Wie haben die Bienen bis heute überlebt?

  • In einem anderen Topic geht es darum, ob man Bienen auf dem eigenen Honig überwintern lassen kann/soll. Die Gründe, warum man die Bienen nicht mit dem eigenen Honig überwintern sollte oder warum das zumindest problematisch ist sind vielfältig und absolut logisch - ABER ... wie haben die Viecher das denn in den letzten soundsoviel Millionen Jahren geschafft zu überleben? Was ist in der freien Natur anders als in unseren Bienenbeuten? Das würde mich mal sehr interessieren. Pflanzen wie Raps oder andere Sorten die für schnell knallharten Honig sorgen der dann als Futter einfach nicht mehr taugt gab es doch immer schon ...

  • Vor ein paar tausend Jährchen gab es keine Menschen, zumindest keine Imker.

    Somit hat niemand den Frühlingshonig geraubt und das Volk konnte auf einer guten Mischung von Frühlings- und Waldhonig überwintern. Und froße Rapsfelder gabs damals ja auch nicht.


    Wer heutzutage seinen Völkern den Honig im Frühling nimmt und dann glaubt auf (Wald)honig zu überwintern wäre natürlich, der liegt falsch.


    Erst wird Blütenhonig eingelagert, darunter Waldhonig. Im Herbst zehrt das Volk vom Waldhonig und bis es richtig kalt wird erreicht es den Blütenhonig. Damit überwintert es bzw. wintert im Frühling aus.


    Der Mensch bringt das durch Massentrachten und Honigernten durcheinander.

    An der Imkerei ist nur noch wenig "natürlich".

  • Zunächst: Bevor die Zuckerfütterung aufkam, starben sehr viel mehr Bienenvölker den Winter über.

    Zum anderen: Bevor Menschen die Lebensräume der Bienen besiedelten, gab es andere Trachten: Raps was natürlich unbekannt. Löwenzahn selten (weil kaum Wiesen existierten).

    Die heute verbreiteten Waldtrachten waren selten, weil Mitteleuropa überwiegend von Laubäumen bewachsen war (vor allem Buchen). Fichten und Tannen gab es nur in Höhenlagen.

    Fazit: Es gabe kaum problematische Honige, die in den Waben auskristallierten oder sehr mineralstoffreich waren (Honigtauhonige).

    Außerdem: Hat eine Population die maximale Stärke erreicht, muss sie nicht mehr wachsen. Entsprechend wäre es ohne Folgen (und so gar erforderlich) für den Erhalt der Populationsdichte, wenn (bei einem Schwarm pro Volk) nur jedes zweite Vok den Winter überlebt.

    50% Winterverluste wären so gesehen normal. Wobei man natürlich anderen Todesursachen miteinbeziehen müsste und ein Bienenvolk mehr als einen Schwam pro Jahr liefern kann.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Man kann es sich so vorstellen:


    - kleinere Völker in kleineren Behausungen

    - deutlich schwärmerischer als heute

    - abwehrbereiter (wg. des Bären;))

    - Umgebung in Mitteleuropa völlig anders - viel mehr Wald mit wenigen kleinen baumfreien Zonen

    - deutlich vielfäligerer Bewuchs gg. heute

    - völlig anderer Pflanzencoctail

    - keine Pestizide, keinen Dünger oder gar gebeizte Saat, Wachstumshemmer, Glyphosat...

    - keine Varroa destructor

    - keine Imker :/, damit nur regional angepasste Landrasse

    usw.


    So etwas musste begünstigend sein; denn sonst wären sie ja nicht mehr da. Und die "in house logistic" wurde ja schon ausreichend beschrieben mit dem Prinzip "first in - last out" kommt es zur Überwinterung auf gemischtem oder Blütenhonig. Und wenn, wie WFLP schreibt, 50 % über den Winter eingingen, so what - sie hatten ja einen bis zwei Schwärme abgegeben.


    Irgendwie ist das rückblickend ein geniales Überlebenskonzept mit einer unglaublichen Anpassungsfähigkeit (lange Eiszeiten mit kurzen Vegetationsperioden; Wärmeperioden - die gerade diskutierten 2 °C Durchschnitt muten aus Bienensicht geradezu lächerlich an; Regenperioden, Trockenheit und und und).


