Zu viele Bienenvölker in Berlin

  • Dann bleibt der Honig eben im Keller

    Garantiert nicht :) Der übliche Preis für Honig vom Imker war schon zu meinen Jugendzeiten 5 Mark das Glas, später 5 Euro, als ich umzog 6 Euro. Ich weiß die aktuellen Preise nicht, die dürften aber eher höher liegen. Ist ja schon ein paar Jahre her, dass ich umgezogen bin ;)

    Das Glas Honig ist dann extrem teuer, wenn du den Preis mit den anderen Nahrungsmitteln vergleichst, die du sonst noch auf dem Frühstückstisch stehen hast

    Carnicabiene in Segeberger Deutschnormal (DNM) 1.0 :)

  • In 5-10 Jahren ist der Boom dann vorbei, der Großteil hat wieder aufgehört, die Altimker mit mehr als 10 Kisten sind weggestorben und ein Teil der Erwerbsimker hat aufgegeben, weil es aus ökonomischer und ökologischer Sicht keinen Sinn mehr macht.

    Und dann weinen alle Krokodilstränen und denken sehnsüchtig an die Zeit, als es noch vermeintlich zu viele Imker gab... während die Völkerbestände dramatisch einbrechen.

  • Honigpreise scheinen einen nicht unwesentlichen Anteil an dem Problem "viele Imker an einem Ort" zu haben.

    Ich hab eher die Krankheitsverbreitung durch zu viele Völker im Kopf gehabt, aber es scheint eher der Absatz von Honig nicht zu stimmen.


    Aber woran liegt das? An anderen Imker?

    Ich denke, nein.

    1. Der Kundenstamm für unseren Honig ist tatsächlich begrenzt. Viele Menschen kennen nur Honig aus Pressflaschen für 1,99- 2,99. Für diese ist Honig fast gleich Honig. Ja, steht doch Waldhonig etc drauf, muss dann auch drin sein. Das aber eigentlich nicht jeder Honig immer mit gleicher Qualität verfügbar beim Imker ist, kennt der Kunde, der in die Discouter geht nicht. Dort ist alles verfügbar, auch Imkerhonig im DIB Glas, allerdings oft im teuren Segment, um 4-5 Euro. Der Kunde sieht da mal ein oder zwei Sorten, aber die Vielfalt ist bei anderen Grossherstellern. Somit schlagen wir uns um die paar Kunden, die besser informiert sind.


    Wir sind nicht wirklich Marktfähig, so lange wir da so ein Preisgefälle haben. Sollte man die Einfuhr von Honig reglementieren? Einfuhrsteuern erheben? Das hätte nur den Effekt, dass Honig als teures Lebensmittel weniger gekauft wird.


    Oder sollten die Berufsimker nicht, wie die Landwirtschaft subventioniert werden? Damit sie den Honig günstiger an den Mann bringen können? Und so Marktfähig werden?


    Der Hobbyist ist frei in seinem Handeln.


    Ich verkaufe für 5 Euro 500g, besser wären 4 Euro für den Absatz.

  • Mir geht das wie ELK. Ich kaufe nicht zu, aber ich imkere in der Großstadt als recht 'junger' Imker (im dritten Jahr). Auch bei uns gibt es die Klagen über zu viele Völker/Imker. Und ich verkaufe trotzdem für 6 Euro das Glas und könnte alleine in meinem Freundes- und Bekanntenkreis locker 2-3 Mal meine Menge an Honig verkaufen, ohne groß Werbung dafür zu machen. Da scheint es in den (reicheren) Städten zumindest noch kein Problem zu geben.

    Auch mir scheint die Gefahr größer, dass mehr ImkerInnen auch mehr Gefahr von Reinvasion, Suchen, Varroa, etc. erhöhen. Aber dies pauschal auf die Neuen zu schieben, scheint mir auch ein Fehlschluss. Ich kenne hier keine Neuimker, die nicht sehr informiert darüber und interessiert daran an den Start gegangen sind. Im Gegenteil, hier scheint mir der Informationshunger und der Wille zur Weiterentwicklung sogar oft höher. Und dass die das dann auch häufig noch machen, um 'die Welt zu retten' (und nicht primär für Gewinne), ist in meinen Augen nun auch nicht das schlimmste.

  • Also in Berlin setzt sich mehr und mehr 6 Euro/500 g durch und ich habe bisher keinen Kunden erlebt, der sich deshalb jemanden sucht, der noch für 5 Euro verkauft.


    Aber meines Erachtens ist das eh irrelevant für die Frage "zu viele Imker". Keine/r imkert für den Honig und das unglaublich tolle Geschäftsmodell. Nur wenige ziehen das professionell auf und verkaufen auf Märkten. Ich bekomme immer wieder Marktanfragen und finde unter 155 Mitgliedern keine/n, der/die das machen möchte. Es ist eben nicht die Hauptmotivation für die Imkerei.


