eigener Wachskreislauf

  • Hallo,
    ich finde es ja gut, daß viele Forumteilnehmer Bio Betriebsweisen anwenden, aus bebrütetem Wachs Kerzen machen usw..
    Trotzdem bin ich aus 3 Seiten "Wachsentseuchung" noch nicht draufgekommen, wielange und auf welche Temperatur man das Wachs vor der Weiterverarbeitung bringen soll.
    Übrigens haben wir einen sogenannten "Entkeimungskessel" selbst hergestellt. Sieht genauso aus wie der gekaufte.
    Ich verwende kein bebrütetes Wachs zur Mittelwandherstellung, möchte aber trotzdem mein Wachs zur Sicherheit entkeimen.
    Also sagt mir bitte wie hoch die Temperatur ist und wie lange ich das Wachs auf dieser Temperatur halten muß.
    Grüße Peter

    Theorie ist: alles wissen und nichts funktioniert.
    Praxis ist: alles funtioniert und keiner weiss warum.

  • Die Erhitzung des Wachses auf 100° oder noch besser unter Druck von 1,4 Atm auf 120° während 30 Minuten tötet alle Sporen von Paenibacilus larvae (Auslöser der bösartigen Faulbrut) ab.

  • Also ich habe gelesen (nicht ausprobiert!!!), vorsichtige Erwärmung über mindestens 20 Minuten auf 130°C des wasserfreien Wachses tötete die Sporen genausogut wie unter Druck, ist nur viel gefährlicher... :-?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Peter hallo Sabiene!


    Mein Wachs erhitze ich seit 2 Jahren auf 130 Grad. Ich erwärme den trockenen Wachsblock langsam und überprüfe die Wachstemperatur mit einem Bratenthermometer. Den Wachstopf behalte ich während der kompletten Zeit im Auge. Also es geht, aber man sollte vorsichtig sein.
    Eine andere Frage wäre, verändert sich das Bienenwachs in seiner Struktur durch das Erhitzen?


    MfG Steffen

  • Hallo Steffen,


    etwas oberhalb von 200 °C verändert sich das Bienenwachs (thermische Zersetzung).
    Weitere Werte zum Bienwachs findest du hier in einigen früheren Beiträgen: http://www.imkerforum.de/viewtopic.php?t=194

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • :roll: hallo, einen eigenen wachskreislauf zu haben ist ja schön und gut, aber jeder sollte bedenken wieviele rückstände von medikamenten und varroabehandlungsmitteln im wachs schlummern. ich habe mir wachs von hohenheim schicken lassen,dass ursprünglich aus afrika stammmen soll und untersucht wurde.ich hoffe, damit einen total neuen anfang machen zu können. natürlich müssen die beuten auch neu sein, sonst macht das ganze keinen sinn. die umlogierung erfolgt mittels kunstschwärme. hat jemand von euch erfahrung ?würde mich über tips und ratschläge freuen.wolf

  • Hallo Wolf, natürlich kann man bei seinen eigenen Wachskreislauf irgendwelche Schadstoffe nicht ganz ausschließen. Aber man hat es selbst in der Hand, diese nach und nach zu "verdünnen", indem man nur noch Mittelwände aus Jungfernwachs und Entdeckelungswachs nimmt, evtl auch nur Anfangsstreifen gibt. Das ist dann ähnlich wie bei eigenen Obst und Gemüse, man weiß zwar nicht, was drin ist, aber was man nicht reingetan hat , weiß man. Volle Honigtöpfe wünscht Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • hallo fx, wie hast du es angestellt, nicht mit alten waben in berührung zu kommen und trotzdem ableger mit dem neuen wachs zu machen. ich habe zu wenig kunstschwarmkisten, um alle gleichzeitig umzulogieren. wer hat mit fluglingen erfahrung, wenn keine brut in der beute vorhanden ist, sondern nur eine gekäfigte königin?vielen dank im voraus peter wolf


  • Hallo Peter,


    versuch’s mal mit dem von Imkermeister Henne beschriebenen Verfahren offener Kunstschwarm“ (entspricht dem von dir erwähnten Flugling ohne Brut), dazu brauchst du keinen Kunstschwarmkasten und keine Dunkelhaft.
    Dieser Kunstschwarm wird in der eigenen Beute bei offenem Flugloch gebildet.
    (Ausführlich in ADIZ, Heft 7/97, S.21+22, und Deutsches Bienen-Journal, Heft 4/99, S.4-7).


    In Kurzfassung (etwas allgemein gehalten, da ich keine Magazine habe):


    1.Tag:
    - Mit allen Brutwaben und aufsitzenden Bienen einen weisellosen Ableger bilden
    (bzw. auch mit der Königin, wenn das Hauptvolk gleichzeitig umgeweiselt werden soll).


