Aufforstung, Waldumbau bienenfreundlich

  • Derzeit werden von den Ländern und auch vom BMEL Aufforstungsprogramme aufgelegt, um die erheblichen Waldschäden durch Trockenjahre, Sturmschäden, Borkenkäferbefall und nicht zuletzt Großbrände wieder zu beheben. Forstpraktiker befürchten gar das Ende des deutschen Waldes, jedenfalls in seiner jetzigen Form.

    Bei allem Verständnis für die schwierige Situation im Forst bietet sich mit den angekündigten Förderungen aus Sicht der Imkerschaft und des Insektenschutzes die einmalige Gelegenheit, im Zuge dieser Programme die bestehenden Trachtprobleme für unsere Honig- wie auch die Wildbienen nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig den Wald widerstandsfähiger gegen die erwarteten Klimastressoren zu machen.


    Unser IV ruft auf:


    I. Die staatlichen Förderkriterien wie folgt zu präzisieren:


    1. Klimawandelgehölze sind besonders zu fördern, selbst wenn sie bisher noch nicht heimisch sind.

    2. Der Trachtwert für Nektar und für Pollen und der Trachtzeitpunkt ist bei der Förderung von Anpflanzungen als Schwerpunkt zu beachten, um die bisherigen typischen Trachtlückenperioden v.a. ab Juli bis Oktober und an geeigneten Standorten im Februar bis April abzumildern.

    3. Vernetzung der Aufforstungen mit insektenfördernden Flächennutzungen der Landwirtschaft, Dauergrünland, Öko-Vorrangflächen u.a. Greeningmaßnahmen sind besonders zu fördern.

    4. Windbestäubte Arten sind von der Aufforstungsförderung grundsätzlich auszuschließen bzw. nur mit ausdrücklicher Befürwortung des örtlichen Imkervereines.

    5. Auflagen für insektenschonende Jungholzpflege (keine Mahd in den Schonungen zur Blütezeit der natürlichen Offenvegetation wie z.B. Himbeere, Waldweidenröschen, Kleinem Springkraut (Impatiens parviflora) etc. sind obligatorisch mit der Förderung zu verbinden.


    Leider sind solche Präzisionen nicht in Sicht, obwohl die ersten Förderungen bereits anlaufen. Ein Einsatz dafür eilt also.


    Begründung:


    Wir beobachten im Wald eine Schadsituation, die wohl in ihrer Schwere und dem schon jetzt absehbaren Schadzuwachspotential einmalig ist zumindest in den letzten 100 Jahren. Erschwerend kommen hinzu die Klimawandeltendenzen, die die verheerenden Streßfaktoren von 2018 und 2019 für das Öko- und Wirtschaftssystem Wald auch künftig aufrechterhalten, mglw. noch verstärken werden.


    Zu 1.: Erst durch die letzte Eiszeit vor rd. 12.000 Jahren (ein entwicklungsgeschichtlich kurzer Augenblick) ist die Artenvielfalt v.a. an Baumarten in Deutschland bzw. Europa abrupt ausgedünnt worden. Die ursprüngliche Artenvielfalt ohne die Eiszeitfolgen läßt sich noch heute in den entsprechenden Breitengraden bspw. in Nordamerika bewundern. Es liegt deshalb nahe, sogenannte „Klimawandel“-Baumarten wieder hier anzusiedeln, die nur in den nicht von der Eiszeit betroffenen Gebieten überlebt haben. Dem steht gegenwärtig allerdings das Anpflanzungsverbot von Neophyten im staatlichen Forst entgegen. Es muß u.E. nicht nur aufgehoben, sondern die Anpflanzung solcher Klimawandel-Baumarten gezielt gefördert und bevorzugt werden. Es gibt ja inzwischen genügend Untersuchungen über die Unbedenklichkeit bestimmter neophytischer Klimawandel-Baumarten, die tlw. höchste Bienenweidewerte v.a. für Spätsommer und Herbst aufweisen, aber auch forstlich attraktive Holzerträge versprechen. Leider haben sich unsere Pflanzgutproduzenten hierauf nicht eingestellt. Man muß also auch über Pflanzgutimporte und entsprechende Einfuhrerleichterungen nachdenken.


    Zu 2.: Unsere moderne Wirtschafts- und Lebensweise hat die Nahrungsversorgung von Insekten allgemein und Bienen im speziellen stark eingeschränkt. In Jahreszeiten, die für Bienen besonders heikel und schwierig sind, ist deren Nahrungsversorgung geradezu wüstenhaft ausgedünnt worden, insbesondere:

    a) im zeitigen Frühjahr (März bis Anfang Mai) – zur Auswinterung und zum Entwicklungsstart in die neue Saison und

    b) ab Juli, im Sommer/Spätsommer und Herbst - wenn nur noch wenig blüht, die Felder geerntet, Grünflächen gemäht sind und neue Ansaaten noch längst nicht blühen. Letzteres ist besonders verheerend, denn woher sollen die Bienen den unersetzlichen und lebenswichtigen Pollen bekommen, um sich die nötigen Eiweißreserven für eine erfolgreiche Überwinterung anzufressen?

    Bisher wird bei der Aufforstungsförderung der Nährwert für Bienen und Insekten (Nektar und Pollen) überhaupt nicht betrachtet, ebensowenig der Jahreszeitraum, in dem die Baumart blüht.


    Zu 3.: Waldbrachen werden sich zunächst ganz natürlich begrünen - ganz unabhängig von Aufforstung. Erfahrungsgemäß entsteht bereits im ersten Jahr nach dem Baumverlust eine blühende Offenvegetation, die von Insekten gern und intensiv genutzt wird. Es ist daher sinnvoll, diese Wirkung zu verstärken durch Vernetzung mit angrenzenden geeigneten Landwirtschaftsflächen wie Dauergrünland, Greeningflächen o.ä. und um Synergien für die Insekten und übrige Wildtierwelt zu induzieren. Fördermittel hierfür einzusetzen heißt, deren Wirkung zu potenzieren.


    Zu 4.: Windbestäubte Baumarten wie z.B. Nadelbaumarten sind für bestäubende Insekten, also auch für Bienen wertlos. Fördermittel sollten deshalb nur im Ausnahmefall dafür eingesetzt werden. Durch das zwingend einzuholende Votum des örtlichen Imkervereines wird die forstfachliche Seite mit der Problem- und Interessenlage von bestäubenden Insekten zusammengebracht, Alternativen gesucht und eine gemeinsame Lösung für die Ersatzpflanzung induziert. Das schließt nicht aus, daß im Ausnahmefall eben doch windbestäubende Baumarten gefördert werden – aber eben erst nach dem fachlichen Dialog mit den Bienenweide-Fachleuten des örtlichen Imkervereins.


    Zu 5.: Die Offenvegetation, die sich nach forstlichen Kalamitätsereignissen natürlicherweise und von ganz allein einstellt, ist i.d.R. sehr attraktiv für Insekten, besonders für Bienen (Wild- wie Honigbienen). Ihre Bienenweidefunktion muß deshalb durch die Förderung abgesichert und nicht konterkariert werden. Das läßt sich erfahrungsgemäß nur durch entsprechende Auflagen zu Mahdzeitpunkten bzw. –regime realisieren. Ansonsten würde die Bienenweideverbesserung von natürlich entstehender Brachflächen-Offenvegetation durch:

    a) die (infolge Förderung) vorzeitige Aufforstung und

    b) damit einhergehende Jungholzpflegemaßnahmen zur Unzeit (vor/während der Blütezeit) vorzeitig wieder zunichte gemacht.

    Leider erleben wir Imker immer wieder die Mahd von vollblühender Offenvegetation bei Aufforstungen, weil es eben an entsprechenden Pflegeregimeauflagen fehlt.


    II. Die Glaubwürdigkeit solcher Forderungen wird belegt durch das persönliche Engagement jedes Imkers vor Ort. Die Revierförster haben es sehr schwer. Pflanzgut ist größtenteils ausverkauft, Arbeitskräfte für Aufforstung und Jungholzpflege fehlen, Förder- und Pflanzzeitpunkte fallen auseinander etc.

    Jeder kann seine Hilfe anbieten und damit die Trachtsituation im eigenen Flugkreis verbessern (Setzlinge spenden, Baumpflanzaktionen mit Kindern und Jugendlichen etc.). Vielleicht ruft ja sogar jemand zum NAW auf (DDR-Begriff für "Nationales Aufbauwerk" in dessen Rahmen sehr viele Gemeinschaftsaufgaben ehrenamtlich und ohne jedes Entgelt gelöst wurden z.B. Bau von Kinderspielplätzen, ja sogar ganzen Schwimmbädern, Kindergärten etc.). Warum eigentlich nicht z.B. Pflanzaktionen durch Schüler, Betriebsbelegschaften etc. an festgelegten Wochenenden im Frühjahr – Teambuilding der besonderen Art? Die Chancen, daß diese Hilfsangebote angenommen werden, waren nie größer als jetzt.

