Spendervolk nach Sanierung verloren

  • Ich habe gerade festgestellt, dass ich mein allererstes Volk verloren habe.

    Leider hatte ich dieses eine Mal kein Smartphone dabei, deswegen muss ich die Situation beschreiben.


    Wichtigste Vorbemerkung:

    Kaputt gegangen ist nach der Sanierung das Spendervolk, welches vor 10 Tagen verstellt wurde, während der Kümmerling am Ende der Sanierung am Sanierungsstandort verblieben ist, um die Flugbienen aufzunehmen.


    Ich wollte nur kurz bei meinem einen Wiegevolk einen HR aufsetzen. Dabei ist mir aufgefallen, dass vor einem anderen Flugloch Null Betrieb war, während alle anderen noch flogen. Also aufgemacht und schnell gemerkt, dass da etwas ganz und gar nicht stimmt.


    Folgendes Bild hat sich mir geboten:

    • Auf den Waben viele tote Bienen, einige wenige, die noch letzte Zuckungen machen,
    • sehr, sehr viele Bienen auf dem Bodengitter,
    • viele Bienen, die kopfüber in den Zellen steckten,
    • auf den Brutwaben bis in die Ecken gehende verdeckelte (und verlassene) Brut, in der Mitte großflächig geschlüpfte, aber nicht wieder neu bestiftete Zellen.
    • Es müssen in den letzten 10 Tagen von mindestens 2 Brutwaben größere Mengen Bienen geschlüpft sein,
    • hinter dem Schied waren insgesamt rund 3-4 KG Futter in Futterwaben, allerdings ohne Bienen drauf.
    • Der vor 10 Tagen gegebene HR war natürlich bienenfrei.


    Das Volk war gut aus dem Winter gekommen, recht stark, keine auffällige Varroaproblematik. Deswegen habe ich dieses auch dazu auserwählt, als Spendervolk zu dienen.

    Ab dem 16.3. war dort ein Schwächling aufgesetzt. Die drei Wochen liefen ohne erkennbare Probleme.

    Am 6.4. erfolgte die Trennung, wobei der Spender 5 Meter verstellt wurde und der Schwächling am alten Standort verblieb.


    Zum Zeitpunkt der Trennung hatte das Spendervolk großflächig verdeckelte Brut (rund 4 BW DNM, Holz zu Holz), offensichtlich auch schlupfreife Brut, sowie Stifte und Maden.

    Daher habe ich mir um den Verlust der Flugbienen auch nicht so viele Sorgen gemacht, weil da ja genug Brut am Start war. Und wenn ich die Brutwaben jetzt betrachte und die Menge an toten Bienen im Boden, dann scheint da auch viel geschlüpft zu sein.


    Mein erster Eindruck: Die sind verhungert.

    Es sieht aus wie Futterabriss, denn auf den Brutwaben ist überhaupt kein Futter.

    Man könnte auch sagen: Ideal geschiedet, nur Brut vor dem Schied. Futter war aber hinter dem Schied ausreichend vorhanden.


    Ich verstehe aber nicht, warum die kein Futter herangeholt haben.
    Zwar war es nach dem 06.04. kühler, aber tagsüber war es nicht wirklich kalt. Siehe auch:



    Vielleicht war auch der Verlust der Flugbienen so groß, dass die verbleibenden Bienen sich nicht mehr ausreichend um die Brut kümmern konnten, aber dann wäre auch nicht so viel geschlüpft, und auch die Menge an toten Bienen wäre nicht so groß.


    Ich bin ratlos, weil nichts so richtig zusammenpasst.

    Ich bin auch heillos verunsichert, weil ich dachte, ich hätte die Grundlagen begriffen. Und nicht zuletzt trifft es mich mehr, als ich gedacht hätte.


    Vielleicht könnt ihr mir helfen, die Ursachen zu verstehen. Natürlich kann man im Moment nur mutmaßen, aber das bietet ja schon mal Ansätze.

    Bilder werde ich am WE noch machen, und auch mal genauer nachsehen, wie viele Bienen noch im Volk waren, etc. pp. Dazu kam ich jetzt auf die Schnelle nicht.

    Und nein, ich habe keinen Imkerpaten. Hier gibt es keine.


    Grüße

    Ralf

  • Verhungert. Flugbienen weg, Rest wärmt die Brut. Bis zum bitteren Ende. Die Moral von der Geschicht: in der Durchlenzung spielt man nicht. Da ist alles auf Kante genäht.


