Günter Friedmann: Bienengemäß Imkern (neues Buch)

  • Salü,


    diese Woche hab ich dieses Buch zufällig druckfrisch in meinem Gartenladen liegen sehen und an den letzten Abenden gleich mal durchgelesen. Würde mich interessieren, ob hier sonst noch jemand schon die Lektüre genossen hat. Meiner Meinung nach ein Buch, das allen Imkerinnen und Imkern – gleich welche Betriebsweise praktiziert wird – empfohlen werden kann.


    Da ich von dem Buch sehr angetan bin, sag ich’s gleich vorneweg: ich stehe in keinerlei Beziehung zu Autor oder Verlag und ziehe auch keinen Vorteil davon, hier davon zu sprechen. Ich möchte mich nur mit euch darüber austauschen.


    Wer den Autor nicht kennt, Günter Friedmann ist seit Jahrzehnten als demeter-Berufsimker tätig und hat die Bioimkerei-«Szene» entscheidend mitgeprägt. Wir sprechen hier also nicht von einem der Spinner und Bienenretter, die gelegentlich Anderen tolle Tipps zur Betriebsweise geben, sondern von einem alten Hasen und echten Pragmatiker. Gerade letzteres merkt man dem Buch an allen Ecken und Enden an und das macht die Lektüre auch so hilfreich, dass man als Leser*in nicht ständig mit Dogmatik und schlechtem Gewissen überhäuft wird, sondern immer wieder kleinere Anregungen bekommt, bestimmte Kleinigkeiten der eigenen Betriebsweise zu überdenken. (Das Ergebnis gibt Friedmann dabei übrigens nicht vor. Auch wenn er sich z. B. gegen das Zeichnen der Königinnen ausspricht, bestätigen mich seine Argumente eigentlich eher darin, meine Königinnen weiter zu zeichnen – da ich persönlich keine Auge für Königinnen habe, durch das Zeichen die Suche erheblich beschleunigen und somit den Stress fürs Volk reduzieren kann.) Obendrauf gibt es ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis, in dem Anregungen für weiterführende Lektüre in alle Richtungen gegeben werden.


    Als Zielgruppe würde ich nur aktive Imker*innen ansehen, auch wenn der Verlag das Buch auch für Einsteiger bewirbt, aber dafür sind die meisten Themen viel zu knapp angerissen: Friedmann verlässt sich darauf, dass die Leser*innen schon wissen, wie eine Umweiselung funktioniert, und führt das nicht ewig aus. So kann man das Buch auch sehr flüssig lesen und es werden trotzdem alle wichtigen Themenkomplexe abgehandelt. Auch die Beschreibung, wie man die eigene Imkerei nach und nach auf Naturwabenbau umstellen kann, ist wohl eher für aktive Imker*innen interessant.

    Ein paar Aspekte, die ich bei der Lektüre interessant fand:

    - Im Gegensatz zu anderen Autoren ist für Friedmann die «bienengemäße» Bienenhaltung kein Allheilmittel gegen die Probleme moderner Imkerei, sondern nur eine besondere Herangehensweise an das Arbeiten mit der Natur. Dass ökologische Bienenhaltung weder Winterverluste noch die Varroa besiegen wird, ist dem Autor absolut klar (S. 19). Der Unterschied zur «konventionellen» Imkerei ist der starke Fokus auf «vitale» Bienenvölker, die soweit im praktischen Rahmen möglich ihrem natürlichen Lebensrhythmus frönen können.

    - Friedmann ergreift ganz stark Partei für Magazinimkerei und betont mehrmals mit Nachdruck, dass vor allem Anfängern von Stabilbausystemen abzuraten ist (S. 35 ff.). Die Argumente dafür sollten den meisten hier bekannt sein, trotzdem schön zu sehen, dass sich mal ein Bio-Imker mit großer Erfahrung (auch mit unterschiedlichsten Beutensystemen) so deutlich für die bewährten Systeme ausspricht und keine Heilsversprechen von «einfacher Bienenhaltung» in sog. «einfachen Systemen» liefert. Imker*innen, die ihre Völker nicht verstehen lernen, werden nicht im Sinne der Völker handeln können. Privat imkert Friedmann übrigens in Top Bar Hives, in seiner Erwerbsimkerei mit einer Art Zadant-Mischsystem.

