Bienen auf eigenem Honig überwintern (Dadant US)

  • Moin,

    aus meiner Sicht ein akademisches Thema.


    Warum?


    Als Kind, oder schon Jugendlicher, egal, habe ich den Efeu auf dem Grundstück eingeschleppt. Seit ca 1998 blüht der regelmäßig. Anfänglich habe ich mich drüber gefreut. Seit einiger Zeit verhungern immer wieder Völker auf Honigwaben, die in der kalten Jahreszeit fest werden und für die Bienen nur zu verwerten sind, wenn sie Wasser aufnehmen können.

    Das teuflische daran: Ich kann den später festwerdenden Honig nicht im Herbst erkennen. Da der Efeu auch von allerlei anderen Hautflüglern genutzt wird., möchte ich ihn eigentlich nicht ausrotten, wobei es ein leichtes wäre, die Ranken unten am Stamm einfach zu trennen.

    So geb ich im Spätherbst nochmal ordentlich Flüssigfutter (Sirup) um die Lücke eng zu halten.

    Das klappt leider nicht immer.


    Mein Fazit

    Auf Honig überwintern ist sicher schick, wenn der Honig auch dafür geeignet ist.


    Grüße Ralf

  • Was macht dich so sicher, dass der Efeu die Ursache für die Kristallation der Futterwaben ist?


    Grüße vom Apidät

  • Ich würde vermuten, dass Efeu und auch Senf genau dafür bekannt sind.

    Wir haben eine Efeu Hecke. Da konnten wir das selbe beobachten. Jetzt haben wir die Bienen außerhalb vom Dorf, da brummt der Efeu immer noch, aber wir haben den Eindruck, dass es seit dem nicht mehr zu so geballter Efeu Einlagerung kommt.

    Seitdem haben wir keinen Schaden in der Richtung mehr beobachtet.

    Man kann ohne Bienen leben, aber wie halt.

  • So geb ich im Spätherbst nochmal ordentlich Flüssigfutter (Sirup) um die Lücke eng zu halten.

    Genau das halte ich für falsch. Ich versuche so einzufüttern, daß die Völker bereits vor der Efeublüte genug Vorrat haben. Wird dann Efeunektar noch darauf eingetragen. Der liegt dann brutnestnah und bleibt meist unverdeckelt. Die Bienen verbrauchen den dann zuerst, also in einer Zeit, in der sie noch ausfliegen, abkoten und Wasser sammeln können. Ging bisher immer gut, auch wenn die ein oder andere Wabenecke Krsitallisationsneigung entwickelt. Die störenden Kristalle räumen die Bienen im Zweifel aus. Wenn genug anderes Futter erreichbar bleibt, ist das kein Problem.

  • Was macht dich so sicher, dass der Efeu die Ursache für die Kristallation

    Wird dann Efeunektar noch darauf eingetragen. Der liegt dann brutnestnah und bleibt meist unverdeckelt. Die Bienen verbrauchen den dann zuerst, also in einer Zeit, in der sie noch ausfliegen, abkoten und Wasser sammeln...

    Meine letztjährige Fütterung mit weizenbasiertem Futter brachte Ähnliches zutage: Kristallisation dort, wo dieses Futter abgelagert wurde; ganz deutlich zu sehen! Und nein, es war weder Efeu noch Senf o.ä. - den gab's hier im 3 km-Umkreis definitiv nicht in größeren Mengen. Denn - Waben am BN enthielten flüssiges Futter (ex Zuckerfütterung 1:1 im Sommer) und nach der 2./3. Wabe im äußeren Bereich der Völker schon Anf. Dez. weißes, auskrist. Futter; konnte ich bei der Winterbehandlung sehen.


    Mein Fazit: wenn stärker glukosehaltiges Futter, dann frühzeitig im Juli verabreichen, damit der Bien das noch zu Fruktose invertieren kann. Ansonsten hat man den gleichen Effekt, wie bei späten Senf- oder Efeutrachten. Solange diese in überschaubaren Mengen eingetragen werden, passiert da nix, da sie es schnell verbrauchen.


    Mit gut invertiert Sirup auf Zuckerrübenbasis gab's das bei mir noch nie. Auch d.J. wieder eingesetzt - alles gut.

  • Hm, solche Probleme hatten wir hier mit Futtersirup auf Weizenbasis noch nicht bzw. nur, wenn die Bienen noch nennenswert Tracht von außen dazugetragen haben. Bienenweber warnt z.B. ausdrücklich vor dem damit verbundenen Mischeffekt und der daraus folgenden Kristallisationsneigung - und zwar nicht nur bei Bienenfuttersirup auf Weizenbasis, sondern auch bei dem auf Zuckerrübenbasis. Mglw. hat das nicht nur mit den Zuckerarten, sondern auch mit Polleneintrag zu tun (Kristallisationskeime?).

    Aber vielleicht können die Wabenhonigpresser wie z.B. WFLP etwas zu dieser These sagen.


