Belegstelle light

  • Im Zuge einer Sammelbestellung für unbegattete Königinnen klagte ein Imker aus unseren Verein, dass das für ihn kaum Sinn macht, weil die Völker in seinem Umkreis eine so problematische Genetik hätten. Wir kamen dann auf die Idee, dass wir die Königinnen gleich an meinem Stand begatten lassen.

    Der nächste Imker ist bei mir 4 km entfernt und hat nur ganz wenige Völker. Natürlich sind die üblichen Schutzzonen bei Belegstellen weit größer, aber ich habe doch weitgehend Lufthoheit. Zumindest bin ich mit der Nachzucht der letzten Jahre recht zufrieden.

    Ich denke da an eine Art verbesserter Basiszucht. Macht jemand so was in der Art schon - also "Standbegattung mit Standortvorteil" nicht nur für die eigene Nachzucht?

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ich würde das als weitverbreitete Vorgehensweise ansehen, dass Begattungsvölker in der Nähe von Bienenständen aufgestellt werden, wo man eine gute Biene erwartet. Das dann entweder mit Wissen, oder auch ohne dieses Wissen des Besitzers des Bienenstands.

    Ich habe schon öfter meine Königinnen am Stand eines Kollegen begatten lassen; mit Absprache natürlich. Mal mit erwünschtem, manchmal auch mit weniger erwünschtem Erfolg.

    ..."ist mir noch nie passiert" sagte der erfahrene Imker, "aber..."

  • Ich hab vor einiger Zeit mal eine Untersuchung zum Thema Drohnen und Begattung gelesen.


    Dort stand u.a. das Königinnen idR den ersten Drohnensammelplatz in der Nähe ihres Standortes meiden, um Inzucht zu vermeiden.

    Eine Königin direkt an deinem Standort stellen hat daher ggf eher den gegenteiligen Effekt.


    Weiterhin wurde aufgezeigt das K. bis zu ca. 4...5 km und Drohnen bis zu ca. 6...7 km fliegen können. Der maximale Abstand zw. der Herkunft einer Drohne und der K. kann also u.U. auch schonmal 12 km sein.


    Seitdem sehe ich es eher skeptisch eine K. direkt an den Stand eines Imkers zu stellen. M.E., wenn man in der Nähe ist, so ca. 1 km sollte das reichen. Aber wie gesagt auch nicht direkt an den Stand.


    Bei Belegstellen ist auch oft ein Teil der Völker in der Umgebung verstreut aufgestellt. Begattung, mit dem ganzen Thema Drohnensammelplätze, ist ohne Schutzradius Glücksspiel. Sicherlich erhöht man die Chancen da man in der Nähe guten Drohnenmaterials ist, aber der Gedanke das meine K. nun genau von diesen Drohnen begattet wird nur weil sie an dem selben Standort stehen würde ich eher kritisch sehen. Zumal Drohnen ja auch wandern und nicht jede Drohne in deiner Beute ist auch von deiner Königin. Das ganze ist wirklich eine Wissenschaft für sich ;-).

  • Das kann man lesen. Man kann auch lesen, dass eine Königin ihre direkten Verwandten erkennt und diese meidet. Man kann aber auch das Gegenteil lesen. Eine Monscheinbegattung dürfte nach den vorher beschriebenen Verhalten nicht möglich sein. Keinesfalls mit direkt verwandten Tieren und so schnell. Es funktioniert aber nachweislich.

    Dass die Trefferquote der gewünschten Anpaarung geringer ist, als auf der Inselbelegstelle streitet niemand ab. Ich gehe aber stark davon aus, dass sie (erheblich) höher ist, als ohne Auswahl des Standplatzes.

    Vielleicht sind die Drohnen am Stand von WFLP ja gar nicht von seinen Bienen. Aber die Ergebnisse sind erfahrungsgemäß gehäuft gut. Da wäre es mir egal, woher die Drohnen anreisen, Hauptsache die kommen jedes Jahr beständig wieder. Also nicht die selben, aber die gleichen.

    ..."ist mir noch nie passiert" sagte der erfahrene Imker, "aber..."

  • Moin,

    meine zwei-drei Gedanken dazu:

    Bevor ich mich intensiv um Zucht und Zuchtstoff bemüht habe, sind meine Völker nicht wirklich aus dem Quark gekommen, teilweise gab es auch häßliche "Stecher" (wobei das ja bekanntlich relativ ist;-))

    Nach Anschluss an die örtliche Zuchtgruppe, von der ich auch regelmäßig Zuchtstoff bekomme, habe ich mehrere Völker mit Belegstellen begatteten Kö's beweiselt. Das Ergebnis war nicht schlecht, aber auch nicht wirklich besser als die stärksten Völker auf meinem Stand.

    Mittlerweile verkaufe ich die Kö's von der Belegstelle fast ausschließlich, die Kö's für meine eigenen Völker lasse ich Standbegatten, mit hervorragenden Ergebnissen.

    Demnach kann ich den Standortvorteil absolut bestätigen und zusätzlichen boost gibt es scheinbar durch den Fremdeinschlag (ich stehe nicht alleine bei mir in der Umgebung).

    Voraussetzung ist eine gute Genetik des Zuchtstoffes, am besten noch abgestimmt auf die Völker am Stand, die die Drohnen liefern, plus regelmäßiges wechseln der Linien, um keine Inzucht zu betreiben.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool: