Milbenbefall 2019

  • Du bezeichnest eine 2. Schwammtuchbehandlung je nach Milbenfall als Overdosing (für Dadant: ca. 2x30 ml), aber nennst eine Nassenheider-Behandlung als Alternative (für Dadant: ca. 290 ml).


    Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht! Und ja, mir ist bewusst, dass bei der Langzeitbehandlung die Säurekonzentration konstant sein soll, woran ich persönlich stark zweifle.


    Grüße vom Apidät, der schon ein paar Jahre keine Ameisensäure mit Schwammtuch einsetzt, aber sich noch gut an deren Wirkung auf Bien und Milb erinnert

    Der Nassenheider ist eine von vielen Alternativen - ob das oft zu beobachtende "aus der Brut gehen" nach der Dauerberieselung akzeptabel ist, muss halt jede(r) für sich (und die Bienen) entscheiden.


    OS ist mir immer die liebste Variante aber sicherlich nicht in der Wiederholungsschleifen-Variante alle paar Tage per Dampf. Es wird immer Situationen geben, in der AS eben doch noch seinen Sinn macht - Völker, bei denen ich die Brut nicht entnehmen kann oder will, Zeitmanagement, etc. pp.


    M.

  • Wäre das nicht zu einfach;

    Königin raus, heftiges Schwammtuch rein, am nächsten Tag Königin wieder einsetzen und alles ist gut. Bewusst ein paar tote Bienen in kauf nehmend.

    Wenn Königin raus, dann lieber warten bis Brutfreiheit und dann mit Milch- oder Oxalsäure. Keine geschädigte Brut, keine toten Bienen.

    Natürlich rechtzeitig, nicht mehr im September.


    Gruß Chris

  • Habe nur ein Foto vom Poster aus dem Vortrag - siehe Anlage.

    Ansonsten muddu Bayer fragen; habe bei denen leider nur angehängtes PDF gefunden. Die haben das sehr schön mit rasterelektronischen Aufnahmen der Kappen samt der Poren bebildert.


    Leider ist das Projekt meiner Kenntnis nach eingestellt worden...an AS verdient halt keiner und Bayer hat gerade andere Sorgen...


    M.

  • Diese Bayer-Studien weisen auf die Verteilung der AS im Bienenstock hin und zeigen, dass der Brutdeckel luftdurchlässig ist.


    Es wird aber nicht die Konzentration der AS im Futtersaft bestimmt, wo sich die Milbe i.d.R. aufhält. Dort (!) ist der "Wirkort", an dem die AS-Konzentration relevant ist. Und da fehlen mir bisher jegliche Daten.


    Damit es nicht missverstanden wird, gäbe es eine Messung, die zeigt, dass der pH-Wert im Futtersaft unter AS-Behandlung massiv sinkt, würde ich in hartnäckigen Fällen wieder mit AS arbeiten.

  • Wieso, für hartnäckige Fälle gibt es doch TBE im extremen mit Brutvernichtung und brutfrei dann eine "bestever" Behandlungsmethode nach eigener Wahl!


    Liebe Grüße Bernd.

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Es wird aber nicht die Konzentration der AS im Futtersaft bestimmt, wo sich die Milbe i.d.R. aufhält. Dort (!) ist der "Wirkort", an dem die AS-Konzentration relevant ist. Und da fehlen mir bisher jegliche Daten.

    Mich persönlich interessiert die Konzentration von AS in den geschlossenen Zellen und der pH-Wert des Futtersaftes nicht. Warum auch? Das sind doch nur Krücken um die Wirksamkeit der AS beurteilen zu können. Dazu brauche ich dann auch Daten, die mir etwas darüber sagen bei welchem pH/welcher AS-Konzentration die Milben sterben um dies sinnvoll in Zusammenhang zu setzen.


    Da ist es doch weit sinnvoller, die Wirksamkeit direkt zu überprüfen anhand von Milben: tot/nicht tot. Hier einige Daten aus Studien, die ich nun doch auf die Schnelle finden konnte.

    The observed percentage of mites trapped and killed by formic acid treatment was 87% and 89% in two experiments.

    Average mortality of varroa mites in capped drone cells was 93% (92.8% to 98.8%) (after adjustment for Abbott's correction for control mortality).

    Interessant aus dieser Studie: das Alter der Waben scheint die Wirksamkeit zu beeinflussen. Also raus mit den alten Schinken, ein Grund mehr dafür.

    Amrine et al 2009 schrieb:

    Capped drone cells in old black comb had the lowest mortalities (66% to 84%): less of the 50% formic acid vapor was able to penetrate the thicker cappings.

    Die Daten sind das eine, was mich noch mehr von der Wirksamtkeit von AS auf Milben in geschlossen Brutzellen überzeugt sind die jahrelangen Erfahrungswerte die ein Großteil der Imker haben. In diesem Forum mag das anders aussehen, aber der Standard in der deutschen Imkerschaft wird vermutlich immer noch 1-2x AS im Sommer + OX im Winter sein. Das würde bei mangelnder Wirksamkeit in die Brut kaum so laufen können. Meine Völker haben es so früher auch gut über den Winter gepackt.


