Honig mit 20% Wassergehalt - was nun?

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    Nach der Tracht könnte aber auch interessant werden falls die Wache nicht gut ist...


    Met machen lassen von kleineren Mengen geht beispielsweise bei alexanderhonig, wenn man nicht selbst machen kann oder will

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Während der Tracht kann man keinen Honig verfüttern. Gruß Ralph

    Klar kann man. Aber warum? Einen guten Bautrockner in den Schleuderraum stellen, selbigen gut heizen und nach zwei, drei Tagen ist die Welt wieder in Ordnung.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Eigene Erfahrung oder nur Vermutung?

    Eigene Erfahrung. Ich hab am Haus immer ein paar Völker mit Fütterer drauf, weil es mir deutlich leichter fällt, die Honigreste vom Abfüllen, in den Schläuchen, Pumpenkopf etc. zu verfüttern, statt sie in den Gulli zu kippen. Und Schaum etc. sammelt sich in einem Eimer, und wenn der voll ist, ist die Motivation alle, damit was gescheites zu tun - zack, heißes Wasser dazu und ab auf die Terrasse (in die Fütterer).


    Das Problem mit dem zu feuchten Honig ist auch nicht neu, und auch da gibt es bewährte Lösungen. Ich hätte gerne einen dieser legendären illegalen italienischen Honigtrockner, da aber grade andere Investitionen Vorrang haben, bleibt mir nur der legale Weg, den Schleuderraum warm und SEHR SEHR trocken zu halten und auf die Physik zu vertrauen. Klappt auch, ist natürlich nicht sehr elegant.


    Besser sind natürlich saustarke Völker und einigermaßen gute Witterung. Aber irgendwas ist immer ;)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Bis auf welche Humidität sollte man im Schleuderkeller runterkommen, damit der Wassergehalt des Honigs sinkt?

    Unter 50%. Der Lufttrockner den ich benutze kann auf 40% eingestellt werden, den schalte ich mindestens einen Tag vorm Schleudern ein. Im Raum ist es dann auch sehr behaglich warm, da fliesst der Honig gut durch das Sumpf-Sieb.

  • Wenn ich mich richtig erinnere, rät der DIB genau deshalb im Honigkurs auch davon ab, Honig im Keller zu schleudern, zu verarbeiten, oder zu lagern. Die meisten Keller sind einfach zu feucht.

  • Wenn ich mich richtig erinnere, rät der DIB genau deshalb im Honigkurs auch davon ab, Honig im Keller zu schleudern, zu verarbeiten, oder zu lagern. Die meisten Keller sind einfach zu feucht.

    Stimmt nicht!

    :lol:

    Nach Meinung des DIB sind die Keller eher zu trocken!

    :cool:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Die Feuchtigkeit im Keller kann man in den Griff bekommen.


    Bei offenem Honig z. B. mit einem Luftentfeuchter, bei Honig in Lagergebinden z. B. indem man dichte Gebinde verwendet (Edelstahl mit Silikondichtring) oder indem man z. B. Kunststoff- Honigeimer, die nie ganz dicht sind, in Plastiksäcke packt und diese dicht verschließt, damit der Luftraum mit dem Austausch stattfindet eingeschränkt wird und dadurch auch die Menge der Luftfeuchtigkeit mit der der Honig in Kontakt kommt durch den Plastiksack begrenzt wird..


    Viel problematischer bezüglich der längerfristigen Lagerung von Honig, sind Temperaturschwankungen der Lagergebinde. In jedem Gebinde ist zwischen Honigoberfläche und Deckel ein Luftraum. Wenn Temperaturschwankungen auftreten dehnt sich bei Erwärmung die Luft in diesem Luftraum aus und baut Druck auf. Dieser Druck entweicht durch die undichte Deckel/Eimer-Abdichtung. Wenn's dann wieder kälter wird, entsteht Unterdruck und es wird Außenluft in den Eimer gezogen. Man sagt, "Das System atmet". Wenn nun Außenluft in das Lagergebinde gezogen wird, wird diese durch den Honig, der ja hygroskopisch ist, entfeuchtet und die eingezogene Luftfeuchtigkeit sammelt sich im Honig. Besonders interessant sind dann die Vorgänge in eventuell vorhandenen Blasen an der Honigoberfläche. Die Blasen bestehen aus einer sehr dünnen Honigschicht mit einer großen Oberfläche. Wenn diese dünne Honigschicht der Blase Wasser aus der Luft aufnimmt, steigt der Wassergehalt des Honigs in der Blase infolge der vorhandenen großen Oberfläche und der kleinen Honigmenge der Blase sehr schnell an, die Hefen erwachen zum Leben und greifen auf den anderen Honig über.


    Der Keller hat meistens den Vorteil der konstanteren Temperatur, dafür den Nachteil der höheren Luftfeuchtigkeit. Gegen die Probleme der hohen Luftfeuchtigkeit kann man etwas tun, (dichte Gebinde/Plastiksack) gegen die Probleme der Temperaturschwankungen ist' schwieriger.


    Eine gewisse Verbesserung kann man auch erzielen, indem man die Honigoberfläche im Eimer mit Frischhaltefolie abdeckt und so den Luftraum in einem gewissen Umfang vom Honig trennt.


    Letztendlich führt kein Weg daran vorbei, Honig nur mit einem Wassergehalt unter 17 % einzulagern und dann wie oben beschrieben Maßnahmen zu ergreifen, dass dieser Wassergehalt durch geeignete Lagerbedingungen nicht ansteigt.


    Honig mit einem Wassergehalt unter 17 % zu ernten gelingt meistens, aber nicht immer. Den Honig dann schonend zu trocknen kann ich mit meiner Vorstellung von Qualität eher vereinbaren, als einen Honig mit 18% Wassergehalt nach DIB oder gar 20 % Wassergehalt nach der Honigverordnung zu verkaufen. Insbesondere ist dabei zu beachten, dass ich mit dem Verkauf von einem Glas Honig jegliche Kontrolle über Lagerbedingungen und Lagerdauer verloren habe. Wer schon mal gärenden Honig vom Kunden zurückbekommen hat und argumentieren musste, dass das nichts mit der Reinlichkeit bei der Honigernte zu tun hat, sieht manche Dinge ideologiefreier.

    Gruß Bernd http://www.hommel-blechtechnik.de

    "Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel."

    (Bertrand Russel, englischer Philosoph und Mathematiker 1872 - 1970, Nobelpreis für Literatur 1950)

  • Die Feuchtigkeit im Keller kann man in den Griff bekommen.

    Die Ausführungen zur Feuchtigkeit im Keller sind plausibel.

    Ich selbst rühre meinen Honig zeitnah nach dem Schleudern und fülle ihn dann in Neutralgläser mit Twistoff-Deckel ab. Diese lagere ich im Keller, dessen Temperatur zwischen etwa 12° und 19°C schwankt. Nennenswerte Probleme oder Kundenreklamationen hatte ich bisher noch nicht, allerdings gelegentlich die bekannten "feinkristallinen Ausblühungen" als optischen Mangel.


    Auch ich freue mich, wenn ich einen Wassergehalt unter 17 % erreiche und dann guten Gewissens 2 Jahre Mindesthaltbarkeit angeben kann. Bei Honig zwischen 17 % und 19 % WG gebe ich ein MHD zwischen 3 Monaten und 2 Jahren an. Ich achte darauf, dass keine honigfeuchten oder mit Pollen belegten ausgeschleuderten Waben (Hefen?!) über Winter eingelagert und wiederverwendet werden. Eine gute Richtschnur zum Thema MHD gibt eine Veröffentlichung des LAVES/Celle im Bienenjournal, nach meiner Erinnerung Ausgabe 3/2018.

    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • Eine Tabelle zum MHD je nach Wassergehalt gibt es im genannten Artikel nicht. Es wird nur die Gärungstendenz ins Verhältnis zur Anzahl der je nach Wassergeahlt erforderlichen Hefezellen gesetzt.

    Das hilft dem Praktiker aber wenig, weil er die Zahl der Hefezellen nicht bestimmen kann und nur die Gärung, nicht die Phasentrennung erfasst wird.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ich habe einmal in einem Hobbock die Luftfeuchte über einem Honig mit 16,5% Wasser gemessen, sie beträgt 48%.

    Bedeutet: Über dieser Feuchte zieht dieser Honig Wasser (ist hygroskopisch), unter dieser Feuchte trocknet er.

    Die zulässige Luftfeuchte kann man in etwa proportional zm Wassergehalt im Honig ansetzen. Bei 18% ergibt sich:

    18%/16,5%*48% = 52%.

    Gruß Ralph