Evolution in die falsche Richtung?

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    Wie kommt ihr darauf, was Arbeiterinnen eine Drohnenzelle öfter und intensiver besuchen/pflegen.

    Die Begründung lautet: Drohnen brauchen mehr Futtersaft.

    Das wiederum ist nachvollziehbar. Werden ja auch dicker.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Wie kommt ihr darauf, was Arbeiterinnen eine Drohnenzelle öfter und intensiver besuchen/pflegen.

    Bis zur Verdeckelung ist das doch meiner Meinung nach die gleiche Zeit. (3 Tage Ei, 6 Tage Rundmade)

    Diese sehr akribische Untersuchung belegt, daß Drohnen im Vergleich zu Arbeiterinnen rd. 1 - 2 Tage Tage länger als Rundmaden gefüttert werden. Die Verdeckelung geschieht ebenfalls rd. 1 Tag später:


    Brutentwicklung der Honigbiene - Apis mellifera mellifera-Dunkle Biene


    www.apis-mellifera-mellifera.de/downloads/brutentwicklung_honigbiene1.pdf


    Drohnen werden schon als Larven größer als ihre weiblichen Schwestern, als schlupfreifes Insekt wiegen sie das Doppelte:


    http://www.imkerei.rwth-aachen.de/?page_id=115


    Ich gehe davon aus, daß die Drohnenlarven deshalb auch viel mehr Futtersaft benötigen als Arbeiterinnenlarven und vermute daher, daß Ammenbienen doppelt so häufig ihre Futtersaftportionen in Drohnenzellen abladen.

  • Wie kommt ihr darauf, was Arbeiterinnen eine Drohnenzelle öfter und intensiver besuchen/pflegen.

    Bis zur Verdeckelung ist das doch meiner Meinung nach die gleiche Zeit. (3 Tage Ei, 6 Tage Rundmade)

    Bernd - exakt so isses!


    Vieles ist eben auch herbei- und nachg'schwätzt.

    Eine Antwort auf diese Frage findet sich in diesem Faden im Link von Chagall unter #5 .

    Wenn schon nachgeschwätzt, dann wenigstens renommierten Wissenschaftlern...

  • Wenn schon nachgeschwätzt, dann wenigstens renommierten Wissenschaftlern...

    Hier den relevanten Auszug aus der unter #5 zitierten Arbeit von J. Radtke:


    "Drohnenbrut wird im Mittel 8 bis 10mal so häufig befallen wie Arbeiterinnenbrut (FUCHS 1989, 1990, BOOT et al. 1995, ROSENKRANZ und RENZ 2003). Lange wurde nach möglichen Ursachen gesucht und olfaktorische Reize wurden zumindest mitverantwortlich gemacht (FUCHS 1989, ZETLMEISL und ROSENKRANZ 1994, DILLIER et al. 2000). Eine Kairomon-Wirkung des von Drohnenlarven besonders stark abgegebenen Fettsäureesters Methylpalmitat (TROUILLER et al. 1994), konnte jedoch nicht bestätigt werden (ZETLMEISL und ROSENKRANZ 1994, AUMEIER und ROSENKRANZ 1995). Eine aktive Bevorzugung der Drohnenlarven erschien aufgrund der absoluten Verteilung von Varroa-Weibchen auf Drohnen- und Arbeiterbrut zweifelhaft (RADTKE 1997). Ein wesentlicher Grund für den höheren Befallsgrad der Drohnenlarven dürfte in ihrer Größe zu finden sein: Um diese zu erreichen, müssen sie von den Arbeiterinnen intensiver gefüttert werden, weshalb die Ammenbienen zumindest in den letzten 60 Stunden vor der Verdecklung 2,8 mal mehr Zeit bei einer Drohnenlarve verbringen, als bei einer Arbeiterinnenlarve (CALDERONE und KUENEN 2003). Dadurch erhöht sich für fortpflanzungsbereite Varroa-Weibchen die Möglichkeit, gerade auf Drohnenbrut abzusteigen. Zudem erfolgt die Verdeckelung einer Drohnenzelle über einen Zeitraum von 48 Stunden, während diese Phase bei Arbeiterinnenzellen nur Stunden dauert (CALDERONE und KUENEN 2003). Bereits IFANTIDIS (1988) und später auch BEETSMA et al. (1999) hatten für Drohnenbrutzellen eine mit Stunden deutlich höhere Attraktivitätsdauer im Vergleich zu Stunden bei Arbeiterinnenzellen festgestellt, ohne die Ursachen klären zu können. Aus der um 2,8fach längeren Pflegezeit und der 2,4 fach längeren Verdeckelungsphase lässt sich ein 5,6 - 11,2fach höherer Befall der Drohnenbrut erklären (CALDERONE und KUENEN 2003)."

    In der Arbeit wird u.a. H. Hänel zwar zitiert, jedoch nicht im Zusammenhang mit den von ihm nachgewiesenen höheren Juvenilhormonspiegeln der Drohnenlarven in Relation zu Arbeiterinnenlarven, die verantwortlich für die Bevorzugung der Drohnenbrut bei A. cerana ist. Zudem ist die Muttermilbe bei A. cerana in der Arbeiterinnenbrut infertil (H. Hänel), was die zwingende Fokussierung der Milbenvermehrung auf die Drohnenbrut macht.


