Bienenseuchenverordnung - AFB herausnehmen?

  • Im Landkreis Barnim wird vom VetAmt alle 3 Jahre eine Probe aus der ersten Schleuderung zur AFB-Untersuchung angefordert. Das ist ein ziemlich grobes Raster, aber besser als gar nichts. Die Untersuchung ist kostenlos.

    Gruß Ralph

  • Nach Mitteilung von Prof. Dr. W.v.d.Ohe handelt es sich bei den angeblichen Plänen zur Herausnahme der AFB aus der BienSeuchVO um eine Falschmeldung. Er verweist darauf, daß erst am 3.12.18 die DVO (EU) 2018/1882 verabschiedet wurde. In der VO wurden alle Mitgliedsstaaten zur amtlichen Seuchenbekämpfung verpflichtet: Lt. Anhang auf S. L 308/26 unten für Bienen (Apis) wie in der deutschen BienSeuchVO bereits geregelt: bei Varroose, Kleinem Beutenkäfer, AFB und Tropileaps-Befall).

    Wenn es wirklich eine Falschmeldung ist - dann haben wir uns wenigstens eingehend über den Sinn solcher Seuchenregelungen nicht zuletzt im Vergleich zu Ländern ohne solche Regelungen unterhalten. Das ist ein Wert für sich.


    Mich wundert jetzt nur, worüber der DIB da im Augenblick mit dem BMEL verhandeln will? Zielführend wäre eine Überarbeitung der Leitlinien zur Bekämpfung der AFB durch das BMEL. Zumindest die europäischen Rechtsgrundlagen sind da nur unvollständig benannt, obwohl sie sich unmittelbar auch auf D auswirken, wie die Diskussion um den Aussagewert vonTRACES-Zeugnissen gezeigt hat.

  • Night Shadow : Es soll und muß Dir nicht leidtun. Die Diskussion war - zumindestens für mich - erhellend und hat den Mehrwert der strengen deutschen Regelung (vergleichsweise verschwindend geringe AFB-Erkrankungsquote) unterstrichen.

    Sollte mir wieder ein Wanderimker über die unzumutbaren Kosten für seine Wander- Gesundheitszeugnisse klagen, kann ich ihm nun fundiert die Alternativkosten vor Augen stellen, wenn jeder selber vor sich hinwurstelt und für die epidemiologische Seite der Medaille niemand mehr verantwortlich wäre.

    Daß TRACES-Zeugnisse bspw. nur bescheinigen, daß die Bienen nicht aus einem Sperrbezirk kommen, resp. der Herkunftsstand nicht zwingend für TRACES beprobt worden sein muß (im Unterschied zum deutschen Wander- bzw. Handels-Gesundheitszeugnis), war mir z.B. vorher nicht bewußt.

  • Night Shadow : Leider kann ich Dir keine pN senden. Deshalb hier: Es wäre sehr nett von Dir, wenn Du die Aussage (wohl von Guido Eich?) noch einmal verifizieren könntest, besonders zu Italien und Spanien (s. #1). Ich habe trotz Bemühungen nicht finden können, daß dort die amtliche AFB-Bekämpfung eingestellt worden sei, ein Verzeichnis der aktuellen Sperrzonen dort aber ebenso wenig. Nach meinen bisherigen Informationen (etwas veraltet, mindestens 3 Jahre) soll in Italien nach einer AO von 1954 (!) AFB bekämpft werden (Infektionsherd verbrennen, Sterilisierung von Beuten, Rä., Waben durch Bestrahlung, 3 km Sperrzone, Abschlußkontrolle bereits nach 14 Tagen; seit 1944 werden inoffiziell Antibiotika eingesetzt) - also nicht gerade der neueste epidemiologische Standard und kein Frühwarnsystem durch Untersuchung auf Sporen! Noch schlimmer scheint es bspw. in Rumänien zu sein: Seit langem Antibiotikaeinsatz, Resistenzen bereits bekannt, Sanierungsmaßnahmen lückenhaft mangels Übersicht und mangelnder Kooperationsbereitschaft bei Imkern, von einem Frühwarnsystem ganz zu schweigen. Gegenbeispiel ist Tschechien, das wohl eines der modernsten Frühwarnsysteme (Gemülldiagnose zu einem landesweit einheitlichen Probenzeitraum) installiert hat (s. Verweis auf Vortrag von Dr. Titera in #12):

    Faulbrut-Monitoring in Sachsen

    und im Erkrankungsfall (also Sporen + Klinik) eine Regelung wie nach der BienSeuchVO in D praktiziert modifiziert nach einer Befallsquote von 15%/Bienenstand.

