Varroabehandlung während der Tracht / Milbenzahl im Mai

  • Hallo, ich habe bei meinen beiden im April gekauften Völkern auf Dadant für drei Tage die Windel untergeschoben und bin auf eine Milbenzahl von 16/Tag bzw. 50/Tag gekommen. In beiden Völkern ist der Brutraum sehr stark besetzt und "quillt" fast über vor Bienen. Dennoch erscheint mir die Milbenzahl sehr hoch. Der Verkäufer sagte er habe mit Ameisensäure im Sommer und Oxalsäure im Winter behandelt. Ich habe keine Zahlen gefunden, wie viele Milben derzeit in einem Volk täglich fallen dürfte bzw. wo die Schadschwelle ist. Könnt ihr mir da weiterhelfen? Da ich die Völker gerne für die Tracht nutzen möchte, würde ich das Verfahren der TBE als derzeitige Maßnahme wählen - genügt das um die Milbenzahl in den Brutspendern ausreichend zu reduzieren? Da beide Völker sehr stechlustig sind und ich bei jedem noch so vorsichtigen Öffnen der Kiste immer gleich 4-5 Bienen im Gesicht hatte, habe ich zwei begattete Königinnen bestellt, die Ende Mai kommen sollen. Gibt es eine Möglichkeit die Verfahren (neue Königin einweiseln und Varroareduzierung) zu kombinieren? Schon mal vielen Dank für eure Unterstützung!

  • Hi!


    Mach mal den Puderzuckertest.

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    Ich würde jetzt die alte Königin käfigen und im Volk gekäfigt hängen lassen. Brut auslaufen lassen bis fast alles ausgelaufen ist. Die letzten geschlossenen Brutflächen kannst einschmelzen, da kommt eh nichts brauchbares mehr raus. Dann mit den neuen Königinnen Kunstschwärme bilden. Mit Milchsäure oder Oxalsäure den KS behandeln. Bis dahin kannst noch drei Wochen die Tracht nutzen und kannst dann Völker für das nächste Jahr aufbauen, welche nicht mit solch einer Varroabelastung leben müssen.


    Vereinfacht dargestellt - genauen Ablauf findest du über die Suchfunktion.


    Stechlust kann durch die hohe Varroabelastung verursacht werden. Finde ich schon ziemlich unverschämt solche Varroaschleudern zu verkaufen. Das eine Volk ist noch im gelben Bereich und das andere Volk im dunkelroten Bereich.


    Grüße,

    Marco

  • Ich würde erst einmal eine Auswaschprobe dazwischen schieben.

    Windeln finde ich hinsichtlich der Aussagekraft immer so lala.


    Eine TBE sollte die Milbenlast so weit reduzieren, dass du bis zum Juli, August kommst - erst recht bei Einsatz einer Fangwabe. Kann man dann auch schön mit einer weiteren Auswaschprobe überprüfen und die Zahlen vergleichen. Drei Wochen nach der TBE ist dann allerdings mit einem Knick im Honigertrag zu rechnen.

    Aber besser ein Knick als ein kaputtes Volk.


    Was Ein-/Umweiseln betrifft, antworten mal lieber die Langjährigen.

  • Jetzt findet man bei gesunden Völkern keine einzige Milbe auf der Windel. Deine Fallzahlen bedeuten Alarmstufe ROT, da braucht es keine weiteren Diagnosemethoden.


    Abhilfe durch TBE nach Dr. Radtke mit mindestens einer nachgeschalteten FangW (Variante 5) und ggf. Rückvereinigung mit dem mit OX sanierten Ableger (MS hat auch bei Brutfreiheit nur 60% Wirksamkeit, muß also nach ca. 1 Woche wiederholt werden):

    Vortrag: Varroa-Bekämpfung - Bioland


    https://www.bioland.de/fileadmin/dateien/HP.../Radtke_Varroabekaempfung.pdf


    Ausführlicher in seiner Dissertation beschrieben:

    Einfluss der Brutentnahme bei der Honigbiene Apis mellifera auf die ...


    https://d-nb.info/1025135512/34


    Man kann auch Kleingartendrohns Konzept einer TBE mit 2 x-iger FangW-entnahme anwenden bzw. abwandeln zur Einweiselung der neuen Kö. in den zu bildenden BrSammler.


    TBE mit weiselrichtigem Brutsammler


    Resp. den Brutsammler so behandeln wie den Sammler vom Sammler (#148, 155, 160, 286), also bei einigermaßen warmem Wetter in einer leeren Beute die verdeckelten BrW bienenleer sammeln (schlüpfende Bienen wärmen und pflegen dann die Restbrutflächen), WasserW, FuW + Pollenbrett einhängen, Flugloch verschließen. Beim späteren Zuhängen der FangW Futter-, Wasser-, Pollenvorrat prüfen und evtl. Nachschaffungszellen brechen. Brutfreiheit böte dann Gelegenheit zur Sanierung mit OX. Nach ca. 2 Wochen neue Kö. einweiseln.

