Schleuderaufbau, Parameter

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    Hallo,


    gibt es irgendwo einen Artikel, Blogeinträge oder auch ein Buch, wo man etwas über die verschiedenen Parameter und die Auslegung von Honigschleudern und Schleuderkörben nachlesen kann?


    Was einem natürlich zuerst einfällt: sinnvolle Schleuderumdrehungszahlen in Abhängigkeit vom Kesseldurchmesser, einmal für Tangentialschleudern und andererseits für Radialschleudern. Bei kleinen Schleudern (50cm?) habe ich mir mal als Hausnummer 300 U/min gemerkt (stimmt das überhaupt?).


    Beim Handkurbelantrieb meine ich etwas von einer Übersetzung von ca. 1:2,5 oder 1:3 gelesen zu haben. Das würde heißen, man kurbelt evtl. mit mehr als 5 Umdrehungen pro Sekunde... (habe versucht, das auszuprobieren, bräuchte aber wohl doch elektronische Zählunterstützung). Scheint mir zumindest ungefähr plausibel.


    Falls jemand zu seiner (Motor-)Schleuder technische Angaben hat, könntet Ihr evtl. Kesseldurchmesser und die maximal genutzte bzw. mögliche Schleuderdrehzahl posten?

    Bei der Suche nach einer Schleuder wundere ich mich manchmal über die wenig sinnvoll erscheinenden Taschenmaße (warum baut jemand Schleudern mit Taschengröße für 27cm hohe Waben? Bei 29 cm würde wahlweise eine Dadantbrutwabe oder zwei Honigwaben reinpassen).


    Ich habe eine ältere CFM-Dreiwaben-Tangentialschleuder (50cm-Kessel) vermessen: Der Schleuderkorb bietet Platz für Waben bis ca. 32cm Höhe. Wenn man Ober- und Unterträger sauber abgekratzt hat, dann würden zwei LS2/3 Rähmchen (159mm Höhe) pro Tasche reinpassen, allerdings passen die Ausschnitte für die Rähmchenohren im Boden des Schleuderkorbes nicht dazu, deshalb kann man bestenfalls zwei LS1/2 Rähmchen pro Tasche einsetzen, also davon sechs Rähmchen gleichzeitig schleudern.

    Die Wabentasche hat ca. 38mm breite Seiten, also dürften wohl Waben bis ca. 40mm Dicke hineinpassen. Zwischen Schleuderkorbecken und Kesselwand liegen ca. 37mm.


    Gibt es Regeln, z.B. wie groß der minimale Abstand zwischen Kesselwand und Ecken des Schleuderkorbes sein sollte?


    Ich besitze eine Dreiwaben-Radschleuder (die zum An-die-Wand-Schrauben). Kesseldurchmesser irgendwas um die 90cm. Sie bietet Halterungen für verschiedene Rähmchenformate, auch meine Langstroth 2/3 Rähmchen (Honigrähmchen aus 10er Dadant) passten da rein. Dummerweise rotieren die so dicht an der Kesselwand, dass die Rähmchenohren vom Honig am Kessel abgebremst werden. Quasi unbrauchbar! Mit DNM würde es besser gehen, weil die Oberträger weniger lang sind und daher die Enden mehr Abstand zum Kessel haben.



    Welches Drehmoment liegt bei der Beschleunigung eines vollen Schleuderkorbes an der Achse an? Ja, ich müsste das ausrechnen können, aber vielleicht hat das ja schon jemand getan oder noch besser: mal gemessen? Welches Drehmoment bringen denn Eure Schleudermotoren laut Datenblatt?


    Gibt es soetwas wie gebräuchliche Maße für die Achse des Schleuderkorbes? Ich habe den Eindruck, dass einige Tangentialkörbe eine 14mm Achse haben. Und die Achslänge? Immerhin kann man ja Schleuderkörbe einzeln kaufen, mich würde interessieren, wie die Chancen sind, dass soetwas in die Schleuder eines anderen Herstellers passt.



    Grüße,

    Robert

  • Moin,


    Da reicht einfach die Formel für Fliehkraft. Übertrag mal deine Werte die ungefähr funktionieren da ein und du siehst wo du bei anderen Kessel Durchmessern hinkommst.


    F = m * r * (2 * pi * f)²


    Begrenzender Punkt bei kleineren Rafialschleudern zum Beispiel ist ja eher dass innen die Fliehkraft nicht ausreicht um die Wabe ausreichend leer zu bekommen. Verdoppelt du nun die Drehzahl, vervierfacht sich deine Fliehkraft am äußersten Punkt. Deswegen ist der Kesseldurchmesser nur bedingt durch eine höhere Drehzahl kompensierbar.


    Gruß Chris

  • Hallo Chris,


    du meinst: ausrechnen, welche Umdrehungszahl bei verschiedenen Kesseldurchmessern die gleiche Fliehkraft bringt, wie 300 U/min bei 50cm?


    Ja, kann ich mal machen, ist aber nur ein Teilaspekt. Die Umdrehungszahl muss ja eh variabel sein. Auch die anderen Parameter wie der minimale Abstand des Schleuderkorbs zur Kesselwand oder die auftretenden Drehmomente würden mich noch interessieren.


    (Bei diesen Kleinstschleudern für zwei Waben frage ich mich immer, wie die überhaupt funktionieren können. Die Waben stehen dermaßen dicht an der Achse, dass man kaum von Tangentialschleuder reden kann. Die Fliehkraft wirkt größtenteils nicht mehr senkrecht auf der Wabenfläche. Eigentlich ist das ja schon quasi eine Mischung aus Tangential- und Radialschleuder...

