Honig mit 20% Wassergehalt - was nun?

  • Hallo zusammen,


    jetzt hat es mich erwischt! Ich habe zu feuchten Honig geerntet.


    Draußen am Stand habe ich mit der Spritzprobe Stichproben gemacht und diese waren alle positiv. Deshalb Bienenfluchten drunter, am nächsten Tag abgeholt und sofort geschleudert. So hat das bisher immer gut funktioniert. Leider dann nach dem Schleudern der Schock - 20% Wassergehalt. :(

    Honig ist ohne Obstblüte, der wurde schon am 01.Mai geschleudert mit 17,5%; Raps gibt es bei mir nicht.


    Was würdet ihr tun?

    • Verfüttern, damit die Bienen ihn nochmal einlagern und trocknen (mit Verlust, gleichmäßig an alle Völker am Stand verteilt verfüttert)?
    • Met draus machen (habe ich noch nie und den Platz eigentlich aktuell auch nicht)?
    • Als Backhonig verkaufen (geringerer Preis - Kunden könnten unzufrieden werden)?

    Über Anregungen freue ich mich! :)


    Viele Grüße

  • Kommt auf die Mengen an. Bei kleiner Menge, würde ich ihn vermutlich als Zugabe den Stamm-Kunden mitgeben und auf die geringe Haltbarkeit und kühle Lagerung hinweisen oder zum wieder Füttern verwenden, wenn keine Räubereigefahr besteht.

    Im Bereich 50- 150kg würde ich wieder Met draus machen (lassen), weil der dann immerhin auch länger hält - also zumindest theoretisch, weil praktisch der Met bei uns nicht so alt wird.


    Ansonsten kann man ihn angeblich auch mit ein paar Tricks noch etwas trockener bekommen oder durch Mischen mit Trockenem Honig wenigstens auf 18% bekommen, wo man ihn dann langsam normal verkaufen kann. Ich würde meinen Honig aber nicht ("technisch") trocknen, weil das meiner Vorstellung von einem hochwertigen Naturprodukt widerspricht.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • habe ich mit der Spritzprobe Stichproben gemacht und diese waren alle positiv.

    Kleiner Seitenhieb, weil du IT'ler bist und es eigentlich besser weißt:


    Positive Spritzprobe bedeutet: Es spritzt! Also nicht schleudern.

    Ich vermute mal, du hast es anders herum gemeint... von daher wieder im Ernst:


    Das passiert jedem Imker mal.

    Als erstes: Nochmal gründlich messen und vorher Honig gut mischen, Refraktometer überprüfen, die sind fast alle falsch eingestellt. Temperatur Honig, Gerät und Raum müssen 20°C haben, vergiss die ganzen automatischen Temperaturkompensationsfunktionen. Die funktionieren entweder gar nicht, falsch, nur zufällig oder stark verzögert. Es tourt seit zwei Jahren ein Ingenieur durch Deutschland, der auch Imker ist und dieser Refraktometerproblematik mit großer Akribie auf den Grund gegangen ist und darüber aufklärt.


    Zweitens: Honig trocknen. Mit speziellen Geräten (effizient, teuer) oder herkömmlichen Mitteln (umständlich, ineffizient, billig), siehe Suchfunktion.


    Drittens: Honig mit trockeneren Chargen mischen.


    Viertens: Den Honig schnell mit kurzem MHD verkaufen, bei wirklich 20% allerdings allerhöchstens 3 Monate geben, am besten rückwirkend ab Anfang Mai ;-) !

  • Hallo Fischers-Biene,


    ich würde den Wasserhonig zurück füttern. Alles andere bleibt Stückwerk. 18% sind ja auch noch grenzwertig.

    Nichts ist schlimmer als der Honig gärt beim Kunden. Das ist Ultra peinlich.


    Der Fehler liegt meist darin, dass die Randwaben am Rand noch ein wenig spritzen. Das reicht, um einen 17 Prozenter zu verwässern. Hol mal mit einem trockenen Streichholz Nektar/Honig aus einzelnen Wabenzellen und messe das mit deinem Refraktometer. Du wirst staunen über die Bandbreite der Werte. Das geht von 15% bis 20%. Die Mischung durch die Bienen macht den Unterschied.

  • Noch eine Anregung für's nächste Mal: Statt Spritzprobe mit einem Streichholz in verschiedene Zellen gehen. Wenn der Honig nicht in einer dicken Schicht daran klebt, enthält er zuviel Wasser. Probier es mit verschiedenen Waben aus, dann bekommst du ein Gefühl dafür. Um Erfahrung zu sammeln, streiche den Honig auch auf ein Refraktometer, dann weißt du wie zäh er bei welchem Wassergehalt ist.

    Eine relativ billige Lösung zur Korrektur des Wassergehalts ist folgende:

    Spitzsiebheizung mit Schutzkegel im extrafeinen Spitzsieb, auf 50°C einstellen und einen Ventilator daneben stellen. Unter dem Spitzsieb positionierst du einen flachen Teller, der von dem Ventilator angeblasen wird. Von dem Teller aus läuft der Honig in den Kübel. Wichtig: Die Raumluft muss getrocknet werden. Mit diesem Aufwand schaffst du pro Durchgang eine Absenkung des Wassergehalts um ca. 1%, also z.B. von 20% auf 19%, bei 2 Durchgängen auf 18%.