    Manche tun sich die Plackerei mit dem Honig gar nicht erst an. Die wollen einfach keine Arbeit, keine geeichte Waage und Debatten um Etiketten, sondern nur Bienen halten...vollkommen legitim und verständlich. Die halten dann eben auch nur 1 oder 2 Völker. Daher ist das Zuviel-Gebrülle auch nur begrenzt hilfreich: Jede Person, die sich damit beschäftigt, ist ein potentieller Multiplikator für die wichtigen Botschaften: Weniger Rasen, mehr Blüte, richtige Blüte, bewusster Einkauf.


    Man sollten ihnen helfen, diese Rolle auszufüllen anstatt ihnen die Bienenhaltung nun ausreden zu wollen. Finde ich zumindest. Ich sehe in der Bienenhaltung nämlich sehr wohl einen Beitrag zum Bienenschutz. Die Leute sensibilisieren sich und andere, werden kritischer auf Gärten und Parkanlagen schauen und idealerweise Änderungen einfordern und selber durchführen... dabei sollte man unterstützen selbst wenn es dann mehr Arbeit in Sachen Varroa, AFB, Ausbildung und Qualifikation bedeutet.


    M.

  • Und da du doch so ein fantastisches Honigjahr hast, weiss ich nicht wo es ein Problem gibt, Anfänger war schliesslich Jeder von uns mal.

    Ach ja der Absatz... ;)

    Höre ich da etwa Neid heraus? Ja ich bin immer noch am Schleudern!

    Was du auch immer meinst zu hören, weit entfernt von irgendeinem Neid. Der Post hat einen Wink Smiley. Sollte also auch so gelesen werden.


    Es scheint dich doch sehr zu beschäftigen, sonst hättest du die Berliner Situation nicht zum Anlass genommen, die Gegebenheiten vor der Haustür zu schildern. So easy mit dem "lasse ich den Honig im Keller" las es sich im ersten Post nicht.

  • Das Glas Honig ist dann extrem teuer, wenn du den Preis mit den anderen Nahrungsmitteln vergleichst, die du sonst noch auf dem Frühstückstisch stehen hast

    Warum sollte ich? Honig ist Honig, Marmelade Marmelade. Der Herstellungsweg ist ein total anderer.

    Und dann weinen alle Krokodilstränen und denken sehnsüchtig an die Zeit, als es noch vermeintlich zu viele Imker gab... während die Völkerbestände dramatisch einbrechen.

    Ich hoffe auf ein anderes Szenario - aufgehört haben die, um die es eh nicht schad ist, ganz bös gesagt (alt wie jung), die Altimker haben ihr Wissen an die "jungen" weitergegeben und die wieder sind innovativ und geben ihr Wissen an die dann neuen Jungimker weiter.

    Ich hab eher die Krankheitsverbreitung durch zu viele Völker im Kopf gehabt, aber es scheint eher der Absatz von Honig nicht zu stimmen.

    Das scheucht mich auch mehr. Mit höherer Bienendichte steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Krankheiten verbreiten, ganz zwangsläufig. Wenn die Bienendichte denn wirklich höher ist und nicht nur die Verteilung anders.

    Wir sind nicht wirklich Marktfähig, so lange wir da so ein Preisgefälle haben. Sollte man die Einfuhr von Honig reglementieren? Einfuhrsteuern erheben? Das hätte nur den Effekt, dass Honig als teures Lebensmittel weniger gekauft wird.

    Aufklären, aufklären, aufklären, aufklären. Ein riesiges Problem sehe ich in der "Geiz ist geil"-Mentalität. Da hängt was schief - man muss z.B. unbedingt in München wohnen, wo die Mieten jenseits von gut und böse sind, dann langt es aber nicht mehr für anständiges Essen. Andererseits gibt es immer auch qualitätsbewusste Käufer, die, wenn sie über die Nebenbedingungen Bescheid wissen, sich dann doch für das bessere Produkt entscheiden.

  • Auf dem Land sehe ich das ganze sehr viel entspannter...

    Habe zuletzt einen super Bienenstand im Nachbarort ergattert, weil der Brürgermeister mir angeboten hier meine Bienen aufzustellen, da kein Imker mehr in der näheren Umgebung mehr ist.

    Obwohl ich 1-2 größere Imker in meinem Umkreis habe, komme ich super mit denen aus.

    Auch der Absatz passiert quasi ohne Werbung oder richtigen Verkauf. Das Zeug verkauft sich von selbst.


    Jetzt meine waghalsige These...

    Ein großes Problem was wir heute haben: Egoismus.

    Die junge aufstrebende Generation zieht in die Städte, auf der Suche nach Glück und Geld. Stellt nach einigen Jahren eine gewisse Leere in sich fest und versucht diese Leere und das Schuldbewusstsein gegenüber der Natur durch imkern etwas abzumildern. Man tut ja was gutes und so ..

