Zu viele Bienenvölker in Berlin

  • Jedes unkontrollierte Volk im Flugkreis erhöht das Risiko. Ob der Schwarm in der Zwischendecke, die 1.000$ FlowHiveKiste oder in Großväterchens DN Segeberger. Je mehr Bienen/Fläche, desto wahrscheinlicher werden Ansteckung und Ausbruch von Krankheiten. Zusätzlich potenzieren Defizite in Theorie & Praxis natürlich das Risiko.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Unrecht hat da rase natürlich nicht.


    Je mehr Leute auf einander hocken, desto größer die Gefahr der Ausbreitung.

    Doch natürlich wird auch der Einsiedler mal krank. Es hat nur nicht die Auswirkungen auf das Gesamtumfeld


    Eigentlich geht es auch nicht um die Menge der Bienenvölker. Die lag schon einmal deutlich höher.


    Es geht um den Umgang mit Bienen! Und natürlich um Hygiene und Krankheiten.


    Und hier ist ein Trend entstanden, der einem erstmal unwissenden Menschen einfach ermöglicht Bienen zuhaben. Das war früher genauso möglich. Nur hat sich die Zielsetzung verändert.

    Früher waren Bienen Zubrot und man hatte klare Absichten. Daher wurde sich auch anders gekümmert und ein Misserfolg hatte Konsequenzen. Daher haben nur erfolgreiche Imker, die Honig etc rauswirtschaften konnten, weiter gemacht. Sonst ist Imkern ziemlich teuer....

    Heute wollen viele "etwas für die Natur tun"... und schaffen sich ein oder mehrere Völker an. Doch Bienenhaltung ist Arbeit und man muss auch mal Urlaubsplanung etc über Bord werfen ....

    Problem dabei, ein gesundes Volk bringt Honig! Ein gesundes Volk kommt in Schwarmstimmung in der Saison und ein gesundes Volk bekommt häufiger ein Problem mit der Varroa ( gesundes Volk= viel Brut = viel Varroen).

    Lässt man das Volk schwärmen, hat das Konsequenzen. Manchmal wird das Volk Buckelbrütig, weil es die Jungkönigin nicht gepackt hat...etc.

    Die Vorteile der Honigernte, es gibt wieder Platz im Volk, Bau- und Wabenerneuerung kann gemacht werden, Säuberung von Sporen und anderen Belastenden Stoffen im Honig. So hat jede Maßnahme eigentlich einen guten Sinn.


    Die gute Imkerliche Praxis arbeitet nicht gegen das Volk, sondern unterstützt es im Aufbau und Krankheitsvorbeugung, natürlich auch Schwarmverhinderung. Doch scheint dies häufig vergessen zu werden und wird sogar teils als Ausbeutung gesehen und den Interessierten auch so verkauft.


    Und da habe ich ein Problem mit! Dem Neuling wird etwas als "naturgemäß" verkauft, aber weder zum Wohle der Bienen, noch zum Wohle des interessierten Neulings. Es werden neue Ideologien erstellt, teils mit dem Feindbild des " alten Imkern".


    Ist nur meine Meinung.

  • ...Früher waren Bienen Zubrot und man hatte klare Absichten. Daher wurde sich auch anders gekümmert und ein Misserfolg hatte Konsequenzen. Daher haben nur erfolgreiche Imker, die Honig etc rauswirtschaften konnten, weiter gemacht. Sonst ist Imkern ziemlich teuer....

    Nicht nur das, früher schauten sich Interessenten nach erfolgreichen Imkern um, von welchen man nach und nach den Eindruck gewann, sie könnten womöglich die Biens verstehen . Wichtigtuer schafften sich selber ab.