  • ribes


    habe das alles mal überflogen, finde vieles interessant und ok, allerdins stößt mir sehr sauer die Forderung auf, "windbestäubte Arten auszuschließen". Erstens grundsätzlich und zweitens wegen der unsinnigen Begründung, sie "seien für bestäubende Insekten, also auch für Bienen wertlos".


    Grundsätzlich sind weder Forst- noch Landwirtschaft vorrangig für die Bienen da, das muss man auch als Imker durchaus mal anerkennen.

    Zu fordern, dass auf Bienen und meiner Meinung nach viel wichtiger, auf Insekten allgemein mehr Rücksicht genommen werden soll ist ok, aber viel zu einseitig. Wichtiger wäre zu fordern, dass Land- und Forstwirtschaft generell mehr Nischen und Lebensraum (also nicht nur kurzfristige Nahrung wie Nektar oder Pollen, sondern auch Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten!) lässt. für Insekten und viele andere Tiere. Dann wird ganz automatisch ein Schuh daraus, für alle Tier- und Pflanzenarten, nicht nur für Bienen!


    Aber Land- und Forstwirtschaft geradezu darauf auszurichten ist von vorneherein unrealistisch und wegen der vielen anderen, eher noch wichtigeren Funktionen eigentlich auch nicht vorrangig.


    Und zweitens, hast du schon mal was von Waldhonig gehört? Da spielen gerade Nadelbäume die wichtigste Rolle...und die willst du jetzt quasi eliminieren?

    Dass davon in der Vergangenheit durchaus etwas zu viel im Flachland wächst, ist wohl unstrittig, hat aber historische Gründe und war sogar letztlich die einzige, schnelle Rettung des Waldes in Deutschland und der Beginn moderner Waldwirtschaft.


    Auch Nadelbäume bleiben in Zukunft nicht nur wichtig, sondern wünschenswert, auch im Flachland und trotzdem sie von Natur aus hier kaum vorkommen würden. Tun Mais, Kartoffeln, Weizen usw. nämlich auch nicht. Aber sie sind extrem wichtig aus anderen Gründen.

    Es gibt halt noch mehr als nur Bienen und Imker...


    Klar, keine Monokulturen mehr, aber das ist schon lange vorbei, sowas legen heutzutage nur noch wenige unverbesserliche Privatwaldbesitzer neu an.


    A propos Imker, es ist sicherlich löblich, für mehr Trachtpflanzen zu sorgen. Wer aber nur das macht und fordert, denkt wie jeder andere Lobbyist nur an sich und seinen eigenen Gewinn.


    Von Trachtpflanzen alleine kann nämlich kaum ein Insekt alleine überleben, es braucht viel mehr zum Überleben als nur für ein paar Wochen Nahrung für die erwachsenen Tiere. Zuvor braucht es Nistmöglichkeiten und bei vielen Arten ganz andere Pflanzen für die Jungtiere, denke nur mal an Schmetterlinge. Die Raupen brauchen ganz andere Pflanzen als die erwachsenen Falter. Nur mehr Blüten bringen dann womöglich gar nichts.


    Also, bitte immer etwas Ganzheitlicher denken. Statt nur Einzelarten und im Fall von Trachtpflanzen sogar nur einzelne Entwicklungsstadien zu fördern, sollte lieber grundsätzlich eine ökologisch wertvollere Umwelt und vielfältigere Lebensräume gefordert und gefördert werden, dann ergeben sich die Vorteile für die diversen Einzelinteressen von ganz alleine.

  • Ne lieber Ribes,

    So geht es nicht.

    Du untergräbst meine kostenlose Kaminholzbeschaffung.

    Die ganzen Sünden der Vergangenheit wie das Weisspappelprogramm sowie die Fichten/Tannenschonungen hier am Niederrhein halten meine Kettensäge in letzten Jahren am laufen und mein alte Hütte warm.