    Wenn neue Kö. in Eilage ist, Brutspender entweiseln, ebenfalls sanieren und rückvereinigen, falls noch/wieder Tracht herrscht.

  • Hi ribes,


    es ist ja erst einmal zu prüfen, ob die Milbenzahl überhaupt der Tatsache entspricht, oder ob es hier schon einen Fehler bei der Analyse der Windel gab. Ob Puderzucker, CO2 oder abtöten und Auswaschung der Probe ist Geschmackssache.


    Bei der Milbenlast müßten ja auch schon augenscheinlich warnehmbare Viruserkrankungen DWV erkennbar sein.


    Grüße,

    Marco

  • KS und behandeln, solange sie noch Tracht und Lebenslust haben. Brut einschmelzen. Dem Verkäufer einen Kropf UND einen Puckel wünschen!

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • ...zu prüfen, ob die Milbenzahl überhaupt der Tatsache entspricht, oder ob es hier schon einen Fehler bei der Analyse der Windel gab.

    Zugegeben: Ich habe stillschweigend vorausgesetzt, daß Daniel! tote Milben von sonstigem Abfall im Gemüll unterscheiden kann. Diese Fähigkeit wir er auch haben müssen, um Ergebnisse anderer Analysemethoden auszuwerten.


    Bei 16 bzw. 50 Milben/Tag zu dieser Jahreszeit braucht man keine weiteren Analysen, das ist definitiv viel zu hoch. Normalerweise ist jetzt die Vermehrungsrate der Bienen viel höher als die der Milben, resp. gibt es viel mehr Unterschlupfmöglichkeiten für Milben in offener Brut, als diese zusammengenommen benötigen. Noch nicht legereife Milben reiten auf den Ammenbienen und fallen nicht auf die Windel, erst recht nicht, wenn reichlich Personal da ist. Die toten Milben sind also zumeist vermehrungsfähige oder Altmilben, die aber keinen Unterschlupf in der (zahlreichen) offenen Brut fanden. Es sind also ganz ohne Zweifel viel zu viele Milben in den Völkern, die verzweifelt gegen die Milben und übetrragene Krankheiten anbrüten, aber durch Milben geschädigte, nur kurzlebige Bienen erbrüten können. Noch einmal im Klartext auf die Eingangsfrage: Die Schadschwelle liegt derzeit bei Null!


    Kleingartendrohn hatte begründet, warum die Schadschwelle für den Frühjahrsstart bei 50 Milben liegt (wenn man keine Drohnenbrut schneidet). Alle 4 Wochen verdoppelt sich die Milbenzahl. Je nachdem, woher die gekauften Völker kamen bzw. wann sie mit der Durchlenzung begannen, kann man hochrechnen, wie hoch die Gesamtmilbenzahl im Volk jetzt sein dürfte. Da kann und darf definitiv jetzt kein Milbentotenfall auf der Windel vorkommen, denn es gibt übermäßig viele Unterschlupfmöglichkeiten in offener Brut (für ganz Akribische: Schätzung nach Liebefelder Methode vornehmen).

  • Ich habe keine Zahlen gefunden, wie viele Milben derzeit in einem Volk täglich fallen dürfte bzw. wo die Schadschwelle ist. Könnt ihr mir da weiterhelfen?

    Gemäss dem einschlägigen Merkblatt des Schweizer Bienengesundheitsdienstes liegt die Schadschwelle bei 3 Milben pro Tag Ende Mai. Ist diese Schwelle überschritten, kann das Volk nur noch mit einer Notbehandlung gerettet werden. Hier findest Du weitere Merkblätter zur Varroa-Bekämpfung: BienenSchweiz – Varroa-Bekämpfung.

  • 3 Milben zu Ende Mai sind ein Sonderfall, der sofortige Notbehandlung "innert eines Tages" erfordert, meint der Schweizer Gesundheitsdienst. Das ist nicht zu vergleichen mit den anderen Schadschwellwerten.

    Bei der Notfallbehandlung geht es i.Ü. ums nackte Überleben des Volkes, dem Fragesteller hier aber sogar noch um Honigproduktion.

  • 3 Milben zu Ende Mai sind ein Sonderfall, der sofortige Notbehandlung "innert eines Tages" erfordert, meint der Schweizer Gesundheitsdienst. Das ist nicht zu vergleichen mit den anderen Schadschwellwerten.

    Bei der Notfallbehandlung geht es i.Ü. ums nackte Überleben des Volkes, dem Fragesteller hier aber sogar noch um Honigproduktion.

    Deshalb habe ich das ja so betont. Ist offenbar nicht gut rüber gekommen.

  • Hallo, ich habe bei meinen beiden im April gekauften Völkern auf Dadant für drei Tage die Windel untergeschoben und bin auf eine Milbenzahl von 16/Tag bzw. 50/Tag gekommen.

    ... .wie sehen denn die Bienen und Brutwaben in den Völkern aus? Sieht man Bienen mit Milben besetzt? Sieht man Milben zu Fuß über die Waben laufen?

    Wie sehen die frisch geschlüpften Bienen ("Müller") aus? Krüppelflügel?