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Naja, was mir mein Nachbar, der jahrzehntelang so um die 30–40 Völker bewirtschaftet hat, alles erzählt … :rolleyes:


    Beispiel: Alte Waben liess er immer offen hängen zum Ausschlecken. Auf meine Entgegnung, das sei so etwa das Erste, wovon man im Grundkurs abrate, meinte er, dass man in diesen Grundkursen halt auch viel Mist lerne. Und überhaupt, wie sollten denn die Waben sonst leer werden, um als Altwachs eingetauscht werden zu können … ? Oder dann erzählt er Geschichten davon, wie sie jeweils aus Slowenien Königinnen hierher geschmuggelt hätten, wie er es mal mit Buckfast versucht («fressen viel zu viel Futter!») und überhaupt alles Mögliche probiert hätte, um am Ende festzustellen, dass Brutwabenableger das Nonplusultra seien … Seine Frau habe jeweils beim Entnehmen der Honigzargen gerochen, welche Völker besonders aggressiv gewesen seien (weil die Honigwaben entsprechend stark nach Zigarrentabak gerochen haben) … Ein Bauer von nebenan, der auch geimkert habe, habe mal sehr überrascht auf seine Aussage reagiert, dass sich in jedem Volk eine Königin befinde …


    Früher war nicht alles besser. Abgesehen davon teile ich den Standpunkt von rase (wenn auch nicht ganz so entschieden ;) ).

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Wichtigtuer schafften sich selber ab.

    Ich wünschte, es wäre so.

    Mich haben Jungimker angesprochen, weil sie Rat suchten (ich weiss, ich weiss..). Die sitzen 40 Meter von einem meiner Stände.
    Haben in Charlottenburg einen Imkerkurs gemacht, haben vom Kursleiter einen Ableger abgekauft.

    Das Ding kam gar nicht in Fahrt, wurde ausgeräubert, wenig Bienen, schlechte Futterabnahme, das ganze Programm - eine klare Empfehlung fürs Auflösen.


    Jetzt hat der Kursleiter denen eine verdeckelte BW zum Verstärken gegeben. Seitdem ist die Kiste voller DWV Bienen und voller Milben, die reinste Milbenschleuder.


    Wenn ich so etwas höre, dann macht mich das ratlos. Diese Jungimker wollten alles richtig machen, sich ausbilden lassen, einen erfahrenen Imker als Paten, eine seriöse Quelle für ihr erstes Volk, pipapo. Und dann so etwas.


    Worauf ich hinaus will: Verantwortungsvolles Imkern lässt sich wohl nicht an der Dauer der Imkertätigkeit festmachen, aber aber sehr wohl an der Einstellung des Imkers selbst.

    Die Motivation selbst, warum jemand imkert, spielt am Ende keine Rolle.

  • Es hängt und fällt mit dem Imker, da haben hier alle recht. Es gibt schwarze Altschafe, aber auch richtig gut Neulinge. Ganz klar.


    Doch geht es mir nicht um die " Ausreißer" in der Statistik, sondern um die Flächenpropaganda.

    Was wird wie vermittelt?

    Sind wir Imker jetzt insektenfreundlich, oder zerstören unsere Bienenvölker sogar die Nahrungsgrundlage von anderen Insekten. Ihr kennt die Diskussionen.... und vieles ist nicht mal gut recherchiert. Trotzdem findet so etwas eine breite Masse.

    Eine wenigstens in den Grundlagen Völkerführung und Bienenkrankheiten einheitliche Ausbildung wäre schön, aber nein, jeder kann Kurse geben.

    Sogar mit 7 Sterneaufstellung.

    Man kann sich etwas tolles ausdenken und es verkaufen.

    Ein Berufsimker könnte Meditationsimkern anbieten... 6 Std a 250 Euro, ein Schnapper....


    Die gegenläufigen Imkereiansätze bekriegen sich, wesensgemässe und naturfreundlich, Honig behaltend...etc und machen es den Anfängern schwer, das wesentlich zu erlernen. Das Wohl des Bienenvölker.

    Und da hat der Berufsimker ein erhebliches Interesse dran, dass seine Bienen gesund bleiben, denn sonst gibt es keinen Honig.

