Jetzt Ableger bilden oder lieber warten?

  • Hallo zusammen,


    als blutiger Jungimker stellt sich mir gerade eine konkrete Frage zur Vorgehensweise; vorab aber erst die Ausgangssituation:


    Ich habe hier zwei Dadant-Beuten mit jeweils einem Ableger (4 bebrütete Rähmchen mit allen Brutstadien und Nektarkranz + rechts und links jeweils eine Nektar-/Pollenwabe). Halber HR ist aufgesetzt und wird jetzt erst angefangen auszubauen (HR-Rähmchen sind mit MW).


    Der Plan:

    Für das Jahr 2020 will ich auf 4 Völker kommen (-->falls ich einen fachlichen Fehler z.B. bei der Varroa-Behandlung mache). Honigernte ist sekundär.


    Meine Frage:

    Ist mein Gedanke richtig jetzt am kommenden Sonntag (Wetter soll wieder besser sein) jeweils einen Ableger daraus zu ziehen, oder lieber noch zu warten, damit die beiden vorhandenen Ableger noch stärker werden?


    Wie würdet ihr jetzt vorgehen?

    Ich imker mit 12er Dadant modifiziert und Buckfast-Landbienen in Porta Westfalica.

  • Die Völker so weiter bis zur Sommerhonigernte führen. Danach mit dem Bienenüberschuss 2 Kunstschwärme bilden, 2 Königinnen dazu kaufen. Da dieses Jahr alles früher blüht, bekommst Du damit noch starke Einwinterungsvölker, ohne die jetzigen in ihrer Entwicklung zu behindern.

  • Ich stimme meinen Vorrednern auf jeden Fall zu: Überschüssige Bienen nach der Saison genutzt, um den Völkerbestand zu vergrößern. Ein Punkt sollte allerdings beachtet werden:

    Falls dir im Sommer noch Schwärme aus deinen Völkern abgehen sollten, reicht die Volksstärke mitunter nicht aus, um aus den angeschwärmten Völkern noch überwinterungsfähige Völker durch Kunstschwärme aufzubauen.

    Die sicherere Variante für Anfänger ist in meinen Augen der Ableger im April oder Mai. ;)

    Sieht man der Schwarmzeit aber optimistisch und gelassen entgegen, würde ich auch Kunstschwärme bevorzugen.


    Also wie immer "2 Imker - 3 Meinungen" :D Du solltest einfach für dich abwägen, was besser in dein Konzept passt und womit du dich wohler fühlst.

    Carnica auf DNM 1,5 mit Schied (Segeberger) im schönen Hochsauerland an der Grenze zum Märkischen Kreis

  • Moin,


    für einen Anfänger sind Ableger nicht verkehrt. Sauglinge, Kunstschwärme etc. lassen sich auch dann noch nach der Ernte bilden. Für den Anfänger hat der Brutwabenableger nämlich schon Vorteile, die am Anfang helfen:


    - Dämpfen des Schwarmtriebs


    - Reduktion des Varroadrucks in den Spendervölkern


    - Kennenlernen der Nachschaffung


    Ich schröpfe in zwei Wochen alle meine Völker um einen starken Sammelbrutableger zu bilden - der ist freilich für die gezielte Vermehrung von Königinnen. ;)


    Beste Grüße


    Peter

  • Das Geld für das zukaufen von Königinnen sparen und nach der Rapsernte in zwei, drei Wochen zwei Ableger bilden.

    Nach der Ernte ist genug arbeitslose Bienenmasse vorhanden. Ausreichend stark gebildet erreichen die locker bis zum September Überwinterungsstärke.

    Sollte aus einer Königin nichts werden, reicht die Zeit sogar für die nochmalige Gabe von Zuchtmaterial. Damit hast du 2019 vier Völker und 2020 dann acht.

    Das Geld für neue Königin kannst du dann für neue Beuten ausgeben.


    Viel Erfolg

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Bienen Ede, Du schreibst Zuchtmaterial zugeben.


    Blechschere hat 2 Völker. Ob das gute oder schlechte Völker sind, kann er noch nicht sehen. Bei 2 Königinnen von Zuchtmaterial zu reden,..... . Für mich wäre das Vermehrung und keine Zucht.


    2 Königinnen von einem Züchter geben ihm die Chance, besser über die Wertigkeit dessen, was er hat, zu urteilen. Und im nächsten Jahr könnte er von 4 Völkern das zur Vermehrung nehmen, welches ihm gefühlsmässig am meisten zusagt.

