Kerzenverkauf aus eigenem Wachs

  • Hallo liebe Imker/-innen,


    ich habe bereits recherchiert (mithilfe der Suchfunktion oder hier: https://beekeepers24.com/beeke…nn-steuern-faellig-werden), bin aber noch immer nicht ganz schlau daraus geworden. Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen.


    Ich betreibe eine Hobbyimkerei mit <30 Völkern und habe mich gefragt, ob ich ohne Weiteres überschüssiges Wachs als Kerzen verkaufen darf (z.B. über die Honigverkaufsstellen). Also ohne den ganzen Kram mit dem Finanzamt.

    Kerzen scheinen ja irgendwie die 1. Verarbeitungsstufe zu sein, aber meine Frage bleibt noch unbeantwortet.


    Viele Grüße

    Manuel

    Carnica auf DNM 1,5 mit Schied (Segeberger) im schönen Hochsauerland an der Grenze zum Märkischen Kreis

  • Ob Kerzen noch zur ersten Verarbeitungstufe gehören, ist nicht geklärt. Da das Produkt der ersten Verarbeitungsstufe ja das Wachs ist (Waben zu Wachs), könnte man hier schon eine zweite Stufe sehen (Wachs zu Kerzen).

    Die Finanzverwaltung hat hier aber eine Vereinfachungsregelung eingeführt (Abschnitt 24.6 Umsatzsteuer-Anwendungserlass):

    Auch für eigentlich nicht begünstigte Produkte gilt die Durchschnittssatzbesteuerung, wenn die Umsätze damit voraussichtlich nicht mehr als 4.000 € (brutto) im laufenden Kalenderjahr betragen.

    Wenn also der Umsatz aus dem Verkauf von Kerzen (und anderen evtl. zugekauften Produkten) unter 4.000 Euro im Jahr bleibt, wird er genauso besteuert wie der Honigumsatz.


    Die Sache mit den Verarbeitungsstufen bezieht sich aber nur auf die Umsatzsteuer.

    Ich bin mir nicht sicher, ob die Kerzenherstellung einkommensteuerrechtlich noch als landwirtschaftliche Tätigkeit gilt, gehe aber davon aus. Dann würden für Dich keine steuerlichen Folgen entstehen.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Die Sache mit den Verarbeitungsstufen bezieht sich aber nur auf die Umsatzsteuer.

    Ich bin mir nicht sicher, ob die Kerzenherstellung einkommensteuerrechtlich noch als landwirtschaftliche Tätigkeit gilt, gehe aber davon aus. Dann würden für Dich keine steuerlichen Folgen entstehen.

    Ich habe gerade noch etwas weiter recherchiert (https://www.kulschewski.biz/ap…er_Stand_19.02.2019.pdf): Demnach ist man unter 30Völkern komplett befreit von der Einkommensteuer.


    Und in den Link aus dem ersten Beitrag steht ja, dass Imker keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen müssen, wenn sie nur eigene Produkte verkaufen und nichts hinzukaufen.


    Wenn ich das richtig sehe, kann ich also Kerzen aus eigenem Wachs herstellen und verkaufen, ohne irgendwelche steuerliche Abgaben oder Dolumentationen tätigen zu müssen :)

    Carnica auf DNM 1,5 mit Schied (Segeberger) im schönen Hochsauerland an der Grenze zum Märkischen Kreis

  • ... dass Imker keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen müssen, wenn sie nur eigene Produkte verkaufen und nichts hinzukaufen.

    Das stimmt so nicht. Es müssen landwirtschaftliche "Urprodukte" sein. Deswegen fallen nur Produkte der 1. Verarbeitungsstufe unter die Durchschnittssatzbesteuerung.

    Weil Dein Kerzenverkauf aber wahrscheinlich unter jährlich 4.000 Euro Umsatz bleibt, greift auch dann die Durchschnittssatzbesteuerung, wenn Kerzen nicht als Produkte der 1. Verarbeitungsstufe gelten.

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  • Hi,


    falls sich das Finanzamt nicht Wolfgangs Einschätzung anschliesst, darf deine Imkerei


    ihr Wachs gerne an deine Kerzenproduktion verkaufen. Die Imkerei muss dafür natürlich


    dann keine Steuern zahlen, solange du weniger als 30 Völker hast.


    Gruss Joachim

  • ... darf deine Imkerei ihr Wachs gerne an deine Kerzenproduktion verkaufen. Die Imkerei muss dafür natürlich
    dann keine Steuern zahlen, solange du weniger als 30 Völker hast.

    Es geht hier um die Umsatzsteuer. Die hat mit der 30-Völkergrenze nichts zu tun.

    Außerdem ist das Quark. Wenn man die Kerzenproduktion als eigenes Unternehmen betrachtet, ist sie ein Gewerbebetrieb. Das würde also einkommensteuerlich keine Vorteile bringen. Umsatzsteuerlich ist eine Verkauf an sich selbst gar nicht möglich, bzw. nicht steuerbar, weil die Selbstständigkeit (§ 2 UStG) fehlt.

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  • Passenderweise habe ich mir letzte Woche das "Imkern für Profis - Spezial" gekauft und dort steht in einem Artikel zum Steuerrecht folgendes:


    "Einnahmen aus der Imkerei gelten grundsätzlich als Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft. Wird der Verkauf von selbst erzeugtem Honig, Wachs und Pollen jedoch durch die Weiterverarbeitung zu Honiggetränken, Süßigkeiten oder Kosmetika ergänzt, so kann man steuerlich plötzlich als Gewerbebetrieb eingestuft werden. Für das Finanzamt gilt nur die Imkerei als landwirtschaftlicher Betrieb, deren Umsatz mit solchen ´gewerblichen Erzeugnissen der zweiten Verarbeitungsstufe´ maximal ein Drittel der gesamten Einnahmen beziehungsweise höchstens 51.500 Euro pro Jahr beträgt. Innerhalb dieser Grenzen darf auch zugekaufte Ware weiterverkauft werden, ohne dass man eine steuerliche Einstufung als Gewerbe riskiert - egal, ob es sich bei den zugekauften Produkten um Honig, Bonbons, Bücher oder Kerzen handelt."


    Das heißt für mich, wenn ich mit dem Kerzenverkauf weniger als 1/3 des Honiggewinns einfahre, gerate ich nicht in Kontakt mit dem Finanzamt, richtig?

    Carnica auf DNM 1,5 mit Schied (Segeberger) im schönen Hochsauerland an der Grenze zum Märkischen Kreis