    Dass es gerade so erscheint, als würde es kippen, an seine natürliche Grenze geraten, ist möglw. unserer menschlichen Perspektive und Tun geschuldet. Letzteres schafft Monotonie in der Landschaft, reduziert das Nahrungsangebot drastisch und fügt noch Substanzen hinzu, die hoch toxisch für die Bienen sind. Ersteres ist ein sehr enges Zeitfenster, das wir emotional nicht abstreifen können, trotz kognitivem Wissen über die langen Sonnen- und Erdzyklen. Was sind für eine Spezies, die schon gut 30 Mio. Jahre unter sich ständig wandelnden Umweltbedingungen überlebt hat, die gerade mal 50.000 Jahre einer Rasse, die sich völlig überschätzt ?


    Ich denke, die Bienen haben Zeit zuzuschauen, wie sich diese evolutionäre Epoche entwickeln wird.

  • Gut geschrieben beemax


    Hinzufügen würde ich noch zwei Faktoren


    -weniger Völker insgesamt. Gebiete auch bienenfrei, wenigstens zum Grossteil des Jahres. Damit sind Gebiete mit langem Winter und spärlicher und später Blühsituation. Imker ermöglichen durch ihr eingreifen auch in solchen Gebieten Bienenhaltung.


    Durch Faulbrut und andere Krankheiten immer wieder Absterben von Völkern, da weniger Völker in einem Gebiet, schlechtere Ausbreitung und Selbstregulation.

    Honig wird zur Gefahr für die Völker.


    Um es sehr deutlich zu sagen, Bienen sind zwar echte Überlebenskünstler, doch wenn Tracht und Umweltbedingungen sich ändern, stirbt auch die Biene ohne Imker gerne mal in einem Gebiet oder wie es zur Eiszeit passierte völlig aus. Vor der Eiszeit gab es hier andere Bienen. Doch als sich die Bedingungen wieder besser wurden, konnten sich die verschiedenen Rassen, besonders die dunkle Biene hier ausdehnen.


    Wenn man dies auf die heutige Situation anwendet, würden viele Völker, die jetzt gefüttert werden, absterben, weil die Tracht und Wettersituation einfach zu schlecht ist. Dafür würden aus besseren Gegenden im nächsten Jahr Schwärme wieder in die entvölkerten Gebiete einwandern....langsam und nur wenn das Wetter und die Tracht im nächsten Jahr passt.. Leider sorgt die Milbe für eine weitere Verschärfung der Situation. Ohne Imker, ohne Maßnahmen, würden die Bienen leider am Aussterben sein. Wären nicht die Berufsimker mit ihren teils sehr grossen Völkerzahlen da, sähe es noch schlechter aus. Es ist kein Paradies in dem die Bienen leben.

  • Leider sorgt die Milbe für eine weitere Verschärfung der Situation. Ohne Imker, ohne Maßnahmen, würden die Bienen leider am Aussterben sein.

    Ähm, wie kam noch gleich die Milbe nach Europa?

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Also doch immerwieder der Mensch!😞

    Nur bliebe bei guten, heißt vielfältigen Trachten dann nur der dümmliche Mensch und die Varroamilbe, die die Bienen in Bedrängnis bringen.

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Tatsächlich geschah der Wirtssprung wohl in Asien und wäre irgendwann auch ohne Institut hier gelandet.

    Natürlich nur, wenn man den Einfluss des Imker mit einsetzt.

    Imker haben Völker der europäischen Honigbiene nach Asien gebracht, weil der Honigertrag viel höher ist.

    Auf dem Weg nach hier gibt es zu viele Völker, die eine Ausbreiten linear ermöglichen ....etc. Somit ja, Imker sorgen auch für eine Ausbreitung des kleinen Beutekäfers.


    Und doch ohne Varroa, wie gut würde es der Biene ohne Imker gehen. Monokultur und Pestizide wirken auch, die Umweltbedingungen verändern sich. Würde es der Honigbiene besser gehen? Oder wäre es nicht ähnlich, wie bei den Wildbienen?

  • Und doch ohne Varroa, wie gut würde es der Biene ohne Imker gehen. Monokultur und Pestizide wirken auch, die Umweltbedingungen verändern sich. Würde es der Honigbiene besser gehen? Oder wäre es nicht ähnlich, wie bei den Wildbienen?

    Ohne Imker ging es heute den Bienen schlecht; denn die Imker kompensieren oft genug die Defizite, welche Bienen heute aufgrund vorgenannter Gegebenheiten erleiden müssen. Jedoch - Pollenmangel oder präziser ausgedrückt, Pollen mit toxischen Substanzen machen selbst das schon schwierig genug. Die Nischen werden immer weniger, jedoch gibt's viele Imker, die auch im Kleinen ein mgl. ganzjähriges Angebot durch gezielte Pflanzungen erstellen. Und davon profitieren Wildbienen und Hummeln gleichermaßen.