    Ich muss jetzt erstmal nach der Bieneneinwinterung etliche Fichten fällen, die aufgrund der Dürren hier am Niederrhein reihenweise Borkenkäferfutter geworden sind.


    Es ist jedem Förster hier in der Gegend bekannt.

    Tannen, Fichten, Kiefern und Lärchen und Co sind teilweise preiswert zum pflanzen, wachsen schnell und fallen von alleine um. Als Flachwurzler finden sie keinen halt in den Bördeböden.

    Es ist immer dasselbe. Vorher haben ja etliche Orkane gezeigt, dass eine Waldwirtschaft auf Basis von Monokulturen meist Nachteile mit sich bringen.

    Meist deswegen, da es Regionen gibt, wo gewisse Baumarten halt den Leitbaumbestand stellen.

    Auch sind die meisten Forste eben nach Festholzmetern angelegte Wirtschaftsflächen. Harvester und Co müssen bezahlt werden.

    Eine ökologische Bewirtschaftung in Sinne von abernten von einzelnen Bäumen und Förderung des natürlichen Baumbestandes durch Freischnitt ist unbezahlbar.

    Das Anlegen von Bentjeshecken hat mir aber gezeigt, dass auch auf ehemaligen Wirtschaftsflächen auch wieder Wald entsteht.

    Nur Holz ist sehr teuer geworden. Alle regen sich auf, dass das Kaminholz, Bauholz teilweise unbezahlbar ist. Damit meine ich nicht das, was beim Waldbesitzer ankommt.

    Ich habe keine Lust das die Preise hier noch mehr steigen.

    Wir haben schon den zweit höchsten Strompreis in Europa.

    Auch werden sich studierte Leute wie Förster bestimmt nicht von Imkern vorschreiben lassen, was sie in ihrem Forst zu tun und lassen haben.

    Das würde den guten Draht zu Förstern empfindlich stören. Schon gar nicht werden sich die Eigentümer des Waldes darauf einlassen. In meine Augen wäre das auch eine kalte Enteignung der Forstbesitzer.

    Auch der Schuss geht nach hinten los.

    Wer also einen entsprechenden Wald haben will, kann sich gerne einen kaufen und diesen selbst bewirtschaften.

    Der wird auch am eigenen Leib erfahren, dass Forstwirtschaft knochenarbeit ist.

    Nebenbei wird man durch etliche Vorschriften schon so stark eingegrenzt, dass ich persönlich keinen Wald kaufen würde.

    Die meisten schaffen es ja noch nicht mal mehr ihren Rasen zu mähen und legen Steingärten an.

    Es wird dann aber gefordert, dass alle ökologisch sein soll.

    Wer was tun will, kann Müll sammeln gehen, Gewässer reinigen, Heide freischneiden,

    Bäume pflanzen,. Im Tierheim helfen und und und.

    Meine Erfahrung ist, wenn es um Arbeit geht, sieht man nur noch wenige.

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Hallo ribes

    Einen ganz herzlichen Dank für Deine Beiträge. Ich gebe zu, daß ich mich bislang noch überhaupt nicht mit "Klimawandel und Forstwirtschaft" beschäftigt habe. Nur das Schlagwort "Douglasie" ist bei mir angekommen. Dabei sollte mich das Thema auch als Kleinstwaldbesitzer, der immer ein paar Baumpflanzideen mit sich rumschleppt interessieren.

    Die von Dir geposteten Denkansätze werden - wenn auch erst in ferner Zukunft - mit Sicherheit die Grundlagen im Waldbau legen. Auch ich verspreche mir vom bisherigen Naturschutz - der Waldbau gehört für mich dazu - nichts mehr. Dafür habe ich in meinem Leben schon zu viele grundlegende Richtungswechsel auch leidvoll miterleben müssen.

    Im kommenden Winter werde ich selber wieder einmal ein paar hundert Quadratmeter bienengerecht anpflanzen, um das Wäldchen später für die Bienenhaltung zu nutzen. Deine Infos werden mich inspirieren. :)

    Nochmals "Dankeschön" ...Klaus

    "Gebt mir einen Grund für Euren Optimismus!"

    Max Czollek, 2019

  • Ich bin da ganz bei hornet . Es mag zwar richtig sein, dass 12.000 Jahre ein erdzeitgesichtlicher Wimpernschlag sind, aber für unser Ökosystem trifft dies eben nicht zu.