  • Das Problem war, dass es nur im Nebensatz zu der AFB erwähnt wurde, dass oft im Ausland Antibiotika gegen die AFB eingesetzt werden. So hat Guido Eich wohl vor zwei Jahren einen Fall mit einem Imker gehabt, der aus dem Ausland zugewandert war. In seinem Land ist es normal, dass man Antibiotika in die Völker schüttet und er hatte die klinische AFB auch nicht, doch natürlich war die Futterkranzprobe positiv. Die anderen Imker in seiner Nähe hatten leider auf mehreren Ständen Ausbrüche. So sind wir dann auf die Notwendigkeit der Flächenbehandlung gekommen und in diesem Zuge wurde von Guido Eich gesagt, dass in der EU Kommission die AFB 2020/21 wahrscheinlich aus der Tierseuchengesetz genommen wird. Da wurde dann von BSV viel nachgefragt, da die Hauptaufgabe die Bekämpfung der AFB ist und wenn das wegfällt, die BSV eigentlich Joblos wären. Nicht weil keine AFB mehr auftritt, sondern weil kein Imker mehr gezwungen wäre fachgerecht zu sanieren. Da ging also viel durcheinander. Da wir gerade eine Sanierung mit Veterinärbesuch hatten und die Veterinärin ebenfalls meinte, dass sie es gut finden würde, wenn die AFB nicht mehr in ihrer Zuständigkeit fiele. Imker sind anscheinend schwierige Leute . War für mich die Sache interessant, doch konnte ich keine sicheren Informationen bekommen, daher habe ich hier geschrieben. .

  • ...in Neuseeland, ist Bienenzucht ein echter landwirtsschaftlicher Faktor. Dort sind die Betriebe aber selbst für die Gesundheit verantwortlich und müssen eine Schulung dazu ablegen und regelmäßig erneuern (weis aber nimmer in welchem Abstand). Das funzt!

    Auf den ersten, flüchtigen Blick scheint das zu funktionieren. Aber wie hoch ist die AFB-Erkrankungsrate der imkerlich gehaltenen Völker dort aktuell? 1993 jedenfalls lag sie bereits bei 12,5% (während wir in D die Null-Toleranzgrenze anstreben bzw. bei Sporenbelastung sofort nicht nur das Volk betreffend, sondern ggf. epidemiologische Maßnahmen einleiten):

    ...

    Schon 2003 auf der Apimondia in Ljubliana berichteten mir NZL-Imker vonm deren Umgang mit AFB. Medikamenteneinsatzgehörte nicht dazu. Schwarze Schafe mag es aber natürlich immer geben. Erkrankungen mussten an den Animal Health Service (glaube so heisst er) gemeldet werden, behandelt in Eigenregie.
    Eine Nulltoleranz für AFB_Sporen ist IMHO aber flächendeckend kein sinnvolles Ziel, obwohl es bei meinen Völkern immer so war.

    ...

    Immenreiner ist richtig informiert: Die Kiwis sind seit den 90er Jahren dabei, die AFB organisiert und ohne Antibiotika etc. zu bekämpfen.

    Sie formulieren sich 5-Jahres-Pläne und setzen sich Teilziele.

    Ihr ehrgeiziges Fernziel: AFB in Neuseeland bis zum Jahr 2030 zu eliminieren.

    Arbeitet Euch mal durch diese Website, es lohnt sich!


    "Elimination of AFB" - Neuseeland


    Da können wir doch nur vor Neid erblassen!

  • Warum es "kein sinnvolles Ziel sein"sollte, die Sporenlast von Bienenvölkern eines Standes mindestens durch Stichbeprobung als Frühwarnung vor dem klinischen Ausbruch der AFB zu nutzen, bleibt mir unverständlich.

    Und noch einmal: Die Deutsche Imkerei ist sowohl personell und strukturell in keiner Weise mit NZ vergleichbar. Auch die Geografie u.a. epidemiologisch relevante Faktoren sind es nicht.

    Und: Warum sind NZ-Honige bislang deutlich häufiger mit AFB besport als deutsche Honige?

    Und schließlich sei mir gestattet, persönliche Zweifel an der 1 : 1 Umsetzung hehrer Ziele in der Imkerei NZ zu äußern, nachdem ich von Beispielen weiß, wie massiv und leicht man sich dortzulande über selbst elementare Rechtsregeln hinwegzusetzen bereit ist, wenn nur die Gewinnaussichten hoch genug erscheinen. Der Kampf bspw. um Manuka-Trachtgründe durch von Finanzinvestoren frisch gegründete Industrieimkereien wird dort tlw. mit hierzulande unvorstellbar hoher krimineller Energie geführt.

