Arbeitsmehraufwand

  • Hallo Forianer und erfahrene Imker.

    Ich imkere nun schon im 3. Jahr. Zur Zeit besitze ich 2 Völker und einen Ableger.

    Heute sagte mir ein alter Freund und Imker er möchte seine Imkerei verkleinern von 10 auf 4 Völker. Er bietet mir 6 Völker an.

    Ich bin begeisterter Imker und habe auch das Interesse mich zu vergrößern. Nach meinen derzeitigen Überlegungen kann ich überhaupt nicht abschätzen wie groß der Mehraufwand sein wird. Die finanzielle Seite möchte ich zurückstellen,da sie für mich nicht das größte Problem ist.

    Ich möchte von euch hören und lesen wie sich die zeitlichen Aufwendungen entwickeln können.

    Für eure Einschätzungen wäre ich dankbar um mir einen ersten Überblick zu verschaffen.

    Viele Grüße

    Jürgen

  • Ich möchte von euch hören und lesen wie sich die zeitlichen Aufwendungen entwickeln können.

    Mit steigender Erfahrung und Völkerzahl sinkt zwar die Bearbeitungszeit pro Volk anfangs drastisch, aber der Zeitaufwand drumherum wächst trotzdem exponentiell! Auch der Platzbedarf und das Verschmutzungspotential auf dem Grundstück steigt mit jedem weiteren Volk gefühlt mindestens im Quadrat...


    Dies ist eine ernst gemeinte Warnung.


    Es hat seinen Grund, dass die meisten Kleinimker Kleinimker bleiben und kaum über 5-10 Völker hinaus gehen.

    2 Völker sind ein Spiel, 10 zeitweilig schon echte Arbeit und 50...stell' dir das lieber nicht mehr vor :-)


    Hätte ich das vorher gewusst, ich wäre bei 3 Völkern geblieben ;-)

  • :u_idea_bulb02: Überraschung: Die Skala ist nach oben offen!


    Man kann natürlich 10 Völker an einem Stand insgesamt mit relativ weniger Aufwand versorgen als 4 Völker. Dummerweise kommt man dann auf Gedanken. ZB wie toll es doch wäre, einen zweiten Stand zu haben. Und was man jetzt mit dem Mehr an Völkern für interessante Experimente und Kunststückchen machen könnte. Und dann hat man plötzlich Ableger, nicht nur einen, sondern fünf. Oder zehn. Man muss mehr Dinge besorgen, unterbringen oder hin- und herfahren. Es passt nicht mehr alles auf einmal ins Auto. Vorgänge, die vorher unter "nebenher" liefen, benötigen nun tatsächlich spürbar Zeit.

    Für das allgemeine Handling und das Hobbyimkerseelchen finde ich 10 Völker angenehmer als vier, da man entspannter reagieren kann. Dann sind es eben zwischendurch auch nur mal sieben, davon geht die Welt nicht unter.

    Letztendlich alles eine Frage der Selbstdisziplin.

  • Das sind ja schon mal Antworten und Einschätzungen mit denen ich etwas anfangen kann. Das es mehr Arbeit wird als vorher ist mir klar. Wenn ich mich dazu entscheide ,dann ist es sehr wahrscheinlich das es 2 Stände werden. Die werden dann ca 4 km entfernt von einander sein. Das tolle ist, das ich einen Teil der Ausrüstung immer am jeweiligen Stand lassen kann.

    Aber klar etwas vergisst man immer.

    Ich wollte definitiv nicht über 10 Völker kommen. Eher so 7 bis 8 , dann sind 2 Beuten immer frei für Aktionen (Ableger) usw.

    Es soll auch ein Hobby bleiben.:)

  • Hallo Jürgen,

    also meine Rechnung wäre so: 2+6=8.

    Zu 8 WV kommen noch mindestens 4 Ableger und eventuell 1 Schwarm dazu. Ergibt 13 zum Einwintern. Wie war das gleich noch mal... Du wolltest maximal 10 ;)

    Viel Erfolg beim Vergrößern von Deinem Hobby!

    Wenn ich mal groß bin, will ich auch Imker werden...