    Alles, was nun zurück kommt ist ein Neophyt, auch wenn es vor der letzten Eiszeit hier heimisch war, und trifft hier auf keine spezialisierten Arten mehr. Generalisten wie die Honigbiene und andere Arten werden diese Pflanzen dankend annehmen, aber was ist mit den Arten, die stark auf andere Pflanzen spezialisert sind? Je nach Quellenlage sind beispielsweise etwa 300-500 Arten hierzulande ganz oder stark auf Eichen spezialisert. In einem Robinien-Trompetenbaum-Oregonahorn-Wäldchen werden die meisten dieser Arten nicht mehr vorkommen.


    Sind diese Arten nun irrelevant für uns, weil sie keine (Imker-)Lobby haben? Der oben genannte Vorschlag ist sicherlich gut gemeint, aber was den Artenschutz betrifft (für mich) ein No-Go. Bestäuber sind wichtig, aber sie sind es in meinen Augen nicht wert dafür eine unabsehbare Zahl anderer Arten zu opfern oder zumindest wissentlich und aktiv deren Existenz zu bedrohen, etwa indem windbestäubte Baumarten nur noch ausnahmsweise angebaut werden.


    Zudem hätte es unabsehbare Konsequenzen ein weitgehend neues Ökosystem aufzusetzen. Wer weiß schon im Detail welche Arten wie in diesem unglaublich komplexen Netz zusammen hängen, was das Wegfallen eines so großen Artenspektrums auslösen würde und wie die zwangsläufig nachfolgenden Neozooen sich auf unsere Flora und Fauna auswirken würden.


    Imkerliche Aspekte bzw. die Bedürfnisse bestäubender Arten allgemein sollten ein durchaus ein Aspekt bei der Auswahl künftiger Aufforstungen darstellen. Aber eben nur einer im Kaleidoskop der Kriterien.

  • Tachchen


    Aus Förster- und Waldbesitzersicht halte ich deine Forderungen (also die von Ribes) für ziemlich anmassend. Wald und Waldbesitz ist bereits jetzt ziemlich vielen Ansprüchen ausgesetzt, die sich oft miteinander konkurrenzieren. Da wollen sich Menschen erholen (und ja keine zerfahrenen Wege im Wald oder gar hässliche Harvester sehen), im Gebirge sollen Ortschaften vor Lawinen etc. geschützt werden und im Allgemeinen die Natur und jetzt noch die Bienen im Besonderen geschützt werden, demnächst dann die Kröten oder Vögel, oder, oder, oder. Alle wollen was vom Wald

    Aber eigentlich gehört der Wald irgendjemandem und dieser Jemand (Private, Städte&Kommunen, Kirchen, Bund&Länder) hat auch ein paar Wünsche an seinen Wald. Bei dem einen ist es die Holzproduktion fürs Bau- und Feuerholz, beim anderen ist es die langfristige Geldanlage, beim nächsten ist es das reine Interesse oder gar ein Ökoanspruch zum Umbau des vorhandenen Waldes. Aus Waldbesitzersicht kommen die eigenen Ansprüche zuerst und die anderen können sich je nach Vorliebe einreihen, manchmal ergeben sich die versch. Funktionen allerdings auch von selbst nebenbei. Manchmal müssen aber auch die eigenen Wünsche zurückgestellt werden, weil z.B. ein Nat.schutzgebiet oder Einteilung als Schutzwald oberhalb einer Ortschaft oder Bahnlinie entsprechende Vorgaben macht.


    Und ja, in der Vergangenheit wurden sicherlich durch die Förster und Waldbesitzer einige Fehler gemacht (Stichwort nicht-standortgemässer Anbau von z.B. Fichten im Flachland), aber dieser Fehler ist seid mittlerweile einigen Jahrzehnten erkannt und es wird versucht, das in der Zukunft durch die Anpflanzung von Mischwäldern zu vermeiden bzw. auszubessern. Diese Verbesserung der Diversität in dt. Wäldern dauert aber halt einfach mal ca. 1-2 Baumgenerationen (also ca. 100-300 Jahre). Und mit dieser steigenden Diversität werden viele positive Nebeneffekte erwartet, gerade auch im Hinblick auf Nahrungs- und Nistangebot für alles Mögliche, was kreucht und fleucht.

