Milchsäure Behandlung mit Honigräumen drauf

  • Es besteht ein wesenhafter Unterschied zwischen a) jeder TAM-Behandlung und b) den Brutentnahmeverfahren:

    a) TAM -> Bestenauslese der Milben zur Weiterzucht (nur TAM-überlebende Milben können sich weiter vermehren) bzw.

    b) Brutentnahmeverfahren -> Schlechtestenauslese: Es überleben nur die Milben, die zu träge, ungeschickt oder langsam waren, sich rechtzeitig in die Brutzellen zu flüchten.

    Was heißt den TAM?


    Zu b): Eine "schlechtesten Auslese" mag ich zu bezweifeln. Woher will denn die Milbe wissen das gleich Brutentnahme stattfindet und vor was wollen sie sich denn rechtzeitig in die Brutzellen flüchten?


    Es überleben einfach nur zufällig die, die kurz vorher "geschlüpft" sind und/oder sich auf irgendeiner Bienen aufhalten und daher nicht in der Brut sind. Ich denke das hat nichts mit Auslese zu tun, da hier kein Selektionsdruck vorliegt.

  • Hallo p.andi ,


    TAM ist die Forumsabkürzung für Tier-Arznei-Mittel.


    Und ein evtl. vorhandener Unterschied im Verhaltensmuster wirkt sich schon aus. Jede Milbe, die z.B. aufgrund eines kürzeren Reifungsfrasses sich länger/häufiger in der Brut befindet, um sich dort zu vermehren, stellt eine Milbe dar, die in Hinsicht auf maximale Vermehrung zu den Besten gehört.


    Je spezifischer jetzt unsere Behandlung/ unser Eingriff gegen Milben in der Brut wirkt, umso höher ist der Selektionsdruck - gegen solche Dauer-/Oftvermehrer. Jedes TAM wirkt schlechter (bis gar nicht) gegen Milben in der Brut - d.h. es wirkt bevorzugt gegen Milben, die nicht so oft in der Brut sind (schlechte Vermehrer sind benachteiligt).


    ein Brutentnahme wirkt nur gegen Milben in der Brut. Dauer-/Oftbrüter werden bevorzugt eliminiert. (gute Vermehrer sind benachteiligt.)


    Der Behandlungszeitpunkt ist zufällig, Milben mit relativ hoher Aufenthaltszeit in der Brut, werden sich statistisch gesehen, aber häufiger zu diesem Zeitpunkt in der Brut befinden, als solche mit langer phoretischer Phase.


    Es stellt sich allerdings die Frage, ob es diese Bandbreite an Verhaltensweisen, angesichts der extrem hohen genetischen Ähnlichkeit (nahezu wie Klone) unter den Varroen überhaupt gibt. Ich bezweifele, dass die Milben einer züchterischen Selektion, mangels Unterschieden zwischen den Milben, überhaupt zugänglich ist. Züchten kannst du nur, wenn es ausreichende genetische Unterschiede zwischen Individuen gibt. Die gibt es aber bei den Varroen praktisch nicht.


    Gruß
    Ludger

  • p.andi : TAM = TierArzneiMittel


    Die These von der Besten-/Schlechtestenauslese hat Kleingartendrohn als prinzipiellen Unterschied der Behandlungsmethoden hier dargestellt (PDF in #1):

    TBE mit weiselrichtigem Brutsammler


    Seit Übersprung auf die Europ. Honigbiene wird gegen Varroa mit TAM behandelt - flächendeckend. Diese Behandlungen überleben nun mal nur die Besten und nur die konnten sich vermehren. Bei den Überlebensstrategien spielen nicht nur Resistenzen eine Rolle. Es gibt offenbar auch ein Ausleseergebnis, daß die Varroen überleben, die schnell genug und frühzeitig in den Futtersaftsee offener Brutzellen abtauchen und in diesem Futtersaft und durch die darüber liegende Bienenlarve vor der unmittelbaren Einwirkung von TAM geschützt sind. Die Imkerschaft selbst übt demnach diesen Selektionsdruck aus.

    Bei Brutentnahmeverfahren dagegen werden - v.a. durch die FangW-Entnahme - gerade die Milben aus den Völkern entfernt und von der Vermehrung ausgeschlossen, die sich schnell in offene Brutzellen geflüchtet hatten. Es bleiben nur die Milben zurück, die das eben nicht geschafft haben. Das ist und bleibt Selektionsdruck, ganz egal, ob die Milben davon "wußten" oder nicht - wiederum ausgeübt durch den jeweiligen Imker.


    p.s.: Ich hatte zufällig in einem BauRä Drohnenlarven entdeckt, die erst 3 Tage nach Schlupf aus dem Ei alt waren, deren Zelle aber bereits von einer Altmilbe besiedelt war. Insofern habe ich Zweifel an dem oft wiederholten Satz, Milben würden erst kurz vor der Verdeckelung in die Brutzellen absteigen.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von ribes () aus folgendem Grund: p.s.

  • Züchten kannst du nur, wenn es ausreichende genetische Unterschiede zwischen Individuen gibt. Die gibt es aber bei den Varroen praktisch nich

    Da wäre ich doch vorsichtig. Es gibt sowas wie crossing over und Doppelparasitierung!

    Da stelle ich mir schon was vor. Fakt ist, die Vampire halten mehr und mehr aus, DAS sehe ich!

    Resistenzen gegen TAM sind zb. von Randi Oliver bestätigt, und die können nur duch Auslese entstehen....

    Nich in Sicherheit wähnen, nur verbesserung der Biene also Zucht wird langfristig Erfolg haben!

    DAS sehe ich auch.

    Wenn nur nicht diese vermaledeiten Viren wären.:cursing:

    12er DD, und Buckies, gaanz sicher!

    Der Pessimist sieht die Schwierigkeit in jeder Möglichkeit!

    Der Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit!

    W. Churchill

  • Hallo wasgau immen ,


    Beim Schluss den du ziehst, bin ich bei dir. Auch ich sehe die züchterische Verbesserung der Biene in Hinsicht Varroaresistenz, als den vielversprechendsten Weg aus der "Behandlungsmisere".


    Aus Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffe (siehe Randy Oliver) hingegen darauf zu schließen, dass diese unbedingt über Selektion erfolgt, halte ich nicht für sicher. Es gibt durchaus Resistenzmechanismen, die insbesondere bei langandauernder, niedrigschwelliger Kontaminierung von Giftstoffen auftreten, die sogar ohne Generationswechsel zum Tragen kommen. Die meisten Imker beobachten solche Gewöhnungseffekte am eigenen Körper. Sie entwickeln eine "Resistenz" gegen Bienengift. Solch eine Resistenz durch kontinuierliche Aufnahme, nichtlethaler Dosen, über einen längeren Zeitraum nennt man ?Mithridatisation. Gerade bei systemischen Wirkstoffen, die im Wachs eingelagert werden, ist eine solche kontinuierliche Aufnahme, niederschwelliger Dosen durchaus auch bei der Milbe gegeben.


    Was die Mehrfachparasitierung angeht. Du hast natürlich Recht, dass es in diesem Falle zu einer klassischen Paarung kommt. Allerdings sind alle Milben untereinander genetisch extrem ähnlich. Die Anpaarung genetisch ähnlicher Individuen wird in der Zucht zur Stabilisierung eingesetzt...


    ich drücke dir die Daumen, für den diesjährigen VSB Durchgang!
    Ludger