Die leidige Geduld ...

  • Eines meiner Völker war geschwärmt und hatte in der darauffolgenden Wochen bereits wieder Schwarmzellen, so dass klar war, dass die nochmal abgehen werden. Da das Volk immer noch unglaublich stark war, war es mir absolut unmöglich, die junge Königin zu finden. Ich habe trotzdem einen Ableger gemacht und wusste, dass es passieren kann, dass ich da die Königin mit reinpacke - genau so ist es auch gekommen. Den Ableger hatte ich, samt Königin, verschenkt. Das Volk hat sich nochmal eine neue Königin gemacht (ich hatte vorsichtshalber eine Weiselzelle stehen gelassen) - davon gehe ich jedenfalls aus, da alle Bienen total entspannt sind. Dadurch, dass die Jungkönigin noch nicht gelegt hatte als sie in den Ablegerkasten geraten ist und die neue natürlich auch noch lange nicht so weit ist, ist jetzt außer ein paar kleinen Flecken verdeckelter Restbrut echt so GAR nichts mehr im Brutraum ... aber die Mädels haben viel Platz gemacht und tragen Honig fast nur im Honigraum ein - gehen also offensichtlich davon aus, dass im Brutraum bald was kommt.

    Diese Situation ist für mich neu und obwohl ich mit einem einzigen Blick in den Kalender SEHE, dass da noch keine neue Brut drin sein kann und ich weiß, dass die Bienen nicht ansatzweise so ruhig wären, wenn keine Königin da wäre (gefunden hab ich sie noch nicht), macht mich dieser Zustand trotzdem nervös und ungeduldig.

    Bienen sind fantastische Lehrer beim Thema Geduld ...

    Sozusagen die Zen-Meister unter den Insekten 8o

  • Kenne ich nur zu gut! Man meint ja, imkern sei so unheimlich entspannend, aber seit ich imkere, plagen mich schlaflose Nächte und Alpträume! Vor allem in der Zeit bis zur Begattung einer Königin kommen teilweise noch Herzrasen und innere Unruhe dazu. Und das wird nicht von Jahr zu Jahr besser, sondern eher noch schlimmer. Also irgendwann werde ich tatsächlich die Ruhe in Person oder dann ein nervliches Wrack sein … ;)

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Ich weiß ;) - ich hab derzeit drei, aber davon ist einer ein frischer Schwarm dem die Königin abhanden gekommen war, die jetzt gerade erst "gebastelt" wird und ein weiteres Wirtschaftsvolk, bei dem die neue Königin aber auch noch nicht so weit ist. Saublöde Situation - die ich mit 40 Völkern natürlich nicht hätte ;)

  • Herje umgedrohnt, puh.

    Da war ja noch was neben dem Gesumme.


    rase, das meine ich doch nur in unserer Kleinimkerszene mit 1-20 Völkern, aber ja das mag dann auch von der Person abhängig sein.


    Wenn ich mir die von Rall0r und swissmix gezeichneten Szenen anschaue, sind die für mich auch teilweise ähnlich. Oft macht man sich den Stress auch selbst, weil man akkurat abliefern will, aber die Natur und das Leben oft auch seine eigene Wege gehen.

    Manchmal unterstützen oder schubsen sie, manchmal bremsen sie und manchmal hauen sie einem die Beine weg.

    Aber ich werde gerade philosophisch und ende mal mit den Lebensweisheiten.


    Stehen wir auf, spucken in die Hände ............ berechnen unseren "Kübelindex" und denken darüber nach, was wir demnächst tun oder lassen werden.


    Liebe Grüße Bernd

  • Man könnte – nur zum Spass, versteht sich – noch den Begriff des Grenznutzens einwerfen. ;)


    Ich bin grundsätzlich ganz bei Bernd und sehe das ja selbst bei mir: Zuerst hatte ich ein Volk. Nach einem Jahr wusste ich, weshalb man davon abrät. Ständig zitterte ich um mein einziges Völkchen. Dann waren es vier, da wurde ich schon etwas ruhiger, musste mir dafür aber nun plötzlich Gedanken zu Konzepten machen: Varroa, Verjüngung, Wabenerneuerung, Material-Management … Jetzt sind es zehn plus zwei, die ich noch bei einem Imkerkollegen mit betreue. Da fehlt mir bereits die Zeit zum «Bibääporlä» der einzelnen Völker. Aber nach einem Frühjahr wie diesem, in dem praktisch alles schief ging, was schief gehen kann, sitze ich ständig wie auf Nadeln, weil irgendwie praktisch alle Völker nicht da stehen, wo sie stehen sollten – wie kriege ich das alles in den Griff?!


    Eigentlich würde ich gerne mehr agieren als reagieren, aber das klappt so nicht. Kommt vielleicht noch … ? Ich denke, wenn sich alles mal etwas eingelaufen hat, läuft es runder. So zehn Völker dürfte eine schöne Ausgangsbasis für den kleinen Hobbyimker sein. Aber wesentlich mehr? Da kommt mich das nackte Grauen an … !

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • swissmix I feel you, bro'


    Ich habe gestern Begattungseinheiten beweiselt. Alleine die drei Tage Kellerhaft sind eine Geduldsprobe, oder erst die Wartezeit, bis man nachsehen kann, ob die Königinnen auch begattet worden sind!


    Der Stress wird dann signifikant steigen, wenn tatsächlich ein Großteil erfolgreich begattet wird ("Shit, wohin jetzt mit allen?"), als auch wenn gefühlt zu wenige begattet werden ("Was habe ich nur falsch gemacht, ich Loser?").


    Ich versuche das ja auch, das mit der Gelassenheit zu lernen, aber zumindest diesbezüglich bin ich ein sehr schlechter Lerner.

    Aber dann liege ich im Bett und rechne nach, was ich da eigentlich so treibe, und dann fällt mir auf, dass es im schlimmsten (besten) Fall alleine 18 Ableger sind, die ich da gerade baue. Plus WV.


    Gottseidank rechnet das sonst keiner so genau nach...


    Jedenfall: Blutdruck ist nicht zu niedrig :-)


    (sorry, wenn das OT ist)

  • Du wirst sehen, das stabilisiert sich von selbst. Das was Du beobachtest wirst Du immer besser umsetzen können. Trotzdem wird jedes Jahr anders sein und etwas hinterherhinken bleibt. Ausserdem ist es besser 10 ordentliche Völker zu haben, als 20 gepfuschte.

  • Für mich ist nicht die Völkerzahl allein das limitierende Moment sondern die zu erntende, lagernde und zu vermarktende Honigmenge. Da bin ich in diesem Jahr mit 3 WV trotz neuem Schleuderraum (8 qm) schon ausgelastet. Durch meine Miniplusimkerei habe ich auch noch viel mehr Ableger als ich benötige. VG