    Dieser Umbau ist aber auch nicht so einfach, wenn z.B. Privatwaldbesitzer X sagt, ich will wieder Fichten pflanzen, weil die Förster sind ja alles nur blöde, unpraktische Studierte und der Grossvater hat doch schon Fichten gepflanzt und die wachsen doch so schön schnell und bringen gutes Geld im Sägewerk, dann kann der Förster versuchen zu argumentieren, aber manchmal fruchtet das halt nicht. Dann pflanzt X halt wieder Fichten und pfeift auf irgendwelche Fördergelder, so wie irgendjemand anderes sich Thuja oder Kirschlorbeer in den Garten pflanzt oder sich jemand einen riesen Spritschlucker kauft statt das sparsame Öko-Auto.

    Auch die Holzverarbeitungsindustrie (von der Säge bist zum Baugewerbe) in Dtl. ist ziemlich einseitig auf Nadelhölzer ausgelegt. Tlw. haben bis vor einigen Jahren nicht mal Baunormen existiert, um Laubholzeinsatz in Gebäuden berechnen und verbauen zu können (Thema Festigkeit und Statik). Da wird zwar dran geforscht und gemacht und getan, aber letztendlich muss die Privatwirtschaft diese Umstellung vollziehen. Und die kalkulieren knallhart mit ihrem Geld, ein paar Bienchen tauchen da nicht unbedingt auf. Und wenn es da um Fördermittel geht, dann eher noch unter dem Aspekt der Arbeitsplätze.

    Der Anspruch, das nicht in der Blüte gemäht werden soll, kann ich verstehen und nachvollziehen, denke aber, das das kaum noch oder nur örtlich begrenzt passiert. Waldarbeiter sind teuer, solche Pflegemassnahmen in Jungbeständen noch teurer und auf die lange Sicht eines Bestandeslebens (Stichwort Verzinsung des eingesetzten Kapitals vs. Holzertrag in 100-200J.) kaum noch bezahlbar. Da wird tlw. nur rings um die Setzlinge ausgekesselt, da werden Wuchsschutzhüllen verwendet, da wird mit Schatten vom Oberbestand gearbeitet etc., etc, alles nur, um die Arbeit zu minimieren. D.h. im Umkehrschluss wiederum, das genügend Begleitflora für unsere Bienchen übrig bleibt. Zumal die wilden Brachflächen in Dtl vergleichsweise seeehr umfangreich sind (eigene Beobachtung vor 2 Wochen vom Zug aus)


    GRüsse, Robert

  • ribes


    Grundsätzlich sind weder Forst- noch Landwirtschaft vorrangig für die Bienen da, das muss man auch als Imker durchaus mal anerkennen.


    Aus Förster- und Waldbesitzersicht halte ich deine Forderungen (also die von Ribes) für ziemlich anmassend...

    Aber eigentlich gehört der Wald irgendjemandem und dieser Jemand (Private, Städte&Kommunen, Kirchen, Bund&Länder) hat auch ein paar Wünsche an seinen Wald...beim anderen ist es die langfristige Geldanlage..

    Nun gut. Aber der Ruf, ja Schrei der Waldeigentümer nach dem Geld von uns Allen in Gestalt von öffentlichen Förderungen wegen der Trockenheit und dem Borkenkäfer und den Waldbränden etc. war und ist ja nun unüberhörbar. Die sonst auf ihre Privatinteressen so erpichten Waldeigentümer suchen Hilfe von der Allgemeinheit (am eifrigsten rufen hier übrigens die renditeorientierten Waldeigentümer). Da erscheint es doch folgerichtig, wenn mit einer solchen Hilfe auch Bedingungen verknüpft werden, die im Interesse der Allgemeinheit sind. Nach wie vor kann ja jeder Waldkapitalanleger nach seiner freien Entscheidung aufforsten oder auch nicht, auf Naturverjüngung warten oder kräftig investieren in Fichten oder Douglasien oder was er für renditeträchtig hält. Im Zweifel bringt der "seinen" Förster schon auf Trab (habt Ihr Euch mal so einen Beförsterungsvertrag mal näher angesehen?). Nur wenn er öffentliche Gelder beansprucht, sollten wir als Gesellschaft auch Bedingungen daran knüpfen dürfen und zumindest auf Nachhaltigkeit und Langfristwirkung achten. So eine Chance wie jetzt kommt nicht gleich wieder.

