Spättrachthonig bei 18%. Soll ich mischen?

  • KANN gären, wenn die entsprechenden Hefen im Honig vorhanden sind.


    Tut es aber nicht, wenn die eben nicht vorhanden sind oder nur in sehr geringeer Zahl.

  • Und unsere Honige haben natürlich keine Hefen8).


    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bei Honig mit über 17,5% zu Reklamationen kommt. Zwar mit sehr geringer Rate, eine negative Rückmeldung auf einige tausend verkaufte Gläser, aber wahrscheinlich meldet sich auch nicht jeder zurück. Dann kann man jedes mal darauf verweisen, dass auf dem Glas ja was von "kühl und trocken lagern" steht, aber blöd isses.


    Manche Imker stellen sich da auch einfach stur und wollen nix davon wissen, aber ich höre schon immer wieder mal (auch von meinen Wiederverkäufern) von ganzen Chargen, die noch im Laden umkippen (zum Glück gehts dabei nicht um meinen Honig).

    Durfte ich neulich im Urlaub im Tourishop wieder sehen: Ne ganze Rutsche DIB-Frühtracht mit dicken Deckeln, MHD irgendwas mit 2021...


    In diesem beschriebenen Fall gehts ja aber um eine derart geringe Menge, die würd ich auch einfach mit knappem MHD schnell unters Volk bringen...

  • wahrscheinlich meldet sich auch nicht jeder zurück.

    Genau.


    Das genaue Gegenteil dürfte der Fall sein: dass sich jemand bei negativer Erfahrung zurückmeldet ist doch die absolute Ausnahme. Die allermeisten werfen das schlechte Glas weg und kommen nie wieder.


    Nene, das brauche ich nicht... Da geniesse ich lieber den Bärenfang ;-)


    Aber jedem wie er es mag...

  • Ist wohl so wie mit allem: Gibt ja viele Imker, denen noch nie ein Schwarm abgehauen ist, denen noch nie ein Volk im Winter eingegangen ist. Deren Honig ist bestimmt auch noch nie umgekippt...

    Hat wer und wann behauptet?! Irgendwann nur gehen solche Vorgänge eben gegen 0, aber keine Angst. Dafür gibts andere Probleme wie z. Bsp. die Konversation hier im Forum.:)

  • Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bei Honig mit über 17,5% zu Reklamationen kommt. Zwar mit sehr geringer Rate, eine negative Rückmeldung auf einige tausend verkaufte Gläser, aber wahrscheinlich meldet sich auch nicht jeder zurück.

    Jetzt bleibt doch mal auf dem Teppich.


    EINE Reklamation auf tausende Gläser bei 17,5%-Honig. Das ist doch nix, nada, niente. Das kann an allem Möglichen liegen, inkl. abgelecktes Messer jeden Tag 5x eintauchen oder gleich noch reinspucken und in die Sonne stellen. Das würde ich mir nicht aufs Gewissen laden. Wenn es z.B. 3-4 Reklamationen auf 20 verkaufte Gläser oder eine ähnlich Grössenordnung wäre, würde ich mir Gedanken über meinen Honig oder meine Reinlichkeit bei Ernte und Verarbeitung machen, aber doch nicht bei so einer Nicht-Quote.


    Hier wird kontinuierlich die Messlatte tiefer und die Ansprüche höher gelegt (oder so zumindest nach aussen dargestellt) . Betrifft ja nicht nur diesen Faden, auch im Schleuderreinigungsthread geht es anscheinend nur noch darum, wer es sauberer kann. Am Ende werden Reinraumansprüche aus der Chipherstellung angelegt, Honig nur noch im Ebola-Schutzanzug verarbeitet oder was ? Und natürlich muss es DER Mega-Dadant-Smoker für 3 Völker sein.


    Die 18% aus den DIB-Richtlinien, 18,5% vom CH-Goldsiegel oder 20% aus der Gesetzgebung sind ja nicht einfach frei erfunden. Die basieren ja auch auf alten Erfahrungs- und/oder Testwerten, das ein gewisser (mehr oder weniger hoher) Prozentsatz an Honig für eine gewisse Zeit stabil bleibt, wenn er unter diesen Werten bleibt und vernünftig gelagert wird. In der Mathematik hiess das Stichwort dazu immer "Ausreichende Genauigkeit". Übertragen würde ich hier sagen: 18% sind der ausreichende Wassergehalt, damit der Honig eben nicht kippt. Das man den jetzt nicht 4 Jahre lagert und dann noch 2 J. MHD drauf gibt, sollte klar sein. Aber eben, 20kg sind doch noch bis vor Weihnachten alle, da muss man eher aufpassen, das noch genug Geschenkreserve für die liebe Verwandschaft bleibt.


    Grüsse, Robert

  • Danke Robiwahn,


    beim Lesen der jüngsten Fäden zu Sagrotan und Honigfeuchte ist mir der Begriff "Filterblase" wieder mal so richtig deutlich geworden.


    Hier mal ein Link zur Seite des DIB zum Thema:

    https://deutscherimkerbund.de/…nig_Qualitaetsrichtlinien


    es ist logisch und unstrittig, dass 16% besser, sprich "weniger gährungsgefährdet" sind als 18%. Es ist auch klar, dass die Kurve der Gährungsgefahr von trocken zu feucht exponentiell ist, sprich, gerade ab etwa 18% beginnt sie sehr schnell, immer steiler zu werden.


    Dennoch wird schon die 18%-Marke von ernst zu nehmenden Organisationen wie dem DIB als "besonders strenges Qualitätskriterium" ausgelobt. Man muss jetzt als Imker nicht gewaltsam noch eins draufsetzen, finde ich. Besser geht immer, aber wie praxisnah ist das?