    Passiert. Es passieren noch ganz andere Sachen. Bevorzugt, wenn man denkt:

    Zitat

    Ich bin auch heillos verunsichert, weil ich dachte, ich hätte die Grundlagen begriffen.

    Kopf nicht hängen lassen. Auch wenn's schwer fällt, nur so lernt man.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich werde am WE mal auswiegen, wie viele Bienen da in der Kiste liegen.

    Ich habe mich dabei ja so ziemlich an die Literatur gehalten: Sanieren im März, für drei bis vier Wochen.


    Allerdings muss ich mir vielleicht vorwerfen, dass der Spender zwar gut beieinander, aber für eine Sanierung womöglich nicht stark genug war.


    Was ich nicht verstehe: Wenn Bienen schlüpfen, sind diese dann noch nicht in der Lage, Futter hinterm Schied ranzuholen? Anders gefragt: Sind es auch die Sammel-(Flug-)bienen, die das Futter hinterm Schied einsammeln und weiter verteilen, während die Ammenbienen das einfach nicht auf dem Schirm haben?


    Ich habe noch einen aufgesetzten Sanierungsfall. Diese werde ich jetzt bis Mai so lassen wie sie sind, bis die Durchlenzung ein gutes Stück durch ist.


    Wie auch immer - wenn es das jetzt für etwas gut sein kann, dann wenigstens das ich etwas daraus lerne. Aber da ich mit jedem Volk noch eine (fast persönliche) Geschichte verbinde, ist so ein Verlust noch ziemlich Aua in der Brust. Das muss ich mir wohl noch abgewöhnen.

  • Wofür steht "Sanierung" ?

    In dem Fall hat das mit AFB nichts zu tun:
    Ein schwaches Volk wird per ASG über ein starkes gesetzt. Die Pflegebienen von unten helfen dem Schwächling bei der Brutpflege, sowie mit Wärme, die ja bekanntermaßen nach oben.

    Dadurch kann ein Schwächling wieder in Fahrt kommen und ein anständiges Brutnest aufbauen.


    Zu diesem Verfahren gehört auch, dass der Schwächling nach der Trennung auf dem Standort verbleibt und so die Flugbienen dieser Sanierungskombo erbt, während der Spender selbige verliert, weil er ja im Flugkreis verstellt wird.


    Genau dieser Verlust scheint meinem Spender das Genick gebrochen zu haben.


    Die Ironie: Der ehemalige Schwächling scheint über den Berg - nach jetzigem Kenntnisstand.

  • Hi,


    bei mir ist so ähnlich gelaufen, der Brutsammler der TBE ist sehr stark über den Winter gekommen. Der im Herbst nach dem BS nachfolgende SaSa hat erst spät eine Königin gezogen und ist gerade so über den Winter gekommen. Den SaSa hatte ich dann auf den BS über Absperrgitter aufgesetzt und er hat sich sehr gut erholt, aber das vormals starke Volk ist jetzt nicht gut aufgestellt. Beim Auseinandersetzen war auf dem Boden auch ausgeräumte Brut.


    Ich vermute, viele Bienen sind in das aufgesetzte Volk nach oben gegangen und unten fehlte es an Wärme für die Brut.

  • Moin, moin,


    es gibt Bienen, die finden voll verdeckeltes Futter hinter dem Schied nicht. Hatte ich auch schon, und zwei Völker sind mir dabei verhungert. Ein drittes konnte ich durch aufkratzen der Waben davon überzeugen, auf der anderen Seite nachzusehen, so ziemlich in letzter Minute.

    Das gibt es also auch ohne Eingriff in die Durchlenzung. Vom frühen und engen Schieden allerdings bin ich seither ab, egal was Herr Binder dazu sagt oder schreibt... Die dürfen gerne von Holz zu Holz, aber sie müssen das noch nicht vor der Tracht.

    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Verdurstet?

    Wenn alle Flugbienen weg sind, wer sollte da Wasser holen?

    Und das haben sie an den vergangenen kalten Tagen bei mir auch bei 6 Grad gemacht! Ich musste die nahe (!) Tränke mehrfach nachfüllen.

    Schau mal, ob Du die Striche vom Kot der Maikrankheit finden kannst.

    Ich lasse während der Durchlenzung die Finger weg von den Völkern. Ausnahme: Weisellosigkeit.

    Gruß

    Bienenfrau

  • Hallo rall0r,

    ich habe eine andere Erklärung für Deinen Verlust, den ich ehrlich mit Dir bedauere.

