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    Hallo Freunde,


    Würde mir gern mal einen Rat einholen.

    Habe momentan 7 Völker und habe ursprünglich geplant meine Imkerei sukzessive auf ca. 25-30 Völker auszubauen.

    Mache das Ganze erst seit 2 Jahren..

    Stelle nun fest, dass meine Völker sich sehr unterschiedlich entwickeln (habe zugegeben auch einiges ausprobiert).


    Jetzt stellt sich für mich die Frage, ob es nicht mehr Sinn macht zunächst den Fokus mehr darauf zu legen die Völker die ich habe besser zu kontrollieren und die Abläufe 1-3 Jahre perfektioniere - bevor ich anfange die Völkeranzahl zu vermehren.

    Wäre ja grundsätzlich sinnvoller seine Betriebsweise erst einmal zu perfektionieren bevor man groß in die Menge geht - und dann die Fehler sich potenzieren.


    Auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob man jemals den "Perfektionsgrad" erreicht den man sich selbst vorstellt. Sind ja schließlich Tiere und Natur und keine Maschinen.

    Wahrscheinlich ist ein Mittelweg sinnvoller.

    Betriebsweise optimieren - und immer wieder neue Ableger durch die Schwarmverhinderung durch Schröpfen bilden.

    Oder denkt ihr ich soll Gas geben?:D

    Oder noch mehr auf wenige fokussieren.


    Grüße,

  • Ich stehe vor der gleichen Fragestellung. Und im Moment habe ich mich für Wachstum entschieden, weil mir das mehr Möglichkeiten des Ausprobierens gibt.

    Ich finde gerade am Anfang "kurze Iterationen" ganz gut, um Arbeitsweisen zu testen, weil ich dann schneller ein Gefühl dafür bekomme, was für mich funktioniert und was nicht.


    Ich habe letztes Jahr zum Beispiel sehr schnell gemerkt, dass 2 BR mir zu viel Arbeit machen, weil die Kippkontrolle zu unsicher erschien. Dann habe ich einige Völker auf einen BR umgestellt, und das dann bewertet, während ich immer noch den anderen Teil auf 2 BR habe laufen lassen.
    Nachdem ich gemerkt habe, dass ein BR für mich besser handhabbar ist, habe ich testweise zwei Völker auf Großwabe (DNM 1,5) umgestellt, und dann bewertet, wie das funktioniert (diese Bewertung läuft bis jetzt). Im Vergleich dazu habe ich andere Völker auf einem und zwei BR belassen.
    Mein jetziges Fazit: In einem großen BR überwintert es sich für mich am einfachsten, weil genug Futter rein passt und das Anpassen des BR im Frühjahr einfach geht (bei einem kleinen BR: Futter wird eng, bei zwei BR: schwierig, ein Schied zu setzen).


    Langer Rede, kurzer Sinn: Hätte ich versucht, eine Betriebsweise zu perfektionieren, hätte ich mich womöglich auf eine konzentriert, die ich am Ende lieber verworfen hätte.


    Falls man sich in der Softwareentwicklung auskennt: Ich habe sozusagen "Agiles Development" auf meine Herangehensweise an die Imkerei adaptiert, und nicht das Wasserfallmodell :-)


    Ist aber eine Frage, womit man sich wohler fühlt. Ich kann jeden verstehen, der sagt, man solle sich erst mal auf eine Sache konzentrieren.

  • Puh, was heisst schon perfektionieren oder Betriebsweise? Klar wird man sich jedes Jahr einen gewissen Plan zurechtlegen oder sich beispielsweise grundsätzlich dafür entscheiden, entweder über Kunstschwärme oder über Ableger zu vermehren, mittels Ameisensäure oder totaler Brutentnahme zu behandeln etc. Aber weiss man nach drei Jahren mit sieben Völkern wirklich, was der in jedem Punkt «perfekte» Weg ist? Gibt es das überhaupt?


