Honig verkaufen im Friseursalon

  • Meine Bedenken ich beim Honigverkauf im Frisörsalon ist der Geruch in solch einem Geschäft. Beim Frisör werden erfahrungsgemäß viele Sprays, Wässerchen etc benutzt, die alle unterschiedlich duften (für mich eher stinken). Ich hätte Angst, dass die Gläser diese Gerüche annehmen und das Honigglas auf dem Frühstückstisch dann nach Frisör riecht. Frisör und Lebensmittel passt für mich einfach nicht zusammen.

    Die Bedenken von Meike teile ich völlig. Jede Luftdruckveränderung führt dazu, daß ein paar Duftmoleküle ins Honigglas in die Luftschicht oberhalb des Honigs einwandern und im Honig sich anreichern. Daß zusätzlich Duftmoleküle am Glas (Plastikdeckel,Etikett) hängenbleiben ist hoffentlich jedem klar: Igitt!

    Alle unsere Wiederverkäufer kalkulieren ihre Preise selber und zeichnen auch selber aus, egal ob Hofladen oder, oder...

    Eine gute Bekannte meiner Frau verkauft mit viel Engagement unseren Honig in ihrer physiotherapeutischen Praxis, wo er auf dem Anmeldetresen steht. Die Praxis ist aber nahezu geruchsneutral. Eine große Zahl der Patienten ist hier älteren Semesters und kann oder möchte nicht bei uns (etwas außerhalb des Ortes) an der Haustür den Honig kaufen. Außerdem: Früher brachte man hier auf dem Dorf gern das berüchtigte Pfund Kaffee mit, wenn man zu Besuch kam. Heute ist es oft ein Glas unseres Honigs, besonders, seit der Blumenladen dichtgemacht hat.

    Unser Honig wird dort nicht aus Gewinnstreben angeboten, sondern zur "Kundenbindung". Der gesamte Verkaufserlös fließt an uns zurück. Meine Frau legt 10% des Umsatzes extra und gibt dann ihrerseits eine Aufmerksamkeit von entsprechendem Wert.

    `ne Kußhand in Richtung Finanzamt ...Klaus

    "Gebt mir einen Grund für Euren Optimismus!"

    Max Czollek, 2019

  • Ich komme aus der Ecke wo du lebst. Ich wüsste nicht warum 6,50 € nicht darstellbar seien sollten. Im Gegenteil: die Preise ziehen hier eher an (was auch gut so ist). Mit deinen Preisen würde ich den Honig quasi verschenken. Das rechne ich gelegentlich auch Altimkern vor die hier für 4,00 € oder 4,50 € verkaufen. Meine Erfahrung ist eher - und ich habe den Verkauf hier in den letzten 3 Jahren jedes Jahr um 50% gesteigert - dass die Kunden durchaus bereit sind den entsprechenden Preis 6,50€ + zu zahlen, wenn die übrigen Parameter stimmen. Auch in den umliegenden Hof- und Biomärkten mit regionalen Produkten haben die Preise angezogen (Entweder durch Preiserhöhung oder Mengenreduzierung).


    Ich verkaufe in drei Läden geringe Mengen (1x Bäcker, 1x Hofladen, 1x Sportstätte). Keiner der Läden möchte von mir etwas abgeführt bekommen. Der Lohn erfolgt durch Honig. Die Belegschaft bekommt regelmäßig ein Glas. Als der Bäckerladen mal vorsichtig eine Beteiligung angesprochen hatte, habe ich ihm meine Kalkulation vorgelegt. Seit dem war dass kein Thema mehr.


    Kurz um: ich sehe bei uns in der Region kein Problem den Honig beim Friseur für 6,50 € (bzw + Aufschlag falls der Frisör beteiligt sein soll) zu verkaufen. Kleiner Tipp: etwas Individualität (Präsentation, Gestaltung usw) kann bei der Vermarktung bei uns hier nicht schaden.