    Und: Zumindest in D haben die Insekten, die Bienen und ja: auch die Honigbienen keine ökonomisch relevante Lobby (wie auch bei über 96% Hobbyimkern) - ganz im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen. Etwas Anmaßendes kann ich bei den Forderungen in #1 - noch dazu im Lichte des Angebotes in Zf. II - nicht erkennen.

  • Was höre und sehe ich, wenn ich durch die Landschaft hier im Flachland fahre:

    Erle (und Esche) schwer geschädigt, die Eichen gefährdet durch die Spinner, der Naturpark Harz eine Wüstenei, die Staatsförster beklagen die ersten ernsthaften Dürreschäden in Rotbuchen - dabei ist der Waldumbau auf Rotbuchenmischwald noch nicht einmal im Ansatz abgeschlossen - und die Erlöse im Holzverkauf decken nicht einmal die Kosten für den Einschlag und das Rücken.

    Die Schäden aus dem sinkenden oberflächennahen Grundwasserspiegel lasse ich mal außer acht.

    Wo irgend möglich machen sich Springkraut, Brennnessel, Brombeeren, Schilf usw. als Zeigerpflanzen für Nährstoffüberfluß breit.

    In meinem kurzen Leben habe ich einen Umbau in der Landschaft/Vegetation von unvorstellbarem Ausmaß erlebt. Rote Listen sind heute überall präsent, da kann mich - auch wenn ich das nicht mehr erleben werde - eine Anpassung an den Klimawandel nicht erschüttern.:)

    Was mich eher und immer noch erschüttert, ist die Gleichgültigkeit, die Ignoranz und der Egoismus der Einzelnen in der Mehrheit, die immer noch erfolglos dem Artenschutz hinterherrennen und in Wirklichkeit nur glauben, daß alles schon so weiterlaufen wird.

    Ich bin da pessimistisch: Es wird!

    Ein frohes Schaffen wünscht ...Klaus

    "Gebt mir einen Grund für Euren Optimismus!"

    Max Czollek, 2019

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  • Und zweitens, hast du schon mal was von Waldhonig gehört? Da spielen gerade Nadelbäume die wichtigste Rolle...und die willst du jetzt quasi eliminieren?

    Die eliminieren sich schon selbst, wie derzeit gut zu sehen ist. Aussage eines Forstamtmitarbeiters: "Vom Waldhonig werden wir uns verabschieden müssen."

    Die nächste Waldinventur steht erst für 2021 auf dem Programm, Daten gibts dann erst 2022.

    Dann wird das Heulen und Zähneklappern erst recht losgehen. Der Ansatz v. ribes ist gut, da es sich um öffentliche Gelder handelt und es wird mal wieder nach Giesskannenprinzip verteilt.

    Bzw. wer bei Klöckner am lautesten schreit, bekommt Kohle, da sind die Imkerlein eh hintendran.

  • Da erscheint es doch folgerichtig, wenn mit einer solchen Hilfe auch Bedingungen verknüpft werden, die im Interesse der Allgemeinheit sind.

    Das Problem, das ich an dem Aufruf sehe, ist, dass er halt nicht die Interessen der Allgemeinheit vertritt, sondern die Interessen der Imker.


    Bei dem, was so von Menschen, auch solchen, die es wissen sollten, aufgeforstet wird, bin ich vorsichtig. Ich kenne einen Wald, da werden Fichten aufgeforstet. Der Wald ist in einem Moorgebiet. Inzwischen werden die Fichten zusammen mit Birken gesetzt. Die Fichten schauen ziemlich gelblich in die Landschaft, sie müssen mit viel Aufwand gegen Verbiss geschützt werden. Das, was gleich nebenan von selber aufgeht, sind ganz, ganz wenige Fichten (die dann aber gut ausschauen), vor allem aber verschiedene Laubgehölze. Erlen, Birken, etc. Auwaldgewächse halt.


    Ich glaube, der Mensch sollte einfach mal die Natur wieder mehr machen lassen, die richtet das schon. Wenn es wieder mehr anständige Wiesen gäbe, ebenso Hecken und Boschn, das würde auch schon viel helfen.

