Mein Freund, der Baum, ist tot...welchen neuen Freund soll ich pflanzen?

  • Liebe Imker und Imkerinnen,


    der 2. Sturm hier in Berlin gestern Abend hat unseren Hausbaum, eine bestimmt 100 Jahre alte Rosskastanie, mittig gespalten. Da der Zwiesel (der tatsächlich dadurch entstanden ist, dass die damaligen Bewohner versucht hatten, den Baum klein zu halten und den Haupttrieb gekappt hatte - so wusste die Mutter einer Nachbarin noch zu berichten) schon lange unser Sorgenkind war, hatten wir den Baum durch eine Verseilung gesichert und so kam zum Glück nichts und niemand zu Schaden.


    Aber den Baum hat es nun so geschädigt, dass er nun gerade in einer Notfällung allmählich verschwindet. In meinem Arbeitszimmer wird es heller, ich bin grottenunglücklich und wir haben als Familie natürlich gleich beschlossen, dass wir Ersatz pflanzen wollen. Natürlich auch hier und nicht auf dem platten Land - unser Beitrag zum Berliner Stadtgrün.


    Der Baum soll natürlich zukunftssicher sein, d.h. dem Klimawandel gegenüber gewappnet sein. Er soll natürlich besonders bienenfreundlich sein. Sturmsicherheit wäre auch ein wichtiges Argument - also Pfahl- statt Tellerwurzler. Soll auch ein Baum sein, kein mehrstämmiger Busch oder sowas und gerne langlebiger und größer als klassische Obstgehölze. Toll wäre natürlich auch eine gewisse Zurückhaltung - die Kastanie hat ja praktisch immer irgendwas fallen lassen und wer zur Kastanienzeit hier parkte, hatte oft langlebige Erinnerungen auf der Motorhaube behalten... also daher keine stinkenden Gingko-Früchte oder sowas.


    Mir wurde schon der Wald-Tupelobaum empfohlen, der aber als Tellerwurzler mit empfindlichem Wurzelwerk leider nicht geeignet ist.


    Weitere Ideen, Vorschläge, Erfahrungsbäume, mit denen ich mich mal beschäftigen könnte? Freue mich über Input.... irgendwas Motivierendes in diesen traurigen Stunden...


    Herzliche Grüße

    Melanie

  • Was immer ein Tupelobaum sein soll - oder meintest du Tulpenbaum? Der kommt aus den USA und wäre durchaus interessant und er ist sehr wohl sehr standsicher und außerdem sowohl für die heißen Sommer als auch für nach wie vor mögliche harte Berliner Winter gewappnet.


    Hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Tulpenbaum


    Aber warum nicht das nehmen, was alle Anforderungen erfüllt und in Berlin bereits bewährt ist? Linde? Götterbaum?

  • EDIT :

    hornet hats schon geschrieben - wäre also quasi ein Doppelpost


    Aber zu den Wurzelwerk :


    Wurzelsystem

    "Tulpenbäume entwickeln ein tiefreichendes und weitstreichendes Wurzelsystem. Sämlinge bilden früh eine Pfahlwurzel. Die fleischige Wurzel ist bereits im zeitigen Frühjahr sehr behandlungsempfindlich."

  • Die Linde ist meiner Kenntnis nach nicht ausreichend zukunftssicher. Allenfalls die Silberlinde wäre tatsächlich eine Idee (siehe auch: "Stadtgrün 2021 - Neue Bäume braucht das Land"https://www.lwg.bayern.de/landespflege/gartendokumente/merkblaetter/078855/index.php)


    Götterbaum wäre möglich aber geruchlich nicht mein Ding. Den Wald-Tupelobaum Nyssa sylvatica findet man übrigens unter https://www.klimawandelgehoelz…C3%B6lze/wald-tupelobaum/ gut beschrieben.


    Den Tulpenbaum hatte ich auch schon im Kopf; allerdings erscheint er mir zu anspruchsvoll in Sachen Wasserversorgung und Nährstoffen.