    Wichtig ist ohnehin, nur speziell als Bienenfuttersirup deklarierte Ware zu verfüttern, da es auf dem Markt wohl über 100 verschiedene Glukosesirupe gibt. Diese sind aber i.d.R. für andere Verwendungszwecke konzipiert (ggf. mit Fruktoseanteil unter 15% bzw. gar nicht invertiert oder mit zu hohen Maltoseanteilen) und z.T. viel preiswerter als Bienenfuttersirup (mit entsprechendem Analysezertifikat über die einzelnen Zuckerarten und HMF) einkaufbar. Säurebasierte Herstellungsverfahren sind für Bienenfuttersirup vermutlich ungeeignet wegen des dabei zwangsläufig entstehenden HMF. Welche Probleme es bei enzymatisch invertierten Sirupen für Bienen geben könnte, weiß ich nicht.

  • Glucose in Fructose invertierten?

    Ich dachte immer das wäre der Vorgang der Umwandlung von Saccharose in ihre beiden Einfachzucker.

    Da hast Du recht - der schreibende Finger war schneller als das Gehirn...


    Saccharose wird durch Invertase in Glukose und Fruktose gespalten :thumbup:


    Glukose wird durch ein anderes Enzym, der Isomerase in Fruktose umgewandelt, welche die gleiche Zusammensetzung wie Glukose hat, aber eine andere Anordnung der Einzelbestandteile des Zuckermoleküls besitzt. Das führt dazu, dass Fruktose eine deutlich erhöhte Löslichkeit in Wasser aufweist, im Kalten also nicht so schnell auskristallisiert und so den Bienen flüssig zur Verfügung steht.


    Gute, invertierte Futtersirupe bestehen je aus ca. 1/3 Saccharose, Glucose und Fruktose. Der Bien wandelt dies, so weit wie möglich, in Fruktose um - ein genialer Schachzug der Evolution - der die Basis zum Überleben des Biens im Winter darstellt.

  • Wir machen seit Jahren schon richtig große Weizenstärke Sirup Sammelbestellungen. Es wäre mir nicht bekannt, dass auch nur einem Imker jemals etwas kristallisiert wäre.

    Ein ab und an aufgetretenes Problem auf eine ganze Futterart abzuschieben, halte ich doch für fraglich. Es gibt wohl nichts, was nicht jemand ein bisschen billiger, mit entsprechenden Eigenschaften, nicht auch noch in den Markt in Verkehr bringen könnte und wird.

    Weizenstärke und Weizenstärke ist nicht automatisch das Gleiche.

    Man kann ohne Bienen leben, aber wie halt.

  • Wir machen seit Jahren schon richtig große Weizenstärke Sirup Sammelbestellungen. Es wäre mir nicht bekannt, dass auch nur einem Imker jemals etwas kristallisiert wäre.

    ...

    Weizenstärke und Weizenstärke ist nicht automatisch das Gleiche.

    Exakt das haben mir die Vereinskollegen auch erzählt und ich war bei der Sammelbestellung dabei. Mache ich nicht mehr - die Kollegen übrigens auch nicht. Es gab wohl mehrere mit dem Problem...


    Über Qualitätsunterschiede, insbesondere den Grad der Invertierung, der ja entscheidend ist, gibt's keine schriftliche Doku. Das QM im Imkereibereich ist generell unterentwickelt - anderes Thema.

  • Ich nehme wegen der bekannten Probleme mit Weizensirup seit 2 Jahren ein Fruktosesirup. Das kostet zwar einiges mehr aber meine Bienen danken es mir mit geringerem Futterverbrauch, besserer Überwinterung und schnellerer Frühjahrentwicklung. Und inzwischen schau ich auch ganz entspannt dem ganz späten Trachtflug in die vielen Greening Flächen oder dem Efeu zu. Nach einer TBE ist dann auch wieder genügend Pollen in den Völkern. Und Kristallisation vom Futter hat sich erledigt. Für den besseren Bautrieb ist dem von mir verwendeten Fruktosefutter noch ein richtiger Rohr-/Rüben-Zucker von 15% zugefügt. Damit wird optimal das Futter in Wabenbau umgesetzt. Der Tipp zu diesem Fruktosefutter kam aus Luxemburg von einer sehr großen und bekannten Berufsimkerei Jos und Annette Guth. Das Futter selbst kommt aus Frankreich und wird von Dehner aus Blaufelden-Billingsbach in Deutschland vertrieben.

    :u_idea_bulb02:


    Sollte dies jetzt Werbung sein, dann bitte an den hartmut dass er das entsprechend ändert. Dann näheres per PN.

    :wink:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Dass wenn einer ein Problem hat, die anderen in der Sammelbestellung das selbe Problem haben,

    ist doch logisch. Ich würde mal vermuten, dass ich weiß wo Ihr bestellt hattet.

    Wir haben seit Jahren den selben Hersteller (mit Zertifizierung), seit Jahren keine Probleme.

    Ich hab mal einen Kanister der Lieferung absichtlich schlecht gelagert. Mit Frost, Temperaturschwankungen und das ganze über drei Jahre/ Winter stehen lassen.

    Keine Spur von Kristall, einzig die Farbe war nicht mehr so klar.

    Wir hatten über einen Zeitraum von 7 Jahren, noch nie einen Ausfall an Völkern von mehr als 10%.

    Das lässt sicher nicht auf minderwertiges Winterfutter schließen.

    Ich will Dir nichts verkaufen, aber pauschal die Weizenstärke abstempeln geht nicht, finde ich.


    Grüße

    Peter

    Man kann ohne Bienen leben, aber wie halt.