Ableger in Not (Räuberei)

  • Hallo Kolleginnen und -en,
    habe ende Juni aus 2 Brutwaben und 2 Honigwaben einen Ableger angelegt, der mittlerweile eine Königin geschaffen hat.
    Ich füttere regelmässig - muss aber mit ansehen, dass die beiden anderen Völker die im selben Schauer mit untergebracht sind systematisch bei diesem räubern. Vor dem Kasten liegen regelmässig tote (sehen jung und was die Flügel betrifft unverbraucht aus) Bienen liegen - sie wurden vermutlich von den Kolleginnen der Nachbarvölker erstochen.
    Ich habe den Eindruck, dass dieser Ableger so keine Chance hat. Kann ihn nicht nach hause nehmen (meine Nachbarin hat eine Allergie - das gäbe Ärger).
    Ist es sinnvoll für das kleine Volk innerhalb der Wiese (70 m lang) am entgegengesetzten Ende was zu bauen um es umzusetzen und vor den "Verfolgern" zu schützen?, der Verlust der Flugbienen wäre im Augenblick das kleinere Übel glaube ich. Ich könnte ja noch eine Brutwabe aus den anderen beiden Völkern zuhängen und kräftig füttern.
    Mein Hauptinteresse ist - da ich Anfänger bin - mit möglichst vielen Völkern in den Winter zu gehen, um bei Ameisensäurebehandlung und anderen möglichen Fehlerquellen das Risiko eines Totalverlustes im Frühjahr zu reduzieren.
    Bitte gebt mir mal einen Rat.
    Danke,
    Gruss Charly

  • Charly,
    Wenn es möglich ist, gehe jetzt und enge das Flugloch ein.
    Bring Deinen Ableger in den Morgenstunden, wenn er noch nicht fliegt, aus seinem Flugbereich. Egal wohin. Nachdem er geschwächt ist, würde ich keine Hemmungen haben, ihn zuhause aufzustellen, gut zugedeckt, vor Nachbars Blicken geschützt. Das fällt lange nicht auf. Verenge das Flugloch auf 2 Bienenbreiten! Wenn die Königin noch in Ordnung ist, hat er sich in 2 Wochen erholt und Du kannst ihn wieder zurückbringen. Lass ihm aber den kleinen Flugkeil.
    Hermann

    Hermann Eiglmaier
    Veilchenweg 18
    85591 Vaterstetten

  • Hallo Hermann,
    heimholen geht nicht, das wäre ein Vertrauensbruch. Habe ein zu gutes Verhältnis mit meiner Nachbarin als dass ich es aufs Spiel setzen wollte.
    Das Flugloch ist schon extrem eingeengt (2 Bienenbreiten könnte hinkommen).
    Gleich kann ich auch nichts unternehmen weil ich hier was arbeiten muss -so wie wir alle - und eine solide Lösung erst am Wochenende basteln kann. Das Magazin ist alt und nicht wetterfest. Es muss also irgendwie wettergeschützt werden.
    Frage: entkomme ich der Räuberei innerhalb von 70 Metern - und hat es Sinn das so zu machen wie ich anfangs überlegte?,
    das mit Heimholen wäre klar besser und ich mache es Euch nicht leicht, sehe ich schon.
    danke nochmal,
    Gruss Charly

  • Hallo Charly,


    die anderen Völker hast Du doch hoffentlich auch gefüttert. Räuberei wird gefördert duch Hunger aber auch durch den Zwang zum Nichtstun.
    Ein Verstellen um zwei oder mehr Kilometer wäre das Beste. Die 70m helfen vielleicht auch, sicherheitshalber auch die Fluglochrichtung ändern.
    In alter Literatur wird auch empfohlen Brennesseln dicht um das Flugloch zu legen und/oder es mit stinkender Flüssigkeit (Karbolineum??) einzustreichen. Habe es noch nicht getestet.