    In der Mitte ist der Radius und damit die Fliehkraft am geringsten, wenn da ein Honigtropfen losfliegt wird er wahrscheinlich direkt wieder von einem der äußeren Wabenbereiche eingefangen. Und trotzdem scheint es irgendwie zu funktionieren!?)


    Ich bin auf der Suche nach einer Schleuderlösung für mich. Habe in den letzten Jahren verschiedene Geräte kennengelernt, von den kleinen Drei- und Vierwabenschleudern mit Handkurbel und mit Motor, über meine Dreiwaben-Radschleuder, eine Sechswabenselbstwender bei einem Nebenerwerbsimker und eine Neunwaben-Radialschleuder.


    Für einen großen Schleuderkessel fehlt mir der Platz. Für die kleinen Schleudern (50cm Kessel) habe ich auf Dauer nicht mehr die Nerven und zuviele Völker. (Wer kam bloß auf die Idee einer 9-Waben-Radialschleuder? Das Ding gleichmäßig zu beladen ist eine Herausforderung. Jedesmal, wenn man nur noch zwei, vier, fünf Waben übrig hat kann kann man puzzeln wie man die zusammen mit ein paar Leerwaben einigermaßen auswuchten kann. Neun ist einfach eine sehr ungünstige Zahl. Meiner Meinung nach sollten Radialschleudern bei 12 Waben beginnen.)



    Gibt es denn wirklich noch keine Veröffentlichungen über den Einfluss verschiedener Parameter und den Aufbau unterschiedlicher Schleudertypen? Also etwas über Schleudertheorie?


    Grüße,

    Robert

  • Schreib halt 'ne Doktorarbeit drüber. In der Zeit könnte man auch wen fragen, der was weiß und einfach den Job erledigen.


    Wieviel Völker?

    Was für Trachten?

    .

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    .

    .

    Platz?

    .

    .

    .

    .

    Finanzrahmen?

    .

    .

    .

    .

    Dies, das & jenes?


    Aber das ist ein Prozess. Langwierig. Schmerzhaft. Man muß sich selber belügen. Man versucht sich in Kompromissen. Am Ende kommt man zu dem Ergebnis, was man schon zu Anfang wußte, aber sich nicht getraut hat. Erst nicht getraut zu denken, dann nicht getraut zu machen. Ganz normaler Prozess. Keine Ahnung, inwieweit man das abkürzen kann. Aber weh tut's immer ;)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Schleudern ist halt keine Raketenwissenschaft, da gibts nix Interessantes zu entdecken und keinen Nobelpreis zu gewinnen. Also macht sich auch niemand (sorry, ausser dir) da so wahnsinnig viel Gedanken drüber.


    Grüsse, Robert

  • Eigentlich hatte ich gehofft, dass schon jemand anders eine Doktorarbeit darüber geschrieben hat.

    Und ich dachte, dass ich jemanden fragen würde, der was weiß, indem ich in diese Runde hier frage.



    Manchmal will ich es einfach genau wissen.

  • Schleudern ist halt keine Raketenwissenschaft, da gibts nix Interessantes zu entdecken und keinen Nobelpreis zu gewinnen. Also macht sich auch niemand (sorry, ausser dir) da so wahnsinnig viel Gedanken drüber.

    Das hör ich öfter... :(


    Seit wann gilt die Frage nach dem Stand der Technik und etablierten Best-Practice Regeln als Ambition auf Nobelpreise?


    Und wäre es nicht gut gewesen, wenn sich der Hersteller meiner Wand-Radschleuder (wo die Rähmchenohren beim Schleudern im Honig schleifen) mal ein paar Gedanken dazu gemacht hätte?




  • Also mit begrenzter praktischer Erfahrung kann ich dazu folgende Dinge sagen:

    • Der Abstand vom Schleuderkorb zum Boden (oder bei Radschleuderprinzip unten) muss so groß sein, dass der abfließende Honig unter keinen Umständen den Schleuderkorb bremsen kann, also je mehr Honigwaben gleichzeitig, desto größer.
    • Der Abstand zur Seitenwand muss ebenfalls so groß sein, dass Honig abfließen kann, ohne den Korb zu bremsen.
    • Die Drehzahl: Je höher die Drehzahl, desto mehr Fliehkraft wirkt. Da bedeutet, dass der Honig mit mehr Kraft (und damit schneller) rausgeschleudert wird, aber auch dass die Kraft auf die Wabe größer wird. Bei Tangentialprinzip drückt dann mehr Kraft die Waben nach außen und bei Radial wird der Unterschied in der Fliehkraft von der Innenseite zur Außenseite größer.
      => je höher die Drehzahl, desto schneller leer
      => aber auch je höher die Drehzahl, desto größer die Belastung für die Wabenstruktur und das Risiko für Wabenbruch steigt
    • Fazit: langsam beginnen und dann Drehzahl steigern, Risikobereitschaft für Wabenbruch bestimmt die Steigerungsrate und die Endgeschwindigkeit. Der beste Kompromiss ist damit von den Parametern: Wabenbau, Anordnung der Waben in der Schleuder, Fließfähigkeit des Honigs und Gespür des Maschinisten abhängig. Da wird man wohl keine einfache Regel aufstellen können.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)