    - Den Brutraum ausräumen, auf den Boden kommt ca. 1 kg Futterteig (ich lege eine 2,5 kg Apifonda-Packung rein, 2-3 cm breiten Futterschlitz schneiden).
    - Die Honigraum-Waben in den leeren Brutraum abkehren.
    - Königin dazu geben (evtl. Ausfresskäfig); ich fege noch die Bienen der Brutwabe dazu, auf der die Königin war.
    - Falls gleichzeitig umgeweiselt wird, neue Königin im noch verschlossenen Ausfresskäfig (zB. Wohlgemuth) zusetzen.
    - Oben wird die Beute bienendicht mit einem Fliegengitter abgedeckt, darauf kommt lose der Deckel. Dadurch sitzt der „Kunstschwarm“, der sich um die Königin bildet, recht luftig.
    - Abends Varroabekämpfung mit der Träufelmethode (früher Perizin, jetzt Oxalsäure bzw. Bienenwohl) durch das Gitter auf die Bienentraube.


    2.Tag:
    Je nach Volksstärke zunächst bis zu 10 Mittelwände geben; (Magazinimker setzen nach Entfernen des Fliegengitters eine Mittelwandzarge auf).


    3.Tag:
    Abends gibt es die erste dünnflüssige Zuckerlösung (1 : 1).


    4. Tag
    Um Wildbau zu verhindern: Leerzarge entfernen, bzw. bei Lagerbeuten leeren Beutenteil mit Schied abtrennen.


    Nach einigen Tagen:
    - Baufortschritt kontrollieren, dabei Waben sortieren.
    - Bei Warmbau Brutwaben nach vorn, dahinter die wenig ausgebauten, hinten die Futterwaben.
    - Bei Kaltbau Brutwaben in die Mitte, Futterwaben nach außen, die anderen dazwischen.
    - Bei Bedarf weitere Mittelwände (bzw. MW-Zarge); evtl. auch schlecht ausgebaute MWs vom Frühjahr, sie werden einwandfrei ausgebaut.


    !!! Wichtig: Der dünn(!)flüssige Futterstrom darf bis zum Ausbau der zur Überwinterung notwendigen Waben nicht mehr abbrechen ! (Für meine Warmbau-Lagerbeuten nach Bremer sind das 14 bis 15 Waben).
    Diese „Reizfütterung“ geht später kontinuierlich in die Auffütterung über.


    Zum Brutableger mit den vielen Jungbienen:
    - Da ich nicht vermehren will, habe ich ihn fast immer als weisellosen Zwischenableger gebildet (Magazin-Imkern empfehle ich den Zwischenbodenableger nach Liebig).
    - Varroabekämpfung mit Ameisensäure (1 x Schwammtuch).
    - Wenn entsprechende Honigkränze vorhanden sind, füttere ich den Ableger nicht; zusätzlich lasse ich ihn noch schlecht geschleuderte Melezitose-Waben umtragen.
    - Er zieht sich eine neue Königin.
    - Nach ca. drei Wochen (wenn alle Brut geschlüpft ist), noch bevor die junge Königin zur Eiablage kommt, wird sie mit den alten Waben entnommen. Die Bienen kommen zu ihrem Volk zurück (evtl. einige Tage vorher Duftgitter)


    Nach dem Umstellen von DNM auf Kuntzsch-hoch habe ich 1997 dieses Verfahren zum ersten Mal durchgeführt, um schnell zusätzliche Waben im neuen Maß zu bekommen.
    Erfreulicher Nebeneffekt: Dabei habe ich gleichzeitig ein anderes (für mich großes) Problem gelöst, ich bekam den Überwinterungsraum frei von Melezitosehonig (den ich fast jedes Jahr im Juli bekomme).
    Seither kombiniere ich in Waldhonig-Jahren diese Methode bei meinen drei Völkern mit dem Abschleudern (Juli - Mitte August, bevorzugt während der Maisblüte).


    Weitere Vorteile:
    Neuer Wabenbau mit Zuckerwasser statt Honigverbrauch.
    Varroabehandlung ohne Wachsverunreinigung.
    Sichere Methode zum Umweiseln nach der Sonnenwende ohne Mehraufwand.


    PS:
    1)
    Eine Variante dieses Verfahrens zur Entfernung von Drohnenmütterchen steht bereits im Stammtisch-Archiv:
    < http://www.bienen.de/interaktiv/archiv/thema_490.html >
    (meine bd. Antworten an Martin vom 14.+15. August 2001)


    2)
    Robert Henne empfiehlt „ ... wie bei jedem anderen Kunstschwarm oder Fegling, der Königin einen Flügel zu stutzen, denn Kunstschwärme sind flügge wie Nachschwärme“.


    3)
    Zusätzliche Produktion für den eigenen unbelasteten Wachskreislauf:
    Wenn der offene (1.) KS bei einem starken Volk frühzeitig (Anfang Juli) gebildet wurde, wiederholt Henne Anfang August das Verfahren; der inzwischen erstarkte ehemalige Brutableger wird zum (2.) Kunstschwarm.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


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    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)