  • Verantwortungsvolles Imkern lässt sich wohl nicht an der Dauer der Imkertätigkeit festmachen, aber aber sehr wohl an der Einstellung des Imkers selbst.

    Einstellungen und Bereitschaft zum lernen. Wie lange jemand imkert ist fast egal. Wie im Beispiel ja angesprochen.

    Zitat

    Die Motivation selbst, warum jemand imkert, spielt am Ende keine Rolle.

    Doch, das denk ich schon. Honig als Ziel verpflichtet halt zu leistungsstarken Völkern. Bienen nur um Bienen zu halten verpflichtet nur alle anderen, das gut zu finden ;)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich fände eine Verpflichtung zu GESUNDEN Völkern schöner statt einer zu leistungsstarken Völkern.

    Mit diesem Wort bin ich in unserer Gesellschaft, die leistungsstarke Milchkühe sowie leistungsstarke Legehennen züchtet -die mal ganz weit weg von gesund sind- vorsichtig.

  • bei Bienen verhält sich dies aber anders...
    Nur gesunde Völker geben langfristig Honig.
    Kranke oder schwache Völker haben für Honigerzeugung keine Ressourcen über.

    Steingarten ist Keingarten
    Für alle die, die kein Imker sind: gemeint ist Schottergarten, reimt sich aber nicht so prickelnd...

  • Und eine Biene wird keine x Jahre alt.

    Der Bien erneuert sich durch den Wechsel der Bienen. Dadurch Kann sich ein Volk auch "heilen"

    Das funktioniert nur, wenn es stark genug ist und nicht vor sich hindümpelt.

    Und dazu brauch es unter anderem viel Nektar und Pollen, welcher durch die vielen Flugbienen rangeschafft werden muss.

    Dazu braucht man in erster Linie leistungsstarke Königinnen und das entsprechende Umfeld, in dem die Bienen sich bewegen.

  • Hm, ich verstehe das alles nicht.

    Ich bin einer dieser Hype-Heinis der mit der Bienenbox "imkert".

    Ist ja alles nur Spielerei, habe ich hier oft genug gelesen. Das Prinzip, das man nur den Überschuss an Honig entnimmt, den die Bienen nicht brauchen, wurde und wird ja belächelt, ist ja sowas von Quatsch und hat nix mit Imkerei zu tun.

    Und schaut man sich die Startupszahlen von Bienenbox & Co (die ja in Berlin ihren Hauptsitz und vermutlich auch Kundenstamm haben) dürften viele diese vielgeschmähten Neuimker ja solche sein, die maximal nur um die 10kg pro Jahr ernten.

    Also macht Euch keine Sorgen um Eure finanziellen Erträge, dies ist neben der juristisch-wissenschaftlich Honigalterdiskussion ja anscheinend die Hauptsorge.

    Hallo Ma Wie,

    das mache ich seit 5 Jahren.

    Ernte nur das was ich brauche, alles andere bleibt in den Völkern.

    Ob nun lächeln oder nicht, wen kümmerst?

    Ich bezeichne mich nicht als Imker. Ich halte Bienen.

    Also ruhig bleiben und Tee trinken 😁

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Zu viel Bienenvölker...nun ja, manchmal ist es eben auch nur der Umgang, der entscheidet, ob die Bienen ein Problem sind - heute war ich mal wieder bei einem Stand von Ansgar, nachdem das dort zuständige "Imkerteam" offenbar ordentlich gekleckert hatte und eine Riesenräuberei der ca. 80 Völker dort ausgelöst hatte....die Polizei verkroch sich im Streifenwagen und ich wurde wegen "eines Schwarms" gerufen. Aber ich wisch da nicht auf, das machen die Bienen eh besser weg...


    M.

  • Ja, es gibts eindeutig auch Gegenbeweise zu der These, dass Erwerbsimker zwangsläufig ihre Völker, Stände und den Betrieb gut in Schuss halten, weil sie ja ökonomisch darauf angewiesen sind.

    Und manche Namen fallen da in diesem Zusammenhang öfter:/...