  • Tachchen


    Das ein möglicher Geldgeber bei der Nutzung der Subventionen Auflagen macht und mitreden will, ist ja ok, wird ja auch gerade im Hinblick auf Diversifizierung und Klimawandel schon getan. Und gerade bei diesen Themen sind viele Förster (zumindest viele derer, die in den letzten 30 Jahren ausgebildet wurden) schon sehr viel weiter als Waldbesitzer, siehe in diesem Artikel das Kapitel über waldbauliche Handlungsprinzipien. Aber bei solchen langfristigen Geschichten wie eine (Wieder-)Aufforstung (wir reden da ja über Zeithorizonte von 80-200Jahren) wird ja nicht nur nach den verfügbaren Fördermitteln entschieden. Das eine Diversifizierung der Baumarten angestrebt wird, ist ja allgemeiner Konsens. Mittlerweile wird vor allem nach dem Standort und entsprechend angepassten Baumarten entschieden. Dann wird mittlerweile schon geschaut, was auch klimawandeltauglich ist. Und da wird auch über den mitteleuropäischen Tellerrand geschaut, was woanders unter wärmeren Bedingungen gut wächst und bei uns wachsen könnte.

    Und letztendlich wird auch geschaut, was nach der Zeit X mit dem Holz passieren soll. Holz ist nunmal zur Zeit das einzige, was wir als Einnahmequelle haben. Es gibt zwar seit Jahren Diskussionen über zusätzliche Einnahmen aus der Waldbewirtschaftung, z.B. Geldzahlungen für den allg. Waldzugang oder andere Leistungen des Waldes, aber sowas ist aktuell unrealistisch. Bleibt also das Holz. Und wie schon geschrieben, gibt es aktuell keinen real existierenden (Massen-)Absatzmarkt für die ganzen Exoten, weil es kaum technische Erfahrungen mit dem Sägen, Trocknen und Verarbeiten inkl. Verbauen der ganzen Hölzer gibt. Frag mal nen Zimmermann/Bau-Ing oder so, ob er dir nen Dachstuhl aus Eschen- oder Buchenholz baut, die tippen sich an die Stirn. Und letztendlich ist unser Hauptabnehmer für die hochpreisigen Sortimente nunmal die Bauwirtschaft. Und wenn es keinen absehbaren vernünftigen Absatzmarkt für das ganze Holz gibt, werden sich viele Waldbesitzer gegen die ganzen Exoten entscheiden und auf was Bekanntes, solides setzen. Evtl. noch was "nah Verwandtes" wie Douglasie, Küstentanne oder Flaumeiche und Zerreiche, aber du wirst kaum in naher Zukunft ganze Bestände vom Bienenbaum im Wald finden (die mir bekannten Exemplare bilden ja in 2-3m Höhe eine tolle Krone mit vielen Blüten, aber kaum einen vernünftigen, 10-30m langem verwertbaren Stamm) .


    Deine Forderungen sind einfach viel zu spezifisch auf Bienen ausgerichtet. Im Wald leben aber noch mehr Tiere und Pflanzen, deren Lebensräume auch alle gefürdert werden wollen. S. die Beiträge von Llecter und Hormet. Ökologischer Waldumbau, Diversifizierung und Nischenbildung JA, unbedingt, aber eben nicht nur für Bienen.


    Grüsse, Robert

  • Das, was gleich nebenan von selber aufgeht, sind ganz, ganz wenige Fichten (die dann aber gut ausschauen),

    Ja das hat auch seine Ursache. :)Die Forstindustrie wird ums Verrecken nicht zugeben dass ein Fichtenkeimling eine Pfahlwurzel (sogar mehrere) entwickelt und wenn er nicht aus der Baumschule kommt, diese auch behält. Dadurch sehen die Sämlinge immer besser aus als die Pflanzlinge, sind im Alter viel sturmsicherer und haben nicht so rasch Wassernot in trockenen Jahren. Die es übrigens früher schon in Folge gegeben haben muss, denn die Elbe war ja schon mehrmals so trocken dass beim Durchlaufen nur noch die Knöchel nass wurden. Heute haben wir ja den Klimawandel. Lächerlich. Zurück zum Wald. Das was den Wald instabil macht sind eindeutig die Monokulturen. Angelegt vordergründig um schnell wachsendes, Ast-freies Holz Industrie-mäßig verwerten zu können. Jetzt schon wieder selektieren zu wollen im Hinblick auf Windbestäuber grenzt eigentlich schon an Desinformation.

    Die wahre Forderung müsste lauten: Weg mit den Baumschulen und her mit dem ausgesäten Mischwald inklusive aller Nahrungsbäume.