    Die Bienen des Spendervolkes sind den Weg Spender >> Empfänger nicht nur einmal geflogen sonder haben sich ihren Heimatstock (5 m entfernt) und das dort vorhandene Futter gut gemerkt. Sie haben das Spendervolk ausgeräumt und ihr neues Zuhause mit gut Futter versorgt.

    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo rall0r,

    ich habe eine andere Erklärung für Deinen Verlust, den ich ehrlich mit Dir bedauere.

    Die Bienen des Spendervolkes sind den Weg Spender >> Empfänger nicht nur einmal geflogen sonder haben sich ihren Heimatstock (5 m entfernt) und das dort vorhandene Futter gut gemerkt. Sie haben das Spendervolk ausgeräumt und ihr neues Zuhause mit gut Futter versorgt.

    Gruß Eisvogel

    Wären dann noch mehrere volle Futterwaben in dem Volk? Wenn bei rall0r so Flugwetter herrscht wie bei mir, dann denke ich eher nicht.

  • Sie haben das Spendervolk ausgeräumt und ihr neues Zuhause mit gut Futter versorgt.

    Interessante Idee. Allerdings konnte ich auf den Futterwaben keinen Hinweis auf Räuberei entdecken, wie ausgebissene Zellränder. Wenn, dann haben sie auch nicht sehr gründlich geräubert. Es ist noch reichlich Futter vorhanden.


    Schau mal, ob Du die Striche vom Kot der Maikrankheit finden kannst.

    Das ist ebenfalls eine interessante Idee. Ich habe zwar noch nie davon gehört, dass Bienen im Frühjahr verdurstet sind, wenn Futter vorhanden ist, aber ich werde mal danach Ausschau halten. Vielleicht äußert sich "verdursten" und "verhungern" ja ähnlich?

  • Nee Räuberbienen hätten hinter dem Schied auch gesucht und gefunden.

    Es waren halt keine Damen mehr im Volk, die das Handwerk des Futterholens beherrschten. Ärgerlich, aber kann der besten Hausfrau passieren oder wie hieß das damals noch?


    Ich kenne jemand, dem ist in vierzig/fuffzig Jahren noch nie ein Volk verhungert. Sagt er. Ich bin eher bei der Version, er hat noch nie bemerkt, dass ihm ein Volk verhungert ist.

    Du hast es bemerkt. In der Zukunft auf brutnestnahes Futter achten. Wie Clas schreibt, nicht so sparsam mit dem brutnestnahen Futter sein.

  • Wenn ich die Skalierung des Temperaturverlaufs richtig interpretiere, ginge die Tageshöchstwerte bis auf 6° und leichten Nachtfrost zurück, oder?

    Da kann der Weg hinters Schied schon recht weit sein, besonders wenn man vorher noch Flugbienen und ein paar Pflegebienen verloren hat.

    An den wärmeren Tagen konnten die hinters Schied und Futter holen. Doch wohin holen...es war ja alles bebrütet. Bleibt also nur der Honigmagen des Biens...und der reichte für die kühlen Tage und Nächte nicht...zumindest nicht ein paar Tage hintereinander. So meine Theorie.

    Kopf hoch.

  • Hallo an alle,

    es tut mir sehr leid für Euch, Ralf und deine Bienen natürlich.

    Ich habe dieses Jahr zwei sehr gute Königinnen, die ich spät letztes Jahr zugekauft hatte, aufgesetzt. Nach 2 Wochen habe ich die Völker wieder getrennt, weil die ersten Drohnen in Arbeit waren und ich die Kös nicht riskieren wollte.

    Ein versetzter Spender hatte gleich einige Flugbienen. (Der Brutraum ist mir beim Absetzen etwas abgerutscht. Evtl. hat der Ruck ein neues Einfliegen bewirkt. -> Baum fällt.) Der andere versetzte Spender hatte plötzlich 0 Flugbienen. Jedoch genug Futter vor dem Schied. Da die Bienen zu der Zeit viel Brut hatten und viele Wasserholerinnen unterwegs waren, hatte ich auch Sorge um die Wasserversorgung und habe jeden Morgen Wasser von oben auf die Oberträger gesprüht. Habe beim Deckel anheben schon gesprüht, weil es auch noch kalt wurden.

    Es hat zum Glück geklappt. Nach etwa 5 Tagen waren wieder ausreichend Wasserholerinnen draußen.

    LG Olivia

    Wiedereinsteigerin nach 20 Jahren. :Biene:

    DN 1,5 in Segeberger Beuten