    - Bei der Diskussion ums Absperrgitter schlägt sich Friedmann (für mich überraschend) eher auf die Pro-Seite. Er bezeichnet das ASG zwar als nicht wünschenswerten Eingriff ins Bienenvolk (S. 51 f.), zählt aber auch Vorteile wie schnellere Honigernte mit Bienenflucht und Schwarmkontrolle (S. 53–55) auf, die letztendlich wieder wünschenswerter im Sinne einer «bienengemäßen» Arbeitsweise sind. Ihr sehr also, hier schreibt wieder der Praktiker ;)

    - Die meisten Kontroversen gibt es sicher um seine Ansichten zur Schwarmlenkung und Königinnenzucht. Reinzucht lehnt Friedmann ab und steht der Zucht im hoffnungslos weisellosen Volk auch kritisch gegenüber – ist auch der Meinung, dass Schwarmköniginnen die besseren Königinnen seien, weil sie vom ersten Tag an entsprechend gepflegt und gefüttert werden (klingt schlüssig, mir fehlen aber die Erfahrungswerte, um das bestätigen zu können). Ich persönlich werde sicher darüber nachdenken, sein Konzept der «sanften Lenkung» (S. 66) mal auszuprobieren, da es sicher schön ist, den Bienen den naturgemäßen Zustand der Schwarmstimmung gelegentlich zu erlauben, gleichzeitig wir Imker*innen natürlich auch die Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit einer Imkerei nicht aus dem Auge verlieren dürfen. Die Idee, ein schwarmwilliges und nachzuchtwürdiges Volk vor dem Abgehen des Vorschwarms in einen Kunstschwarm mit alter Königin und mehrere Ableger mit volkseigenen Weiselzellen aufzuteilen, um den Bestand schonend zu vergrößern und zu verjüngen, finde ich auf jeden Fall sehr charmant und elegant – ich werde das sicher mal ausprobieren.

    - Der einzige Punkt, bei dem ich mal ziemlich gestutzt habe: Auf S. 73 schreibt Friedmann, dass er seine Königinnen nicht zeichnet. Einmal habe er es ausprobiert und diese Königinnen seien sofort von ihrem Volk abgestochen worden. Das läuft doch meiner Erfahrung und der Erfahrung vieler Imkergenerationen sehr zuwider.

    - Nur noch ein letztes, damit das hier nicht zu lang wird. Beim Thema Varroabekämpfung ergreift Friedmann Partei für die Behandlung mit organischen Säuren und positioniert sich ganz klar gegen Totale Brutentnahme und Käfigen der Königin (S. 155), da diese Methoden seiner Meinung nach inakzeptable Eingriff in die Lebensweise eines Bienenvolks darstellen. Dafür gibt es hier im Forum sicher heftigen Widerspruch 8o


    Letztendlich macht es das Buch für mich hilfreich, dass Friedmann kein integriertes Konzept vorstellt, in dem alles aufeinander abgestimmt ist, sondern nur uns allen bekannte Problematiken beleuchtet. Jeder kann auf aufgeworfene Fragen, die man sich vielleicht selbst schon gestellt hat, selbst Antworten suchen; der Blick eines Idealisten und Pragmatikers in Personalunion ist m. E. nützlich, auch wenn ich in vielen Punkten auch Zukunft anders handeln werde als Friedmann. Letztendlich läuft vieles auf den Aphorismus «Weniger Eingriffe in die natürlichen Bedürfnisse, um Stress zu reduzieren. Aber unbedingt die richtigen Eingriffe zur richtigen Zeit.» (S. 168) hinaus. Das kann z. B. auch zu einer Entscheidung pro Absperrgitter führen. Diese ist dann aber immerhin bewusst. (Disclaimer: ich imkere ohne ASG.)


    Würde mich interessieren, was ihr zu den aufgeworfenen Punkten sagt bzw. zu dem Buch an sich, wenn ihr es auch gelesen habt. Hier mehr zum Buch beim Verlag. Ich verlinke mal nicht auf einen Online-Händler, um euch den Weg zur örtlichen Buchhandlung zu erleichtern ;)


    Schöne Grüße aus dem verregneten Südwesten!

  • Den alten Faden gelesen.

    Das Buch nicht!

    Aber: Bienengemäss dominiert doch die Gedanken.

    Was es ist, ist zuallererst Produkt unserer Gedanken.

    Meine dazu: In der „Natur“ lebende Bienen leben (unter den gegebenen Bedingungen) bienengemäss.

