Bio-Zertifizierung

  • So gerne ich Bio machen würde: die Bürokratie schreckt mich ab.

    Das kann ich nicht bestätigen. Wenn man erst mal verstanden hat, was die Kontrolleure wollen, ist der Aufwand überschaubar:

    • Ich muss für alles zugekaufte Wachs, Futter und für die Medikamente Rechnungen vorlegen. Das sind aber recht wenig Belege.
    • Ich muss die Honigmengen erfassen und in Relation zur Völkerzahl setzen. Letztlich zähle ich hier nur die Gläser.
    • Ich muss die verkauften Mengen und die Restbestände protokollieren. Ich mache mir die Mühe, jeden Verkauf (auch verschenkten Honig) zu erfassen (Excel-Tabelle). Das ergibt aber nebenbei ein sehr schönes Controllingtool. Die Restbestände zähle ich nur einmal im Jahr, nämlich wenn der Kontrolleur kommt. Der setzt dann überschlägig die Zahlen in Bezug zueinander.
    • Ich muss einen Nachweis über die verwendeten Medikamente bringen (gekaufte Mengen, Restmengen). Das ist in meinem Fall sehr einfach, weil ich die quasi an mich selbst verkaufe. Hier in MV läuft die Förderung der Medikamente nämlich so, dass sie an den Verein geliefert werden und der verkauft sie dann an die Imker weiter.

    Ansonsten sind es eher Kleinigkeiten, die moniert werden und die man dann eben korrigiert. Etwa die Druckgröße des Biosiegels auf dem Etikett oder die fehlende Angabe der Kontrollstellennummer auf der Rechnung.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • So gerne ich Bio machen würde: die Bürokratie schreckt mich ab.

    • Ich muss die Honigmengen erfassen und in Relation zur Völkerzahl setzen. Letztlich zähle ich hier nur die Gläser.
    • Ich muss die verkauften Mengen und die Restbestände protokollieren. Ich mache mir die Mühe, jeden Verkauf (auch verschenkten Honig) zu erfassen (Excel-Tabelle). Das ergibt aber nebenbei ein sehr schönes Controllingtool. Die Restbestände zähle ich nur einmal im Jahr, nämlich wenn der Kontrolleur kommt. Der setzt dann überschlägig die Zahlen in Bezug zueinander.

    Das geht eigentlich nur meinen Steuerberater und den Beamten beim Finanzamt etwas an. Was bitte geht es die Zertifizierungsstelle an, wie viel Honig ich ernte?


    Es geht die doch allenfalls etwas an, wie viel den Völkern belassen wird. Aber das hat nix damit zu tun, wie viel man erntet.

  • Das geht eigentlich nur meinen Steuerberater und den Beamten beim Finanzamt etwas an. Was bitte geht es die Zertifizierungsstelle an, wie viel Honig ich ernte?


    Es geht die doch allenfalls etwas an, wie viel den Völkern belassen wird. Aber das hat nix damit zu tun, wie viel man erntet.

    Damit man nicht konventionellen Honig zukauft und dann als Biohonig weiterverkauft, ist eine Plausibilitätsprüfung der Erntemenge (nicht nur beim Honig) unabdingbar.

  • joew: Bei den Kontrollen geht es u.a. auch darum, Betrug zu unterbinden, dazu ist die Honigmenge essentiell. Und ja, so Betrug kommt vor, bei uns ist erst wieder ein ziemlich großer Imker "hobs genommen worden", weil die verkauften Mengen so überhaupt nicht zu den potenziell produzierbaren Mengen passen wollten.

  • Ganz richtig. Ich hatte mal in einem rund 80 Kilo Honig in Schnitt pro Volk. Das kam den Kontrolleuren schon sehr verdächtig vor.

    Ich hatte in dem Jahr nicht vermehrt und deswegen nur Wirtschaftsvölker da stehen. Das ging dann als Ausnahmejahr durch.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ganz richtig. Ich hatte mal in einem rund 80 Kilo Honig in Schnitt pro Volk. Das kam den Kontrolleuren schon sehr verdächtig vor.

    Ich hatte in dem Jahr nicht vermehrt und deswegen nur Wirtschaftsvölker da stehen. Das ging dann als Ausnahmejahr durch.

    Wanders Du mit deinen Bienen? Falls ja, wäre doch noch mehr möglich. Was sagen die Kontrolleure dann zu sowas?

  • Bei Landwirten gucken die Kontrolleure die komplette Buchführung durch. Aber bis auf die letzte Seite. Du musst denen alles komplett offenlegen und Zutritt zu jedem Bereich deines Betriebs gewähren. Sonnst wäre eine Zertifizierung auch witzlos.

    Vg JB

  • Wanders Du mit deinen Bienen? Falls ja, wäre doch noch mehr möglich. Was sagen die Kontrolleure dann zu sowas?

    Ich wandere nicht. Offensichtlich sind die Bezugswerte, die die Kontrollstellen haben, nicht ganz an den tatsächlichen Ertragsmöglichkeiten.

    Das könnte damit zu tun haben, dass die Imker mit ihren wirklichen Erträgen immer so hinter dem Berg halten.

    Außerdem sind Grundlage wahrscheinlich Durchschnittswerte, die regionale Besonderheiten ausblenden und wo Schwächlinge und Ableger miteingerechnet werden.

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  • 2018 war ja ein extremes Ausnahmejahr. Aber da hatte ich deutlich mehr als 80kg.


    Dann kommt es auch noch darauf an, wie man rechnet.


    - zählt man die eingewinterten Völker?

    - zählt man die ausgewinterten Völker?

    - zählt man die Wirtschaftsvölker?

    - zählt man die abgeernteten Völker?


    Das kann dann ganz erhebliche Unterschiede ergeben.