    Gruß


    Pledgy

  • Die Bedenken von Meike teile ich völlig. Jede Luftdruckveränderung führt dazu, daß ein paar Duftmoleküle ins Honigglas in die Luftschicht oberhalb des Honigs einwandern und im Honig sich anreichern.

    Das hängt aber von der Verschlusstechnik ab. Mit TO-Gläsern kann man einkochen, d.h. der Verschluss ist luftdicht, auch wenn ein Unterdruck im Glas besteht.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Mit TO-Gläsern kann man einkochen, d.h. der Verschluss ist luftdicht, auch wenn ein Unterdruck im Glas besteht.

    Das ist nicht ganz richtig. TO-Deckel haben zwar eine Kunststoff-Dichtung. Das Material unterscheidet sich aber von dem Dichtungsmaterial, welches für Einkoch-TO-Deckel verwendet wird. Letztere brauchen den Unterdruck im Glas, um dicht zu halten. Die Dichtungen für Honiggläser sind nicht so dicht, sondern lassen einen allmählichen Ausgleich dieses durch Einkochen erzeugten Unterdrucks mit dem Umgebungsdruck zu. In meiner imkerlichen Praxis muß ich TO-Deckel einige Zeit nach dem Abfüllen alle nochmal überprüfen und ggf. nachschrauben. Die lockern sich nach meinem Eindruck gerne...

  • Mit TO-Gläsern kann man einkochen, d.h. der Verschluss ist luftdicht, auch wenn ein Unterdruck im Glas besteht.

    Das ist nicht ganz richtig. TO-Deckel haben zwar eine Kunststoff-Dichtung. Das Material unterscheidet sich aber von dem Dichtungsmaterial, welches für Einkoch-TO-Deckel verwendet wird.

    Die meisten TO-Deckel haben eine Dichtung die für Heißfüllgut vorgesehen ist. Dieser ist von Haus aus 'hart', dieser gibt beim Heißeinfüllen nach und drückt sich beim Vauumziehen dann fest ein. Dicht.


    In meiner imkerlichen Praxis muß ich TO-Deckel einige Zeit nach dem Abfüllen alle nochmal überprüfen und ggf. nachschrauben. Die lockern sich nach meinem Eindruck gerne...

    ...bestätige dies auch aus meiner Praxis, weshalb ich nun bei allen Gläsern jetzt ein Vauum ziehe. Dies entbindet dann auch von der Pflicht einen 'Gewährleistungsverschluß' anbringen zu müssen. 22 x 250g Gläser dauern bei meiner Konstruktion knappe 10 Sekunden. Dicht. Falls mal ein Deckel nicht richtig hält, sieht man diese sofort und macht dann diese Glas noch einmal.


    TO-Deckel für das händische Verschließen von Honiggläsern sollten einen weichen Dichtungsgummi haben. Aus meiner beruflichen Praxis ist mir niemand bekannt, der so eine kleine Menge an Deckeln für die Imkerschaft (im Vergleich zur Industrieware für das Heißeinfüllverfahren) anbietet. Vielleicht gibt es Deckel in weiß oder gold, aber nicht die bedruckten mit Motiven drauf.


    Jonas

  • Wo ist das Problem? Als kleiner Freizeitimker verkaufst du nicht an Aldi, die wollen den Honig nämlich LKW-weise.

    Die gleiche Ware, die gleiche Ver- und Abpackung, im gleichen Ort, vom gleichen Produzenten (Abfüller) zu erheblich unterschiedlichen Preisen. Das erfordert Verkaufstalent für das teuere Produkt.

    Ach so, jetzt kapiere ich erst, der Manu verscherbelt seinen Honig selber schon für nur 5 EUR gleich nebenan, tja, da fehlen mir dann echt die Worte, DAS geht so natürlich gar nicht....wie heißt es so schön, der Fehler steht hinter dem Glas....

    Hmm, jetzt wird's knifflig. Einerseits sehe ich es so, dass ich mindestens 4,50 Euro im Verkauf an den Friseur nehmen muss. Andererseits sehe ich die 6,50 Euro als Preisobergrenze. Dann muss ich wohl bei Verkäufen in der Nachbarschaft in Zukunft etwas mehr verlangen.