    Alles andere weicht mehr oder weniger davon ab.

    Eis ist Arbeit im Kompromiss!

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Hi, jetzt muss ich.

    Ich hab es gelesen bevor ich aktiv angefangen habe zu imkern. Das Wort „bienengemäß“ hat ja offenbar für uns Anfänger magische Anziehungskraft, wenn man hier so mitliest. Und gerade da hat dieses Buch dazu beigetragen, einige meiner theoretisch erworbenen Glaubenssätze (zu Magazin, Zuckerfütterung, Säuren) in ihrer Radikalität aufzulösen und zu hinterfragen, also wesens-/ bienengemäß ohne Brille zu sehen.

    Und siehe da: es geht nicht nur in ERB und Naturbau, auch das was mein Pate auf Zander mit Mittelwänden macht, kann offenbar ganz schön wesensgemäß sein. In diesem Sinne vielleicht doch ein Lesetipp für den Sommer, keinimker ?

  • Ich habe das Buch vor zwei Jahren gelesen und empfand es als angenehm undogmatisch. So ein paar Dinge sind dauerhaft hängen geblieben, z.B. dass die Natur immer großzügig ist und nie spart, dass immer aus dem Vollen geschöpft wird. Das versuche ich auch zu imitieren, wenn ich bspw. Ableger mache usw.

    Auch das großzügige Vermehren im Sommer, wenn es alles im Überfluss gibt, und das harte Selektieren im Herbst, ist als Philosophie bei mir hängen geblieben, und ich will versuchen, das dieses Jahr das erste Mal auch so zu handhaben.


    Der Friedmann hat auch einen sehr interessanten Vortrag über die Biene als politisches Tier gehalten, welchen man bei YT finden kann.

    Insgesamt finde ich nicht nur das Buch sondern den ganzen Typen recht knorke.

  • Hallo zusammen,


    ich schließe mich den Vorrednern rall0r und ichundmeinholz gern an. Das Buch habe ich letzten Winter gelesen bevor die Bienen kamen und nachdem ich andere Imkerbücher (u.a. Liebig, Golz, Lorenz, Beer) gelesen hatte. Bruder Adam steht auf der Urlaubslektüreliste 😅.

    Mittlerweile nach den ersten Monaten mit den Bienen und den ersten Neuimkerkurs-Terminen, weiß ich den unaufgeregten Ton und undogmatischen Inhalt zu schätzen und lese gern mal etwas nach. Natürlich sollte es nicht das einzige Imkerbuch sein, ermöglicht aber eine interessante Perspektive, die ich sehr schätze. In meinem Imkerkurs werden im Theorie-Teil eher Arbeitsweisen nach Liebig vermittelt.


    Viele Grüße

    Steffi

  • Hi, jetzt muss ich.

    Ich hab es gelesen bevor ich aktiv angefangen habe zu imkern. Das Wort „bienengemäß“ hat ja offenbar für uns Anfänger magische Anziehungskraft, wenn man hier so mitliest. Und gerade da hat dieses Buch dazu beigetragen, einige meiner theoretisch erworbenen Glaubenssätze (zu Magazin, Zuckerfütterung, Säuren) in ihrer Radikalität aufzulösen und zu hinterfragen, also wesens-/ bienengemäß ohne Brille zu sehen.

    Und siehe da: es geht nicht nur in ERB und Naturbau, auch das was mein Pate auf Zander mit Mittelwänden macht, kann offenbar ganz schön wesensgemäß sein. In diesem Sinne vielleicht doch ein Lesetipp für den Sommer, keinimker ?

    Und was ist es nun?Wenn ich das Buch Leseerfahrung ich, was die, die schon gelesen haben, hier auch in ein oder zwei Sätzen schreiben können.

    Das war das wonach ich gefragt habe: bienengemäss.

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Du hast nicht gefragt, sondern geantwortet. Ein Fragezeichen ist das gebogene Ding mit dem Punkt drunter.

    Und wenn ein einziges, wesentliches Wort, in einem Buch und sogar der Überschrift ist, dürfte es nahezu unmöglich sein, die darin angedachte Bedeutung in ein zwei Sätzen wiederzugeben. Da bleibt dir schlicht und ergreifend nur die Möglichkeit, dich selber etwas mehr mit den Inhalten zu beschäftigen um mitreden zu können.

    Ich hab es (noch) nicht gelesen. Ich bewerte es aber auch nicht.