    Gruß Ralph

  • Auch ich habe dieses Jahr noch sehr feuchten Honig. Die Kälte und das feuchte Wetter machen es schwer. Gleichzeitig nimmt das Gewicht der Honigräume eher ab weil offenbar weniger reinkommt als verbraucht wird. Letztes Wochenende ein paar Messungen gemacht (frisch kalibriert) fast alles über 19%. Nun möchte ich vor der Lindenblüte schleudern, bin aber unsicher wie lange ich warten kann. Hat jemand Erfahrung wann im bergischen Land mit der Linde zu rechnen ist? Und wie schnell kann das trocknen gehen wenn die Bedingungen stimmen? Reicht 1 Woche um von z.B. 20% auf 17% zu kommen? Macht es Sinn bei sonnigem Wetter die Deckel eine spalt zu öffnen um die warme feute Luft besser aus der Beute zu bekommen? Ich könnte mir vorstellen, dass die bessere Zirkulation und die Erwärmung des Beuteninnenraums zu eine Entfeuchtung des Beutenklimas führen und damit aucch der Honig besser/ schneller trocken wird. Hat jemand hier Erfahrungen damit (positive oder negative)

    Gruß

    Markus

  • Hallo zusammen!


    Vielen Dank für Eure Anregungen! Meine Eltern haben einen Melitherm, deshalb werde ich dort versuchen den Wassergehalt etwas zu reduzieren und dann mit dem frisch kalibrierten Refraktometer karlnapf nochmal messen. Aber bis auf 18% reduzieren werde ich ihn nicht. Da sagt mir eher die Zugabe bei den Stammkunden zu.


    hornet natürlich negative Spritzprobe! 8o


    Amape Met machen lassen? Sowas gibt´s? :/ Gleich mal für die Zukunft recherchieren, wer das in München anbietet.


    Kleingartendrohn Danke für den Streichholztipp! Den kannte ich noch nicht. Nur würde das trockene Holz des Streichholzes nicht das Ergebnis verfälschen, da es ja sofort Wasser zieht und folglicherweise auf dem Refraktometer weniger Wasser ankommt?


    Viele Grüße

  • Hat jemand Erfahrung wann im bergischen Land mit der Linde zu rechnen ist?

    Moin,


    die Linde kündigt sich freundlicherweise lange vor der Blüte an. Such dir eine Sommerlinde (Vorder-und Rückseite der Blätter haben diesselbe Farbe), schau dir den Blütenstamm mit seinen Blättern und den Knospen(ansätzen) an. Sind die Knospen so groß wie ein Rundkornreiskorn sind es nur noch wenige Tage zur Blüte.


    Und wie schnell kann das trocknen gehen wenn die Bedingungen stimmen? Reicht 1 Woche um von z.B. 20% auf 17% zu kommen? Macht es Sinn bei sonnigem Wetter die Deckel eine spalt zu öffnen um die warme feute Luft besser aus der Beute zu bekommen?

    Lass die Bienen machen, die wissen und können es am besten, es dauert so lange wie es dauert. Den Deckel zu öffnen ist eine ganz schlechte Idee, die Bienen gestalten sich das Beutenklima so wie sie es brauchen. Gut gemeint ist hier das Gegenteil von gut gemacht.


    Ich vermute, dass bis zur Lindenblüte in allen Ecken Deutschlands noch einige Tage vergehen, so dass der Honig bei dir auch noch weiter getrocknet wird. Bitte nicht zuviel Panik vor feuchtem Honig, der Messzeitpunkt kann das Ergebnis auch beeinflussen.


    Beste Grüße


    Peter

  • Amape Met machen lassen? Sowas gibt´s? :/ Gleich mal für die Zukunft recherchieren, wer das in München anbietet.

    Moin,


    mach den selber ! :)


    Hier im Forum gibt es gute Anleitungen, ergänzend empfehle ich "Met - Honigweinzubereitung" von Karl Stückler.


    Das Equipment für das Herstellen von Chargen mit 14-15 Litern kostet ca. 80€. Stammkunden lernen den Met schnell schätzen, außerdem nutze ich gerne die erste Ernte im Jahr, um letzte Gläser vom Vorjahreshonig für einen schönen gemischten Met anzusetzen.


    Außerdem ist es auch ganz nett, hin und wieder selbst mal ein Glässchen selbstgebrauten Honigwein zu genießen.


    Beste Grüße


    Peter

  • Verfüttere den Honig!

    Stell dir mal vor, bei einem deinem Kunden wird der Honig nach verhältnismäßiger Zeit ( 3 - 6 Monate) gärig!? Das ist peinlich...

    Da würde ich lieber auf die Einnahmen verzichten, und qualitativ hochwertigen Honig liefern...


    Und zukünftig vielleicht aus 3 - 5 Waben eine Sammelprobe (Honig aus allen Waben zusammenmischen) nehmen und VOR der Ernte mit dem Refraktometer messen...

    Freier Imker

    Ohne DIB oder Verein

    Nicht vorbelastet

    Offen für alle Anregungen

  • Verfüttere den Honig!

    Stell dir mal vor, bei einem deinem Kunden wird der Honig nach verhältnismäßiger Zeit ( 3 - 6 Monate) gärig!? Das ist peinlich...

    Da würde ich lieber auf die Einnahmen verzichten, und qualitativ hochwertigen Honig liefern...


    Und zukünftig vielleicht aus 3 - 5 Waben eine Sammelprobe (Honig aus allen Waben zusammenmischen) nehmen und VOR der Ernte mit dem Refraktometer messen...

    Während der Tracht kann man keinen Honig verfüttern. Gruß Ralph

  • Habe ich geschrieben dass er es während der Tracht machen soll!? :-)

    Freier Imker

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