Honigraum und Frühtracht. Wie ist der Ablauf?

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    Hallo,

    da es ja dieses Jahr die erste Honigernte wird, bin ich noch am Überlegen, wie der genau Ablauf ist.

    Da noch keine fertigen ausgebauten Honigraumrähmchen da waren, müsste alles noch gebaut werden.

    Bis jetzt sind nur ganz kleine Flächen verdeckelt. Die Rapsfelder sind in der letzten Blüte, also wird die große Tracht demnächst vorbei sein.

    Ist es so, dass der Honig dann relativ schnell weniger Wassergahlt hat? Bis jetzt liegt er noch bei über 20% laut Refraktometer.

    Laut Aussage beim Imkerkurs kristallisiert der Rapshonig schnell in den Waben aus?!

    Kann man auch Rähmchen schleudern, die nur halb ausgebaut sind? Oder lässt man die dann drin, so dass sie mit anderem Honig gefüllt werden?

    Oder ist dann immer noch das Problem, dass der kleinere Teil Rapshonig auskristallisiert, wenn er weniger Wassergehalt hat?

    Wenn jetzt ein Honigraum fast komplett gefüllt ist, sollte man vermutlich keinen neuen mehr aufsetzen oder? Sonst wird es nur zu weit verteilt oder?

    Ich hoffe, ich konnte mein Problem verständlich erklären. Ist eben die erste Ernte.

    Vielleicht kann ja jemand mal seinen Ablauf für die Frühtrachternte schreiben?

    Geimkert wird mit Dadant Halbzagen für Honig.

    Danke und Gruß

    Thorsten

  • Hallo,


    den Wassergehalt stellst du mit einem Refraktometer fest. Wenn der Wassergehalt unter 20% ist, kannst du schleudern. Beim Messen nicht nur in der Mitte, sondern auch am Rand messen!

    Die Verdeckelung ist egal, solange der Wassergehalt stimmt.

    Wenn ein Honigraum voll wird, dann kann problemlos ein neuer aufgesetzt werden. Die Mädel fangen den neuen Honigraum erst an, wenn sie den Platz brauchen.

    Bitte denke beim Honig ernten daran, dass du genug Futter in den Beuten lässt. Wenn du das Schied eng führst, sind möglicherweise zu geringe Futterreserven im Brutraum. Ich persönlich verfahre nach der Devise: Der erste Honigraum über der Brutzarge gehört den Bienen. Erst ganz zum Ende der Saison nehme ich dann auch diesen Honigraum weg und füttere ein.


    Also alles keine Raketenwissenschaft. Achte auf den Wassergehalt und das Futter, dann klappt das schon.


    Viele Erfolg!


    Tom

    Auch eine eierlegende Wollmilchsau gibt keinen Honig.

  • Honig mit einem Wassergehalt um 20% hält höchstens 1/4-Jahr. Lass den Honig drin, er sollte mit dem Wassergehalt unter 18%, besser unter 17% liegen. Man kann den Rapshonig ruhig eine Woche im Volk lassen, solange der gewärmt wird, kristallisiert der nicht so schnell.

    Gruß Ralph

  • Da hab ich mich vielleicht falsch ausgedrückt. Ernten wollte ich jetzt sowie so noch nicht. Deswegen hatte ich ja auch gemessen.

    Aber wie geht man vor, wenn noch nicht alles verdeckelt ist und nicht unter 17%? Also zum Beispiel der zweite Honigraum nur halb ausgebaut und gefüllt.

    Kann man dann den Rapshonig( eventuell, Sorte weiß ich ja nicht) drin lassen und er wird mit anderer Tracht aufgefüllt und dann bei der 2. Ernte geschleudert?

  • Devise: Der erste Honigraum über der Brutzarge gehört den Bienen. Erst ganz zum Ende der Saison nehme ich dann auch diesen Honigraum weg und füttere ein.

    Aber wenn das dann Rapshonig ist, kann ich den doch nicht mehr am Ende schleudern oder?

    Oder setzt du die Honigräume unter die gefüllten, so dass unten immer ein neuer ist?

  • Honig mit einem Wassergehalt um 20% hält höchstens 1/4-Jahr. Lass den Honig drin, er sollte mit dem Wassergehalt unter 18%, besser unter 17% liegen. Man kann den Rapshonig ruhig eine Woche im Volk lassen, solange der gewärmt wird, kristallisiert der nicht so schnell.

    Gruß Ralph

    Der Wassergehalt ist wohl der wichtigste, aber nicht der einzige Faktor, der die Haltbarkeit von Honig beeinflusst. Positiv im Sinne einer längeren Haltbarkeit wirken sich aus:

    - eine niedrige Lagerungstemperatur. Pauschal empfohlen wird wohl <15°C. Ich selbst habe gute Erfahrungen mit der Lagerung im Keller mit Temperaturen zwischen etwa 12° und 19°C

    - Sorgfältiges Rühren, um Entmischung vorzubeugen

    - Minimierung von Hefepilzsporen bei der Abfüllung, u.a. indem ausgeschleuderte Waben nicht honigfeucht eingelagert und im nächsten Jahr wiederverwendet, sondern im Spätsommer/Herbst den Bienen zum "Ausschlecken" angeboten werden (Infos dazu irgendwo hier im Forum).


    Ich weise nicht wie wohl viele Imker bei jedem Honig eine Mindesthaltbarkeit von 2 Jahren aus, sondern deklariere diese in Abhängigkeit vom Wassergehalt. Bei Einhaltung der o.a. Bedingungen hatte ich bisher bei 19% WG und 0,5 Jahren Mindesthaltbarkeit kein Problem.