    Ich habe mich z.B. dafür entschieden, ab und zu Königinnen zuzukaufen, davon Töchter nachzuziehen und über Kunstschwärme zu vermehren. Ich würde sogar behaupten, dass ich für dieses Jahr schon einen recht detaillierten Plan im Kopf habe (mit entsprechendem Schlafmangel, natürlich! ;) ). Aber wenn ich Ende April mit Schrecken feststellen sollte, dass eines der Völker sich in höchster Schwarmstimmung befindet, dann werde ich ohne zu zögern einen Königinnenableger bilden. Passt so gar nicht zu meinem Plan, aber was soll’s? :) Vielleicht werden sich mit Blick auf die geplante TBE irgendwelche unerwarteten Probleme stellen und ich werde doch wieder auf die AS-Dispenser zurückgreifen müssen. Wer weiss?


    Pläne sind gut und recht, bin ein grosser Freund davon, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Das ist doch immer alles irgendwie im Fluss. Und ein Gefühl für eine Art Betriebsweise entwickelt man doch ohnehin nur durch viel Erfahrung. Ich schliesse mich deshalb dem Rat von rall0r an.


    Übrigens stellte ich dieser Tage fest, dass sich meine im letzten Jahr möglichst standardisiert geführten Völker aktuell alle in einem vergleichbaren Zustand befinden, mit nur geringfügigen Abweichungen bzgl. Futterverbrauch, vermuteter Brutnestgrösse etc. Aber ich bin nicht so naiv zu denken, das sei mein Verdienst! :D

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Perfektionieren der Abläufe? Kann man machen, verhindert aber überhaupt nicht die völlig verschiedenen Entwicklungen der Völker.

    "Lebewesen sind nicht auf der Drehbank entstanden"...


    Ergo: Vermehren, wenn man mehr Völker haben will und Selektion der Königinnen, die nicht das Bild zeigen, was dem Imker genehm ist.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • Hi!


    Pläne sind doch dazu da geändert zu werden, wozu Planwirtschaft mit strikter Pflichterfüllung führt, sollte doch jedem bekannt sein ;-).


    Auch 20 Völker sind noch recht überschaubar. Also aufbauen und dann wirst du schon schnell selber merken, was verbessert werden sollte.


    Vor allem entwickelt sich die Betriebsweise doch immer weiter, wäre zumindest schade, wenn man nur auf einem Stand stehenbleibt ohne über den Tellerrand zu gucken.


    Grüße,

    Marco

    And that's the way it is (Walter Cronkite)

  • Es ist auch davon abhängig, wieviel finanziellen und räumlichen Spielraum man hat.

    Nicht zu vergessen ist, das zum Betrieb neben der Produktion auch der Absatz gehört.


    Liebe Grüße Bernd

  • Oder denkt ihr ich soll Gas geben?:D

    Oder noch mehr auf wenige fokussieren.

    Eine Frage des Könnens und der verfügbaren Kapazität (Zeit, Geld, Platz)...


    Nach 2 - 3 Jahren imkern hätte ich mir 20 - 30 Völker nicht zugetraut. Jeder lernt unterschiedlich. Aus sieben Völker 30 zu machen, heißt erfolgreiche Königinnenzucht oder Zukauf.


    Für gute Kö'-Zucht braucht man ein sehr gutes Volk, ggf. ist bei den sieben eines herausragend. Die Standbegattung schafft unterschiedliche Ausprägung, wenn man nicht über Jahre entsprechende Genetik am Stand etabliert hat. Und dann bleiben immer noch externe Drohnen.


    Insofern - Belegstelle oder Mondscheinbegattung (s. parallele Diskussion

    Das Köhlerscher Verfahren für Begattungen - Mondscheinbegattung). All' das erfordert ein wenig mehr Erfahrung und Aufwand, denke ich.


    Willst gutes Material, ist Standbegattung eben nur Glücksache; also begattete kaufen - ist teurer und man muss die Kö's vom Züchter einschätzen können (da gibt es auch Ausfälle).


    Wesentlich ist das Ziel: muss schnell etwas her, weil die Kunden die Burg stürmen, kann man auch Honig kaufen. Soll 's aber eine gewisse Größe sein, würde ich sehr auf die Genetik achten, um die spätere Arbeit zu erleichtern. Man kann sich schnell verzetteln.