    Wenn wir nur noch Honig verkaufen wollen, der wie im verlinkten Dokument empfohlen unter 16,5% ist (echte 16,5%, nicht die selbst gemessenen Fantasiewerte!), dann werden wir wohl nur noch 1% statt 20% des deutschen Honigbedarfs decken können. Denn wenn ich mich in meinem Umfeld so umhöre, wird gar nicht so selten gejammert, dass man wieder mal nur Honig zwischen 18 und 19% in der Schleuder hatte...ich glaube nicht, dass dieser Honig selbst gegessen, getrocknet oder auch nur sachgerecht mit anderen Chargen heruntergemischt wird!


    Wir als Imker sollten so oder so einfach mal aufhören, das Märchen vom ewig haltbaren Honig aufrecht zu erhalten, denn das stimmt in Zeiten heutiger Großvölker, Massentrachten und Magazinbetriebsweisen für naturbelassenen, nicht industriell verarbeiteten Honig einfach nicht mehr. Heutige Honige sind durch die Bank deutlich feuchter als früher, das melden die Labore immer wieder.


    Auch die traditionell überlangen MHD beim Honig sollten mal überdacht werden. Den Werbeeffekt halte ich für sehr gering, den Nachteil (Risiko für den Imker, Neigung des Kunden zur Lagerung statt zum Kosum) aber für sehr groß. Tausende anderer guter Produkte kommen ohne Probleme auch mit sehr viel kürzeren MHDs aus und die Kunden stört's nicht.


    Irgendwer hier im Forum meinte sogar mal, man "müsse" Honig mit einem MHD von 4 Jahren versehen..., erstaunlich viele sind auch heute noch überrascht, wenn sie hören, dass selbst ein 2-Jahres MHD gar nicht Pflicht ist! Woher so Gerüchte kommen, ist mir schleierhaft.


    Keine Frage, trockener ist besser, und der Trend zu feuchteren Honigen ist nicht gut, aber real. Keine Ahnung, wie wir als deutsche Imkerschaft das wieder ausgleichen können. Aber wenn die 16,5% das neue 18% werden sollten, sage ich voraus, dass 90% der Imker keine "DIB-Qualität" mehr dauerhaft bringen könnten. Oder wie die Großen technisch trocknen müssen, was auch nicht gut wäre.

  • KANN gären, wenn die entsprechenden Hefen im Honig vorhanden sind.


    Tut es aber nicht, wenn die eben nicht vorhanden sind oder nur in sehr geringeer Zahl.

    Ich bin mir sehr sicher, dass in MEINEM Honig Hefen enthalten sind.


    Hefen sind natürlicher Bestandteil von Honig.


    Weder erhitze ich den Honig derart, dass diese Hefen absterben, noch verwende ich irgendwelche Mittelchen um diese Hefen abzutöten. (Sagrotan, anyone?).


    Ich sehe also keine Veranlassung darauf zu hoffen, dass mein Honig weniger Hefen enthält als der, den Dr. von der Ohe in seinem Labor hatte.


    Insofern gehe ich vom Worst-Case aus: ein 18%er KANN innerhalb von wenigen Wochen anfangen zu gären... Bei MEINEM Honig. Ob das bei Deinem Honig der Fall ist, musst Du selbst wissen..


  • Zumal 20kg ja schnell weg sind,

    Die sind schnell weg, keine Frage.


    Die Frage ist aber, wie lange steht der dann auf dem Küchentisch? Oder auf der Arbeitsplatte direkt neben der Herdplatte?


    Ich will dass mein Produkt MINDESTENS das MHD übersteht. Auch dann, wenn der Kunde kleine Fehler bei der Lagerung macht. Neben der Herdplatte ist jetzt ein extremes Beispiel. Aber auch dann soll nicht schon nach einer Woche der Deckel hochgehen...

  • Der DIB sieht das als Ausschlusskriterium. Wortklauberei? Wohl kaum...

    Weniger als 18% ist besser und anzustreben, da sind wir uns doch einig.


    Aber

    "Honig, der die Bezeichnung "Echter Deutscher Honig" tragen darf, muss ... den sehr viel strengeren Qualitätsrichtlinien des Deutschen Imkerbundes e.V. genügen...einen Wassergehalt von weniger als 18 % aufweisen."


    bedeutet nichts anderes, als dass solcher Honig die sehr viel strengeren Qualitätsrichtlinien des DIBs einhält. Qualitätsrichtlinien, die strenger sind als der sonst übliche und vorgeschriebene Standard.

    Das kann also schon mal gar nicht richtig schlecht sein, sondern ist mindestens ok. Mehr sollte man nicht rauslesen, aber eben auch nicht weniger und Honig mit 18% aus überzogener Angst verwerfen, weil man ihn für grenzwertig schlecht hält. Einfach weniger Sagrotan, mehr Realismus.


    Natürlich kannst du jetzt Worte klauben und sagen, 18% ist nicht weniger als 18%, sondern 1 Zehntel zuviel ... :wink:



  • Was mehr als 18% hat, das darf nicht ins DIB-Glas. Das ist ganz klar ein Ausschlusskriterium. Da kannst Du noch so lange Worte klauben...


    Nicht nur das. Es ist auch eine deutlich unterdurchschnittliche Qualität. Die überwiegende Masse (also der Durchschnitt) hat sicherlich deutlich weniger als 18%. Ich glaube nicht dass jemand der 18% verkauft sich lange am Markt halten kann...