Zu viele Bienenvölker in Berlin

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    Eine Folge des Hypes ums Imkern...

    Die Sprecherin des Deutschen Imkerbund, Petra Friedrich, warnte unlängst: „Die Bienendichte in Berlin ist viel zu hoch.“

    Auch in meinem Heimatort, einem Dorf von 530 Einwohnern, gibt es demnächst 12 (!) Imker. Sieben Neuimker (!). Anfänger mit Halbwissen und solche die gerade von einem Imkerkursus kommen und meinen sie wüßten schon alles...

    Ob das wirklich gut ist
    Vor allem: Honig kann man dort über Verwandtschaft und Freunde hinaus nicht mehr verkaufen. Der Markt ist mehr als gesättigt.

    Vllt. sollte ich mich auf den Ersatz von Winterverlusten spezialisieren 1f60e.png

    Wie schauts bei euch aus mit der Bienenvölkerdichte?

    Carnicabiene in Segeberger Deutschnormal (DNM) 1.0 :)

  • Nunja, gibt es nicht ebenso Altimker die meinen sie wüssten schon alles bzw. sind mit ihrem Wissen auf dem Stand von 1970 stehen geblieben? Gerade bei Jungimker wird der Wissensdurst stärker ausgeprägt sein.

    Ob der Markt gesättigt ist oder nicht spielt zumindest für mich eine untergeordnete Rolle. Ich betreibe Imkerei als faszinierendes Hobby und der wahre Wert der Bienehaltung ist die Zeit mit den Bienen. Auf der Honigkasse hat meine bessere Hälfte die Hand drauf 😀 und somit finanziert sich neu Hobby nicht von allein.

    Die Bienendichte in Berlin führt in der Tat örtlich zu Problemen und lokal sind aufgrund längerer Trachtlosikeit die Räubereitendenzen extrem ausgeprägt. Als erfahrener Imker sollte man damit umgehen können und mehr noch Jungimkern an seinem Wissen teilhaben lassen.

  • Ob bei uns im Dorf der Berufsimker nun 10 Völker mehr hat, oder ob sich drei Hobbyimker mit jeweils 2-4 Völkern dazugesellen ist vermutlich nicht wirklich relevant, zumal viele Hobbyimker bekanntermaßen auch flott wieder das Handtuch werfen. (Die ggf. notwendigen Ableger gebe ich übrigens an den Profi-Imker ab, weil ich nicht mehr als allerhöchstens vier Völker haben will).


    Wobei 12 Neuimker auf 530 Einwohner natürlich tatsächlich schon eine fette Hausnummer ist.

  • Dass die regionale Bienendichte generell in und um Städte zu hoch gegenüber dem Land in der Fläche ist, ist keine neue oder bahnbrechende Erkenntnis. Da Berlin als Hauptstadt zufällig die größte und bevölkerungsreichste deutsche Stadt ist, ist es schon beinahe logisch, dass dort auch eine relativ höhere Bienenvölkerdichte dank mehr Imkern festgestellt werden konnte. Mit dem Dorf Bonn als Übergangslösung und vergleichbarer Völkerdichte bezogen auf die Einwohnerzahl innerhalb und ausserhalb des Speckgürtels hätte da sicher kein Hahn nach gekräht...


    Aber das ist offensichtlich auch gar nicht der Punkt, denn ein kleines Dorf in RLP mit 530 Einwohnern ist der Kern des Problems... Meine Güte, bei uns im Verein wohnen >5 Imker an einer Hauptstraße auf einem Streckenabschnitt, bzw. in einem Radius von ca. 5-600m, zwei davon sind sogar direkte Nachbarn, Haus an Haus... 8|


    Gruß Andreas

  • Die Dosis macht das Gift. Es gibt bei allem auch ein Zuviel. Warum sollte das bei den Imkern anders sein?


    Es muss jedem klar sein, dass Imkerzeitschriften, Imkervereine und -verbände ein extremes Interesse daran haben, möglichst viele Imker heranzuziehen.

    Imker selbst dagegen haben vor allem ein Interesse daran, Honig zu verkaufen. Da sind noch mehr Imker in der eigenen Umgebung so nützlich wie noch mehr Metzger, Bäcker usw. für einen bereits ansässigen Metzger, Bäcker usw.