    Bei A. mellifera ist die Relation der Juvenilhormonspiegel in Arbeiterinnen- und Drohnenlarven nicht so eklatant unterschiedlich, was J. Radtke auch korrekt interpretiert hat (s. erste markierte Passage oben).


    Dagegen ist wohl einzig die höhere Pflegefrequenz der Drohnenbrut maßgeblich für einen möglichen erhöhten Befall (5,6-fach bis 11,2-fach, was naturgemäß höchst variabel ist). Mit anderen Worten - es gibt eine rein statistische Begründung in Form der erhöhten Pflegefrequenz. Das heißt nicht, dass es zwingend so sein muss. Und das kann man durchaus in der Praxis so auch finden.

  • Sehr interessante und gute Zusammenstellung, vielen Dank beemax !

    Dagegen ist wohl einzig die höhere Pflegefrequenz der Drohnenbrut maßgeblich für einen möglichen erhöhten Befall (5,6-fach bis 11,2-fach, was naturgemäß höchst variabel ist). Mit anderen Worten - es gibt eine rein statistische Begründung in Form der erhöhten Pflegefrequenz. Das heißt nicht, dass es zwingend so sein muss. Und das kann man durchaus in der Praxis so auch finden.

    Eine um den Faktor 5,6 bis 11,2 höhere Möglichkeit allein aufgrund der Pflegefrequenz schließt sicher nicht andere Ursachen aus für eine Bevorzugung der Drohnebrut aus, keine Frage. Dennoch sind diese Werte m E. so hoch, dass andere Faktoren dabei nur untergeordnete Rollen spielen und ich eine Selektion der Milben durch das Drohnenbrut-Schneiden als sehr unwahrscheinlich erachte. Zumal ja lange nicht jeder Imker Drohnebrut schneidet und die Varroa-Populationen nicht isoliert sind sondern sich stets aufs Neue wieder vermischen und so den Genpool divers halten.

  • Dennoch sind diese Werte m E. so hoch, dass andere Faktoren dabei nur untergeordnete Rollen spielen und ich eine Selektion der Milben durch das Drohnenbrut-Schneiden als sehr unwahrscheinlich erachte. Zumal ja lange nicht jeder Imker Drohnebrut schneidet und die Varroa-Populationen nicht isoliert sind sondern sich stets aufs Neue wieder vermischen und so den Genpool divers halten.

    Exakt das wollte ich deutlich machen - danke Llecter . Für evolutionäre "Drift" braucht es zwingende Umstände. Und die sind nicht gegeben.

  • Zudem ist die Muttermilbe bei A. cerana in der Arbeiterinnenbrut infertil (H. Hänel), was die zwingende Fokussierung der Milbenvermehrung auf die Drohnenbrut macht.

    Werde mal versuchen, den Grund für diesen Umstand herauszufinden. Das ist doch mal interessant...

  • Die Erste Brut im Volk ist keine Drohnenbrut, da steht ma fest.

    Ich denke die Vampiere gehen DA rein! Wären doch blöde wenn die Wochenlang auf Drohnenbrut warten würden.:wink:

    Die hohe Reproduktionsrate in der Drohnenbrut aufgrund der längeren Verdeckelungszeit ist die Gefahr die auftaucht wenn die Winterbehandlung nicht gesessen hat.

    Ob in den anfänglich Paar Hundert Drohnenzellen mögliche?? Doppelparasitierung stattfindet ist hier die Frage...... Das Wäre jedenfalls schlecht in Sachen Jungfernzeugung der Milben.

    12er DD, und Buckies, gaanz sicher!

    Der Pessimist sieht die Schwierigkeit in jeder Möglichkeit!

    Der Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit!

    W. Churchill

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  • Nachdem ich nochmals nachgeforscht habe, hier eine ältere Arbeit, die manches klarer macht und zeigt, dass der Prozess zur Vorbereitung und schließlich der Fortpflanzung der Varroamilbe durchaus komplex, aber eindeutig von Juvenilhormon III gesteuert ist.


    imkerforum.de/attachment/11954/


    Interessant ist auch die Erkenntnis, dass besonders ältere Sommerbienen einen hohen JH III-Spiegel aufweisen. Möglicherweise erklärt dies mit der Vermehrungsdynamik die so oft beobachtete "Rückkehr" der Varroamilbe im September...


    Natürlich sind das keine neuen Erkenntnisse - aber vielleicht für den Einen oder Anderen hier doch - man wird ja nicht dümmer dadurch.

  • man wird ja nicht dümmer dadurch.

    Absolut nicht, vielen Dank für die interessante Recherche :thumbup:


    Leider kann ich die PDF nicht öffnen und ich bin auch grad zu dumm das Paper zu googeln. Kannst du vielleicht noch den Originaltitel des Papers posten? Danke!