    AS hat ne Menge Nachteile, weswegen ich sie auch nach Möglichkeit nicht mehr verwende, mangelnde Wirksamkeit in die Brut ist in meinen Augen aber keiner davon.

  • Also wenn wir schon beim Glauben sind: Ich glaube es nicht, dass die Milbe dauerhaft wie ein U-Boot im Futtersaft rumschnorchelt. Ich glaube, die kraucht einfach unter die Larve und da kommt keine Biene mehr ran und die Larve ist hilflos.


    Hat das wer schon mal untersucht, ob sie tatsächlich an einer pH-Wertänderung des Futtersaftes eingehen? Ich denke auch hier eher an eine Verätzung durch die Dämpfe in der Zelle da die ganze Familie in dem Zelllumen sitzt.


    Aber who cares - so lange ich hell und unreife Milben finde, weiss ich, dass das in der Brut wirkt - vor allem, wenn diese noch nach einer Wcohe oder später nach dem Schwammtuch auf der Windel auftauchen und man also ausschließen kann, dass sie einfach nur samt abgestorbener Brut ausgeräumt wurden...so lange lassen gesunde Bienen keine tote Brut gammeln.


    M.

  • Alles richtig - es kann ja jeder entscheiden, welches Konzept er/sie nutzt. Wichtig ist, dass man eines hat und dies konsequent praktiziert.


    Meines basiert in jedem Fall auf fokussierte Behandlung bei Brutfreiheit /-Armut. Hat sich über Jahre bewährt.

  • Moin Melanie,


    Aber who cares - so lange ich hell und unreife Milben finde, weiss ich, dass das in der Brut wirkt - vor allem, wenn diese noch nach einer Wcohe oder später nach dem Schwammtuch auf der Windel auftauchen und man also ausschließen kann, dass sie einfach nur samt abgestorbener Brut ausgeräumt wurden...so lange lassen gesunde Bienen keine tote Brut gammeln.

    Die sind ja auch nicht gesund.

    Das ist vor allem bei extrem hochmilbigen Völkern deutlich, und da ist nach meinen Beobachtungen Unter AS das Brutnest weitgehend abgetötet, wird aber nicht sofort auf voller Fläche wieder aufgeräumt. Die beginnen damit nach dem Platzbedarf, den die wieder stiftende Königin erfordert, und das sind erstmal nur wenige Waben.

    Putzen tun vor allem die Jungbienen, und die sind nach 14 Tagen Nassenheider und vorher vielen Milben deutlich dezimiert. Demotiviert sind sie zunächst auch. Aus solchen Völkern fallen dann sogar im Frühling bei der Wiederausweitung des Brutnestes Milben, die bis dahin nicht weggeputzt worden waren.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Stimmt...der Grund ist wieder mal "tradiertes Wissen" nach dem Prinzip "Das haben wir schon immer so gemacht".

    Ja genau. Die finden das auch alle total blöd, wenn sie Zeit sparen könnten, die Bienen weniger quälen, und für Imker das wichtigste, auch noch Geld sparen könnten.

    Ursprünglich, also traditionell, war es ja auch nur eine AS-Behandlung mit dem Schwammtuch. Warum man dann wohl zu der wiederholten gewechselt hat?

    Ich kenne mehrere Imker, bei denen eine einmalige Schwammtuchbehandlung nicht den ausreichenden Erfolg gebracht hat. Die haben das auch ausprobiert. Ich gehöre dazu.


    Handgranate ist nur sehr bedingt eine gute Beschreibung für die Arbeit mit dem Schwammtuch. Das macht auch nicht Puff und die ganzen 20 ml sind in der Stockluft verteilt. Das braucht sehr wohl so einiges an Zeit. Tropfen darf natürlich nichts. Man kann das Tuch auch auf einen Kunststoffdeckel oder ähnliches legen, um das Tropfen zu verhindern.


    Und die Antwort auf die Frage aus #221 interessierte mich auch brennend. Wenn 30 ml reichen, warum nimmt man dann 290 ml ?

  • Keiner verdient an AS, OS und Co....und die Bieneninstitute können oft weder in Ausstattung noch Knowledge mit Bayer und Co. Mithalten. Finde das auch sehr bedauerlich, dass die einzigen mode-of-action-Studien ausgerechnet von Bayer kommen!


    Übrigens wird nach einer Schwammtuchbehandlung sehr schnell aufgeräumt und die Queen geht nicht aus der Brut. Empfinde das durchaus als gesund und vital... mag sein, dass das beim Nassenheider anders ist. Kenne das System nicht ausreichend genug.


    M.

  • Nachdem ich hier vor einem Monat groß getönt hab, dass bei mir GAR NICHTS fällt.. muss ich die Zahlen langsam nach oben korrigieren. Es fängt an zu fallen :p

    Habe Anfang der Woche den kompletten Stand behandelt und siehe da... ein Ausreißer mit 80 Milben.

    Komme aber definitiv nicht an eure tausender ran :D (zum Glück)


    Also vorsichtig sein, selbst wenn "nichts" fällt.