Honigernte und Ox-Sommerbehandlung

  • Von der Fischermühle gibt es eine hier im Forum bereits häufig zitierte wissenschaftliche Arbeit zur Oxalsäure, allerdings zum Verdampfen. Dabei kam heraus, dass die Menge an OS die zumindest an den Rähmchen haftet äußerst gering ist. Vor der Behandlung eventuelle Futterwaben raus nehmen ist sicher kein Fehler.


    OS ist nicht wachslöslich und im eingeschlagenen Schwarm sind vermutlich nicht allzu viele offene Futterzellen, vor allem wenn die möglichen FW kurz zur Seite gestellt werden. Die in den wenigen Futterzellen absorbierte Menge an OS wird beim potentiellen Umtragen in den HR und dem abschließenden Schleudern dann auch noch stark verdünnt.


    Man müsste die ins Volk eingebrachte Menge an OS beim Sprühen in Relation mit der beim verdampfen eingebrachten Menge in Relation setzen. Sind es ähnliche Mengen, sähe zumindest ich die vorgeschlagene Behandlung aus Rückstandssicht unkritisch.


    Den Rhabarber macht Oxalsäure sauer mit 2,6 - 6,2 Gramm Oxalsäure pro Kilo der frischen Pflanze (Macholz 1989). Einige Scheiben Rhabarber - gleich groß wie die Proben von den Rähmchenhölzern - wurden geschnitten und gewogen. Die Scheiben enthielten durchschnitt-lich 1,1 mg Oxalsäure pro cm2 (errechnet auf der Basis von 4,4 mg/g OS Gehalt). Der Finger der Hausfrau ist beim Schneiden von Rhabarber mit dieser Oxalsäure konfrontiert. Beim Schneiden von Rhabarber ist die Belastung mit Oxalsäure somit zehnmal so hoch wie der höchste gemessene Wert von behandelten Rähmchen. Im Vergleich mit dem durchschnittlichen Oxal-säure Rückstand aller untersuchter Proben ist die Belastung der Hausfrau 25 mal höher als die des Imkers.

  • Es ist schade, dass für die bei den Medikamenten angegebenen Wartezeiten, keine Begründung mit angegeben wird. Die Diskrepanz zwischen den Wartezeiten für die älteren Standardzulassungen


    a) Milchsäure ad us. vet (Standardzulassung) (Sprühbehandlung):
    Wartezeit für Honig: Bei Spätherbst-/Winterbehandlung keine; bei Sommerbehandlung erst

    die Honigernte der Tracht des Folgejahres nutzen.

    b) Oxalsäure ad us vet. 3,5% (Standardzulassung) (Träufelbehandlung):

    Nach der Behandlung der Bienen mit Oxalsäuredihydrat-Lösung im Spätherbst darf Honig

    erst im darauf folgenden Frühjahr gewonnen werden.

    c) Ameisensäure 60% (Verdunstung):

    Wartezeit für Honig: Anwenden nach der letzten Honigernte des Jahres.


    Gegenüber den Wartezeiten jüngerer Zulassungen:

    für MAQS (Ameisensäure 98%) (Verdunstung aus Gel) -

    Honig: 0 Tage.Während des 7-tägigen Behandlungszeitraums darf kein Honig für den menschlichen Verzehr gewonnen werden

    für OXUVAR 5,7% (Sprühbehandlung)

    Für Honig keine Wartezeiten.


    ist ziemlich deutlich. Weder der Wirkstoff, noch die Applikationsform scheinen für die unterschiedlichen Einstufungen der Wartezeiten ausschlaggebend zu sein. Eher scheint eine grundsätzliche andere Risikoeinstufung erfolgt zu sein. Wenn dass der Fall ist, müsste man eigentlich erwarten, dass auch die Standardzulassungen dahingehend angepasst werden.


    Ich selbst bin eher vorsichtig mit solchen Mitteln und würde Oxalsäure Sprühbehandlung genauso einstufen, wie die Milchsäure Sprühbehandlung. Wegen einer evtl. bequemeren Sommerbehandlung würde ich hier jedenfalls kein Risiko eingehen. Allermindestens würde ich 3-4 Wochen warten, bis ich davon ausgehen kann, dass sich keine behandelten Bienen mehr im Volk befinden. (Auch wenn die Bienen durch ihr Putzverhalten vermutlich viel früher schon die Oxalsäure aus dem Pelz entfernt haben.)


    Um die Behandlungen zu minimieren, würde ich mir außerdem die Frage stellen. Ist eine Behandlung jetzt sinnvoll, oder nötig? Nötig hieße - der Varroabefall ist extrem hoch und das Volk droht zusammenzubrechen. Wenn du z.B. jetzt schon Bienen mit deformierten Flügeln findest, wäre solch ein Fall gegeben.

    Sinnvoll könnte eine Behandlung auch sein, wenn du tatsächlich davon ausgehst, dadurch auf die Sommerbehandlung z.B. mit Ameisensäure verzichten zu können.


    Wenn beides nicht der Fall ist - warum noch eine zusätzliche Behandlung?


    Gruß
    Ludger

  • Es ist schade, dass für die bei den Medikamenten angegebenen Wartezeiten, keine Begründung mit angegeben wird. Die Diskrepanz zwischen den Wartezeiten für die älteren Standardzulassungen


    (...) Weder der Wirkstoff, noch die Applikationsform scheinen für die unterschiedlichen Einstufungen der Wartezeiten ausschlaggebend zu sein. Eher scheint eine grundsätzliche andere Risikoeinstufung erfolgt zu sein. Wenn dass der Fall ist, müsste man eigentlich erwarten, dass auch die Standardzulassungen dahingehend angepasst werden.

    Ich vermute mal, dass man bei der Zulassung den Nachweis bringen muss, dass bestimmte Mengen an Rückständen im Honig nicht überschritten werden. Das ordentlich unter verschiedenen (- auch ungünstigen) Rahmenbedingungen nachzuweisen ist sicher aufwändiger für kurze Zeiträume als für das nächste Jahr. Wenn nicht für die Zulassung nötig, dann sicher wenigstens für die Haftung ein kleineres Risiko.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Von der Fischermühle gibt es eine hier im Forum bereits häufig zitierte wissenschaftliche Arbeit zur Oxalsäure, allerdings zum Verdampfen. Dabei kam heraus, dass die Menge an OS die zumindest an den Rähmchen haftet äußerst gering ist.

    Sicher meinst Du diesen Bericht:

    Forschungsergebnisse Oxalsäure-Verdampfung - Imkerei Fischermühle

    www.imkerei-fischermuehle.de/fix/doc/OS0110.pdf


    Es gibt mehrere entscheidende Unterschiede zu der in #1 angefragten Maßnahme:

    a) OX soll hier in wässriger Lösung aufgesprüht werden (dringt so tiefer ein in Holz),

    b) Die Honig-Rückstandsuntersuchungen der Fischermühle erfolgten mehrere Monate nach der Applikation am darauffolgenden Frühjahrs-Honig - wenn also der gesamte Futtervorrat aus der OX-Winterbehandlung längst von den Bienen verstoffwechselt bzw. vom Imker entfernt wurde und die behandelten Winterbienen lange schon draußen in der Umgebung verstorben waren. In #1 soll der HoR aber unmittelbar nach Behandlung der Bienen wieder aufgesetzt werden.

    c) Die Rückstandsuntersuchungen im Rä.-holz zeigten ein uneinheitliches Bild allesdings mit Abbautendenz ab Tag 27 (S. 22, Grafik 13).