    Man muss sich auch die Möglichkeit geben, Unterschiede der Genetik zu erkennen.

  • Nach der Ernte ist genug arbeitslose Bienenmasse vorhanden.

    Das weiß man nicht, bei deinen Völkern, da man im Profil dazu nichts findet.

    Bei den beiden genannten Völkern könnte das sehr zweifelhaft sein. Vier Brutwaben DD, wo man nicht weiß, wie viel Brut darauf gepflegt wird?

    Königinnen kaufen ist kein schlechter Ratschlag. Es muss keine 300 Euro Zuchtkönigin sein. Aus einem guten Stall sollte sie aber schon kommen.

  • Ach das große Thema der Zucht.

    Bitte das ist nur meine Meinung zu Zucht.

    Jeder der selektiv beispielweise immer seine besten Völker zur weiteren Vermehrung nimmt, betreibt auch Zucht. In dem Falll ist es korrekter Weise mehr Vermehrung.

    Damit will ich auch nicht unsere "Edelzüchter" vors Schienenbein treten.

    Diese haben aufgrund von diversen Möglichkeiten ein vielfaches an Möglichkeiten.

    Dennoch gibt es wenige sehr gute Züchter. Diese sind schon fast in Gold aufzuwiegen. Nichts desto trotz kann man mit einer normalen Landrasse gut und auskömmlich imkern.

    Für mich wären 4 ausgebaute Dadantwaben erstmal ein Volk mit dem man imkern kann. Sind die aber durchsetzt mit Honig und Nektar reicht es sehr schnell nicht mehr.

    Ja, dann macht es Sinn auch die Königinnen zu tauschen.

    Nichts anderes mache ich bald auch. Einige Königinnen haben von mir die Drohung erhalten, bis zum Rapshonigschleudern auf der Höhe zu sein.

    Soviel zur Zucht. Auch ich habe gelernt, dass das durchschleppen von Schwächlingen nur Ärger mit sich bringt.

    Sollte ich das verpennt haben.

    Mea Culpa.

    Es kann aber auch an der derzeitigen Situation liegen gepaart mit imkerreilischen Fehlern. Die Bienen lagern hier aufgrund der Temperaturschwankungen den eingetragenen Nektar im Brutraum ein. Ich kann mit meinem einheitlichen Rähmchenmaßen gegensteuern.

    Freier Imker

    Ohne Verein, DIB, Imkerverband und sonstigen Establishment

    Neutral und unbelastet.

  • Jeder der selektiv beispielweise immer seine besten Völker zur weiteren Vermehrung nimmt, betreibt auch Zucht.

    Ja, das nennt man auch "Basiszucht" und man kann dazu auch einiges nachlesen... - dazu gehört aber auch das man von den Schwächeren auch keine Drohnen schlüpfen lässt - man sollte schon immer beide Seiten auswählen, die Mutter- UND die "Vater"-Seite...

  • Um mal von der Zucht wieder zurück zur ursprünglichen Frage zurückzukommen:


    Oben wurde ja mehrfach der Kunstschwarm nach der Abschleuderung empfohlen. Dem würde ich mich auch anschliessen: Die Bienenmasse, die nach dem Abschleudern eh nicht mehr in die Kisten passt wird somit sinnvoll genutzt. Und man spart sich die zusätzliche Arbeit mit dem Füttern/Aufpäppeln von Ablegern während der arbeitsreichsten Phase der Saison.


    Ableger zu machen würde ich hingegen nicht empfehlen. IMHO ist es gerade für Anfänger besser abzuwarten, bis die Völker in Schwarmstimmung kommen. Dann Königinnenableger und im Ursprungsvolk genau eine (die schönste) Zelle stehenlassen. Im Gegensatz zur Nachschaffung wird dabei die Jungkönigin von Anfang an optimal gepflegt. Auch muss man dabei niemanden aufpäppeln: beide Volksteile kommen zuverlässig auf Einwinterungsstärke.


    Mein Vorschlag wäre also:

    1. Kö-Ableger sobald Schwarmstimmung.
    2. KS mit zugekauften Kö nach dem Abschleudern, falls gegen Ende der Saison noch Bedarf besteht (also zB wenn unerwarteterweise die Völker keine Schwarmstimmung hatten).

    Damit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du 5 oder mehr Völker einwintern kannst/musst.