  • Hallo zusammen,


    ich hatte gar nicht gedacht, dass ich durch meinen Post eine so intensive, vor allem aber informative Diskussion anstoße. Das hat mir schon einige Denkanstöße gegeben. Vielen Dank!

  • So wie Kampfdrohne das hier beschreibt, sehe ich das auch!


    Manu erhält einen Kilopreis- auch nach Abzug von Verpackungskosten- der weit über Großhandelspreisen liegt - und da sind die üblichen "Tricks" der Großhändler noch gar nicht gerechnet.


    manu_nr : nicht vermiesen lassen!

  • Hallo,

    Vielleicht kann ich im Verkauf an den Friseur 5 Euro nehmen. Ich denke aber nicht, dass ich viel mehr bekommen kann. Im Verkauf in der Nachbarschaft nehme ich 5 Euro und von den Imkerkollegen aus dem Verein nimmt niemand mehr.


    Okay, Ihr seit Fritzlar .... das ist fast Nordhessen .... aber die Kaufkraft liegt bei Euch doch sicher nicht so danieder, das Ihr in Fritzlar max. 5,00€ nehmt für ein Pfund.

    Da ist der Breitsammer im Discounter ja teurer ....

    Mit 5,-€ oder knapp darunter - machen hier in MR/GI nur die Altimker rum,

    alle anderen nehmen mehr - müssen mehr nehmen !


    Neee, hier bei uns machen wir es so:

    der Händler, (bei uns Zeitschriftenladen, Apotheke und Dorfladen)

    bekommt eine Karton für den Gläserpreis von 9-10 St. an der Haustür.


    Also bei Dir zahlt der Händler (Friseur) z.B. - an Dich -

    für 12 Gläser 50,-€, wenn Du an der Haustür 5,-€ fürs Glas nimmst.

    Also 12 für 10 !


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Hallo,


    Okay, Ihr seit Fritzlar .... das ist fast Nordhessen .... aber die Kaufkraft liegt bei Euch doch sicher nicht so danieder, das Ihr in Fritzlar max. 5,00€ nehmt für ein Pfund.

    Fritzlar ist sowas von Nordhessen wie es überhaupt nur geht ;-)

  • Also bei Dir zahlt der Händler (Friseur) z.B. - an Dich -

    für 12 Gläser 50,-€, wenn Du an der Haustür 5,-€ fürs Glas nimmst.

    Also 12 für 10 !


    GdBK

    Dann würde ich mich mit einem Verkaufspreis von 4,50 Euro pro Glas aber trotzdem besser stehen. Da würde ich ja 54 Euro für 12 Gläser bekommen.


    Vielleicht sollte ich meine Verkaufspreise an der Haustür auch auf 5,50 Euro anheben. Mal sehen, ob das funktioniert.

  • Die ganze Preisdiskussion wurde schon sehr oft geführt und ist oft hier nachzulesen. Da wollte ich gar nicht hin. Meine Aussagen bezogen sich auf den gelöschten Beitrag über den großen Mitbewerber. Gehört alles eigentlich nicht zur Frage.

    Ich bezweifele, dass die Gerüche aus dem Frisiersalon in den Honig kommen, aber das Glas, das Etikett nehmen diese auf. Das möchte ich nicht auf dem Frühstückstisch haben. Auch wenn die Bekannte es gut meint, such dir einen passenderen Ort, um den Honig zu verkaufen.

  • Hi,


    erstmal muss ich sagen, finde ich die Diskussion auch insgesamt sehr gut. Auch meist doch ein guter Ton!


    Zur eigentlichen Frage: Ich würde glaub ich auch eher nicht beim Friseur verkaufen, einfach wegen der geäußerten Ideen bezüglich Hemmungen. Aber Versuch macht kluch. Schaden wirds nicht, wenn sich da wegen der Preisdifferenzen niemand komisch fühlt.