    Auch die Imker, die angeblich keinen Honig verkaufen wollen, beeinflussen trotzdem den Markt für ihre Kollegen, weil Bienenhaltung immer auch Honigproduktion bedeutet. Da der Verkauf für diese Leute jedoch eine lästige Begleiterscheinung ist, führen sie den Absatz entsprechend widerwillig und damit häufig kollegenschädlich durch.

    Bei der Fülle an verschiedensten Hobbies, die man heutzutage ausüben kann, frage ich mich dann schon, warum so Leute dann unbedingt imkern müssen, wenn ihnen ausgerechnet einer der allerwichtigsten Aspekte beim Imkern lästig ist?


    Eine Handvoll Zweivölkerimker mit dieser Einstellung können dabei für die benachbarten Kollegen schädlicher sein als eine Handvoll am Honigverkauf interessierter und preislich engagierter Imker mit der zehnfachen Völkerzahl. Dass Imker mit vielen Völkern, aber verkrusteten Preisen noch schädlicher sind, ist eh klar.


    Das sind meine Beobachtungen seit längerem und es muss ja noch viel schlimmer sein als gedacht, wenn jetzt sogar schon von einem Imkerverband leise warnende Töne in diese Richtung gehen.


    Man muss ja nicht gleich eine Vollbremsung rein hauen, es würde schon viel helfen, wenn die Verbände aufhören würde mit dem ewigen Geschrei "Hurra, werdet auch Imker, es ist SOOOO toll" und stattdessen lieber mehr Fokus auf ein hochwertiges Image des Honigs mit entsprechend angelegter Vermarktung und der damit verbundenen Verantwortung für Kollegen und Honigimage legen würden.


    Langfristig würde das den Honigabsatz attraktiver machen und so ganz automatisch dafür sorgen, dass keiner Angst vor zu wenig Imkern haben müsste - es wäre allen geholfen.


    Momentan herrscht aber der Tenor vor "Bestäubung ist alles, Honig ein süßer Nebenaspekt".


    Ganz ehrlich: Bei mir ist es eigentlich genau umgekehrt. Bestäubung wird zwar von allen gewünscht, bei uns aber nicht bezahlt. Also muss es der Honig richten. Da schließt sich der Kreis und wir sind beim Honigmarkt, der genau so funktioniert wie jeder Markt, weshalb die Imkerdosis sehr wohl eine Rolle spielt, auch wenn das einigen nicht gefällt.

  • Da der Verkauf für diese Leute jedoch eine lästige Begleiterscheinung ist, führen sie den Absatz entsprechend widerwillig und damit häufig kollegenschädlich durch.

    Eine Handvoll Zweivölkerimker mit dieser Einstellung können dabei für die benachbarten Kollegen schädlicher sein als eine Handvoll am Honigverkauf interessierter und preislich engagierter Imker mit der zehnfachen Völkerzahl.

    Wirfst Du da nicht etwas durcheinander? Dass jemand Verkauf für lästig empfindet, muss doch nicht heißen, dass er deswegen keinen anständigen Preis verlangt. Letztens hat sich in einem Forum jemand aufgeregt, dass ein Erwerbsimker seinen Honig um einen viel zu geringen Preis verschleudert hat. Die sollten sich eigentlich die Preise nicht kaputtmachen, aber nu, das kennen wir ja aus anderen Branchen. Fluch der Marktwirtschaft.


    Ich für mich habe kein Interesse daran, Honig zu verkaufen und ja, ich finde/fände es lästig. Aber kannst Dir sicher sein, wenn es so weit kommen sollte, dass ich verkaufe, wird der Honig richtig vermarktet und ein anständiger Preis kalkuliert, selbst wenn es Hobby ist. Zum einen deswegen, weil mir meine Arbeit auch etwas wert ist. Zum anderen deswegen, weil ich es nicht verantworten mag, die Preise der Profis mutwillig kaputtzumachen. Die müssen immerhin davon leben.

    wenn ihnen ausgerechnet einer der allerwichtigsten Aspekte beim Imkern lästig ist?

    Wieso der allerwichtigste Aspekt? Es gab Zeiten, da war "der wichtigste Aspekt" das Wachs. Deswegen wurden die Bienen in den Klöstern gehalten. Jetzt ist für einige "der wichtigste Aspekt" die Bestäubung und in More Than Honey wird die Wirtschaft darum ziemlich ausgiebig beschrieben. Für andere sind "die wichtigsten Aspekte" das Bienengift und die anderen Therapiemöglichkeiten. Wenn Honig für Dich der wichtigste Aspekt ist, ist das ok für mich. Ich interessiere mich mehr für's Wachs und die Bestäubung unserer Obstbäume und Blumen. Ist doch alles fein, wäre ja langweilig, wenn jeder gleich ticken würde.

    Man muss ja nicht gleich eine Vollbremsung rein hauen, es würde schon viel helfen, wenn die Verbände aufhören würde mit dem ewigen Geschrei "Hurra, werdet auch Imker, es ist SOOOO toll" und stattdessen lieber mehr Fokus auf ein hochwertiges Image des Honigs mit entsprechend angelegter Vermarktung und der damit verbundenen Verantwortung für Kollegen und Honigimage legen würden.

    Vor allem, "Werdet Imker, ist ja sooooooo einfach" (grad mit dem Bienenkistenteil ohne Rähmchen) :rolleyes:. Wenn die Verbände sich mal um die Zulassung anständiger Varroabehandlung kümmern würden, da wäre ich schon froh...

    HG

    Monika


    Wir sollten immer daran denken: Im wesentlichen sind unsere Bemühungen auf eine vernünftige, fürsorgliche Pflege beschränkt. (Bruder Adam)

  • die Bienenhalterdichte (mit 1-2 Völkern) ist in Berlin zu hoch, das hat mit Bienendichte wenig zu tun.

    Solange die Honigerträge überdurchschnittlich sind, sind es nicht zu viele Völker.

    Wobei keiner weiß, was die ernten bzw wie lange die Biens überleben.


    12 Neuimker x2 =24 Völker im ersten Jahr auf welcher Fläche bei 1-2km Flugradius von jedem Stand? Man o mann - was für eine Biendichte.

    Zum Vergleich das DDR-Bienenhaus hat 15 Normbeuten.

  • bienenfred ,

    da sprechen offizielle Zahlen eine andere Sprache... während sich die Imkerzahl in Berlin annähernd verdreifacht hat hat sich die Zahl der Völker/Quadratkilometer seit 2007 vervierfacht. Vorgenannte Zahlen betreffen lediglich Verbandsimker und sicher liegt die Dunkelziffer höher als vom IVB geschätzt.

  • Fakt ist: Es gibt keine verlässlichen Zahlen über die Bienendichte in Berlin und nur annähernde Zahlen über die Völkerdichte. Da sich die ImkerInnen oft nur an- aber nicht abmelden und allenfalls die DIB-organisierte Imkerschaft Völkerzahlen meldet (gibt keine TSK-Meldepflicht oder Beitragserhebung in Berlin) hat man einfach keine verlässlichen Zahlen...und nur knapp über die Hälfte der Imkerschaft ist hier im DIB organisiert. Über die Wanderbewegungen gibt es auch kaum Zahlen.


    Aktuell zwischen 1 bis 5 ImkerInnen pro qkm: https://imkerverein-reinickendorf-mitte.de/node/880


    M.

  • oh je, da war ich jetzt erstaunt, als ein 3 km Radius AFB Bezirk über 100 Völker zu betonen sind. Aussage des BSV: Schön wäre Hilfe, weil Probenziehen "so schwierig" ist. Man könnte doch wenigstens die Nachbar-BSVs zu Hilfe holen, aber nein, dafür fehl die Organisation.


    Das Verrückte dabei, der einzige Neuimker mit zwei Völkern hatte die FKP positiv, sonst nur Altimker in der Gegend und keiner hat eine FKP gemacht.


    Eine hohe Dichte kann ok sein, wenn die Imker zusammenarbeiten, sonst würde es keine Berufsimker geben, die an manchen Ständen viele Völker haben. Das klappt nur mit Wissen und System.


    Ich sehe die Probleme mehr bei Imkern, die es versucht haben und nach kurzer Zeit, auch aufgrund von Misserfolg, die Lust verlieren sich, zu kümmern. Ich unterstützen jeden Anfänger, der Interesse zeigt und Durchhaltevermögen.

  • Ich bin jetzt im 3ten Jahr dabei. So richtig erst im 2ten. Und es ist schon so viel Verrücktes und z. T. Aufwendiges passiert, dass ich mir gedacht habe "warum machst du das???" Aber ich will dabei bleiben, weil ich auch merke, dass mit jeder neuen Situation mehr Erfahrung und dadurch Ruhe und Selbstbewusstsein reinkommt. Und ich bin dankbar für jeden alten Hasen an den ich mich mit Fragen wenden kann. Ich bin gespannt, wie ich damit umgehen werde, wenn ich das erste Mal ein Volk verliere.