    Nein, als Imker erblasse ich nicht vor Neid, nachdem ich mir manches vor Ort angesehen habe. - obwohl mir sehr wohl auch viel Verlockendes begegnet ist.


    Von einer echten Eliminierung der AFB kann man erst dann reden, wenn selbst ein dichtes Netz von Frühwarnsystemen über mehrere Jahre keine AFB-Sporen mehr anzeigt und alle produzierten Honige keine AFB-Sporen mehr aufweisen. In NZ fehlt es sowohl an einem solch dichten Frühwarnsystem als auch an einer lückenlosen AFB-Beprobung der produzierten Honige. Wenn man in die Betrachtung weiter einbezieht, daß AFB-Sporen äußerst robust sind und selbst unter extremen natürlichen Umweltbedingungen problemlos 30 Jahre und mehr überstehen und keimfähig bleiben, dann wird man das propagierte Ziel, in NZ schon bis 2030 AFB-frei sein zu wollen, als unrealistisch einstufen müssen. Mglw. ist diese Zielerklärung Teil einer Marketingstrategie...

  • Dankenswerterweise hat mich ein Kollege auf einen Fehler in meinem #52 aufmerksam gemacht, den ich hiermit berichtige wie folgt:

    Sachsen hat am 1.2.2019 das ehrgeizigste Monitoringprogramm aufgelegt, das es je gab: Innerhalb von knapp 4 Jahren soll jeder Bienenstand in Sachsen beprobt werden!


    https://www.lds.sachsen.de/bek…g/?ID=14731&art_param=810


    Diskutiert wurde dieses spezielle Thema hier:

    Faulbrut-Monitoring in Sachsen

    Sehr interessant fand ich den Vortrag von Dr. Titera über die tschechischen Erfahrungen mit dem flächendeckenden jährlichen AFB-Monitoring zu einem einheitlichen Zeitpunkt mittels Probenahme durch die Imker selbst (Gemüllprobe) = Link in #12.

  • Ribes, ich glaube du hast hier in dem Threat echt einen Titel verdient.

    Respekt.

    Detailiert,.sachlich korrekt. Klasse.


    Night Shadow hat es aber sogar selber auf dem Punkt gebracht.


    Imker sind nicht gerade die Hauptbaustelle der Amtsveterinäre und viele wären sicher froh, wenn sie die unbequemen Imker los wären.

    Auch zählt nicht das objektive sondern das subjektive Empfinden bei den Imkern.


    Natürlich haben wir verhältnismässig wenige AFB Fälle im Gegensatz zu vielen anderen Ländern.

    Das Empfinden ist aber ein Anderes. Die Beweggründe hierfür sind so unterschiedlich, wie die Imkerei selbst.

    Das ist in meinen Augen nur änderbar, wenn ein wie ein auch immer gestaltetes System wie in Sachsen oder Tschechei Transparenz und Gleichheit schafft und die Ämtsveterinäre langfristig entlastet.

    Daher finde ich die Variante mit der Gemüllprobe am gee

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Das ist in meinen Augen nur änderbar, wenn ein wie ein auch immer gestaltetes System wie in Sachsen oder Tschechei Transparenz und Gleichheit schafft und die Ämtsveterinäre langfristig entlastet.

    Vorsicht mit der Bezeichnung "Tschechei";)

    Tschechei

    Zitat
    "Geografische Namen sind oft, je nach Blickwinkel, politisch nicht korrekt. Das gilt auch für die Tschechische Republik. Dort legt man Wert darauf, dass die Deutschen das Land in der Kurzform Tschechien nennen und nicht Tschechei, weil dieser Begriff bei den Nazis beliebt war; Hitler hatte schließlich nachweislich "von der Zerschlagung der Rest-Tschechei gesprochen". Die tschechische Argumentation hat sich in Deutschland durchgesetzt, Tschechei sagen heute nur noch wenige, nämlich Ewiggestrige und Provokateure."


  • Das wusste ich nicht.

    Jetzt war ich dort ein Dutzend mal beruflich und privat, wobei ich mich manchmal Frage ob solche Spitzfindigkeiten nach so langer Zeit noch angebracht sind.

    Allerdings kommt mein Nachbarin aus der Gegend von Prag und da lebt die Vergangenheit nach wie vor noch.

    Da ich aber nicht nur Theoretisch sondern auch in der Praxis von solchen Leuten abgrenze, werde ich mich in Zukunft um die richtige Wortwahl bemühen.

    Freier Imker

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    Neutral und unbelastet.