    Einen guten Beitrag zu diesem Thema gab es im Deutschen Bienenjournal, nach meiner Erinnerung 3/2018.

    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • ... Ich persönlich verfahre nach der Devise: Der erste Honigraum über der Brutzarge gehört den Bienen. Erst ganz zum Ende der Saison nehme ich dann auch diesen Honigraum weg und füttere ein ...


    Tom

    Hallo Tom, auch ich pflege bei meinen geschiedeten Dadant-Völkern, die in der Trachtzeit teilweise im Brutraum keinerlei Futterkranz-Honig eingelagert haben, die HR nicht komplett auszuschleudern, sondern teilgefüllte Waben und solche mit höherem WG den Bienen als Reserve für Trachtpausen oder Schlechtwetterzeiten zu lassen bzw. beim Schleudern auszusortieren und zurückzugeben. Andererseits habe ich auch schon in Honigräumen Rand- und Mittelwaben getauscht, damit die HR gleichmäßiger gefüllt werden.

    Verstehst Du den "ersten Honigraum über der Brutzarge" primär als zu belassende Honigmenge oder misst Du der Anordnung der Waben z.B. hinsichtlich virtuellem Brutnest dabei besondere Bedeutung bei?

    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • DerBergische

    Hier muss der Begriff "Haltbarkeit" näher definiert werden. Damit kann gemeinte sein "Entmischung" oder "Übergang in Gärung". Der kristallisierte Honig mit hohem Wassergehalt entmischt leicht und geht einige Zeit später in Gärung über. Flüssiger Honig mit hohem Wassergehalt ist nicht so empfindlich.

    Wenn ich schreibe "Haltbarkeit bei 20% höchstens 1/4 Jahr", dann meine ich kristallisierten Honig mit beginnender Entmischung. So ein Honig ist prinzipiell verkehrsfähig aber keine Werbung für den Imker.

    Gruß Ralph

  • Ich rühre meinen Honig, oft nach Animpfen mit kremigem Honig, zeitnah nach dem Schleudern in etwa nach den Empfehlungen von diehonigmacher.de mit dem AufUndAb und fülle ihn ohne längere Lagerung im Eimer und Auftauen ab. Bei dieser Vorgehensweise hatte ich bisher keine Probleme bzgl. Entmischung.

    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • Aus diesem Grunde gebe ich meinem Honig prinzipiell nur sechs bis zwölf Monate MHD, je nach Sorte. Für Wassergehalt etc. bin ich natürlich verantwortlich, ich kann aber kaum die Lagerung beim Kunden beeinflussen. Wenn er in der Küche auf dem Fensterbrett gelagert wird, wird er auf Dauer sicher nicht besser. Hat der Kunde wenig Ahnung von Honig sieht er nur, dass dieser sich innerhalb des MHD negativ verändert. Über die Schuldfrage zu diskutieren ist dann auch müßig. Daher nur eine kurze Haltbarkeit bei mir, denn es ist mir im Zweifel lieber dass der Honig sich erst nach Ablauf entmischt als während der Laufzeit. Zudem gehe ich davon aus, dass der Honig auch recht zeitnah nach dem Kauf in den Verbrauch geht und nicht erst ein Jahr gelagert wird. Wer größere Mengen auf Vorrat kauft kennt sich in der Regel auch aus und weiß wie zu lagern ist und dass das MHD keine Wegwerf-Kriterium ist.

  • Devise: Der erste Honigraum über der Brutzarge gehört den Bienen. Erst ganz zum Ende der Saison nehme ich dann auch diesen Honigraum weg und füttere ein.

    Aber wenn das dann Rapshonig ist, kann ich den doch nicht mehr am Ende schleudern oder?

    Oder setzt du die Honigräume unter die gefüllten, so dass unten immer ein neuer ist?

    Ich setze keine Honigräume unter, immer nur oben auf.

    Reiner Rapshonig kann in der Zelle kristallisieren. Das sehe ich sehr entspannt, weil die Mädel in den Trachtpausen den Honig aus dem ersten HR zum großen Teil wieder rausholen und verwerten. Wenn wirklich mal was kristallisiert und nicht mehr aus der Wabe will, dann wird es mit eingeschmolzen. Bisher waren das minimale Mengen.

    Auch eine eierlegende Wollmilchsau gibt keinen Honig.

  • ... Ich persönlich verfahre nach der Devise: Der erste Honigraum über der Brutzarge gehört den Bienen. Erst ganz zum Ende der Saison nehme ich dann auch diesen Honigraum weg und füttere ein ...


    Tom


    Verstehst Du den "ersten Honigraum über der Brutzarge" primär als zu belassende Honigmenge oder misst Du der Anordnung der Waben z.B. hinsichtlich virtuellem Brutnest dabei besondere Bedeutung bei?

    Karl

    Den HR als virtuelles Brutnest halte ich für sehr wichtig. Mein Eindruck ist, dass sich ein relativ eng geführtes Volk mit virtuellem Brutraum besser entwickelt und weniger Schwarmlust hat.

    Auch eine eierlegende Wollmilchsau gibt keinen Honig.

  • Ehrlich gesagt finde ich diese Scheinbrutnester im 1. HR ziemlich nervig. Die Zellen sind leer oder voll mit Pollen und ich habe eine Menge Material in Form von Zargen am Stand, die ich eigenlich nicht brauche. Die Waben sind größtenteils braun oder eben voll mit Pollen, so dass ich sie am Ende der Saison ausschmelzen muss. Ich überlege schon, ob ich das Absperrgitter nicht einfach über den 1. HR setze. Dann sollen sie halt brüten...???