    Wird sicherlich nicht jedem Jungimker in der Stadt so gehen - aber meiner Meinung nach sehr vielen.

    Viele Jungimker mit guten Absichten sind also nur ein Symptom einer kranken Gesellschaft.


    Jetzt wird der ein oder andere Imker sagen.. was ein Schwachsinn.. ist mir doch egal.. hauptsache sie verschwinden wieder.

    Wir gehen in der Gesellschaft Probleme nicht mehr an sondern verschieben sie nur in andere Bereiche. Genauso wie Bienen vllt. von dem ein oder anderen als Frühwarnsystem der Natur gesehen werden, würde ich sagen, dass die momentanen Trends ein Zeichen für eine kranke Gesellschaft ist.

    Wenn also die Gesellschaft nicht geheilt wird... wird sich nichts an diesem grundsätzlichen Verhalten ändern. Selbst wenn man jetzt Imkern von Naturschutz usw. unterscheiden würde in Zukunft. Dann würden diese Menschen nur einen anderen Weg finden die Leere zu füllen.

  • ...Der Absatz ist das Problem. Die Neuimker klagen, dass sie ja keine Kunden hätten. Und Vermarktung kommt von Markt.

    Wenn zeitweise zuviel Honig am Markt vor Ort ist, sinkt der Preis. Im Grunde müssen Neuimker anderen Imkern ja Kunden abwerben...

    Müssen muss erstmal niemand. Ich vertrete immer noch die Ansicht, dass jemand, der als Hobby Imkerei betreibt, das erstmal für sich macht oder für sich machen sollte, warum auch immer. Und sei es nur, weil er/sie gern Honig isst, von dem man selbst weiß, was drin oder auch nicht drin ist und woher er kommt. Nicht jeder Neuimker macht das aus reinem Profitstreben, diese Behauptung ist grundsätzlich erstmal falsch, auch wenn es hier oder da gehäuft so vorkommen sollte. Oft wird es den Neuimkern auch erst eingeredet, von wegen "nach drei Jahren rechnet sie die Hobbyimkerei blabla..."


    Wer als Neuimker direkt im ersten Jahr anfängt, Preise zu drücken oder im Dumpingmodus unterwegs ist, oder den eigenen Honig als den besten der Welt "vermarkten" will oder meint, so verfahren zu müssen, hat irgendwas nicht richtig verstanden oder einen falschen Beruf gewählt. Sollen sie rennen, bis ihnen die Luft ausgeht, man kann dann entspannt und mit Kondition an ihnen vorbeispazieren und "nett" grüßen.


    Das ist ähnlich wie die große Welle vor Jahren, als jeder Hans und Franz meinte, als Messermacher die Szene neue aufmischen zu müssen oder seit einigen Jahren, dass jeder mit Digitalkamera meint, sich Fotograf nennen zu müssen, weil der Beruf rollenfrei und damit nicht mehr geschützt. Wenn man dann aus dem Hintergrund beobachtet, stellt man nicht selten fest, dass da nur heiße Luft kommt und die "Experten" sich permanent durchfragen müssen, weil sie effektiv null Ahnung haben und lediglich dem eigentlichen Markt hinterherrennen, anstatt selbst etwas auf dem Markt bewegen zu können. Dazu haben sie nämlich nicht den Mut und verschwinden schneller wieder, als ihr Erscheinen alle anderen in Panik versetzt hat...


    Verdammter Modehype aber auch, irgendwer fällt immer wieder drauf rein, glaubt an den Goldrausch und macht jeden Blödsinn mit...


    Gruß Andreas

  • Aufklären, aufklären, aufklären, aufklären. Ein riesiges Problem sehe ich in der "Geiz ist geil"-Mentalität. Da hängt was schief - man muss z.B. unbedingt in München wohnen, wo die Mieten jenseits von gut und böse sind, dann langt es aber nicht mehr für anständiges Essen. Andererseits gibt es immer auch qualitätsbewusste Käufer, die, wenn sie über die Nebenbedingungen Bescheid wissen, sich dann doch für das bessere Produkt entscheiden.

    Die Aufklärung wirkt aber nur bei den sowieso Interessierten mit einem vorhandenen Grundwissen.

    Die Preisdiskussion ist sinnlos. Region, Kaufkraft, Angebot, Nachfrage sind so unterschiedlich.


    Wenn ich mal Absatzprobleme bekommen sollte, lasse ich mir einfach einen touristische Attraktion in die Nähe bauen. Honig rund um Neuschwanstein, knapp 9 €.;)

  • Ich kann den heute geschleuderten Honig auch in 5 Jahren noch verkaufen. Richtig gelagerter Honig hält sich.

    Er verändert sich aber über die Jahre: Enzyme bauen PAs ab, verschwinden aber auch selber. Frischer Honig "brennt" ganz anders am Gaumen als fünf Jahre alte Zuckerplörre. Honig wird nicht schlecht, aber als sich Halten würde ich es nicht bezeichnen.