  • Keine Panik, probier's aus. Wenn's Dir zuviel wird, verkaufst Du halt wieder welche.

    oder Du vereinigst im Herbst / Frühjahr ...

    oder der eine oder andere Ableger schafft es nicht (z.B. Kö-Verlust)...

    oder im nächsten Frühjahr stellst Du fest (hoffenrlich nicht), dass es einige Völker nicht über den Winter geschafft haben...

    oder Du kannst Freunden helfen, evtl. Verluste auszugleichen...

    Zwei Stände solltest Du bei 10 Völker schon haben. Voraussetzungen sind ja da - 4 km Entfernung sind voll ok.

    Versuch`s einfach. Interesse ist ja vorhanden. Und ein "bischen" mehr Honig gibt`s auch ;)

    Viel Erfolg

  • Wenn man das Hobby ernst nimmt und auch die entsprechende Zeit hat, ist es eigentliche egal, ob Du 2 oder 8 Völker hast. Die Anfahrt bleibt die gleiche, die Vorbereitung ist die gleiche. Verschiedene Sachen kannst Du optimieren, so dass alles in Grenzen bleibt. Nur der Zeitaufwand fürs Schleudern wird deutlich steigern

    und dieses Jahr bekomme ich meine 4 Völker an einem Nachmittag geschleudert.

    Für nächsten Jahr stocke ich auch gerne etwas auf. Wenn es in Stress ausartet, gibt es verschiedene Wege, auf ein entsprechendes Lavel zu reduzieren.


    Wichtig ist, dass weder du noch die Bienen Stress haben.

  • Danke für die Ermunterungen und die schönen Worte die mich bestärken dieses wunderschöne Hobby zu intensivieren.

    Auch ein Dankeschön an alle die auch zur Vorsicht mahnen. Das die Arbeit nicht weniger wird ist klar;).

    Aber es gibt nichts schöneres als gesunde Bienen zu bereuen und als Dankeschön den leckeren Honig zu ernten.

  • Ich sehe das auch so. Eigentlich wollte ich anfangs nur 2-3 Völker, habe aber festgestellt, dass es nicht so viel Mehrarbeit macht, wenn an ein paar Völker mehr versorgt, weil man die Vorbereitungen und das Aufräumen für jede Arbeit deswegen ja nicht öfter hat. Lediglich beim Mittelwände gießen und beim Honig verarbeiten hat die Arbeit deutlich zugenommen. Die Kontrollen sind nicht in gleichem Maß gestiegen. Dafür ist es jetzt entspannter, wenn mal ein Volk nicht so toll ist oder aufgelöst werden muss. Auch einen Königinnenableger bei aufkommendem Schwarmtrieb statt erst mal Zellen brechen versuchen und dann doch noch Schwarm spart einfach Arbeit.

    Mein Plan ist mit 5-6 Völkern zu arbeiten. Wenn es im Sommer dann mehr werden ist das ok. Zum Trachtende mache ich noch Kunstschwärme und wintere damit 10-15 Völker ein. Die machen dann kaum Arbeit außer füttern und die Frühjahrsdurchsicht. Zu Saisonbeginnn verkaufe ich, was mehr als 5-6 Völker gut aus dem Winter kommt.

    Dieses Jahr ist die Vermehrung etwas schneller gegangen als beabsichtigt, weil ich mehr Schwarmtrieb hatte als die letzen Jahre. So sind es jetzt schon mehrere Ableger, aber die machen auch weniger Arbeit als Wirtschaftsvölker und laufen nebenher.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Danke für die Ermunterungen und die schönen Worte die mich bestärken dieses wunderschöne Hobby zu intensivieren.

    Auch ein Dankeschön an alle die auch zur Vorsicht mahnen. Das die Arbeit nicht weniger wird ist klar;).

    Aber es gibt nichts schöneres als gesunde Bienen zu bereuen und als Dankeschön den leckeren Honig zu ernten.

    Ich stellte fest, dass mehr Völker die Arbeit bei den Bienen sogar drastisch vereinfachen kann! Man ist flexibler in den evtl. notwendigen Aktionen, macht mehr Stichproben statt Vollkontrollen etc.
    In der Imkerpresse wurde vor einigen Jahren mal der Wert von 12 h Arbeitszeit pro Volk und Jahr genannt. Wie jeder Durchschnittswert ist er richtig und falsch zugleich ;-) Ich finde ihn dennoch einen guten Anhaltspunkt um den Aufwand zu erheben.


    Gruß

    Reiner

  • Ich war am Sonntag Abend körperlich und mental kurzzeitig am Ende, und habe mich gefragt, was ich mir eigentlich antue.


    Letztes Jahr waren es noch 4 WV, dieses Jahr sind es 11 oder 12. Mittlerweile sind Ableger dazu gekommen, und ich bekomme nächste Woche 15 unbegattete Weiseln, die irgendwo rein müssen.

    Am WE musste geschleudert werden, der Umzug der Völker in die Linde steht an, ein paar mussten durch eine TBE weil Varroa, etc. pp.


    Wo der Profi nur drüber lächeln kann, weil er gut organisiert ist, hetze ich im Moment meinem eigenen Zeitplan und meinen eigenen Ambitionen hinterher - und da merke ich ganz deutlich die mangelnde Erfahrung und das zu schnelle Wachstum.


    Bei vielen Dingen kann man mit steigender Zahl von Völkern auch Synergieeffekte erreichen. Ich schaue 12 Völker genauso schnell durch wie am Anfang 4. Aber die Nebengelasse, wie Vermehrung, Varroa nicht nach Schema F sondern nach Bedarf, Völker irgendwo hinfahren, wo es Tracht gibt und so weiter und sofort - da habe ich den Aufwand deutlich unterschätzt.

    Und dann klappen Dinge oft nicht so wie geplant, und das wirft dann die ganze Planung über den Haufen und dann steigt auch der Zeitaufwand.


    Die Probleme sind natürlich hausgemacht, weil ich ja Dinge nie so halb machen kann, sondern das immer 110% sein müssen.


    Nachdem ich vergangenes Wochenende von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend irgendwie ständig etwas mit Bienen oder schleudern und putzen und schleppen und Auto-fahren zu tun hatte, fühlte ich mich nur noch elend. Das war eine schöne Lektion darin, wie man sich selbst und die eigenen Möglichkeiten falsch einschätzen kann.


    Und trotzdem: 48 Stunden später hat es schon wieder in den Fingern gejuckt, und ich habe gedacht "Scheiss drauf - das wird schon!" - wie so ein Heroin-Junkie.


    Langer Rede, kurzer Sinn: Wenn man seine eigenen Ressourcen vernünftig einschätzen und einteilen kann, dann geht das auch mit mehr Völkern. Ob 10 Völker für dich zu viel sind, wirst du selbst am besten wissen. Aber der Aufwand steigt nicht unbedingt linear, und wie er sich genau entwickelt, hängt von den eigenen Ansprüchen und den imkerlichen Zielen ab.

    Ich will unbedingt möglichst viele Aspekte der Imkerei ausprobieren, am liebsten alle auf einmal. Und da steigt der Aufwand exponentiell. Hätte ich einfach nur so weiter gemacht wie letztes Jahr (Durchsichten, Ableger bilden, Varroa im Juli, zwischendurch Honig), wäre ich am Sonntag Abend vermutlich nicht abgeklappt, und der Aufwand wäre in einer abflachenden Kurve gestiegen.


    So, reicht auch. Genug gejammert für heute ;-)

  • Moin,


    ich kann dich nur zu gut verstehen. Bin mittlerweile bei 7 WV, und morgen wird der SBA aufgelöst, und die Königinnen daraus verteilt. Danach sind es mit Ablegern 10 Völker, und wenn ich es wirklich wollen würde könnte ich bei 15 Völkern dieses Jahr aussteigen.


    Auch ich war letztes Wochenende beim Schleudern am Ende, was allerdings auch auf familiäre Belastung, Krankheit, und nicht zuletzt einen deutlich überdurchschnittlichen Honigertrag zurückzuführen ist. Meiner Frau musste ich versprechen, auch im nächsten Jahr nicht mehr als 7 Völker zu bewirtschaften. Daraus folgt, dass ich dieses oder nächstes Jahr Völker verkaufen muss.


    Und ja, wo es belastend wird ist es am Ende auch für die Bienen nicht gut, und mit Vollzeitarbeit, Familie, sowie ggf. noch anderen Interessen ziehe ich bei besagten 7 WV meine aktuelle Belastungsgrenze.


    Beste Grüße


    Peter