    M.


    P.S. Ludger Merkens Danke für den Tipp - das ist ja eine tolle Datenbank!

  • deinen Standort kenne ich nicht und ohne Wasseranschluss durch Grundwasser/Bach ist es in Berlin wohl eher ziemlich trocken, stimmt.


    Und Tupelobaum gibt's tatsächlich, den kannte ich vorher nicht, aber klar, in den USA gibt's so viele Arten, die kann man fast gar nicht alle kennen, das ist dort ein Traum für Förster und da merkt man wieder mal, wie verarmt die Baumwelt in Mitteleuropa im Vergleich ist. Ausnahmsweise sind daran die Eiszeiten und die Alpen schuld, nicht der Mensch.


    So übertriebene Sorgen bezüglich Klimafestigkeit und lange Zukunft würde ich mir eh nicht machen. Erstens, für dich reicht's noch, egal welche Art ;-)

    Zweitens, in den heutigen Städten ist es eh fraglich, ob Bäume wirklich noch alt werden können oder dürfen, Stichwort Nachverdichtung.


    Esskastanie finde ich übrigens auch einen guten Tip, könnte nur sein, dass der Honig aus Völkern direkt daneben dann auch einen entsprechenden, womöglich unerwünschten Einschlag bekommt - denn DER Geschmack ist wahrlich nicht jedermanns Geschmack, obwohl ich selbst das nicht verstehen kann.

    Aber auch da dürfte erst noch das eine oder andere Jahrzehnt ins Land gehen, bevor das ein Thema wird.


    Ich würde ja auch die Platane empfehlen, ist zwar gar nix für Bienen, wächst aber schnell, ist bewährt in Städten und ebenfalls Klimafest. Aber sieht klasse aus und wächst schnell und wird sehr groß. Also richtig groß - aber das wirst du selbst trotz schnellem Wachstum leider auch nicht mehr erleben.

  • Esskastanie finde ich übrigens auch einen guten Tip, könnte nur sein, dass der Honig aus Völkern direkt daneben dann auch einen entsprechenden, womöglich unerwünschten Einschlag bekommt -

    Hier wirken sich mehrere Eßkastanienbäume sogar in nächster Umgebung nicht prägnant auf den Honiggeschmack aus - sage ich aus eigener Erfahrung mit 5 Eßkastanien in 500m-Umkreis (davon 3 bereits ausgewachsen) und weiteren (wenigen) im 3 km-Radius, obgleich ihre Blüte intensiv beflogen wird - auch bei Lindenkonkurrenz.

  • Ich würde auch Robinie empfehlen, meiner Meinung nach ist die Angst vor der ungezügelten Ausbreitung unbegründet. Ich kenne einige Robinienbestände in der Lausitz und auch hier in der Stadt einzelne Bäume in Parks und an Strassen, die sich eben nicht wie wild verbreiten.

    Esskastanie wäre auch meine zweite Empfehlung gewesen, vielleicht ja sogar eine Zuchtform mit schönen grossen Früchten. Da hätte ich auch keine Angst vor krasser Verfälschung des Honiggeschmacks, da dafür 1 Baum kaum ausreicht. Ich habe ca. 5-10 Bäume im 1km-Flugradius und das fällt im Honig nicht negativ auf.

    Grundwasserversorgung in Berlin sollte doch gar nicht sooo schlimm sein. Da ist doch überall nen Kanal oder Havelarm um die Ecke. Also kämen auch einige Ahorn- und/oder Lindenarten in Betracht. Es gibt ja auch schöne Ahorne mit sehr interessanter Herbstfärbung und sehr filigranem Blattwerk. Hier kannst du die alphabetisch durchsuchen.

    Oder wieso nicht ne richtige Weisstanne ? Tiefwurzler, hoher, stattlicher Baum mit der Option auf Tauhonig mitten aus Berlin (wobei wieder die Frage nach dem Ertrag eines einzelnen Baumes wäre).


    Grüsse, Robert