Neonics in der Notfallzulassung

  • Klöckner hatte ja mal versprochen Was der Biene schadet muss vom Markt".


    Jetzt ist ein Neonicotinoid per Notfallzulassung wieder auf dem Markt - Carnadine mit dem Wirkstoff Acetamiprid. Blattläuse an Rüben bedrohen offenbar die deutsche Landwirtschaft existenziell <ironie off>.


    agrarheute

    sagt: das Mittel wird als „nicht bienengefährlich" eingestuft.



    Die Sueddeutsche berichtet dagegen:

    "Das Mittel wird als schädigend für Populationen von Bestäuberinsekten eingestuft", heißt es in den Zulassungsunterlagen.


    Man kann nicht soviel essen wie man kotzen möchte ...


    Gruß

    Marion

    Gruß Marion


    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • Jetzt ist ein Neonicotinoid per Notfallzulassung wieder auf dem Markt - Carnadine mit dem Wirkstoff Acetamiprid. Blattläuse an Rüben bedrohen offenbar die deutsche Landwirtschaft existenziell <ironie off>. (....)

    Man kann nicht soviel essen wie man kotzen möchte ...

    Die Beizung vom Saatgut wurde verboten. Klingt ja erstmal gut. Leider übertragen Läuse einen Virus, der die Blätter vergilben läßt und bei der Rübe zu Zwergwuchs führt. Das ist ggf. tatsächlich existenzbedrohend. Also muß der Landwirt spritzen. Was auch doof ist. So werden jetzt nämlich alle Insekten gleichermaßen getroffen. Auch durch Abdrift oder weil sie zum Raps hin einen Rübenacker queren. Mir wäre als Imker die Beizung lieber gewesen.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Mir wäre als Imker die Beizung lieber gewesen.

    Das ist eine weit verbreitete, aber in meinen Augen nicht ganz zu Ende überlegte Meinung. Wenn ich durch Beizung eine Pflanze schützen will brauche ich ungleich mehr Wirkstoff um die Zielorganismen zu erreichen als wenn ich diese direkt (be)spritze. Zumal man mit durchdachten Ausbringmethoden die Gefahr deutlich verringern kann.

    Durch so bei der Beizung bedingte, relativ hohe Konzentrationen (oder Wirksamkeiten) werden die Böden und das Wasser stark und oft länger als angegeben verseucht. Gerade dieses Wasser ist eine mindestens genau so ernst zu nehmende Gefahr für Bestäuber wie die Abdrift beim Spritzen.

    Außerdem ist es oft eine Behandlung ohne jeglichen Bedarf. Das ist Murks.

    Die Kombination, dass die Pestizidvertriebler gleichzeitig für die Beratung der Landwirte zuständig sind, ist in allen Fällen ein grauslicher Fehler.

  • Ich steh im Raps angrenzend an einen Rübenacker. Ich füttere Sirup auf Rübenbasis, ich kaufe Lebensmittel mit Rübenzucker.... Gibt schon Berührungspunkte.


    Und ich hab nicht zuletzt meine Kollegen in der Landwirtschaft.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Mir wäre als Imker die Beizung lieber gewesen.

    Das ist eine weit verbreitete, aber in meinen Augen nicht ganz zu Ende überlegte Meinung. Wenn ich durch Beizung eine Pflanze schützen will brauche ich ungleich mehr Wirkstoff um die Zielorganismen zu erreichen als wenn ich diese direkt (be)spritze. Zumal man mit durchdachten Ausbringmethoden die Gefahr deutlich verringern kann.

    Durch so bei der Beizung bedingte, relativ hohe Konzentrationen (oder Wirksamkeiten) werden die Böden und das Wasser stark und oft länger als angegeben verseucht. Gerade dieses Wasser ist eine mindestens genau so ernst zu nehmende Gefahr für Bestäuber wie die Abdrift beim Spritzen.

    Außerdem ist es oft eine Behandlung ohne jeglichen Bedarf. Das ist Murks.

    Die Kombination, dass die Pestizidvertriebler gleichzeitig für die Beratung der Landwirte zuständig sind, ist in allen Fällen ein grauslicher Fehler.

    Hinzu kommt noch, dass die Schadinsekten Zeit haben, Resistenzen gegen die Mittel auszubilden. Dies ist bereits bei über 20 Schadinsektenarten geschehen.

    https://www.bcp.fu-berlin.de/b…und-Verbuendete_April.pdf

  • [...].Warum soll das im großen anders sein als im kleinen? [...]

    Weil das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile und weil es viele Menschen gibt, die bereit sind selber Verantwortung zu übernehmen und beginnen mit kleinen Schritten das eigene (Konsum-)Verhalten zu ändern.

    Die Hoffung stirbt zuletzt!


    Aber die meisten 'Mitspieler*innen' werden wohl solange weiter foulen, wie ihnen dadurch ein Vorteil entsteht. Erst wenn die Gesellschaft regelt, was ein Foul ist und bei solchen Fouls auch tatsächlich abpfeift, wird sich die Spielkultur ändern. Wirtschaftlichkeit und Agrarwende passen wunderbar zusammen, wenn wir für eine entsprechende Rahmenordung sorgen. Dann bedroht der Verzicht auf Neonicotinoide auch nicht mehr die Existenz.

  • Die Kombination, dass die Pestizidvertriebler gleichzeitig für die Beratung der Landwirte zuständig sind, ist in allen Fällen ein grauslicher Fehler.

    Den Fehler macht - wenn überhaupt - nur einer: der Landwirt. Es ist nicht vorgeschrieben, von wem er sich beraten läßt. Der Staat hält sogar einen Beratungsdienst vor. Bei uns ist der Pflanzenschutzverantwortliche des Landwirtschaftsamtes - welch Zufall - aktiv im Naturschutzverein tätig. Seine Fachberatung ist gut und trägt mit den Jahren allmählich Früchte, die auch wir Imker schätzen.

  • Jede Medaille hat zwei Seiten, wenn man sich mit den Landwirten unterhält, lernt man auch deren Probleme kennen, die haben einen enormen Kostendruck und stehen trotz EU im globalen Wettbewerb. Wir haben da noch Glück, dass wir ein Nischenprodukt produzieren und uns zur Bekänpfung der Varoa rückstandsfreie Mittel zur Verfügung stehen. Gleichwohl ist Frau G. als Löwe gesprungen und als Bettvorleger gelandet.

    VG