie wir wissen entsorgen unsere Mädels ihren Müll nicht dadurch, dass sie ihn einfach auf den Boden fallen lassen. Sie packen ihren Unrat und schleppen ihn zum Flugloch aus dem Stock heraus. Ich kann mir gut vorstellen, dass wenn sie eine Milbe gepackt haben z.B. an einem Bein, sie sie aus dem Stock befördern wollen. Auf dem Weg über die Waben kann die Milbe in dem Gedränge schon mal abreißen, dann landet sie im Gemüll und ich kann sie finden – und sie ist amputiert.
    Das bedeutet aber nicht, dass die Bienen die Milbe angreift und ihnen die Beine abbeißt.
    Die Eigenschaft mit der Milbe klar zu kommen muss nicht zwangsläufig von Dauer sein.
    Wir wissen, dass die Königin von mehreren Drohnen begattet wird, dass sie den Samen nicht homogenisiert sondern in Samenpaketen in der Spermatheka sammelt und ihn auch entsprechend in Paketen bei der Befruchtung der Eier wieder abgibt. Dadurch ergeben sich in der Volkszusammensetzung unterschiedliche Gruppen von Halbschwestern mit unterschiedlich ausgeprägten Verhaltensmustern. Erst wenn die Mehrzahl der Gruppen das gleiche Verhaltensmuster zeigt (z.B.Putztrieb) oder Verhaltensmuster die sich ergänzen, hat das Volk eine Überlebenschance.
    Bei den Nachzuchten im nächsten Jahr habe ich F1- Königinnenhalbschwester die dieses Verhalten vererben, oder auch nicht, je nach dem welcher Samen aus welchem Samenpaket für sie zur Befruchtung kam.
    Nur wenn ich unter diesen F1-Königinnen welche finde, die das Verhalten (welches auch immer) vererben, kann ich sie als Drohnenspender gebrauchen und im übernächsten Jahr eine Besamung versuchen, vorausgesetzt eine der drei jetzigen Königinnen überlebt auch das nächste Jahr.
    Alles in allem ein Roulette–Spiel mit sehr ungewissem Ausgang.


    Viele Grüße --- Harry ---

  • Hallo, Harry,
    vielen Dank für die prompte und ausführliche Antwort!


    Ähh, wenn ich dich noch ein bißchen belästigen darf: hast du in deinen Überlebenden verdeckelte Zellen gefunden, die die Bienen wieder aufgemacht haben und die Puppen angebissen oder sonstwie beschädigt haben?
    Das spräche dann für ein Putzverhalten, bei dem sie erkennen können, ob eine Larve sehr stark befallen ist (frag mich nicht wie!).
    In der anderen Liste gilt es als bestes Zeichen, daß die Bienen auf dem Wege in Richtung Toleranz sind...


    @ alle: bitte fühlt euch nicht genervt, wenn ich immer wieder andere Newsgroups erwähne!
    Wer genug Englisch kann und sich dafür interessiert, hier die Links:
    http://groups.yahoo.com/group/BiologicalBeekeeping/
    http://groups.yahoo.com/group/Organicbeekeepers/
    http://groups.yahoo.com/group/Norlandbeekeepers/
    http://www.bee-l.com


    Ich bin sicher, es gibt auch welche in Französisch, aber da ich dieser Sprache nicht mächtig bin, bleibe ich bei den englischen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Nein Sabine,
    dass ist mir bislang nicht aufgefallen. Ich muss aber auch zugeben, dass ich nicht besonders darauf geachtet habe. Ich werde im nächsten Jahr den Nadeltest mehrfach durchführen und dann werden wir sehen.


    Es war das erste mal, dass ich einen solchen Crash-Versuch gemacht habe und glaube mir, ich hatte genug Bammel davor etwas falsch zu machen und damit meine Umgebung zu Verseuchen. Ich bin schon froh, dass ich mit meinen "normalen" Kontrollen im Zeitplan geblieben bin und nichts übersehen habe.


    Jetzt bleibt erst einmal abzuwarten welches Ergebnis die Restentmilbung nach endgültigem Brutende ergibt, wie sie durch den Winter kommen und sich im nächsten Jahr mit einer genau definierten „Beimpfung“ mit der Varroa entwickeln.


    Wahrscheinlich ist alles nur ein Zufall und im nächsten Jahr springen auch sie über die Klinge. Ich mache mir in diesem Punkt keine großen Illusionen.


    Wenn es nämlich so einfach wäre, hätte sich an unseren Ständen schon längst die varroatolerante Biene etabliert.


    --- Harry ---

  • Hallo Harry,


    ich gratuliere Dir ganzen Herzens zu deinem Mut ...
    Ich hatte den bisher leider nicht.


    Aber ich befürchte, die letzten beiden Sätze deines Beitrages sagen (fast) alles.


    Grüsse


    M .

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-