  • „Monokultur“ und Pestizide fallen nicht vom Himmel! Der Mensch ...

    Ob nun ohne Menschen 50% oder nur 1/3 der wilden Völker nicht überleben ist doch für den Fortbestand einer Art ohne Belang.

    Solange die Vermehrungsrate den Ausgleich schafft ist doch keine Gefahr. Es ist vielmehr die Gewähr für den Erfolg einer Art.

    Auch an dieser Stelle fummelt der Mensch herum. Und nur wegen der „Anpassung“ an Vorstellungen der Menschen - Honig!

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Man muss aber auch bedenken, dass Bienen bzw. Imker von den heutigen Monokulturen durchaus profitieren.

    Die Waldvegetation Mitteleuropas vor der menschlichen Besiedlung bot den Bienen kein sehr großes Nahrungsangebot. Viele Arten, die für Bienen heute eine große Rolle spielen, gab es nicht - und ich meine jetzt nicht Kulturpflanzen. Die Kirsche z.B. brachten erst die Römer nach Europa (auch die Vogelkirsche). Die Kornblume kam erst mit dem Ackerbau in der Jungsteinzeit zu uns.

    Unser Problem sind nicht die Monokulturen (d.h. dass auf einer Fläche meist nur eine Art kultiviert wird), sondern dass es kein ausreichendes Nebeneinander von Monokulturen gibt und dass es die falschen Monokulturen sind (etwas Getreide und Mais statt Leguminosen).

    Eine umweltschonende Landwirtschaft mit weniger Pestiziden und Dünger und einer vielfältigere Fruchtfolge bietet für Bienen eine viel besser Lebensgrundlage als der nacheiszeitliche Wald Mitteleuropas.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Man muss aber auch bedenken, dass Bienen bzw. Imker von den heutigen Monokulturen durchaus profitieren.

    Die Waldvegetation Mitteleuropas vor der menschlichen Besiedlung bot den Bienen kein sehr großes Nahrungsangebot.

    Darum ja auch viel kleinere Völker - es muss ja irgendwoher kommen.


    Und - ja, Monokulturen sind per se nicht schlecht. Einerseits liefern sie ein großes Nahrungsangebot, andererseits wissen das die sog. Schädlinge auch. Und da muss dann wieder großflächig dagegen gehalten werden.


    Unser Problem sind nicht die Monokulturen (d.h. dass auf einer Fläche meist nur eine Art kultiviert wird), sondern dass es kein ausreichendes Nebeneinander von Monokulturen gibt...


    Das kann man nur unterstreichen und vlt. bewegt sich die moderne Agrarwirtschaft mittelfristig in diese Richtung.

    Eine umweltschonende Landwirtschaft mit weniger Pestiziden und Dünger und einer vielfältigere Fruchtfolge bietet für Bienen eine viel besser Lebensgrundlage als der nacheiszeitliche Wald Mitteleuropas.

    Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass die menschengemachte Kulturlandschaft grundsätzlich von übel sei. Sie ernährt mittlerweile ja fast 8 Mrd. Menschen! Wir sind aber m. E. zu sehr in das Extrem der flächigen Einseitigkeit geraten, die in mehr Vielfältigkeit geändert werden sollte, um beiden Zielen gerecht zu werden - der menschlichen Ernährung und dem Erhalt von natürlicher Vielfalt.

  • Ich würde zu den vielen richtigen Punkten gerne eine Ergänzung anfügen.
    Unsere Nutztiere Honigbienen werden ja seit hunderten von Jahren bewusst oder unbewusst durch Selektion/Zucht verändert, so dass der Honigertrag und andere Eigenschaften im Vordergrund stehen (die für den Imker positiv sind) und nicht die Eigenschaften die für das überleben einer Biene in freier - unberührter - Natur wichtig waren.
    Von daher hinkt der Vergleich einfach.


    Meine These: Würde man heute genügend Bienen-Völker in einem genügend großen unberührten Gebiet aussetzen, dann würde über einige Generationen der Bestand zurückgehen (da die Eigenschaften wie Honigleistung eben nicht so wichtig zum überleben sind), es würden sich Eigenschaften wie Schwarmtrieb, Fluglochverteidigung, kleinere Volksstärken immer stärker verbreiten und die Biene würde überleben. Wahrscheinlich sogar trotz Varroa. Ich weiß nicht ob Sie varroatoleranz werden oder eben Verhalten wie häufigeres Schwärmen und intensiver Putztrieb zu einer koexistenz führen.

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    Aktuell 6 Buckfast Völker auf 12er Dadant.
    Ziel 6 starke Völker einwintern.