    Meine Meinung


    Rainer

  • tobeekeeping , die Erweiterung auf 20-30 Völker bedeutet vor allem auch, mehr Lagerraum, entsprechenden Schleuderraum mit effizienter Technik, Transportlogistik ect. Da muss man richtig Geld in die Hand nehmen. Wenn man hier investiert dann so, dass es für die angestrebte Völlerzahl geeignet ist. Aus wirtschaftlichen Gründen wäre dann der richtige Zeitpunkt zu wählen. M.E. wenn Du jedes Jahr Deine Völkerzahl verdoppelst ist das bald notwendig. Ja, und dann das richtige Betriebssystem mit passenden Beuten! Hast Du da schon klare Vorstellungen? Wenn Du hier im Forum die Diskussion aufmerksam verfolgst, dürfte Dir die Wahl nicht schwer fallen. Wenn Du es wirklich willst und Dir zutraust, mach es. VG

  • Naja,

    jetzt mal ein Wort vom Großimker 😀,

    20 bis 30 Völker, dafür braucht man noch keine Großtechnik. Und für drei Mal im Jahr für jeweils zwei Stunden zu Schleudern, dazu braucht es noch keine Entdeckelungs-und Schleuderstraße in einer Industriehalle direkt am Flugplatz. Dafür brauch es, zumindest in der Findungsphase, auch keinen Gelände-LKW mit einem Hänger auf dem man auch einen Tagebaubagger transportieren könnte und auch keinen Disco-Gelände-Pickup mit Rundumleuchte. Bei vielleicht vier Standorten tut es auch ein robuster Caravan mit Hängerkupplung.

    Viel Spaß

    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Also sorry bei 30 Völker schleuderst du nicht nur 2h pro Ernte.

    Das brauchst du mit Gehetzte und ausgeklügelter Logistik schon um nur das Beutenmaterial heranzuholen und das evt auch noch mit 2 Personen.

    Beim Schleudern noch Hilfskräfte für das Entdeckeln und Schleuder bestücken, Filter überwachen und in Rührbehälter umfüllen.


    Dafür kannst du ruhig 2 Tage mit Hilfkräften anrechnen.


    Liebe grüße Bernd

  • Also ich würde es folgendermaßen machen.


    Dieses Jahr könntest du dich ohne große Probleme verdoppeln. Dann wirst du nächstes Jahr sehen wie es aufwandsmäßig und finanziell läuft. 7 oder 15 Völker durchzuschauen macht jetzt m.E. nicht unbedingt den riesen Mehraufwand, beim Schleudern sieht es dann jedoch etwas anders aus.

    Wenn du dann im nächsten Jahr merkst dass es dir zu viel ist, kannst du immernoch die überschüssigen Völker in Ableger aufteilen und verkaufen. Wenn nicht, noch einmal vermehren auf deine Wunschvölkerzahl.

    Nix ist schlimmer als wenn du mitten in der Saison da stehst und merkst dass es dir zu viel wird. Ist nem Vereinskollegen von mir letztes Jahr passiert der vor 2 Jahren von 5 auf 20 erweitert hat. Das ging schon Anfang Mai in die Hose wegen Material- und Zeitmangel und hat sich bis ins Einwintern durchgezogen.


    Die Routine bzw. "Perfektion" ergibt sich von ganz allein. Mit mehr Völkern wirst du auch schneller Erfahrungen sammeln können.


    Gruß Chris

  • Hi,


    wenn du die Völker auf 2 Standplätze verteilst, hast du es deutlich gemütlicher.


    Dann kannst du an 2 Wochenenden schleudern und hast ggf. auch noch 2 "Sorten".


    Vor allem bringen nicht alle 30 Völker auch Honig. Einzelne Ausfälle sind normal.


    Wir sind bei ca. 40 Völkern, und haben eine 4 Waben-Schleuder, Entdecklungstisch


    und, frei nach dem Eichhörnchen, 5 Doppelsiebe. Klappt alles bestens.


    Gruss Joachim

  • 30 Völker mit meist 2 Ernten mit 20kg oder 50 kg oder 90 kg Honigertrag je Volk/Jahr marginaler Zuwachs gegenüber 7 Völkern, vor allem der Absatz der Honigmenge.

    Doppelsiebe funktionieren bei 4 Waben-Schleudern- bei 10 Rä oder mehr heisst es aufrüsten.