    Viel Erfolg, Thomas

  • Hallo Thomas,
    klar, habe alle 3 Völker gefüttert, die grossen haben viel, der kleine weniger bekommen. Habe auch versucht das abends zu machen (nachdem mir das Problem bewusst wurde - aber da hatte es sich offenbar schon rumgesprochen..), damit die Abnahme ausserhalb der Flugzeit geschieht.
    Karbolineum ist mir zu giftig, das mit den Brennesseln versuche ich mal.
    danke,
    Gruss Charly

  • Charly,
    70m reichen nicht. Räuberbienen übernachten gelegentlich in den beräuberten, geschwächten Völkern und "arbeiten" am nächsten Morgen weiter. Es ist eine Frage von Stunden bis die alte Räuberei wieder einsetzt, es sei denn, eine starke Tracht setzt irgendwo ein. Bei dieser Jahreszeit unwahrscheinlich. Ist der Ableger stark genug, kann er sich verteidigen, sonst ist er verloren. Deshalb würde ich es riskieren, die Beute irgendwo in einem Busch unterzubringen. (Mitten in der Münchner Altstadt hat ein Imker im Dachboden eines 5 stöckigen Hauses, jahrelang 7...10 Bienenvölker gehalten!)
    Die Beute klaut Dir niemend, höchstens, daß sie umgestoßen wird. Mit derartigen Schäden rechne ich immer.
    Vergiß nicht, Deinen Namen zu hinterlassen und schreib ruhig, daß Du in der Not und nur für 2 Wochen die Bienen dort untergebracht hast. Ich hab natürlich gut reden, ich kenne ja Deine Umgebung nicht. Trau Dich.
    Hermann.

    Hermann Eiglmaier
    Veilchenweg 18
    85591 Vaterstetten

  • Charly,
    die Phiöosophie vom Geruch ist folgende: die Räuberbienen kommen vollbeladen heim und riechen fremd!und werden deshalb nicht reingelassen!!!
    Das stimmt aber nicht. Sie kommen vollbeladen heim und werden deshalb reingelassen. Erst recht in dieser Jahreszeit, wenn die Tracht zu ende geht.
    Hermann

    Hermann Eiglmaier
    Veilchenweg 18
    85591 Vaterstetten

  • Hallo Hermann,
    das (dass die Räuber übernachten) überzeugt mich. Denke mir was aus, lebe in ländlicher Umgebung, werde mal mit dem Fahrrad am WE was ausbaldowern und eine abgelegen ruhige Ecke suchen.
    Vielen Dank, wäre sonst mit meinem Vorhaben vermutlich gescheitert,
    Grüsse Charly

  • Hallo Charly, versuch es doch mit mehrmaligen Umstellen der Ableger. Auf den alten Standplatz ein leeres Magazin aufstellen, die sich dort eingeflogenen Raubbienen geben , wenn sie nichts finden, bald wieder mit der Räuberei auf.Füttern nur abends, nach Flugeinstellung. Tipp fürs nächste Jahr: Ableger und Altvölker nicht auf den selben Platz aufstellen. Volle Honigtöpfe wünscht Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,
    das mit der Attrappen-Beute ist gut,
    werde jetzt erstmal schauen ob die Königin überhaupt bisher überlebt hat, weiss nicht wie Bienen sich da verhalten. Habe gestern kurz vorbeigeschaut um zu füttern und den "Kleinen" vorsichtig gelupft. Viel ist da nicht mehr. Es hat so ausgesehen als ob sich die Stockbienen zwischen 2 Waben verbarrikadieren würden. Hatte keine Schutzkleidung dabei und habe deshalb (weil ich ein Schisser bin..) nicht weiter nachgesehen.
    Werde jetzt entweder einen Platz ausserhalb suchen oder - was vielleicht auch geht 2 oder 3mal innerhalb meiner Wiese versetzen. Dann wäre das Problem der mitwandernden Räuber (die die dort übernachten s.o.) gelöst.
    Wenns denn klappen würde käme eine auslaufende Brutwabe von einem der "grossen" Völker rein und fertig.
    Dass die Kleinen und Grossen getrennt werden sollten ist für mich jetzt auch der Aha-Effekt und die Lehre. Aber besser mir ist das heuer passiert als nächstes Jahr wenns gross (relativ) ans Expandieren geht.
    Melde mich nochmal und erzähle wie die Geschichte ausgegangen ist.
    danke,
    Gruss Charly

  • Hallo Charly,


    besetzen die Bienen wirklich nur noch eine Wabengasse? Das wäre arg wenig. Sollte noch eine Weisel da sein, kannst Du m.E. nur noch mit verdeckelter Brut helfen. Es gibt aber auch den Hinweis in der Literatur, daß eine Jungweisel erst mit der Eiablage beginnt, wenn die letzte Brut der Vorgängerin (oder eben zugehängt Brut) geschlüpft ist. Also erst Brut zuhängen, wenn sie legt.


    Viele Grüße, Thomas