    Um bezüglich der weiteren Diskussion aber noch meine Intention hinter meinem ersten Post klarzumachen und vlt etwas zu ergänzen:


    Ich möchte natürlich in garkeinem Fall jemandem etwas vermiesen, oder jemanden erzählen, für wieviel Geld er in der Lage ist seinen Honig tatsächlich abzusetzen. Natürlich spielen da noch ganz andere Faktoren eine Rolle und das ist eben auch nochmal ne andere Frage. Darum ging es mir nicht.


    Dennoch ist es wichtig - für mich zumindest - eine realistische Abschätzung zu haben, was denn tatsächlich kostendeckend wäre.


    Und hierzu zählt nicht nur, dass man Winterfutter, Mittelwände und Verbrauchsmaterial einkalkuliert. Sondern eben auch wieviel Lebenszeit man dafür aufwendet, oder noch weiter gedacht die Amortisierung sämtlicher getätigter Investitionen. Nicht weil ich mit der Imkerei einen vergleichbaren Stundenlohn anpeile wie in meinem Beruf, sondern einfach, weil man sich sonst in die Tasche lügt mit der Berechnung.

    Wie weit man das treiben will, bleibt jedem absolut selbst überlassen.


    Ich sehe es aber so: Als Hobbyist und Pragmatiker kann ich über eine solche Betrachtung abschätzen, ob ich tatsächlich so etwas wie einen Gewinn machen kann oder nicht bei einem bestimmten Verkaufspreis. Bei einem tatsächlich entstehenden Gewinn, kann ich diesen dann umso schmerzfreier fürs Hobby verbrennen, ohne das geringste bisschen Reue empfinden zu müssen:evil:


    Mein wesentlicher Punkt:

    Wenn man keine Lust hat zu rechnen, reicht es doch sich klarzumachen, dass man preislich wohl kaum mit Erwerbismkern aus Deutschland mithalten kann, wenn es darum geht "kostendeckend" zu sein.

    Wer seinen Honig für weniger verkauft, kann also eigentlich nicht kostendeckend arbeiten, sondern zahlt irgendwo drauf.


    Deswegen finde ich es schwierig, wenn man errechnet, dass man mit 4,50 kostendeckend arbeiten soll. Meiner Meinung nach liegt das primär daran, dass "kostendeckend" verschieden verstanden wird. Und solange man das tut, ists umso schwieriger einzuschätzen was man versuchen sollte für seinen Honig zu nehmen/"nehmen muss".


    Bei mir im Supermarkt kann ich Honig aus Deutschland kaufen für 5-6€.

    Daneben stehen Honige aus Deutschland vom "regionalen Kleinproduzenten" die bei 7-8€ liegen. Dieser Kleinproduzent dürfte immernich deutlich größer sein als fast alle Hobbyisten/Nebenerwerbler. Honige aus Übersee kosten auch 4-5€.


    Ich kann nur spekulieren wie groß die Gewinnmarge des Einzelhändlers ist, aber wer als Hobbyist/Nebenerwerbler deutlich unter dem Preisbereich des "regionalen Kleinproduzenten" verkaufen kann, der muss sich einer verdammich effizienten Betriebsweise befleissigen um trotzdem noch "kostendeckend" zu imkern. ;)


    Ich kann voll verstehen, das nicht jeder Spaß an solchen Zahlenspielchen hat, aber wenn man den Honig nicht einfach nur irgendwie loswerden will, dann machts Sinn sich da mal einen Nachmittag hinzusetzen und sich anzugucken was man eigentlich alles noch berücksichtigen müsste, um zu bestimmen was wirklich zur Deckung der Kosten für ein Preis zu nehmen wäre.


    Wer an sowas Spaß hat, der kann damit sogar flott mal modellieren, welchen Einfluss es bei konstanter Völkerzahl beispielsweise hätte, wenn die Honigernten gut oder schlecht ausfallen würde, oder bei wieviel Aufwand/Völkern, sich die teure Schleuder wieviel schneller amortisieren/rechtfertigen könnte! Just saying :D


    Beste Grüße!


    PS: Ja ich mag Modellbildung! Sowas geht falls nötig sogar mit Excel:thumbup: